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Argentinien ist wieder da: 15 Milliarden Dollar-Angebot 4 x überzeichnet

FMW-Redaktion

Argentinien ist zurück an Anleihemarkt, und die Nachfrage ist gewaltig. Zum ersten mal seit der Staatspleite 2001 begibt das Land eine frische „normale“ Anleihe. 15 Milliarden US-Dollar will man wohl noch heute am Markt platzieren. Die Nachfrage, wie aus Bankenkreisen zu höhren ist, soll mindestens 4 x höher sein als das Angebot, also 60 Milliarden Dollar oder mehr. Das zeigt den enormen Risikohunger von ausgehungerten Investoren…

Argentinien-Mauricio-Macri
Mauricio Macri, seit 10. Dezember 2015 Präsident von Argentinien – trotz persönlichem Briefkasten in Panama: Sein Land ist wohl ab heute wieder richtig liquide. Foto: Casa Rosada / Wikipedia (CC BY 2.5 ar)

Argentinien hat gehorcht und hat gleichzeitig einen guten Zeitpunkt erwischt. Einerseits hat man erst vor wenigen Tagen seine letzten nervigen Gläubiger in Gestalt von US-Hedgefonds mit hohen Zahlungsversprechen abgefunden – diese wird man durch die heutige Anleiheemission problemlos erfüllen können, weil man mit gut 1/3 des frischen Geldes die Hedgefonds auszahlt. Die Fonds hatten Argentinien regelrecht in die Enge gedrängt mit einer Blockade vor einem US-Gericht. Die wurde jetzt aufgehoben und man hat wieder freien Zugang zum internationalen Kreditmarkt.

Der Zeitpunkt für die Anleiheemission könnte fast nicht besser sein. Weltweit Nullzinsen, überall sind Anleiheinvestoren am Verhungern. Wer mehr Zinsen oder überhaupt Zinsen haben will, muss höhere Risiken eingehen. Und trotz Staatspleite vor gerade mal 15 Jahren zeigt sich der Markt von der neuen Macri-Regierung offenbar so überzeugt, dass man einen großen Vertrauensvorschuss gibt. Hier gibt´s Zinsen, alle rein da, so das Motto. Es mag inzwischen auch die Einsicht bei Investoren eingekehrt sein, dass es auch in „seriösen“ Märkten wie Europa keine Selbstverständlichkeit mehr ist seine Anleiheinvestitionen zurückzuerhalten (Griechenland / Österreich).

Dann kann man auch in ein gerade neu durchstartendes Land wie Argentinien investieren. Durch diese enorm starke Überzeichung war man in der Lage die zunächst angepeilten Zinssätze von um die 8% für 10jährige Anleihen leicht abzusenken. Bei Überzeichnung ist der Emittent im Vorteil. Ihr wollt alle kaufen, also kann ich mein Zinsangebot auch etwas absenken. Auch wenn das ein paar Käufer abschreckt, die Nachfrage ist immer noch viel größer als das Angebot. Aus Marktkreisen hört man, dass die 10jährigen vermutlich irgendwo um die 7,5% bringen werden.

Die Ratings der Agenturen für diese neue Emission werden entsprechend der Vorgeschichte Argentiniens wohl extrem niedrig angesetzt werden, aber das ist auch nicht anders zu erwarten. Eigentlich braucht kein Anleiheinvestor für diese Emission ein Rating, denn die Vorgeschichte und aktuelle Lage im Land ist nun wirklich kein Geheimnis. Außerdem sind Ratings oft viel zu langsam. Oft gibt´s die große Abwärtsanpassungen in Ratings erst dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Die Emission wird problemlos durchgehen. Ein gutes Zeichen für Argentinien, und ein kleiner Jubelschrei für die Anleger, die zum Zug kommen. Das Risiko ist ihnen bekannt – da kann niemand mehr behaupten er wusste nicht, wo er investiert. Diese 15 Milliarden Dollar-Emission ist die größte in einem Entwicklungsland seit 20 Jahren – ein Zeichen dafür, dass der globale Zinshunger sucht und findet!



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1 Kommentar

  1. Argentinien ist nur ein weiterer Sargnagel der weltweiten ultralockeren Geldpolitik!Die schier unendliche Menge an japanischem&europäischem Billiggeld,verschwindet nach irgendwo auf der Welt!Es fährt ein (Geld)zug nach nirgendwo mit Euch (Notenbanker)allein als Passagier…Einwohnertechnisch nennt man so etwas Landflucht.Finanztechnisch,Kapitalflucht!Ihr könnt demnächst sogar mit Eueren Geldhubschraubern alle Lufträume der Erde verletzen ohne abgeschossen zu werden.Vorausgesetzt der Geldstreuer ist an!Um den ganzen Wahnsinn einigermassen ertragen zu können,wende ich jetzt indische Entspannungstechniken an &warte auf den Wiedereintritt der Börsenraketen in die Athmosphäre.Wie hoch wird der Verglühungsfaktor wohl sein?

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