Folgen Sie uns

Devisen

Argentinien – Peso auf Talfahrt nach Sieg der Peronisten

Der argentinische Peso sackt nach der Wahl in Richtung Rekordtiefststände ab und signalisiert eine Verschärfung der Krise

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

In Argentinien zeichnet sich nach der Auszählung von 97 Prozent der Stimmen bei der Präsidentschaftswahl ein Sieg des Mitte-links-Bündnisses Frente de Todos (Front für alle) ab. Der von den USA unterstützte bisherige Präsident Mauricio Macri landet abgeschlagen auf Platz zwei.

Argentinien – Rückbesinnung auf die bereits Gescheiterten

Der neue Präsident Argentiniens und Peronist Alberto Ángel Fernández ist der ehemalige Kabinettsleiter der früheren Präsidentin Cristina Elisabet Fernández de Kirchner und ihres Amtsvorgängers und verstorbenen Ehemanns Néstor Kirchner. Cristina Kirchner bekleidete bis 2015 den höchsten politischen Posten des Staates und wurde wegen Misswirtschaft und Korruption aus dem Amt gewählt. Dabei ging es um Bestechungs- und Schwarzgelder in dreistelliger Millionenhöhe.

Als außenstehender Beobachter kann man es nur als Verzweiflungstat der Argentinier werten, dass sie ausgerechnet dieses Duo zurück in die Machtzentrale der nach Brasilien und Mexiko drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas gewählt haben. Gemessen an den Wahlversprechen des Bündnisses Frente de Todos und der früheren Politik der Peronisten dürfte sich das Staatsdefizit nun noch mehr ausweiten, die Inflation und der Protektionismus weiter zunehmen, Kapitalverkehrskontrollen verstärkt werden und die Zuversicht der Gläubiger, ihre Forderungen eintreiben zu können, weiter sinken.

Prof. Dr. Christoph Trebesch, Leiter Internationale Finanzmärkte und Global Governance beim ifw Kiel, hatte seine Befürchtungen für den Fall des Sieges von Fernández und Kirchner in Bezug auf die Bedienung des bisher größten Hilfskredits in der Geschichte des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 57 Mrd. US-Dollar folgendermaßen geäußert: „Angesichts der Größe des IWF-Programms ist sogar das Undenkbare denkbar: Argentinien könnte sich weigern, den IWF-Kredit wie vereinbart zurückzuzahlen. Käme es unter einer neuen Regierung zu einem Zahlungsausfall auf IWF-Kredite, wäre dies dauerhaft schädlich für die Reputation Argentiniens und die des IWF.“

Der argentinische Peso sackt nach Bekanntgabe der Zahlen zur Stimmenauszählung in Richtung Rekordtiefststände ab und signalisiert eine Verschärfung der Krise, die sich durch die Abwertung der Landeswährung und damit die Aufwertung der Dollar-Auslandsschulden weiter zuspitzt.

Der Peso im freien Fall

Bereits nach den in Argentinien üblichen Vorwahlen zu den eigentlichen Präsidentschaftswahlen am 11. August, bei denen sich das jetzige Ergebnisse bereits ankündigte, war der argentinische Peso gegenüber dem US-Dollar um mehr als 20 Prozent eingebrochen.

Das dicke Ende kommt erst noch

Die Ansprache des Wahlsiegers Alberto Fernández klang in Anbetracht der ausweglosen Schuldensituation Argentiniens dann auch mehr nach einer Durchhalteparole als nach Aufbruchstimmung: „Die kommenden Zeiten sind nicht einfach aber wir werden natürlich bei allem, was wir können, zusammenarbeiten, denn das Einzige, was und umtreibt, ist, dass die Argentinier ein für alle Mal aufhören zu leiden.“ Wie das geschehen soll, dafür gibt es keine neuen Rezepte vom neuen Präsidenten. Denkbar wären allerdings radikale Schritte in Richtung der Gläubiger. Ob sich das in Bezug auf die Reputation Argentiniens an den internationalen Kapitalmärkten zukünftig auszahlt, bleibt abzuwarten.

Alles andere als ein Schuldenschnitt oder zumindest eine langfristige Stundung von Zins- und Tilgungszahlungen, wie im Falle Griechenlands, würde die Krise in Argentinien gleichwohl nur noch verschärfen. Die Rating-Agenturen haben allen Gläubigern des Landes mit ihren Herabstufungen auf nur noch eine Stufe über Totalausfall bereits den möglichen Worst-Case signalisiert. Der ehemalige Finanzminister Hernán Lacunza hatte schon am 29. August in einem öffentlichen Statement die „Restrukturierung“ der argentinischen Staatsschulden verkündet. Seitdem ist Argentinien mit der Rückzahlung von 120 Mrd. US-Dollar säumig. Seit 1. September gelten zudem für Bürger und Unternehmen strenge Kapitalverkehrskontrollen, die den Außenhandel enorm belasten.

Die Finanzmärkte schauen mit Argusaugen auf die jüngsten Entwicklungen in Argentinien und den weiteren Verfall des argentinischen Peso. Vor allem die Wallstreet fürchtet einen erneuten Zahlungsausfall. Der Schaden könnte sich auf über 100 Mrd. US-Dollar beziffern. Mohamed El-Erian, der ehemalige Chef eines der größten Anleihefondsverwalters der Welt (Pimco), brachte es Anfang Oktober folgendermaßen auf den Punkt: „Der Erfolg oder das Scheitern von Macris Reformregierung hat eine Signalwirkung, die weit über Südamerika hinausreicht.“ Das Scheitern ist nun Fakt. Argentinien ist nicht das einzige Entwicklungsland, das wegen Dollarschulden in Schwierigkeiten geraten ist. Auch die Türkei, Venezuela und sogar China leiden unter zu hohen Schulden in US-Dollar.

Fazit und Ausblick

Die Belastungen für Argentinien drohen das Land wirtschaftlich zu erdrücken: über 53 Prozent Inflationsrate, 60 Prozent Leitzinsen, eine für dieses Jahr prognostizierte reale Wirtschaftsschrumpfung, eine allein in diesem Jahr um 60 Prozent auf Rekordtief kollabierte Landeswährung, massive Kapitalflucht sowie untragbare Auslandsschulden. Argentinien müsste allein in diesem Jahr 43 Mrd. US-Dollar Zins- und Tilgungszahlungen leisten, etwa sieben Prozent des BIP. Im vergangenen Jahr waren es noch 38 Mrd. US-Dollar.

Für das ohnehin fragile Weltfinanzsystem wäre ein Zahlungsausfall (Default) in der Dimension Argentiniens ein Fiasko. Es würde ein Dominoeffekt drohen, der das ohnehin angeschlagene Bankensystem noch mehr ins Wanken bringt und die Zentralbanken dazu zwingen würde, mit noch höherer Notfallliquidität zu intervenieren.

Nachd er Wahl geht Argentinien schweren Zeiten entgegen

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    rote_pille

    28. Oktober 2019 19:35 at 19:35

    Man kann durch Schuldenschnitte zwar die Altlasten loswerden, allerdings kann man sich danach eine Weile nicht mehr verschulden außer zu Mondzinsen. Die Regierenden müssen sich also fragen woher sie die Autorität nehmen den Parasitismus der Günstlinge aus allen Bevölkerungsschichten auf ein erträgliches Niveau zu reduzieren.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Die Lage im Dax, EZB-Politik, Siemens Energy, Ideen für türkische Lira und Varta-Aktie

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Wie sieht derzeit die Lage im Dax aus, und wie könnte der aktive Börsianer derzeit agieren um Gewinne in einem Seitwärtsmarkt mitzunehmen? Einige interessante Aussagen dazu macht ein Experte im folgenden Interview mit Manuel Koch. Auch erwähnt wird eine mögliche geldpolitische Wende seitens der EZB.

Zum Börsengang von Siemens Energy wird der CEO interviewt, sowie Robert Halver von der Baader Bank. Interessante Handelsempfehlungen der trading house Börsenakademie werden im Video auch besprochen. Bei Euro gegen türkische Lira bestehe eine gute Möglichkeit für einen LONG-Trade über das Vehikel einer Stop Buy-Order. Bei der Aktie von Varta könne man ebenfalls auf steigende Kurse setzen mit einer Market-Order.

weiterlesen

Devisen

Euro vs US-Dollar: Wird der Euro die 1,17 Marke verteidigen können?

Agata Janik

Veröffentlicht

am

Euro Geldscheine

Der Euro zum US-Dollar befindet sich langfristig nach wie vor in einem Aufwärtstrend. Der Major erfährt aber momentan eine gesunde Korrektur. Die Marke von 1,1700 spielt für den Euro jetzt eine wichtige Rolle. Dieses Niveau kann demnächst darüber entscheiden, ob der Euro vs USD seinen übergeordneten Aufwärtstrend fortsetzen wird oder nicht. Wer also längerfristig orientiert ist und kurz vor der Entscheidung steht, eine neue Position in EUR/USD zu eröffnen, ist sicherlich gut beraten, wenn er noch ein wenig Geduld mitbringt. Das weitere Schicksal vom Euro zum USD wird sich bald klären.

In der gestrigen Handelssitzung hat das Währungspaar erneut eine leichte Reaktion auf der Unterseite erfahren. Der Widerstand bei 1,1755 wurde zwar in der Nacht zum Mittwoch kurzfristig getestet, doch diese Hürde konnte in der asiatischen Session nicht überwunden werden. Im Chart hat sich ein Spike ausgebildet, der den Bullen schnell gezeigt hat, dass der Euro keine ausreichende Kraft entwickeln konnte, um diesen Widerstand nach oben zu durchbrechen. Diese bekannte Chartformation hat die Short-Trader sofort ins Spiel gebracht. Der Euro wurde gegen den USD abverkauft und der Major verlor erneut an Wert.

In den gestrigen Morgenstunden, hat sich die Abwärtsbewegung weiter beschleunigt. Auf dem Niveau von 1,1720 verlief zu diesem Zeitpunkt der wichtige 420er Moving Average. Diese Unterstützung hat nur kurzfristig gehalten. Als die Break-Out Trader aber dann zugeschlagen haben, gab es für den Euro keinen Halt mehr. Mit einem schnellen Move auf der Unterseite wurde der Ausbruch vollzogen. Der Euro vs USD ist tiefer gefallen und erreichte schon am frühen Vormittag die Unterstützung bei 1,1695. Dieser Support war stark und konnte den Euro vor einem weiteren Fall schützen. Unter der 1,1700 „big figure“ lagen viele Kauforders, die zu einem Rebound bei EUR/USD geführt haben.

Hilfreich dabei war auch der 120er Moving Average, der ebenfalls bei 1,1695 verlief.
In den Nachmittagsstunden, während der amerikanischen Session, konnte sich der Euro zum USD wieder ganz gut erholen. Die Bullen haben erneut zugeschlagen und den Kurs in die nördliche Richtung geschickt. Zwischenzeitlich erreichte der EUR/USD sogar die Marke von 1,1750. Dieser Widerstand hat aber dann gehalten. Die kurzfristigen Daytrader haben angefangen ihre Long-Positionen zu schließen und EUR/USD ist anschließend wieder leicht gefallen. Im späten Handel notierte der Major bei ca. 1,1720.

Der Tagesausblick für den Euro vs US-Dollar

Aktuell, am Donnerstagmorgen, notiert der Euro zum USD knapp über 1,1745. In der asiatischen Sitzung heute Nacht, bewegte sich das Währungspaar nur wenig. Die Volatilität war gering, weil sich viele Händler noch zurückhalten und auf den nächsten Ausbruch warten. Dieser wird wahrscheinlich am heutigen Tag stattfinden. Wenn es den Bullen gelingt, die 1,17 „big figure“ erfolgreich zu verteidigen, steigen die Chancen auf den Break-Out auf der Oberseite. Der nächste signifikante Widerstand befindet sich bei 1,1753. Sollte auch diese Hürde überwunden werden, kann der Major das Niveau von 1,1781. Ob die 1,1800 Marke heute erreicht wird, kann man momentan noch nicht sagen. Es wird von der Dynamik und der Indikatorenlage abhängig sein. Auf der Unterseite hat EUR/USD die wichtigste Unterstützung bei 1,1701. Dieser Bereich sollte halten, da sich ansonsten die Gesamtlage für den Euro verschlechtern würde. Der Daily Pivot Point beim Euro zum USD liegt heute bei 1,1720.

Chart zeigt Euro gegen US-Dollar

Die hier gezeigten Analysen stellen keine Anlageberatung dar und sind daher auch keine Empfehlung zum Kauf bzw. zum Verkauf eines Wertpapiers, eines Terminkontraktes oder eines sonstigen Finanzinstrumentes. Die Wertentwicklung der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse. Die bereitgestellten Analysen sind ausschließlich zur Information bestimmt und können ein individuelles Beratungsgespräch nicht ersetzen. Eine Haftung für mittelbare und unmittelbare Folgen aus diesen Vorschlägen ist somit ausgeschlossen.

weiterlesen

Devisen

Schweizer Franken: Die verpuffte 90 Milliarden-Intervention der Schweizerischen Nationalbank

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Mehrere Schweizer Franken-Geldscheine

Der Schweizer Franken soll gefälligst abwerten, so die Hoffnung und das Drängen, welches die Schweizerische Nationalbank (SNB) seit Jahren von sich gibt. Denn je höher der Franken notiert, desto teurer werden Schweizer Produkte im Ausland, und desto teurer wird die Schweiz für ausländische Touristen. Deswegen interveniert die SNB seit Jahren am Devisenmarkt. Es werden vereinfacht ausgedrückt Schweizer Franken gedruckt, und dann gegen Euro und US-Dollar verkauft. Damit sollen diese Währungen steigen und der Franken fallen.

Gigantische Summen werden aufgewendet für die Franken-Schwächung

Aber seit Jahren scheitert die Schweizerische Nationalbank mit ihrer Politik. Denn der Schweizer Franken wertete weiter auf, anstatt wie gewünscht zu fallen. Alleine von Anfang 2018 bis Ende 2019 verlor der Euro gegen den Franken von 1,1750 auf 1,0850. Eine deutliche Aufwertung im Schweizer Franken fand also statt. Und dann, im Corona-Jahr 2020? Der Drang in den „Sicheren Hafen“ wie Gold oder Franken zu fliehen, ist latent vorhanden. Wie man heute aus frisch veröffentlichten Bilanzdaten der Schweizerischen Nationalbank ersehen kann, hat sie in den ersten sechs Monaten des Jahres 90 Milliarden Franken für Deviseninterventionen ausgegeben, um den Franken zu schwächen!

Schweizer Franken tut nicht was die SNB will

Mit wenig Erfolg, um es freundlich auszudrücken. Der folgende Chart zeigt seit Oktober 2019, wie Euro gegen Schweizer Franken (Linie in rot-grün) von 1,0850 auf 1,0640 noch weiter verloren hat. Also hat der Franken weiter aufgewertet, obwohl die Schweizerische Nationalbank 90 Milliarden Franken einsetzte, um eine Abwertung zu bewirken! Im Chart zeigen wir als blaue Linie parallel die Entwicklung von Euro gegen US-Dollar. Dass der Euro gegen den Franken seit  Sommer wieder ansteigt (Franken-Abwertung), wird wohl kaum am schwächeren Franken oder an SNB-Interventionen liegen, sondern eher an der eigenen Stärke des Euro! Die blaue Linie zeigt nämlich, wie der Euro auch gegen den US-Dollar seit Mai deutlich gestiegen ist.

Chart zeigt Euro gegen Schweizer Franken und Euro gegen US-Dollar

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen