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Arbeitsmarkt: Umbau hin zu Dienstleistungen – Kurzarbeit sinkt drastisch

Schild der Bundesagentur für Arbeit

Der deutsche Arbeitsmarkt entspannt sich im September weiter. Die offizielle Arbeitslosigkeit sinkt im Monatsvergleich von 2,58 auf 2,46 Millionen betroffenen Personen. Die Arbeitslosenquote sinkt von 5,6 Prozent auf 5,4 Prozent. Die tatsächliche Arbeitslosenquote (dank jeder Menge aus der Statistik herausgerechneten Personen) sinkt von 7,2 Prozent auf 7,0 Prozent. Hier die Headline-Aussage der Bundesagentur für Arbeit im Wortlaut: „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiterhin positiv. Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung nehmen kräftig ab. Die Beschäftigung und der Stellenbestand wachsen und liegen wieder über ihrem jeweiligen Vorkrisenniveau, gleichzeitig sinkt die Zahl der Kurzarbeiter deutlich“.

Grafik zeigt Detaildaten zum deutschen Arbeitsmarkt im September

Kurzarbeit sinkt in großen Schritten

Nach aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit zu geprüften Anzeigen wurde vom 1. bis einschließlich 26. September für 70.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Die Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme von Kurzarbeit stehen bis Juli 2021 zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten im Juli für 927.000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt, im Juni waren es noch 1,59 Millionen betroffene Arbeitnehmer, im Mai 2,26 Millionen. Im Höhepunkt der Coronakrise im April 2020 waren 6 Millionen Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen. Übrigens: Laut der aktuellsten Veröffentlichung des ifo-Instituts vom 3. September sollen im August nur noch 688.000 Menschen in Kurzarbeit gewesen sein.

Grafik zeigt Verlauf der Kurzarbeit seit dem Jahr 2009

Umbau weg von Industrie, hin zu Dienstleistungen

Wer auf die neue Bundesregierung blickt, der darf getrost annehmen: Der Trend hin zu noch mehr Staat, noch mehr Bürokratie und Regularien wird sich verschärfen. Da dürfte es beim Staat und staatsnahen Dienstleistern, Vereinen etc jede Menge zu tun geben. Der Trend weg von der Industrie und hin zu mehr Dienstleistungsjobs ist jetzt schon klar erkennbar, auch wo die Elektroauto-Offensive in der Autoindustrie viele Jobs vernichtet. Da darf man froh sein in irgendeinem Bürojob eine neue Betätigung zu finden? Schon jetzt schafft die Bundesregierung in ehemaligen Kohlerevieren aktiv neue Verwaltungsjobs, als Ausgleich für verlorene Kohlejobs.

Die folgende Grafik der Bundesagentur für Arbeit aus ihrem heutigen Monatsbericht für den deutschen Arbeitsmarkt zeigt für den Monat Juni, in welchen Branchen im Jahresvergleich wie viele neue Jobs geschaffen oder verloren wurden. Verlieren tun die Industrie, das Gastgewerbe, der Bergbau, und die Herstellung von Vorleistungsgütern. Auf der Gewinnerseite sind Zeitarbeit, Pflegeberufe, Öffentlicher Dienst, Logistik, Lehrerberufe, Bau etc. Weg von der Produktion, hin zu Dienstleistungen – bei Volkswirtschaften mit einer großen Bevölkerung ist es langfristig ein Problem, wenn die industrielle Wertschöpfung als Basis erodiert – siehe Großbritannien seit der Thatcher-Ära.

Verluste und Zugewinne nach Branchen

Hinweis: In der ersten Fassung dieses Artikels hatten wir uns kritisch über die Tätigkeit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt geäußert. Nach Hinweis durch diese Stiftung und einen genaueren Blick auf ihre Tätigkeit haben wir die entsprechenden Passagen aus dem Text gestrichen.



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2 Kommentare

  1. Die Aussage „von der Industrie zur Dienstleistung“ trifft es nicht. Es muss heißen: „Von der produktiven Wertschöpfung zur Beschäftigungstherapie“. Ich verwende auch gern den Begriff der „Bullshit-Jobs“.

    Und am stärksten wächst die Tagelöhnerbranche. Aber das ist beim laufenden Umbau in eine Feudalökonomie ja auch nicht anders zu erwarten.

    Also alles wie gehabt. Der Konsum steigt und der produktive Teil schrumpft. Aber noch können FED und EZB die Differenz wegdrucken. Das geht noch so lange gut, wie China Dollar und Euro akzeptiert. Und das akzeptieren sie solange, bis sie all das global aufgekauft haben was auf ihrem Zettel steht. Also noch deutlich länger als die Crashpropheten vorhergesagt haben.

  2. Folgendes passt jetzt nicht direkt und auf den ersten Blick zu diesem Thema. Und doch muss ich mich fragen, wie geht es eigentlich Klein-Self-Britannien, den Brexiteers, die sich in einem historischen Befreiungsschlag der Fesseln einer grausamen EU-Diktatur entledigt hatten?
    https://www.n-tv.de/politik/Harte-Grenzen-harte-Zeiten-article22838466.html

    Mir fehlen die lauten, omnipräsenten und überzeugten Stimmen und Kommentatoren, die schon damals wussten, dass Separatismus und Nationalismus der einzig wahre Schritt zu Freiheit und Wohlstand sein könne. Die prädiktiven Schlaumeier und Alleswisser, bei denen es längst an der Zeit wäre, sich nun zu äußern, nachdem aus Spekulation und Nichtwissen Wirklichkeit wurde.

    Inzwischen verteufeln sie Dienstleistungen in einer Dienstleistungsgesellschaft als überflüssige Feudalökonomie und weinen altreligiösen Ideologien von produktiver Wertschöpfung hinterher. Es wirkt am Ende alles so, als erledigen sie nur Bullshit-Jobs.

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