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Arbeitsplatz-Boom in Deutschland auf Rekordniveau – parallel dazu das Desaster mit der Langzeitarbeitslosigkeit

Jetzt aktuell boomt der deutsche Arbeitsmarkt so stark wie nie. Die Zuwachsraten bei der Beschäftigung haben jetzt die Rekorde aus dem Jahr 2011 erreicht, und dieses Jahr wird es weiter kräftige...

FMW-Redaktion

Jetzt aktuell boomt der deutsche Arbeitsmarkt so stark wie nie. Die Zuwachsraten bei der Beschäftigung haben jetzt die Rekorde aus dem Jahr 2011 erreicht, und dieses Jahr wird es weiter kräftige Zuwächse geben. Ab nächsten Jahr wird dieses Boom-Tempo aber nicht mehr zu halten sein, so eine heutige Veröffentlichung des „Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung“ (IAB), einer Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit. 2018 würden so viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Deutschland entstehen, wie nie in einem Jahr zuvor. Zitat IAB:

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer hat im Januar den bisherigen Rekordstand aus dem Jahr 2011 wieder erreicht. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) steigt gegenüber dem Vormonat um 0,1 auf 105,0 Punkte. Damit zeigen sich sehr gute Aussichten für die Entwicklung des Arbeitsmarkts in den kommenden Monaten.

Der Anstieg des IAB-Arbeitsmarktbarometers kommt durch eine leichte Verbesserung der Aussichten für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit zustande. Die entsprechende Komponente erhöhte sich um gut 0,1 Punkte auf 102,6 Punkte. „Die Arbeitsagenturen erwarten, dass die starke Konjunktur weiterhin einen deutlichen Abbau der Arbeitslosigkeit ermöglicht“, sagt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.

Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers ist dagegen um knapp 0,1 Punkte gefallen, steht aber mit 107,3 Punkten nach wie vor auf außerordentlich hohem Niveau. „Der Zuwachs bei der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung dürfte 2018 so stark ausfallen wie noch nie“, so Weber. Damit sei der Jobboom auf seinem Höhepunkt: „Die großen Beschäftigungssteigerungen wären ohne Zuwanderung nicht möglich gewesen. Die demographische Schrumpfung wird dieser Entwicklung aber in den nächsten Jahren Grenzen setzen.“

Das Desaster mit der Langzeitarbeitslosigkeit

Die Sache mit dem Arbeitsplatz-Boom hört sich total super an. Irgendwie wissen es alle, aber es wirkt im Vergleich dazu schon fast lustig, wenn die IAB erst vor einer Woche noch titelt:

„Arbeitsaufnahmen von Arbeitslosengeld-II-Empfängern: Nachhaltige Integration bleibt schwierig“.

Aufgrund geringer Qualifikation bei den meisten Langzeitarbeitslosen würden diese oft schon nach wenigen Monaten wieder arbeitslos. Und wenn sie Arbeit hätten, wäre die Bezahlung so gering, dass sie trotzdem aufstocken müssten. Das ist allseits bekannt. Nur passt diese Info ja irgendwie nicht mit der obigen Jubelmeldung zusammen. Denn das Jobwunder soll ja nächstes Jahr nicht aufrecht erhalten werden können aufgrund der demografischen Probleme etc. Dabei gibt es doch mit den Langzeitarbeitslosen ein gigantisches Heer hunderttausender Menschen, die im Land zur Verfügung stehen. Alle sind perfekt datenmäßig erfasst und „verfügbar“. Sie müssten nur vernünftig qualifiziert statt nur in Maßnahmen „verwahrt“ werden um sie aus der Statistik streichen zu können. Oder sind sie einfach zu faul zum Arbeiten, wie manche behaupten? Diesen Berg von Langzeitarbeitslosen abzubauen, das wäre eine wirklich gute Leistung! Hier auszugsweise von der IAB:

Erwerbslose Arbeitslosengeld-II-Empfänger nehmen pro Jahr etwa eine Million sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse auf. Dabei handelt es sich häufig um Helfertätigkeiten im Niedriglohnbereich. Fast die Hälfte der Beschäftigungen dauert weniger als sechs Monate, zwei Fünftel mindestens zwölf Monate. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

In gut der Hälfte der Fälle endet der Arbeitslosengeld-II-Bezug mit der Beschäftigungsaufnahme zumindest vorübergehend. In den anderen Fällen reichte das erzielte Einkommen nicht aus, um den Leistungsbezug zu verlassen. Dabei spielen nicht nur die Entlohnung und der Stundenumfang der begonnenen Tätigkeit eine Rolle, sondern auch die Größe und die Einkommenssituation des gesamten Haushalts: „Bei großen Haushalten ohne andere Einkommensquellen führt auch eine Vollzeitbeschäftigung nicht unbedingt zum Ende des Leistungsbezugs“, erklären die Arbeitsmarktforscherinnen Kerstin Bruckmeier und Katrin Hohmeyer.

Für fast die Hälfte der Arbeitslosengeld-II-Empfänger, die aus der Erwerbslosigkeit heraus eine Beschäftigung aufgenommen haben, war dies bereits mindestens die fünfte Beschäftigungsaufnahme in den letzten fünf Jahren. Dabei zeigt sich in der IAB-Studie ein starker Zusammenhang zwischen kurzen Beschäftigungsdauern und dem Qualifikationsniveau. „Besonders schwer haben es Leistungsbezieher ohne abgeschlossene Berufsausbildung, dauerhaft in einer Beschäftigung zu verbleiben“, betonen Bruckmeier und Hohmeyer.

Auch im Hinblick auf die Art der Beschäftigungsverhältnisse und der Betriebe gibt es Unterschiede. „Fachlich ausgerichtete Tätigkeiten mit einer höheren Entlohnung in größeren Betrieben sind deutlich nachhaltiger“, so die IAB-Forscherinnen.

Zwei Fünftel der aufgenommenen Jobs sind jedoch Helfertätigkeiten. Vier Fünftel der aufgenommenen Vollzeitjobs liegen im Niedriglohnsektor. Die Niedriglohnschwelle für sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte ohne Auszubildende liegt bei rund 2.000 Euro brutto pro Monat.


„Offenbar gut gelaunte“ Antragsteller bei der Arbeitsagentur. Foto: Bundesagentur für Arbeit



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