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Artikel 11 EU-Urheberrecht beschlossen – ein offener Brief an Google

Sogar die Tagesschau widmete sich gestern Abend ausführlich Artikel 13 des neuen EU-Urheberrechts, welcher gestern im EU-Parlament beschlossen wurden. Neben Artikel 13 ist aber Artikel 11 auch ein gerade für die Medienwelt wichtiger Punkt. Auch diese Richtlinie wurde gestern im EU-Parlament beschlossen. Es geht hierbei darum, dass vor allem das „böse amerikanische Google“ endlich Geld an die Verlage abdrücken soll. Und wofür?

Dank Artikel 11 sollen die „bösen Amerikaner“ endlich zahlen

Es geht dabei vor allem um Google News. Neben der normalen Google-Suche erscheint nach Eingabe eines Suchbegriffs eine Leiste mit Menüpunkten. Einer davon heißt „News“. Hier werden zum Suchwort passende aktuelle Presseartikel angezeigt, mit in der Regel dem ersten Satz des Artikels und der Artikel-Headline – damit der Leser sich ein Bild davon machen kann, ob er eventuell hierauf klicken und somit zur der Seite des Verlags/der News-Seite gelangen möchte. Für diese winzigen Textschnipsel beziehungsweise Vorschautexte wollen Springer und Co eine finanzielle Vergütung von Google kassieren. Und genau das wurde nun unter Artikel 11 beschlossen. Wie hoch genau? Das müsste wohl ausgehandelt werden.

Dabei liefert Google doch über diesen Service neue Leser an die Verlage. Von daher sollten die Verlage doch eigentlich glücklich und dankbar sein, dass ihnen jemand Externes neue Leser liefert, und das auch noch umsonst! (nein, wir bei FMW sind keine Lobby-Firma von Google, und werden auch nicht von Google bezahlt).

Vor allem relativ kleine und von großen Verlagen unabhängige Nachrichten-Seiten (wie wir bei FMW) sind darauf angewiesen gefunden zu werden, unter anderem auch über „Google News“. Wie bisher so ziemlich alle Verlage und Nachrichtenportale sind auch wir „akkreditiert“ bei Google für den Service „Google News“. Wer über diese Suchfunktion von Lesern gefunden werden will, muss sich nämlich erst einmal als Redaktion bei Google bewerben. Wer dann angenommen wird, kann über Google News von Lesern in den Suchergebnissen dieser Sonder-Rubrik gefunden werden. Mit dieser Anmeldepflicht will Google offensichtlich verhindern, dass Wischi-Waschi-Blogs mit unseriösen Inhalten im Newsfeed neben FAZ, Süddeutscher und Spiegel auftauchen (gut nachvollziehbar).

Dem Leser soll eine seriöse Auswahl aus Newsseiten präsentiert werden. Wie gesagt, wir reden hier nicht von der normalen Google-Suche, sondern von „Google News“. Vor allem am aktuellen Tagesgeschehen interessierte Menschen suchen hier mit Suchbegriffen gezielt nach aktuellen Ereignissen. Hier haben kleine Portale (wie wir) die Chance gegen ganz große Anbieter wie Spiegel und Co anzutreten und von Lesern wirklich oben im Suchfenster gefunden zu werden. Daher ist es für kleine Anbieter durchaus wichtig oder sogar sehr wichtig, dass Google die Funktion „Google News“ als solches nicht abschaltet! In Spanien hatte Google die News-Funktion schon 2014 abgeschaltet nach dortigen Verschärfungen im Urheberrecht, weil auch dort Verlage Geld von Google haben wollten. Kleine Nachrichtenportale erlitten daraufhin Millionen-Einbußen, weil sie nicht mehr so gut gefunden werden konnten von interessierten Lesern.

Unser Vorschlag für Google und gegen den Irrsinn von Artikel 11

Daher hier unser Vorschlag an Google: Alle registrierten Newsseiten werden von Google angemailt und gefragt, ob sie freiwillig auf ihren Vergütungsanspruch verzichten möchten, auf den sie gemäß Artikel 11 demnächst einen rechtlichen Anspruch hätten. Denn schließlich sind Google wie auch alle Betreiber von Newsportalen privatwirtschaftliche Unternehmen, und können frei entscheiden, ob sie auf einen gesetzlichen Vergütungsanspruch verzichten möchten! Stimmt der Betreiber einer Newsseite per Antwort-Email oder per Klick auf einer Webseite bei Google diesem Verzicht zu, bleibt man als Nachrichtenseite in Google News weiterhin gelistet. Alle die NEIN sagen, fliegen aus Google News raus. So bleibt das Angebot für die Leser erhalten, und Google muss keine Vergütungen an große Verlage zahlen!

Soweit unser Vorschlag. Er ist einfach und schnell umsetzbar! Und nein, wir wollen nicht den „bösen Verlagen“ eins auswischen, sondern den für viele Leser wirklich tollen und wichtigen Service Google News erhalten, was uns bei FMW natürlich auch sehr wichtig wäre! Denn dort können wir gegen die großen Verlage bei aktuellen News nämlich fast gleichberechtigt in Echtzeit um die Aufmerksamkeit der Leser konkurrieren. Wir bei FMW würden jedenfalls sofort auf unsere Vergütungsansprüche verzichten, die wir nach Artikel 11 wohl zukünftig gegen Google stellen könnten! Dafür wollen wir weiterhin bei Google News dabei sein, und Google News soll erhalten bleiben!

Wer bringt hier wem einen Mehrwert?

Jetzt könnte man als Leser dieses Artikels sagen: Hey, ihr bettelt hier bei einem Milliardenkonzern, der mit eurem Content Geld verdient. Wir sehen das anders. Google bietet Menschen die Möglichkeit kostenlos, aktuell und ganz gezielt nach Themen zu suchen und auch die Zeitungen und Portale zu finden, die darüber berichten. Die Newsseiten erhalten dadurch ohne Kostenaufwand neue Leser! Newsseiten und Leser haben davon nur Vorteile! Im Gegenzug dafür auf eine Vergütung zu verzichten, weil Google einen winzigen Vorschautext anzeigt, ist für uns selbstverständlich. Wir sehen es da eher wie die Amerikaner.

Nicht alles tot-reglementieren, sondern machen, verlinken, vernetzen, bekannt werden, Inhalte frei teilen und verbreiten. So bekommt man möglichst viele Leser auf die eigene Seite, und dort kann man mit Werbung Geld verdienen! Sich selbst beschränken und die Verbreitung von Inhalten über Artikel 11 sogar noch verhindern, das bewirkt genau das Gegenteil von dem, was viele Publisher wollen – nämlich mehr Geld verdienen. Denn wenn Google seinen News-Service einstellt aufgrund von Artikel 11, werden auch die großen Verlage spürbar weniger Klicks auf ihren Seiten haben, obwohl sie gerade das doch nicht wollen!

Artikel 11 ist vor allem ein "Kampf" gegen Google
Foto: William Beutler from Washinton, DC, USA – Google Booth CC BY-SA 2.0



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3 Kommentare

  1. Artikel 11 ist sowieso nutzlos, weil dann Google einfach wie in Spanien 2014 geschehen, Google News abschaltet und schon ist zappenduster. Letztendlich werden die Verlage einknicken weil sie es sich nicht leisten können bei Google ausgelistet zu werden und auf Traffic zu verzichten.

    1. exakt so isses,das wird das faustpfand sein,dementsprechend werden die preisverhandlungen laufen.

  2. Viele Menschen denken eben nicht soweit und es würde mich nicht wundern wenn Manager XY bei Google entscheidet lieber den einfacheren Weg zu gehen und Google News für Deutschland einfach abschaltet.

    Im Nachgang werden die Verlage dann merken das sie weniger Leser haben und weniger Geld aber es ist leider ein typisch menschliches Verhalten.

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