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Devisen

Argentinien: Wirtschaft stürzt weiter ab

Die US-Dollar-Schuldenkrise ist in Argentinien und anderen Ländern nicht vorbei. Nur interessiert dies im Moment im Westen niemanden – noch

Hannes Zipfel

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Die Wirtschaft des de facto bankrotten Staates Argentinien schrumpft schon seit zwei Jahren. Im Jahresverlauf 2019 summiert sich das Minus nun auf 2,5 Prozent.

Nach kurzer Unterbrechung fällt Argentinien in die Rezession zurück

Wie das argentinische Statistikamt Indec gestern bekannt gab, schrumpfte das argentinische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2019 um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Seit Jahresbeginn summieren sich die Einbußen beim BIP auf 2,5 Prozent.

Noch im zweiten Quartal dieses Jahres sah es so aus, als könne die Wirtschaft Argentiniens die Kurve kriegen und der seit 2018 anhaltenden Rezession mit einem leichten Wachstum von 0,6 Prozent entkommen.

Doch die Banco Central de la República Argentina (BCRA) erwartet nun sowohl für das Schlussquartal 2019 als auch für das Jahresauftaktquartal 2020 weitere Kontraktionen des BIP und damit den Wiedereintritt in die Rezession.

Argentinischer Peso auf der Intensivstation

Die hohen Auslandsschulden setzen den argentinischen Peso seit Jahren unter Druck und zwangen das Land mangels Devisenreserven Ende August dieses Jahres in einen partiellen Staatsbankrott.

Argentinien blieb seinen Gläubigern die Rückzahlungen fälliger Staatsanleihen schuldig. Das Land muss allein in diesem Jahr 43 Mrd. US-Dollar Zins- und Tilgungszahlungen leisten, etwa sieben Prozent des BIP. Im vergangenen Jahr waren es noch 38 Mrd. US-Dollar. Die ausgeprägte Peso-Schwäche trieb die Inflation auf über 50 Prozent pro Jahr.

Der freie Fall der Landeswährung konnte nur durch die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen Anfang September, den größten IWF-Hilfskredit aller Zeiten in Höhe von 57 Mrd. US-Dollar und einen Leitzins in Höhe von 63 Prozent vorerst künstlich gestoppt werden. Der Chef der Zentralbank, Luis Caputo, legte sein Amt Ende September nieder.

Der argentinische Peso im freien Fall

Als sich bereits am 11. August bei den Parlaments-Vorwahlen der Sieg des Mitte-links-Bündnisses Frente de Todos unter der Führung der altbekannten Peronistin und ehemaligen Präsidentin Cristina Elisabet Fernández de Kirchner sowie ihrem ehemaligen Kabinettsleiter Alberto Ángel Fernández abzeichnete, brach der Peso weiter ein. Seitdem befindet sich die Wirtschaft des Landes in einem Schockzustand.

Seit seiner Wahl Ende Oktober hat der neue Staatspräsident Argentiniens, Alberto Fernandez, mit neuen Gesetzen und Notmaßnahmen Schlagzeilen gemacht sowie mit der Ankündigung, keine an Auflagen gebundenen Hilfen des IWF mehr anzunehmen. Den weiteren Absturz der argentinischen Wirtschaft konnte er so nicht verhindern – im Gegenteil.

Neue Gesetze verschärfen die Krise in Argentinien

Die neue Regierung in Buenos Aires hat gestern in Reaktion auf die schlechten Daten eine Reihe von vorgezogenen Maßnahmen vorgestellt, mit denen das Wachstum angekurbelt werden soll. Geplant ist u. a. eine 30-prozentige Steuer auf Fremdwährungskäufe sowie ein sechsmonatiges Einfrieren der Preise für öffentliche Versorgungsunternehmen.

Die neue Regierung schlägt zudem noch höhere Exportabgaben vor, um die Sozialausgaben erhöhen und die fälligen Schulden zumindest teilweise tilgen zu können.

Präsident Fernández, der erst letzte Woche sein Amt offiziell angetreten hatte, kündigte bereits am Wochenende Steuererhöhungen für Agrarexporte an.

Die von Wirtschaftsminister Martín Guzmán am Dienstag angekündigten Maßnahmen zielen darauf ab, die Staatsausgaben mit Schwerpunkt auf Sozialprogramme umzulenken, um den Binnenkonsum wiederzubeleben und die Dollarabflüsse weiter zu begrenzen.

Außerdem sollen die Schulden mit dem IWF und anderen Gläubigern neu verhandelt werden (Moratorium). Darüber hinaus sollen Gehälter im öffentlichen Dienst und einige Steuern gesetzlich erhöht sowie die Preise für politisch sensible Güter wie Strom, Wasser und Medikamente eingefroren werden.

Auf einer Pressekonferenz in Buenos Aires sagte der Wirtschaftsminister Guzmán: „Im Jahr 2017 hat die Vorgängerregierung Reformen verabschiedet, die das Wachstum der Wirtschaft unterstützen sollten, stattdessen ging sie in den freien Fall über“. „Wenn wir diese Krise lösen wollen, müssen wir das ändern. Wenn nicht, werden sich unsere fiskalischen Probleme noch verschlimmern“. Guzmán weiter: „Diese Gesetzesvorlage ist der erste Schritt zur Lösung der Wirtschaftskrise in Argentinien“.

Es ist jedoch fraglich, ob zusätzliche Zwangsmaßnahmen, die die Export- und Agrarwirtschaft noch mehr belasten und das Staatsdefizit zugunsten von Sozialausgaben vergrößern, die Schuldenprobleme des Landes lösen und die Wirtschaft revitalisiert werden. Für die argentinischen Bauern, die das Rückgrat der argentinischen Exportwirtschaft bilden, sind neue Steuererhöhung jedenfalls ein Albtraum.

Fazit und Ausblick

Es scheint so, als ob auch in Sachen Argentinien bisher nichts gelöst ist, sondern die Probleme einfach von den Finanzmärkten ignoriert werden. Nach dem Motto: „Geld spielt keine Rolle – die Zentralbanken werden alle Probleme lösen“.

Man kann nur hoffen, dass die Zentralplaner in den Notenbanken bei so vielen globalen Baustellen im kommenden Jahr nicht den Überblick und die Kontrolle verlieren.

Die US-Dollar-Schuldenkrise ist jedenfalls weder in Argentinien, noch in Venezuela, noch in Brasilien, noch in der Türkei noch in Chile etc. vorbei. Nur interessiert dies im Moment im Westen niemanden – noch.

In Argentinien geht es mit der Wirtschaft bergab

 

 

 

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Devisen

Freudige Nachricht für Gold-Anleger, Robert Halver über Aktienmärkte, Ideen zu Pfund und Facebook

Redaktion

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Eine freudige Nachricht für Anleger, die in Gold-Produkte wie ETCs investieren. Bisher waren nämlich Gewinne auf physisches Gold nach 12 Monaten steuerfrei. Jetzt gibt es ein Gerichtsurteil, wonach ein Goldprodukt dem physischen Gold gleichgestellt wurde. Auch hier sind die Gewinne nach 12 Monaten steuerfrei. Dies liegt daran, dass man sich als Anleger bei diesem Produkt (ETC) das Gold auch physisch ausliefern lassen kann. Möglicherweise können Sie sich sogar gezahlte Steuern erstatten lassen. Fragen Sie hierzu Ihren Steuerberater. Manuel Koch geht im folgenden Video auf diesen Sachverhalt ein.

Auch bespricht er mit Robert Halver die aktuelle Lage am Aktienmarkt. Seine Empfehlung: Trotz aktueller Unsicherheiten sollte der Anleger am Ball bleiben und über Aktiensparpläne investieren. Auch bespricht Manuel Koch im Video zwei Handelsempfehlungen der trading house-Börsenakademie. Euro gegen Pfund sei eine Kaufidee über das Vehikel einer Stop-Buy-Order. Die Aktie von Facebook könne man shorten über eine Stop-Sell-Order. Beide Ideen werden im Detail erläutert.

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Devisen

Aktuell: Türkische Lira fällt schnell und kräftig auf Rekordtief – hier der Grund

Claudio Kummerfeld

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Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt seit einigen Minuten schnell und kräftig in den Keller gegen US-Dollar und Euro. US-Dollar gegen Lira steigt seit 13 Uhr von 7,80 auf aktuell 7,97 – ein neues Rekordtief für die Lira. Und der Euro steigt aktuell gegen die türkische Lira von 9,22 auf 9,43 – das ist ebenfalls ein neues Rekordtief für die türkische Währung.

Grund dafür ist die ganz frische Verkündung der türkischen Zentralbank, dass man den Leitzins unverändert bei 10,25 Prozent belässt. Rückblick: Am 24. September hatte die türkische Zentralbank überraschend den Leitzins um 200 Basispunkte angehoben, von 8,25 Prozent auf 10,25 Prozent. Für heute lagen die Markterwartungen bei einer weiteren Anhebung von 175 Basispunkten auf 12 Prozent. Nötig wäre das, um endlich die ständige Abwertung zu stoppen, der sich die türkische Lira seit geraumer Zeit ausgesetzt sieht.

Und dieser erste Zinsschritt vom 24. September schien nicht auszureichen, um am Devisenmarkt eine Kehrtwende für die Lira einzuläuten. Die jetzige Enttäuschung am Devisenmarkt über die ausgebliebene Zinserhöhung bringt die türkische Lira zu diesem schnellen Absturz (im Chart sehen wir den steigenden US-Dollar gegen die Lira in den letzten 30 Tagen – der letzte Aufwärtsbalken zeigt die ganz aktuelle Bewegung).

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten 30 Tagen

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Anleihen

Woher die aktuelle Euro-Stärke kommt – ein Analyst gibt Hinweise

Claudio Kummerfeld

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Das Euro-Symbol

Der Euro steigt seit genau zwei Tagen gegen den US-Dollar spürbar an von 1,1700 auf aktuell 1,1865. Dafür könnte es einen interessanten Grund geben. Man schaue auf den gestrigen Tag. Quasi unbemerkt von der breiten medialen Öffentlichkeit hat die EU ihre erste eigene Anleihetranche am freien Anleihemarkt platziert. Laut Berichten (siehe beispielsweise Bondguide) sei die Attraktivität dieses Angebots an EU-Anleihen schwer zu übersehen gewesen. Denn Moody’s habe die EU-Anleihen mit „Aaa“ bewertet. Und der Emissionspreis sei so festgesetzt worden, dass die Emission vom Markt gut aufgenommen wurde. Eine Nachfrage von 233 Milliarden Euro traf auf gerade mal 17 Milliarden Euro Angebot! Das zeigt, wie groß die Nachfrage der Institutionellen nach den Anleihen der EU war. Und wo soll da noch das Risiko sein, wenn Brüssel selbst die Anleihen ausgibt, und nicht ein Einzelstaat?

EU-Anleihen als Grund für aktuell steigenden Euro?

Eben dieser Drang in ein neues Anleihevehikel, nämlich eine zentrale Emission von EU-Anleihen, könnte bei den großen global agierenden Investoren (Fonds, Versicherungen, Pensionskassen etc) einen verstärkten Drang in den Euro verursachen. Der Deutsche Bank-Analyst George Saravelos hat ganz aktuell einige sehr interessante Aussagen zum Euro veröffentlicht mit der Headline „Someone likes Europe“, also übersetzt „Irgendwer mag Europa“. Über das große Auftragsbuch im Vorfeld der Emission sei ausführlich berichtet worden, aber weniger über die große Nachfrage seitens der Notenbanken, so seine Aussage. Nahezu 40 Prozent der gestrigen zehnjährigen Emission der EU wurden laut George Saravelos von den Notenbanken aufgenommen, was fast doppelt so viel sei wie die durchschnittliche Inanspruchnahme bei früheren europäischen Emissionen.

Warum das wichtig sei? Erstens seien Notenbanken in der Regel nicht abgesicherte Investoren, so dass eine starke Nachfrage von dieser Seite nach den neuen EU-Anleihen eine direkte Nachfrage für den Euro gegenüber dem US-Dollar bedeute, so George Saravelos. Zweitens sei die hohe Nachfrage von Notenbanken für diese neuen EU-Anleihen ein Vertrauensvotum für den Euro als Reservewährung, insbesondere in einer Zeit, in der die dominierende Rolle des Dollars in Frage gestellt werde.

Aber George Saravelos sagt auch, dass dieses aktuelle Ereignis nicht als alleiniger Grund für die aktuelle Euro-Stärke gesehen werden soll. Es solle auch in den Kontext größerer struktureller Verschiebungen gestellt werden. Es gehe um einen extrem starken negativen Policy-Mix für den US-Dollar. Die großes US-Haushaltsdefizite, eine sehr lockere Geldpolitik der Fed und sich verschlechternde Außenhandelskonten der USA. Schon vor den Wahlen in den USA verschlechtern sich diese Trends, so George Saravelos. Schauen wir an dieser Stelle mal auf den Chart. Er zeigt Euro gegen US-Dollar im Verlauf der letzten 30 Tage. Ist das neue „Aufnahmevehikel“ der EU (meine Wortkreation) für internationale Investorengelder aktuell ein zusätzlicher Impuls, der den Euro-Anstieg befeuert? Gut möglich.

Chart zeigt Kursverlauf von Euro gegen US-Dollar

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