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Argentinien wird für Auszahlung der Hedgefonds belohnt: Anleihemarkt wieder frei zugänglich

FMW-Redaktion

Argentinien erhält jetzt die Belohnung dafür, dass man sich mit großen US-Hedgefonds auf eine Rückzahlung von großen Teilen ihrer Anleihe-Forderungen einigte. Durch die Besserstellung dieser letzten Restgläubiger von Altschulden gegenüber denen, die Schuldenschnitten zustimmten, kam es zuletzt zu enormen Verärgerungen dieser „braven“ Gläubiger. Aber das interessiert die Regierung in Buenos Aires jetzt herzlich wenig.

Gestern gab ein US-Berufungsgericht grünes Licht für Argentiniens Rückkehr an den globalen Kapitalmarkt. Wie das? Um ihre Forderungen durchzusetzen, hatten die vorher genannten Hedgefonds bei einem New Yorker Richter erwirkt, dass argentinische Gelder in den USA eingefroren wurden, die eigentlich für Zinszahlungen gedacht waren an Gläubiger, die dem Schuldenschnitt zugestimmt hatten. Jetzt wo die Hedgefonds befriedigt sind, hat das Gericht diese Gelder für die Zinszahlungen freigegeben.

Jetzt kann Argentinien seinen Verpflichtungen wieder nachkommen, und somit auch neue Schulden aufnehmen. Man will jetzt in Windeseile eine neue Anleihe über 15 Milliarden Dollar auflegen. Erst mit Teilen dieser neuen ausgegebenen Anleihe wird man in der Lage sein die Hedgefonds real auszuzahlen. Abgesandte des Finanzministeriums in Buenos Aires haben bereits umfangreiche Gespräche mit potenziellen neuen Anleihekäufern geführt. Die dürften kaum einen Zweifel daran haben, das sich Argentinien zukünftig strikt an seine Zahlungsverpflichtungen hält, da man durch den bisherigen Ausschluss vom Kapitalmarkt quasi diszipliniert wurde.

US-Bezirksrichter Thomas Griesa, in diesem Fall der „Haus- und Hofrichter“ der US-Hedgefonds im Fall Argentinien (wie es Spötter nennen), sagte vor Kurzem noch ganz offen er werde auch neue Anleiheemissionen Argentiniens verhindern, solange das Land nicht die Gruppe von Anleiheinvestoren (Hedgefonds) ausbezahlt habe. Griesa sagte nach der Wahl des neuen Präsidenten Mauricio Macri, dass seine Wahl alles geändert habe in diesem Fall – denn die Vorgängerin Macri´s Cristina Fernandez de Kirchner hatte sich mit den „Geiern“, wie sie die Fonds stets nannte, einen jahrelangen Krieg geliefert und Zahlungen verweigert.

Vermutlich wird diese neue Anleiheemission schon nächste Woche stehen, und die Hedgefonds erhalten ihr Geld. Argentinien kann darüber hinaus wieder unbegrenzt Schulden an internationalen Anleihemärkten aufnehmen. Fließen sollen die Gelder vor allem in Infrastrukturprojekte in Argentinien. Die Währung ist wieder frei handelbar, der Anleihemarkt wieder zugänglich – somit ist der „Kirchnerismus“ mit einer umfassenden Abschottung und Verzerrung des freien Marktes in Argentinien Geschichte.


Vor Kurzem hatten wir auch über die Langzeitauswirkungen des Deals zwischen Argentinien und den Hedgefonds auf zukünftige Schuldenschnitte weltweit berichtet. Nachdem die Hedgefonds in Argentinien durch Hartnäckigkeit, Abwarten und massiven Druck nun deutlich besser gestellt werden als brave Gläubiger, die einem Schuldenschnitt zustimmten, werden es sich in Zukunft auch viele der braven Gläubiger überlegen, ob sie noch Schuldenschnitten zustimmen (Ukraine? Griechenland? Österreich?).



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1 Kommentar

  1. Es hat ja niemand den anderen Anleihegläubigern empfohlen zu verkaufen. Singer und Co. waren eben nur einfach hartnäckiger. Bei allem Respekt, aber ich sehe hier nicht warum das jetzt plötzlich als Besserstellung dargestellt wird.

    Das Argentinien nun unter dem neuen Präsidentin marktwirtschaftlichere Wege einschlagen wird als unter Frau Kirchner, ist ja nur begrüßenswert. Kirchner hat ja von Anfang an auch jede Einigung abgelehnt was die Staatsschulden betrifft. Ich an Macri´s Stelle hätte es genau so gemacht.

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