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Arbeitsmarktdaten: Ein zunehmender Widerspruch, Ehrlichkeit zum Thema Flüchtlinge und eine sensationelle Erkenntnis

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die heute von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Arbeitsmarktdaten weiten den Widerspruch immer weiter aus, der latent vorhanden ist. Aber zuerst zu den „normalen“ Daten. Die offizielle (!) Arbeitslosigkeit in Deutschland lag im Januar bei 6,7%, ein satter Sprung von 6,1% im Dezember, aber laut Bundesagentur ein rein saisonal bedingter Effekt wg. Entlassungen bei Bau, Gastronomie etc im Winter. Dass die Arbeitslosigkeit tatsächlich gut 30% höher liegt, geschenkt. Vor einem Jahr lag die Quote im Januar noch bei 7%, und da es nur fair ist die selben Monate miteinander zu vergleichen, gibt es in der Tat eine kleine Verbesserung gegenüber Januar 2015.

Detlef Scheele Arbeitsmarktdaten
Detlef Scheele, vor Kurzem noch Sozialsenator in Hamburg, jetzt neues Vorstandsmitglied bei der Bundesagentur für Arbeit. Foto: Bundesagentur für Arbeit

Woher kommt ein guter Teil der neu geschaffenen Arbeitsplätze? Auch die heute neu erschienen Daten zeigen: Der Jobmotor schlechthin sind die Jobs für Sozialarbeiter und Betreuer in Flüchtlingsheimen sowie für das Wachpersonal in Flüchtlingsheimen. Darf man sich aus „makroökonomischer“ Sicht über diese neuen Arbeitsplätze freuen? Einerseits sind es keine strukturell dauerhaft etablierten Arbeitsplätze, andererseits werden die Gehälter, die evtl. von privaten Trägern kommen, letztendlich alle vom Staat bezahlt. Also freut sich der Staat über mehr Steuereinnahmen und mehr Sozialabgaben, die er vorher aber selbst an die Arbeitnehmer ausgeschüttet hat. Wie nennt man das? Drehtüreffekt? Linke Tasche rechte Tasche? Aber schimpfen wir jetzt in diesem Augenblick nicht zu viel – für die Menschen selbst ist es hier und jetzt positiv in Arbeit zu sein.

Gestern bei den Meldungen zu den Erwerbsdaten für Januar hörte man sogar für Norddeutschland Ökonomenstimmen, die von Vollbeschäftigung sprachen. Was theoretisch für Süddeutschland zutrifft mit 3 oder 4% Arbeitslosigkeit, kann für viele andere Regionen wie z.B. Norddeutchland mit oft doppelt so hohen Quoten nicht ernsthaft ausgesprochen werden. Die tatsächliche Zahl der offiziellen Arbeitslosen in Deutschland lag im Januar 2016 um 111.000 niedriger als im Januar 2015. Es läuft also. Gleichzeitig steigt aber die Zahl der offenen Stellen, also Stellen die von Arbeitgebern nicht besetzt werden können und daher bei der Arbeitsagentur gemeldet werden. Sie lag bei 580.000, und damit 95.000 mehr als noch vor einem Jahr.

Die Bundesagentur für Arbeit hat heute bestätigt, dass vor allem im Boom-Sektor Wachschutz für Flüchtlingsheime enormer Bedarf besteht – auch deshalb ist die Zahl der offenen Stellen auf so einem Rekordhoch. Die Frage: Wenn es anscheinend so schwierig ist viele Langzeitarbeitslose durch Nachschulungen besser zu qualifizieren und viele eine relativ niedrige Qualifikation mitbringen, warum ist es dann nicht möglich sie in großen Zahlen im Wachschutz unterzubringen, in dem man schnell eingearbeitet werden kann? Wo ist das Problem? Anscheinend passiert dies nicht, zumindest nicht in großem Umfang. Wir hatten auch in den letzten Monaten schon darauf hingewiesen: Wenn noch nicht einmal das funktioniert, wie möchte man hunderttausende Flüchtlinge ohne deutsche Sprachkenntnisse im deutschen Arbeitsmarkt unterbringen? Diese Frage richtet sich nicht gegen die Flüchtlinge, sondern gegen das Bundesarbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit. Einen Lösungsansatz für dieses Problem gibt es von den beiden bisher nicht. Und da kommen wir zu einem neuen Gesicht bei der Bundesagentur für Arbeit.

Arbeitslosigkeit Januar
Grafik: Bundesagentur für Arbeit

Ehrlichkeit zum Thema Flüchtlinge und eine sensationelle Erkenntnis

Detlef Scheele, seit 100 Tagen neues Vorstandsmitglied bei der Bundesagentur für Arbeit, gab gestern ein Interview gegenüber der SZ zum Thema Flüchtlinge und Arbeitsmarkt. Unter anderem sagte er:

„Wir sollten nicht zu hohe Erwartungen haben. Wenn es gut läuft, werden im ersten Jahr nach der Einreise vielleicht zehn Prozent eine Arbeit haben, nach fünf Jahren ist es die Hälfte, nach 15 Jahren 70 Prozent.“ Scheele rechnet damit, dass es Mitte des zweiten Quartals in den Jobcentern „so richtig losgeht“. Dann seien viele Asylbewerber anerkannt und könnten um Hilfe bitten. Die Bundesagentur für Arbeit kalkuliert dabei 2016 mit 350 000 Flüchtlingen, die auf die staatliche Grundsicherung (also Hartz IV) angewiesen sein werden.

Eine erfrischende Ehrlichkeit von Herrn Scheele. Es war bisher kaum vorstellbar, das Menschen ohne Sprachkenntnisse und vielfach ohne Berufsqualifikation sofort in Arbeit vermittelt werden können. Gut ist, dass die Bundesagentur sich über ihr neues Vorstandsmitglied Scheele jetzt „ehrlich macht“ und offen sagt, dass dieses Problem existiert!

Mit „sensationelle Erkenntnis“ möchten wir anerkennen, dass Herr Scheele gestern auch äußerte, dass Flüchtlinge auch mit bereits vorhandenen Arbeitslosen um Arbeitsplätze konkurrieren werden. So sagte er zur SZ:

„Das kann im Einzelfall so sein, wenn keine besondere Qualifikation gefragt ist. Einheimische Arbeitslose haben vor allem den Sprachvorteil. Flüchtlinge punkten durch Motivation, ihr jugendliches Alter und ihre Zielstrebigkeit. Die Menschen sind ja nicht hier her gekommen, um in einem Zeltlager zu bleiben. Sie wollen doch vorankommen“.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    leser

    2. Februar 2016 16:36 at 16:36

    Selbst die taz hat sich 2012 kritisch mit der Arbeitslosenstatistik befasst, https://www.taz.de/!5104050/ und darauf hingewiesen, dass das „Beschäftigungswunder“ in erster Linie auf den Anstieg der Teilzeitjobs zurück geführt werden kann.
    Eine Umrechnung in Vollzeitäquivalente und eine Umrechnung in Kaufkraftäquivalente, beides im Zeitreihenvergleich unter Herausrecnung aller in den letzten Jahrzehnten erfolgten Statistik-Revisionen, wäre sicherlich aufschlussreich.

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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am

„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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