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Argentinien – Finanzmärkte zittern vor der Schicksalswahl am Sonntag

Hannes Zipfel

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Flagge Argentinien

Als hätten die Anleihemärkte in den USA nicht schon genug Stress, der die Fed sogar zu Notfallmaßnahmen erschreckenden Ausmaßes zwingt, rückt mit den morgigen Präsidentschaftswahlen in Argentinien ein weiterer Unsicherheitsfaktor in den Fokus der Investoren.

Argentinien – das Comeback der Cristina Kirchner

Die linksgerichtete Cristina Elisabet Fernández de Kirchner war in Argentinien bis 2015 Präsidentin und ist heute Senatorin im Nationalkongress. Bei den für morgen anstehenden Wahlen ist sie zusammen mit Ihrem ehemaligen Kabinettsleiter Alberto Fernández die aussichtsreichste und für die Finanzmärkte gefährlichste Kandidatin. Zwar tritt sie wegen Korruptionsvorwürfen nur als Vizepräsidentin für die Frente de Todos an, dennoch liegt die Vermutung nahe, dass sie in dem Duo mit ihrem früheren Mitarbeiter starken Einfluss auf den möglichen nächsten Präsidenten Alberto Fernández haben wird. Kirchner gilt in Argentinien als eine der einflussreichsten Politikerinnen. Sie hatte das Amt der Staatspräsidentin von ihrem verstorbenen Mann Néstor Kirchner im Jahr 2007 politisch geerbt und wurde 2011 wiedergewählt.

Der wirtschaftliche Niedergang Argentiniens, Korruptionsvorwürfe und vor allem die grassierende Inflation kosteten sie 2015 das Amt, das fortan von dem rechtsgerichteten ehemaligen Bürgermeister von Buenos Aires, Mauricio Macri, geführt wurde. Der Westen, v. a. die US-Investoren, hatten große Hoffnungen in den marktliberalen Sohn eines Großindustriellen gesetzt. Macri wurde zugetraut, die südamerikanische Republik nach amerikanischem Vorbild umzustrukturieren und wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Dass der ehemalige Automobil-Manager wegen Schmuggels vorbestraft ist, wurde dabei als Randnotiz vernachlässigt.

Doch seine politische Bilanz nach vier Jahren sieht düster aus. Die Inflation hat sich seit seiner Amtseinführung von 30 auf über 50 Prozent erhöht. Macri hatte innerhalb von nur zwei Jahren 45 Mrd. US-Dollar im Ausland geliehen. Die Staatsverschuldung hat sich verdoppelt und die Schuldenlast ist nicht mehr tragfähig. Auch die Freigabe des Wechselkurses hat sich als fataler Fehler erwiesen. Statt 10 Peso pro US-Dollar zu seinem Amtsantritt müssen die Argentinier nun 60 Peso pro US-Dollar bezahlen. Die Schulden in US-Dollar haben sich im gleichen Zeitraum versechsfacht. In der Oktober-Ausgabe „Policy Brief“ beschreiben Angelica Dominguez-Cardoza und Prof. Dr. Christoph Trebesch vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel detailliert die Ursachen für den unaufhaltsamen Absturz des einstigen ökonomischen Hoffnungsträgers Lateinamerikas.

Nur noch eine Stufe vor dem Bankrott

Ohne einen Notkredite des IWF in Höhe von insgesamt 57 Mrd. US-Dollar und Kapitalverkehrskontrollen wären die Fremdwährungsreserven der Banco Central de la República Argentina (BCRA) bereits erschöpft und das Land erneut bankrott. Die BCRA hatte versucht, sich mit Devisenmarktinterventionen gegen den Verfall der Landeswährung zu stemmen und dabei nahezu ihre kompletten Dollarreserven aufgebraucht. Im Zuge dessen musste Argentinien die Bedienung von Zins- und Tilgungszahlungen an internationale Gläubiger verschieben, was de facto einem Teilausfall entspricht. Zuletzt hatten daher alle drei großen Rating-Agenturen, Standard & Poors, Moody´s und Fitch, das Rating Argentiniens auf nur noch eine Stufe über „Totalausfall“ abgestuft. Die bislang größte vom IWF gewährte Kredithilfe aus dem Jahr 2018 ist damit nahezu wirkungslos verpufft (Diagramm vom Kieler Institut für Weltwirtschaft):

Argentinien größtes IWF-Programm

Argentinischer Peso im freien Fall

Hauptursache für die Misere Argentiniens ist, wie auch in anderen Entwicklungsländern, die hohe Auslandsverschuldung in US-Dollar, die zusammen mit dem Haushaltsdefizit, der hohen Inflation von aktuell über 50 Prozent sowie der sinkenden Wirtschaftsleistung zu einem starken Verfall der Landeswährung geführt hat. Dies wiederum mündete in einen Teufelskreis, in dem durch jedes Prozent Abwertung des argentinischen Pesos die Dollar-Schulden weiter aufwerten.

Seit der richtungsweisenden Vorwahl am 11. August, bei der Kirchner und Fernández als Sieger hervorgingen, hat die Landeswährung nochmals 20 Prozent ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar eingebüßt. Seit der Amtsübernahme durch den Favoriten der Wallstreet Macri im Jahr 2015 hat der Peso in Summe 85 Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet. Offenbar spielt es schon gar keine Rolle mehr, welcher politische Flügel das Land regiert. Die strukturellen Probleme sind einfach zu groß und nur noch durch einen Re-Set lösbar. Dieser würde jedoch so starke Schockwellen durch das globale Finanzsystem schicken, dass man einen Default des Landes um jeden Preis verhindern will – koste es , was es wolle.

Argentinischer Peso vs USD

Die Wahrscheinlichkeit für ein politisches Erdbeben ist sehr hoch

Wenn morgen, wie von den Demoskopen erwartet, die Frente de Todos gewinnt, dann würde das ein politisches Erdbeben bedeuten und der IWF könnte seine Forderungen nach marktliberalen Strukturreformen vergessen und sein zweistelliges Milliardendollardarlehen größtenteils abschreiben.

Prof. Dr. Christoph Trebesch, Leiter Internationale Finanzmärkte und Global Governance beim ifw Kiel befürchtet: „Angesichts der Größe des IWF-Programms ist sogar das Undenkbare denkbar: Argentinien könnte sich weigern, den IWF-Kredit wie vereinbart zurückzuzahlen. Käme es unter einer neuen Regierung zu einem Zahlungsausfall auf IWF-Kredite, wäre dies dauerhaft schädlich für die Reputation Argentiniens und die des IWF.“

Für einen Sieg reicht dem linken Spitzenduo Fernández und Kirchner nach argentinischem Wahlrecht bereits eine relative Mehrheit von 45 Prozent der Stimmen. Es könnten sogar nur 40 Prozent der Stimmen genügen, sofern der zweitplatzierte Kandidat mindestens 10 Prozent weniger Stimmen erhält. Nimmt man die aktuellen Umfragen und das Ergebnis der Vorwahlen aus dem Sommer als Maßstab, dann könnte es bequem für Kirchner und Fernández reichen. Am 11. August holten die beiden Kandidaten der Frente de Todos 47,65 Prozent der Stimmen. Der Amtsinhaber Mauricio Macri und sein Vizepräsident Miguel Ángel Pichetto von der Juntos por el Cambio landeten mit 32,08 Prozent weit abgeschlagen auf Platz zwei.

Die übliche IWF-Medizin wirkt erneut verheerend

Dass es überhaupt zu einer Rückbesinnung der Wähler Argentiniens zu Frau Kirchner kommt, liegt auch an der schon so oft kritisierten Reform-Medizin des IWF. Als Bedingung für den milliardenschweren Notfallkredit forderte die damalige IWF-Chefin Lagarde umfangreiche Kosteneinsparungen zur Reduzierung des Staatsdefizits. Das „zu Tode Sparen“ hat sich schon so oft als fataler Brandbeschleuniger in Schuldenkrisen erwiesen – doch Frau Lagarde hat daraus offensichtlich nichts gelernt, oder nichts lernen wollen. Interessant ist, dass Sie auf der anderen Seite von den Industrienationen, wie aktuell von Deutschland, massive schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme einfordert. Doch die verdeckte Intention bei der Gewährung von Notkrediten des IWF war häufig schon eine ganz andere: Nach dem Prinzip „Loan-to-own“ vergab die von den USA dominierte Institution an überschuldete Staaten Kredite zu unerfüllbaren Auflagen. Wenn dann anschließend die Forderungen erwartungsgemäß notleidend wurden, wuchs der politische und wirtschaftliche Einfluss in diesem Land. Wer den IWF dominiert, der dominiert eben auch die abhängigen Schuldner des IWF.

Fazit und Ausblick

Folgen die Wahlergebnisse am kommenden Sonntag denen der Vorwahlen vom 11. August, dann wird die Nervosität an den Bondmärkten weiter steigen. Vor allem US-Investoren sind in dem lateinamerikanischen Land mit zweistelligen Milliardenbeträgen engagiert und haben dabei voll auf den nun wahrscheinlich scheidenden Präsidenten Mauricio Macri gesetzt. Der Stress im Finanzsystem würde im Falle eines Sieges von Frau Kirchner und ihres Präsidenten Fernández weiter zunehmen und die Zentralbanken sowie den IWF zu weiteren Notfallmaßnahmen nötigen.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Hesterberg

    27. Oktober 2019 00:06 at 00:06

    Ich bin wirklich sehr gespannt darauf, wann der Kollaps des weltweiten Finanzsystems eintreten und was der Auslöser sein wird. Eines ist dabei ganz sicher, der unvermeidbare Crash wird derart heftig werden, dass er die Vorstellungskraft vieler Marktteilnehmer übersteigen wird. Wer die einsetzende Panik noch nie erlebt hat, kann sich ihr mögliches Ausmaß auch tatsächlich nicht vorstellen. Es bedarf inzwischen keines Großereignisses mehr, um die Stimmung an den Märkten zu kippen. Wer mit gesundem Menschenverstand ausgestattet ist, weiß, dass wir unweigerlich dem Ende zusteuern. Die Anhänger des Keynesianismus werden von der Realität brutal eingeholt werden und sie werden zu der Gruppe gehören, die am meisten verlieren.

  2. Avatar

    Stressforscher

    27. Oktober 2019 07:53 at 07:53

    Könnte denn der Stress am US-Repo Markt nicht etwas mit den zu erwarteten Verlusten in Argentinien zu tun haben? Bei der Griechenland- Rettung haben doch einige Banken schön mitverdient , könnte diesmal anderst sein, wenn die Spekulation auf Rettung nicht aufgeht.

  3. Avatar

    Beobachter

    27. Oktober 2019 13:00 at 13:00

    Die neue Geldschwemme der Fed geht anscheinend nicht in die Wirtschaft u.nicht an die Aktienmärkte
    ( kleine Volumen) sondern muss gemäss eines Berichts hauptsächlich als Reserve ( für was ? ? ) gehalten werden.Da ist etwas im Busch was uns beim Hervorkommen Alle erschrecken könnte. Gibt es keine Insider?
    Bitte googeln: J.P. MORGAN WARNT VOR LAGE AM GELDMARKT ( Finanzen net)
    Diese neue Geldschwemme könnte ein Rohrkrepierer sein u.statt als neuer Aktienturbo eher als Investition in ein Pannenfahrzeug für die kaputten Finanzmärkte gedacht sein.

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Autoindustrie: Zulieferer bauen massenweise Stellen ab

Claudio Kummerfeld

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Autos am Abstellplatz - Zulieferer der Autoindustrie mit Stellenabbau

Die deutsche Autoindustrie steht vor dem Doppelproblem der Coronakrise sowie des Strukturwandels, hin zu E-Autos und Brennstoffzelle. Die Krise hatte aber schon vor dem Ausbruch des Coronavirus begonnen. Seit Monaten läuft die Welle der Entlassungen in der Autoindustrie. Von der breiten Öffentlichkeit wenig beachtet, sind es vor allem die Zulieferer, die in großem Stil Stellen abbauen. Hier ein paar Beispiele von den ganz Großen der Branche.

Zulieferer der Autoindustrie mit massivem Stellenabbau

Einer der Giganten der Zulieferer für die deutsche Autoindustrie ist Continental. Erst Anfang September verkündete man den Abbau von 30.000 Stellen, 13.000 davon alleine in Deutschland (bislang 59.000 Mitarbeiter in Deutschland). Dazu hier nur ein ganz kurzer Auszug aus der Meldung von Continental:

Die gesamte Autoindustrie hat derzeit gewaltige Herausforderungen zu bewältigen. Keine ihrer Krisen der vergangenen 70 Jahre war größer und schärfer. Sie trifft die Zulieferer besonders hart. Sie verlangt uns kurzfristig schon sehr viel ab und fordert uns auf Jahre bis zum Äußersten. Nach etwa einem Jahrzehnt des schnellen, profitablen Wachstums und Beschäftigungsaufbaus entlang des bisherigen Wachstumsmodells der Autoindustrie richten wir uns jetzt auf eine neue Art des Wachstums mit Zukunftstechnologien aus.

ZF Friedrichshafen

Das Unternehmen ZF Friedrichshafen ist ebenfalls einer der ganz großen Zulieferer in der Autoindustrie. Auch hier werden laut Meldung des Unternehmens Stellen abgebaut. Aber das Anbieten von Abfindungen, Altersteilzeit etc klingt doch besser als Entlassung? Zitat vom Unternehmen:

In Deutschland hat das Unternehmen dazu den „Tarifvertrag Transformation“ mit der Arbeitnehmervertretung und den Gewerkschaften geschlossen. Er sieht vor, dass ZF bis Ende 2022 keine betriebsbedingten Kündigungen ausspricht und keine Standorte in Deutschland schließt. Im Gegenzug erhält das Unternehmen die Möglichkeit, die Arbeitszeiten von Tarifmitarbeitern um bis zu 20 Prozent zu reduzieren und gezielt Abfindungs- und Altersteilzeitpakete in Deutschland anzubieten. Seit Mitte des vergangenen Jahres hat ZF weltweit 5.300 Stellen abgebaut, davon allein 3.800 seit Jahresbeginn.

Mahle

Erst gestern hat der Autozulieferer Mahle verkündet 7.600 Stellen streichen zu wollen, 2.000 davon in Deutschland. Man habe seine Geschäftseinheiten, Regionen und Standorte eingehend bewertet und globale Überkapazitäten von 7.600 Stellen ermittelt, so drückt man es aus. Aus den folgenden Worten des Unternehmens kann man entnehmen, dass die Lage in der deutschen Autoindustrie wohl doch dramatischer ist, als man es annehmen möchte. Zitat Mahle:

Bereits im letzten Jahr hatte MAHLE vor dem Hintergrund des technologischen Wandels in der Automobilindustrie und eines anspruchsvollen Marktumfeldes umfassende Kostenspar- und Restrukturierungsprogramme eingeleitet. Durch die massiven Einbrüche der internationalen Märkte und die anhaltend niedrigen Kundenabrufe als Folge der Corona-Pandemie hat sich der Handlungsdruck nochmals deutlich verschärft. MAHLE prognostiziert eine Rückkehr der Fahrzeugmärkte zum Vorkrisen-Niveau erst in mehreren Jahren. Zugleich bleibt das Vorantreiben der technologischen Transformation unerlässlich.

Schaeffler

Auch Schaeffler ist ein Großer der Branche. Bis Ende 2020 will man weitere 4.400 Stellen in Deutschland und Europa abbauen. Betroffen sind der Stammsitz in Herzogenaurach, sowie elf weitere Standorte in Deutschland und zwei im Ausland. Für die Standorte Wuppertal und Clausthal-Zellerfeld wird eine Komplettschließung nicht mehr ausgeschlossen, so Schaeffler in seiner Mitteilung vom 9. September. Neben Mahle erkennt man auch in den Aussagen von Schaeffler klar, dass die Krise der Autoindustrie und ihrer Zulieferer schon lange vor der Coronakrise begann. Zitat:

Der weltweit tätige Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hatte bereits im Jahr 2018 angesichts der sich abzeichnenden technologischen und regulatorischen Veränderungen sowie geänderter Kundenanforderungen begonnen, seinen europäischen Werkeverbund anzupassen, die Organisation zu verschlanken und stärker auf die Bedürfnisse der Sparten auszurichten. Vor diesem Hintergrund wurde im November 2018 die Präsenz in Großbritannien um drei Standorte reduziert. Zudem wurde im Frühjahr 2019 in der Sparte Automotive OEM das Effizienzprogramm RACE etabliert, dem im Verlauf desselben Jahres die Spartenprogramme GRIP (Automotive Aftermarket) und FIT (Industrie) folgten. Im Rahmen von RACE wurden seitdem unter anderem die drei Automotive-Standorte Hamm, Unna und Kaltennordheim verkauft. Ferner wurde im September 2019 noch vor Ausbruch der Coronakrise ein zusätzliches Freiwilligenprogramm aufgelegt, das sich aktuell in der Umsetzung befindet. Die Zahl der Beschäftigten der Schaeffler Gruppe hat sich seit Ende 2018 um rund 8.250 Stellen von 92.478 auf 84.223 per Ende Juni 2020 verringert, was einem Rückgang um knapp 9 Prozent entspricht. Die genannten Maßnahmen sind dabei bisher nur teilweise in den Beschäftigtenzahlen reflektiert.

Bosch

Auch bei dem Giganten der Branche Bosch tut sich in Sachen Stellenabbau und Werksschließungen so einiges. Wir verweisen an dieser Stelle auf folgende Berichte der FAZ sowie auf regionale Berichte (hier und hier).

Transformation und neue Jobs in der Autoindustrie?

Es fallen also hunderttausende Stellen in der Autoindustrie weg, was offenbar die Zulieferer richtig hart trifft. Glaubt man den Unternehmen, dann ist es Teil der großen Transformation hin zu E-Mobilität etc, wo einfach weniger Beschäftigte in der Produktion benötigt werden (vereinfacht ausgedrückt). Dazu kommt derzeit noch die Auto-Krise, die offenbar schon 2018 begann, sich 2019 verschlimmerte, und in welcher die Coronakrise als Brandbeschleuniger fungierte. Da stehen nun Mengen an qualifizierten Facharbeitern. Wohin mit ihnen, wenn sie offenkundig auf Sicht von Jahren in der Autoindustrie keinen neuen Job mehr finden werden? Das ist wohl die wichtigste Frage. Da bei solchen Stellenstreichungen erstmal verhandelt wird, Sozialpläne erstellt werden etc, sehen wir die meisten dieser Entlassenen wohl jetzt noch nicht in den Arbeitslosenstatistiken. Werden sie in einer Nach-Corona-Welt neue Betätigungsfelder in neuen Industrien finden können? Wird die Industrie stark und innovativ genug sein, um neue Stellen zu schaffen? Denn trotz aller „Zukunftsprogramme“, sollte man sich nun wirklich nicht auf die Politik als Schaffer neuer Arbeitsplätze oder neuer Industrien verlassen!

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Zombieunternehmen: Steuergeld für ein Fass ohne Boden? Hier ein mögliches Beispiel

Claudio Kummerfeld

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Was sind Zombieunternehmen? Wir beschäftigen uns öfters mit diesem Themenkomplex, siehe beispielsweise hier oder hier. Nun, der eine sagt dies sind Unternehmen, die so wenig Gewinne machen, dass sie nicht mal ihre Zinskosten aus ihren Gewinnen begleichen können, und dass sie die letzten Jahre nur deswegen überlebt haben, weil die EZB die Zinsen abgeschafft hat, und so ziemlich jedes Unternehmen extrem günstig an Geld kommt. Der andere sagt, dass Zombieunternehmen so zu definieren sind, dass sie jahrelang konstant nur Verluste erwirtschaften, und dass auch keine Aussicht auf Besserung besteht – und dass diese Unternehmen sich gerade in Corona-Zeiten mit Kurzarbeitergeld, Aussetzung des Insolvenzantragspflicht und sonstigen Hilfsmaßnahmen noch mal weiter Zeit erkaufen, um nicht dicht machen zu müssen.

Nur Verluste

Ob das folgende Unternehmen tatsächlich ein Zombieunternehmen ist? Schon mal was von dem Unternehmen Outfittery gehört? Bei diesem reinen Internet-Anbieter können sich Männer nach einem kurzen Style-Check persönlich zusammengestellte Kleiderpakete nach Hause schicken lassen. Outfittery wählt aus zahlreichen Modemarken Stücke aus, die nach den Präferenzen der Kunden womöglich am besten zu ihnen passen. Die Preise sollen nicht dramatisch teurer als im Einzelhandel sein. Tja, nun kann man sich fragen, ob die Kundschaft von dem Konzept all zu begeistert ist, und ob die willigen Konsumenten sich nicht zu sehr eingeengt fühlen, wenn ein Anbieter ihnen komplette Outfits per Post schickt. Will man sich nicht lieber selbst einzelne Stücke aussuchen, anstatt quasi bevormundest zu werden von einem Anbieter, der versucht zu erahnen, was einem gefallen könnte? Aber gut, das ist der freie Markt, und niemand wird gezwungen dort Kunde zu werden.

Das „am Leben halten“ von Zombieunternehmen bewirkt letztlich, dass der normale Prozess der freien Marktwirtschaft nicht funktioniert. Das Erstellen und Versenden von Kleiderpaketen ist ein gutes Beispiel. Nehmen genug potenzielle Kunden dauerhaft diesen Service in Anspruch? Falls nicht, verschwindet diese Idee vom Markt, und andere Ideen können sich entfalten. Aber wie jüngste Berichte (zum Beispiel im Manager Magazin) zeigen, hat das vor acht Jahren gegründete Unternehmen Outfittery noch nie Gewinne erwirtschaftet, und seitdem 60 Millionen Euro Verlust angehäuft. Auch der jüngste Umsatzschub sei nur durch eine Fusion mit einem vergleichbaren Anbieter zustande gekommen – der aber ebenfalls defizitär ist. Laut MM kämpft Outfittery ums Überleben.

Outfittery braucht derzeit wohl dringend 10 Millionen Euro. Angeblich sollen wohl Bestandsinvestoren von Outfittery um „HV Holtzbrinck Ventures“ frisches Geld nachschießen. Und dann gebe es ein sogenanntes „Matching“ aus dem Corona-Rettungsfonds der Bundesregierung, welcher von der staatseigenen KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) verwaltet wird. Bis zur Hälfte der von Outfittery erhofften Finanzierung könnte dann vom Staat kommen. Schon die Info-Seite der Bundesregierung sagt es. 2 Milliarden Euro will der Bund „Startups“ und „jungenTechnologieunternehmen“ zukommen lassen.

Zombieunternehmen oder förderungswürdiges „Startup“?

Jetzt ist nur die Frage: Ist Outfittery, ein Unternehmen das acht Jahre am Markt ist und noch nie Gewinne gemacht hat, noch ein junges, dynamisches, hippes und förderungswürdiges „Startup“? Oder handelt es sich um eines von unzähligen Zombieunternehmen? Vielleicht entspricht es nicht der klassischen Definition, weil Gelder bisher von privaten Investoren kamen, die auch bei jahrelangem Verlust die Wachstumsphase pushen wollten? Und wer weiß, vielleicht wird daraus doch noch eine Erfolgsgeschichte? Schließlich produzierte Amazon ja auch eine Ewigkeit nur Verluste – aber dort stimmte die Wachstumsstory.

Aber in diesem speziellen Marktsegment von Outfittery, da darf zumindest die Frage erlaubt sein, ob hier wirklich der Staat mit Steuergeldern einspringen sollte. Für klassische Corona-Hilfen kommt so ein bereits vorher defizitäres Unternehmen nicht in Frage. Aber dann geht es halt um die Frage, ob die KfW dieses „Projekt“ in die Schublade „Startup“ packt, und es als förderungswürdig betrachtet im Sinne des Startup-Fonds.

Beispielfoto einer Outfittery Box - ein Zombieunternehmen?
Foto einer Outfittery Box. Foto: OUTFITTERY

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Fed: Tiefzins und Geldvermehrung ohne Ende – ein Kommentar

Die Fed steht mit ihrer inflationären Geldpolitik nicht allein da. Der „große Gorilla“, der weltweit im Raum steht, hat einen Namen: Geldentwertung!

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Auf seiner zweitägigen Sitzung hat der Rat der US-Zentralbank (Fed) beschlossen, den Leitzins unverändert bei 0,00–0,25 Prozentpunkten zu lassen; diese Entscheidung war im Vorfeld erwartet worden.

Die Fed signalisiert mit ihrer neuen Zinsprognose, dass sie den Leitzins bis Ende 2023auf dem aktuellen Niveau halten wird.

Die Wachstumsraten für das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) sieht die Fed nunmehr etwas optimistischer: Im laufenden Jahr wird es um 3,7% gegenüber dem Vorjahr fallen (Juni-Schätzung: -6,5% J/J); und für 2021 wird ein Wachstum von 4,0% J/J erwartet (Juni-Schätzung: 5,0% J/J).

Die jahresdurchschnittliche Konsumgüterpreisinflation wird auf 1,2% in 2020 und auf 1,7% in 2021 geschätzt (nach 0,8% beziehungsweise 1,6% in der Juni-Schätzung).

Das Aufkaufen von Schulden in großem Stil (also das Ausweiten der US-Dollar-Geldmenge) geht natürlich weiter, ließ die Fed wissen.

Soweit der „Fed-Sprech“.

 

LOCKDOWN-KATASTROPHE

Die US-Wirtschaft ist nach wie vor schwer angeschlagen – auch wenn sie sich aus dem tiefen Absturz herausarbeitet, den der politisch diktierte Lockdown verursacht hat.

So betrugen die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe bis zum 4. September 2020 immer noch 884.000 – und waren damit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt seit 1967.

Das US-Haushaltsdefizit wird vermutlich 3,3 Billionen US$ in 2020 betragen – das wären schwindelerregende 16 Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes.

Um die Haushaltslöcher zu finanzieren, schafft die Fed neue Dollar „aus dem Nichts“. Das erklärt auch, warum die US-Geldmengen derzeit so stark wachsen:

Ende August 2020 betrug die Jahreswachstumsrate der Geldmenge M1 (Bargeld und Sichtguthaben bei Banken) 40,9%, die der Geldmenge M2 24,2%.

Die „Überschussgeldmenge“, die sich dadurch aufbaut, ist gewaltig – denn die US-Produktion ist massiv eingebrochen.

Die Äußerung von Fed-Chef Jerome H. Powell in der Pressekonferenz signalisierten: Eine Abkehr von der extremen Tiefzinspolitik ist nicht in Sicht – und dass wohl nicht nur wegen der Präsidentschaftswahl im November dieses Jahres.

Die Folge ist absehbar: Die Kaufkraft des US-Dollar wird leiden, weil die Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisinflation anziehen wird.

Die Fed steht mit ihrer inflationären Geldpolitik nicht allein da. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank von Japan und Bank von England folgen ihr auf dem Fuße.

Der „große Gorilla“, der weltweit im Raum steht, hat einen Namen: Geldentwertung.

Genau darauf zielen die Zentralbanken ab: das Schuldgeldsystem mit neu geschaffenem Geld vor dem Zusammenbruch zu bewahren, es zu inflationieren.

AUF GOLD UND SILBER SETZEN

Nach der hitzigen Aufwärtsbewegung, die ab etwa Mitte Juli 2020 einsetzte, haben der Gold- und Silberpreis leicht korrigiert; der langfristige Aufwärtstrend ist aber weiter intakt.

Die Aussicht auf weiterhin extrem niedrige Zinsen, stark steigende Geldmengen und ein Anziehen der Teuerungsraten – und zwar für Konsumgüter- und/oder Vermögenspreise – geben den Preisen für Gold und Silber weiter Rückenwind.

Die Fed sorgt für eine Entwertung des Dollars

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