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Argentinien – Finanzmärkte zittern vor der Schicksalswahl am Sonntag

Hannes Zipfel

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Flagge Argentinien

Als hätten die Anleihemärkte in den USA nicht schon genug Stress, der die Fed sogar zu Notfallmaßnahmen erschreckenden Ausmaßes zwingt, rückt mit den morgigen Präsidentschaftswahlen in Argentinien ein weiterer Unsicherheitsfaktor in den Fokus der Investoren.

Argentinien – das Comeback der Cristina Kirchner

Die linksgerichtete Cristina Elisabet Fernández de Kirchner war in Argentinien bis 2015 Präsidentin und ist heute Senatorin im Nationalkongress. Bei den für morgen anstehenden Wahlen ist sie zusammen mit Ihrem ehemaligen Kabinettsleiter Alberto Fernández die aussichtsreichste und für die Finanzmärkte gefährlichste Kandidatin. Zwar tritt sie wegen Korruptionsvorwürfen nur als Vizepräsidentin für die Frente de Todos an, dennoch liegt die Vermutung nahe, dass sie in dem Duo mit ihrem früheren Mitarbeiter starken Einfluss auf den möglichen nächsten Präsidenten Alberto Fernández haben wird. Kirchner gilt in Argentinien als eine der einflussreichsten Politikerinnen. Sie hatte das Amt der Staatspräsidentin von ihrem verstorbenen Mann Néstor Kirchner im Jahr 2007 politisch geerbt und wurde 2011 wiedergewählt.

Der wirtschaftliche Niedergang Argentiniens, Korruptionsvorwürfe und vor allem die grassierende Inflation kosteten sie 2015 das Amt, das fortan von dem rechtsgerichteten ehemaligen Bürgermeister von Buenos Aires, Mauricio Macri, geführt wurde. Der Westen, v. a. die US-Investoren, hatten große Hoffnungen in den marktliberalen Sohn eines Großindustriellen gesetzt. Macri wurde zugetraut, die südamerikanische Republik nach amerikanischem Vorbild umzustrukturieren und wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Dass der ehemalige Automobil-Manager wegen Schmuggels vorbestraft ist, wurde dabei als Randnotiz vernachlässigt.

Doch seine politische Bilanz nach vier Jahren sieht düster aus. Die Inflation hat sich seit seiner Amtseinführung von 30 auf über 50 Prozent erhöht. Macri hatte innerhalb von nur zwei Jahren 45 Mrd. US-Dollar im Ausland geliehen. Die Staatsverschuldung hat sich verdoppelt und die Schuldenlast ist nicht mehr tragfähig. Auch die Freigabe des Wechselkurses hat sich als fataler Fehler erwiesen. Statt 10 Peso pro US-Dollar zu seinem Amtsantritt müssen die Argentinier nun 60 Peso pro US-Dollar bezahlen. Die Schulden in US-Dollar haben sich im gleichen Zeitraum versechsfacht. In der Oktober-Ausgabe „Policy Brief“ beschreiben Angelica Dominguez-Cardoza und Prof. Dr. Christoph Trebesch vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel detailliert die Ursachen für den unaufhaltsamen Absturz des einstigen ökonomischen Hoffnungsträgers Lateinamerikas.

Nur noch eine Stufe vor dem Bankrott

Ohne einen Notkredite des IWF in Höhe von insgesamt 57 Mrd. US-Dollar und Kapitalverkehrskontrollen wären die Fremdwährungsreserven der Banco Central de la República Argentina (BCRA) bereits erschöpft und das Land erneut bankrott. Die BCRA hatte versucht, sich mit Devisenmarktinterventionen gegen den Verfall der Landeswährung zu stemmen und dabei nahezu ihre kompletten Dollarreserven aufgebraucht. Im Zuge dessen musste Argentinien die Bedienung von Zins- und Tilgungszahlungen an internationale Gläubiger verschieben, was de facto einem Teilausfall entspricht. Zuletzt hatten daher alle drei großen Rating-Agenturen, Standard & Poors, Moody´s und Fitch, das Rating Argentiniens auf nur noch eine Stufe über „Totalausfall“ abgestuft. Die bislang größte vom IWF gewährte Kredithilfe aus dem Jahr 2018 ist damit nahezu wirkungslos verpufft (Diagramm vom Kieler Institut für Weltwirtschaft):

Argentinien größtes IWF-Programm

Argentinischer Peso im freien Fall

Hauptursache für die Misere Argentiniens ist, wie auch in anderen Entwicklungsländern, die hohe Auslandsverschuldung in US-Dollar, die zusammen mit dem Haushaltsdefizit, der hohen Inflation von aktuell über 50 Prozent sowie der sinkenden Wirtschaftsleistung zu einem starken Verfall der Landeswährung geführt hat. Dies wiederum mündete in einen Teufelskreis, in dem durch jedes Prozent Abwertung des argentinischen Pesos die Dollar-Schulden weiter aufwerten.

Seit der richtungsweisenden Vorwahl am 11. August, bei der Kirchner und Fernández als Sieger hervorgingen, hat die Landeswährung nochmals 20 Prozent ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar eingebüßt. Seit der Amtsübernahme durch den Favoriten der Wallstreet Macri im Jahr 2015 hat der Peso in Summe 85 Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet. Offenbar spielt es schon gar keine Rolle mehr, welcher politische Flügel das Land regiert. Die strukturellen Probleme sind einfach zu groß und nur noch durch einen Re-Set lösbar. Dieser würde jedoch so starke Schockwellen durch das globale Finanzsystem schicken, dass man einen Default des Landes um jeden Preis verhindern will – koste es , was es wolle.

Argentinischer Peso vs USD

Die Wahrscheinlichkeit für ein politisches Erdbeben ist sehr hoch

Wenn morgen, wie von den Demoskopen erwartet, die Frente de Todos gewinnt, dann würde das ein politisches Erdbeben bedeuten und der IWF könnte seine Forderungen nach marktliberalen Strukturreformen vergessen und sein zweistelliges Milliardendollardarlehen größtenteils abschreiben.

Prof. Dr. Christoph Trebesch, Leiter Internationale Finanzmärkte und Global Governance beim ifw Kiel befürchtet: „Angesichts der Größe des IWF-Programms ist sogar das Undenkbare denkbar: Argentinien könnte sich weigern, den IWF-Kredit wie vereinbart zurückzuzahlen. Käme es unter einer neuen Regierung zu einem Zahlungsausfall auf IWF-Kredite, wäre dies dauerhaft schädlich für die Reputation Argentiniens und die des IWF.“

Für einen Sieg reicht dem linken Spitzenduo Fernández und Kirchner nach argentinischem Wahlrecht bereits eine relative Mehrheit von 45 Prozent der Stimmen. Es könnten sogar nur 40 Prozent der Stimmen genügen, sofern der zweitplatzierte Kandidat mindestens 10 Prozent weniger Stimmen erhält. Nimmt man die aktuellen Umfragen und das Ergebnis der Vorwahlen aus dem Sommer als Maßstab, dann könnte es bequem für Kirchner und Fernández reichen. Am 11. August holten die beiden Kandidaten der Frente de Todos 47,65 Prozent der Stimmen. Der Amtsinhaber Mauricio Macri und sein Vizepräsident Miguel Ángel Pichetto von der Juntos por el Cambio landeten mit 32,08 Prozent weit abgeschlagen auf Platz zwei.

Die übliche IWF-Medizin wirkt erneut verheerend

Dass es überhaupt zu einer Rückbesinnung der Wähler Argentiniens zu Frau Kirchner kommt, liegt auch an der schon so oft kritisierten Reform-Medizin des IWF. Als Bedingung für den milliardenschweren Notfallkredit forderte die damalige IWF-Chefin Lagarde umfangreiche Kosteneinsparungen zur Reduzierung des Staatsdefizits. Das „zu Tode Sparen“ hat sich schon so oft als fataler Brandbeschleuniger in Schuldenkrisen erwiesen – doch Frau Lagarde hat daraus offensichtlich nichts gelernt, oder nichts lernen wollen. Interessant ist, dass Sie auf der anderen Seite von den Industrienationen, wie aktuell von Deutschland, massive schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme einfordert. Doch die verdeckte Intention bei der Gewährung von Notkrediten des IWF war häufig schon eine ganz andere: Nach dem Prinzip „Loan-to-own“ vergab die von den USA dominierte Institution an überschuldete Staaten Kredite zu unerfüllbaren Auflagen. Wenn dann anschließend die Forderungen erwartungsgemäß notleidend wurden, wuchs der politische und wirtschaftliche Einfluss in diesem Land. Wer den IWF dominiert, der dominiert eben auch die abhängigen Schuldner des IWF.

Fazit und Ausblick

Folgen die Wahlergebnisse am kommenden Sonntag denen der Vorwahlen vom 11. August, dann wird die Nervosität an den Bondmärkten weiter steigen. Vor allem US-Investoren sind in dem lateinamerikanischen Land mit zweistelligen Milliardenbeträgen engagiert und haben dabei voll auf den nun wahrscheinlich scheidenden Präsidenten Mauricio Macri gesetzt. Der Stress im Finanzsystem würde im Falle eines Sieges von Frau Kirchner und ihres Präsidenten Fernández weiter zunehmen und die Zentralbanken sowie den IWF zu weiteren Notfallmaßnahmen nötigen.

3 Kommentare

3 Comments

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    Hesterberg

    27. Oktober 2019 00:06 at 00:06

    Ich bin wirklich sehr gespannt darauf, wann der Kollaps des weltweiten Finanzsystems eintreten und was der Auslöser sein wird. Eines ist dabei ganz sicher, der unvermeidbare Crash wird derart heftig werden, dass er die Vorstellungskraft vieler Marktteilnehmer übersteigen wird. Wer die einsetzende Panik noch nie erlebt hat, kann sich ihr mögliches Ausmaß auch tatsächlich nicht vorstellen. Es bedarf inzwischen keines Großereignisses mehr, um die Stimmung an den Märkten zu kippen. Wer mit gesundem Menschenverstand ausgestattet ist, weiß, dass wir unweigerlich dem Ende zusteuern. Die Anhänger des Keynesianismus werden von der Realität brutal eingeholt werden und sie werden zu der Gruppe gehören, die am meisten verlieren.

  2. Avatar

    Stressforscher

    27. Oktober 2019 07:53 at 07:53

    Könnte denn der Stress am US-Repo Markt nicht etwas mit den zu erwarteten Verlusten in Argentinien zu tun haben? Bei der Griechenland- Rettung haben doch einige Banken schön mitverdient , könnte diesmal anderst sein, wenn die Spekulation auf Rettung nicht aufgeht.

  3. Avatar

    Beobachter

    27. Oktober 2019 13:00 at 13:00

    Die neue Geldschwemme der Fed geht anscheinend nicht in die Wirtschaft u.nicht an die Aktienmärkte
    ( kleine Volumen) sondern muss gemäss eines Berichts hauptsächlich als Reserve ( für was ? ? ) gehalten werden.Da ist etwas im Busch was uns beim Hervorkommen Alle erschrecken könnte. Gibt es keine Insider?
    Bitte googeln: J.P. MORGAN WARNT VOR LAGE AM GELDMARKT ( Finanzen net)
    Diese neue Geldschwemme könnte ein Rohrkrepierer sein u.statt als neuer Aktienturbo eher als Investition in ein Pannenfahrzeug für die kaputten Finanzmärkte gedacht sein.

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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