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Axel Voss als Initiator von Artikel 13 denkt über Verbot von YouTube nach

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Was? Kann das sein Ernst sein? Offenbar schon! Jetzt gibt CDU-Mann Axel Voss, der Initiator von Artikel 13 des neuen EU-Urheberrechts, jegliche Zurückhaltung auf. Heuchelei oder eine bisherige bewusste Falschinformation der Öffentlichkeit kann man ihm aktuell durchaus vorwerfen. Aber schauen wir uns mal genauer an, was er in aktuellen Interviews gesagt hat.

Uploadfilter unter Artikel 13 laut Axel Voss auf einmal doch notwendig?

Gebetsmühlenartig hatte Axel Voss in den letzten Wochen bestritten, dass es unter Artikel 13 Uploadfilter geben werde. Sie wären ja auch gar nicht im Gesetzestext erwähnt, und seien überhaupt nicht notwendig. Jetzt aber spricht Herr Voss auf einmal Klartext. So sagt er, dass man es bei großen Plattformen wie bei YouTube ohne eine technologische oder softwaregestützte Haltung gar nicht anders werden schaffen können. Gemeint sind hiermit die Uploadfilter, um das Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte auf Plattformen wie YouTube zu verhindern. Ach, sieh an. Auf einmal ist ihm ein Lichtlein aufgegangen, dass es gar nicht anders funktioniert? Oder hat er wochenlang die Öffentlichkeit belogen?

Unter Artikel 13 YouTube verbieten wäre eine Möglichkeit für Axel Voss

Und jetzt hat Axel Voss endgültig den Vogel abgeschossen. So sagte er auch, dass YouTube ein Geschäftsmodell mit dem (urheberrechtlich geschützten) Eigentum anderer Menschen kreiert habe. Falls es die Absicht von YouTube sei Menschen freien Zugang zu urheberrechtlich geschützten Arbeiten zu geben, dann sollte man darüber nachdenken, ob diese Art von Geschäftsmodell noch weiter existieren sollte. Im Klartext: Wenn Artikel 13 in Kraft ist, könnte man auch darüber nachdenken YouTube abzuschaffen. Ist ja eh nur eine Horde krimineller Copyright-Verletzer, stimmt´s, Herr Voss? Zitat Axel Voss:

„They have created a business model with the property of other people – on copyright protected works. If the intention of the platform is to give people access to copyright protected works then we have to think about whether this kind of business should exist. The new legislation is improving the situation for the European creators industry.“

Mal ehrlich. Ist der gute Mann noch ganzbei Trost? Ist ihm gar nicht klar, dass der überwiegende, weit überwiegende Teil der Inhalte bei YouTube von Content-Creatern tagtäglich mühsam selbst produziert wird? Dass hunderttausende Menschen von YouTube leben? Da fehlen einem echt die Worte. Aber das Gute daran ist, dass Axel Voss nun endlich seine Maske hat fallen lassen. Bisher hieß es von ihm ja immer, dass doch unter Artikel 13 alles genau so bleiben werde wie bisher. Die ganze Aufregung der (schlecht informierten und verblendeten Kids?) sei doch völlig übertrieben. Aber so langsam lässt er durchblicken, welch Geistes Kind er ist!

Jetzt gilt es um so mehr: Demonstrieren! (hier die Übersicht der aktuellsten Demos) Bis zum 25. März ist noch Zeit, denn dann beginnt im EU-Parlament in Brüssel die Sitzungsperiode, wo über Artikel 13 abgestimmt wird. Und vor allem Parlamentarier anrufen, ansprechen, oder anmailen (bitte nicht mit standardisierten Emails). Sehen Sie bitte auch das brandaktuelle Video zum großen Rundumschlag von Axel Voss von Deutschlands wohl bestem Nachrichten-YouTuber HerrNewstime.

Axel Voss will Artikel 13 unbedingt durchsetzen
CDU-Mann Axel Voss im EU-Parlament ist Initiator der Urheberrechtsverschärfungen nach Artikel 13. Foto: Sebastiaan ter Burg CC BY 2.0

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    md

    13. März 2019 19:57 at 19:57

    ich will ja nicht hämisch klingen, :)))
    aber kommen hier türkische verhältnisse auf oder bin ich im falschen film. :)))
    erdogan lässt grüßen. ach ja drüben ist nur wiki verboten. youtube geht noch. soviel verbot wäre zuviel des guten. :))
    sorry aber ich kann nicht anders, ich muss lachen

    • Avatar

      leftutti

      13. März 2019 23:03 at 23:03

      @md, Schuld sind sicherlich wie immer die Grünen, wäre das nicht so, müsste sogar ich über die macht- und herrschaftsgeilen Jammergestalten Voss und Erdogan lachen. Sie als Deutschtürke freuen sich, dass in beiden Ihrer „Mutterländer“ irgendwelche Despoten und Zensoren der freien Meinungsäußerung Oberwasser gewinnen. Eigentlich sollte man darüber traurig oder besorgt sein, statt hämisch zu jubilieren. All das klingt eher nach AfD-Populismus: Gebrüll statt Lösungen.

      Bald sind Europawahlen: #niemehr CDU/CSU, niemehr SPD, #niemalsAfD

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        Peter

        3. April 2019 22:45 at 22:45

        Die einzige Rettung ist die AFD. Sie sollten sich mal deren bundestagsreden anhören… ruhig und sachlich

        • Avatar

          leftutti

          4. April 2019 11:22 at 11:22

          …außer sie verlassen mal wieder geschlossen beleidigt den Saal.

        • Avatar

          Kenguru

          4. April 2019 12:05 at 12:05

          Reichlich unsensibel so kurz nach einer Spendenaffäre plumpe Parteiwerbung in einem Wirtschaftsforum zu platzieren.

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    Rationaller Johhny

    14. März 2019 11:56 at 11:56

    Die Welt besteht nicht aus der EU, wenn das wirklich durchkommt wird Google ihre server in die USA und Grossbritannien verlegen samt Arbeitsplätze. Den die grenzen der EU enden an der französischen Küste.

  3. Avatar

    Diana

    14. März 2019 14:55 at 14:55

    CDU/CSU Vorschläge/ Umsetzungen der letzten Zeit:

    -Erweiterung der polizeilichen Befugnisse

    -Abschaffung des DarkNet (Vor allem wichtig für Journalisten und Whistleblower durch die gegebene Anonymität)

    -Härtere Gangart und erweiterte Gesetzte gegen Whistleblower

    -Uploadfilter die die Meinungsfreiheit mindern (nicht abschaffen aber auf jeden Fall minimieren)

    -Abschaffung von YouTube und ähnlichen Seiten (eine der wichtigsten und schnellsten Möglichkeiten zur Verbreitung von Nachrichten)

    Ich kaaaaaann mir nicht helfen, aber die Richtung die die CDU/CSU einschlägt… Hmm, das Gesamtbild spricht für sich

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      leftutti

      14. März 2019 15:44 at 15:44

      @Diana, die Richtung, welche die CDU/CSU einschlägt ist genau die, die sie auch schon vor 40 Jahren verfolgt haben. Bei den ach so christlichen Parteien hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert. Nur manchmal fahren sie einen verbal politisch korrekteren Kurs, der nicht gleich auf den ersten Blick so offensichtlich ist. Und manchmal gibt es Phasen oder Personen (FJS, Zimmermann, Beckstein, Kohl, Gauweiler, Geißler & Konsorten), bei denen die ganze schwarze Seele für jeden offensichtlich zum Ausbruch kommt.

      Sie haben völlig Recht, seit einiger Zeit (seit Merkel ihr politisches Ende ankündigt hat?!), sind verstärkt innenpolitische Radikalisierungstendenzen ganz offen erkennbar.

  4. Avatar

    Michael

    14. März 2019 16:56 at 16:56

    Vielleicht sollte ihm mal jemand stecken, dass es gar keine aktiven Uploadfilter gibt und diese auch technisch nicht realisierbar sind ?
    Irgendwelche „ich wünsch mir was“-Gesetze oder fortwährendes Herbeireden wird daran auch nichts ändern. Da kann er sich auch mit Youtube anlegen und eine blutige Nase holen, das ändert doch auch alles nicht die Realität.

    • Avatar

      Michael

      14. März 2019 18:12 at 18:12

      @Michael, Sie verwenden denselben Nickname wie ich. Würde es Ihnen aus Gründen der Unterscheidbarkeit etwas ausmachen, diesen zukünftig etwas abzuändern? Ansonsten wird es verwirrend für die Leser.

      • Avatar

        ms

        14. März 2019 21:51 at 21:51

        @Michael: kein Problem.

        Noch zum Beitrag: Da es scheinbar keine belastbaren Zahlen zu den vermeintlichen Urheberrechtsverstößen bei Youtube gibt, er aber behauptet, dass deren Geschäftsmodell nur darauf aufbaut, der tiefere (Un)Sinn dieses Gesetzes auch speziell darauf zielt, könnte Youtube rechtliche Schritte dagegen prüfen.

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    Dude

    14. März 2019 17:50 at 17:50

    Guter Witz. U made my day! Thx!

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    helmutn

    15. März 2019 07:20 at 07:20

    Zuallererst ist es mal „Mutti“ die sich verantwortlich für die Verbotsorgien zeichnet und für alle anderen Verwerfungen wie Rechtsbrüche,Rechtsbeugungen ect. denn Leute wie Voßkuhle und Haldenwang gehen wohl auf ihr Konto.

    • Avatar

      leftutti

      15. März 2019 12:51 at 12:51

      @helmutn, ich glaube, so einfach ist es nicht, dass man die Verantwortung immer dem Staatsoberhaupt zuschieben kann. In Amerika mag das der Fall sein, aber hierzulande kann die Kanzlerin nicht so einfach ihren Hunden und Schergen den Mund verbieten. Vor allem dann nicht, wenn sie sich in einer geschwächten Position befindet.
      Wenn beispielsweise die CSU irgendwelche Alleingänge und Vorstöße in Angriff nimmt (siehe z.B. Glyphosat), kühlt schlimmstenfalls die Stimmung zwischen Bayern und Berlin ab, ab mehr kann Mutti da nicht machen. Und wenn MdEP Vossibär seine One-Man-Show abzieht, kann sie ihn nicht aus dem Europäischen Parlament schmeißen, in das er demokratisch gewählt wurde.

      Unabhängig mal davon, dass die rabenschwarze Partei seit jeher Tendenzen zur totalen innenpolitischen Überwachung an den Tag legt und natürlich diesen Wahnsinn ohnehin vollkommen unterstützt.

      Ex-NSDAP-Mitglied, Meineidbauer „Old Schwurhand“, Verschärfer des Demonstrationsstrafrechts, Einschränker des Datenschutzes, Komplettversager beim Krisenmanagement des Reaktorunfalls in Tschernobyl und nicht zuletzt Ex-Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann wird ob dieser Maßnahme vor Freude im Grab hüpfen.

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    Gamble

    19. März 2019 16:35 at 16:35

    Dann wird youtube im Darknet aufgezogen…cu there

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Markus Krall-Szenario mustergültig – Sparkassen mit stark wachsendem Geschäft, schrumpfenden Gewinnen

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Und schon wieder Markus Krall-Szenario - errodierende Gewinne

Da haben wir den „bösen“ Crash-Propheten Markus Krall gerade erst besprochen, weil die Bauzinsen sich an ihren Tiefpunkt annähern. Starke Konkurrenz bei Banken drückt auf die Margen bei den Zinsen, denn sie müssen unbedingt ihr Geld an den Mann und an die Frau bringen. Das lässt die Zinsüberschüsse noch stärker abschmelzen. Und jetzt? Da sehen wir die heutige Veröffentlichung der Jahreszahlen für 2019 vom Ostdeutschen Sparkassenverband. Und die ist aufschlussreich. Denn in 2019 lag die Kreditvergabe um 9,2 Prozent über dem hervorragenden Vorjahresniveau, so der Verband. Das Sparkassengeschäft wachse überproportional, der Gewinn sinke dennoch (-5,2%).

Ganz klar: Die Nullzinsen und sinkenden Zinsmargen knabbern immer mehr an den Zahlen der Banken und Sparkassen. Auch sagt der Verband, dass die Sparkassen für die Herausforderungen gut vorbereitet seien – sie würden alles daran setzten, ihr Geschäft anzukurbeln, neue Geschäftsfelder zu erschließen und Kosten zu senken. Tja, aber wenn das fast alles entscheidende Geschäftsfeld immer weiter erodiert? So lesen sich aktuelle Aussagen des Verbandschefs auch klipp und klar (zum Beispiel im Handelsblatt). Zusätzliches Geschäftsvolumen könne nur noch die Geschwindigkeit der Ertragsrückgänge bremsen, sie aber nicht aufhalten.

Immer wieder Markus Krall

Und immer wieder aufs Neue erwähnen wir Markus Krall. Warum? Nicht dass wir blind seinen Thesen glauben – seine Diagnose und auch seine Vorhersage was als Nächstes passieren könnte, das klingt alles schlüssig. So sollen die Banken dank immer weniger Zinserträgen irgendwann schrumpfendes Eigenkapital haben, worauf die Kreditkontraktion folgt, also die Verknappung des Kreditangebots, worauf wiederum ein großer wirtschaftlicher Kollaps folgen soll. Nur ob am Ende wirklich ein großer Zusammenbruch des ganzen Wirtschaftssystems dabei herauskommt, das ist wohl kaum eine gesicherte Vorhersage. Zu viele unklare Variablen gibt es in dieser Rechnung?

Aber einmal mehr spricht auch die aktuelle Aussage aus diesem heutigen Sparkassen-Bericht genau für das, was Markus Krall seit geraumer Zeit predigt. Selbst wenn Banken und Sparkassen versuchen durch mehr Geschäftsvolumen die sinkenden Margen aufzufangen, so sinken Zinsüberschuss und Gewinn doch weiter ab, weil die Institute nicht in der Lage sind die Kosten 1:1 abzusenken, im selben Tempo zu den erodierenden Zinserträgen. By the way… der ostdeutsche Sparkassenverband feuert aktuell auch volles Rohr gegen Olaf Scholz und seine neuen Steuerpläne, die vor allem den Kleinsparer treffen würden, der versucht mit Aktien fürs Alter vorzusorgen. Zitat vom Verband:

Nicht hinnehmbar sei, wenn die Politik den Sparkassen und ihren Kunden das Leben zusätzlich erschwere. Beispielhaft nannte Ermrich die aktuellen Überlegungen des Bundesfinanzministers zur Transaktionssteuer. „Von der ursprünglichen Absicht, riskante Sekunden-Deals auszubremsen, sei nichts mehr übrig. Bundesminister Scholz will die großen Spekulanten schonen und bei den langfristig orientierten Vorsorge-Kleinsparern abkassieren. Deren Geldanlagen in Aktien oder Aktienfonds sollen mit einer Umsatzsteuer in Höhe von 0,2 % belastet werden. Das ist das falsche Signal, in einer Zeit, in der Fonds – auch mit Aktien im Portfolio – der einzige Ausweg sind, um denen, die Sparen können, einen Weg zu ebnen, damit sie den Null- und Negativzinsen entkommen und aktiv für das Alter vorsorgen.“

Tja, aber Olaf Scholz sagt es ja selbst… er hat nur ein Sparbuch…

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Bauzinsen sinken Richtung Rekordtief – hat Markus Krall recht?

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Bauzinsen fallen weiter - hat Markus Krall recht?

Hat Markus Krall recht? Diese Frage hatten wir erst am Montag gestellt. Da sprach ein regionaler Sparkassen-Verband von strukturell sinkenden Zinserträgen aufgrund der EZB-Politik. Heute geht es erneut um die Zinsen. Die Bauzinsen scheinen derzeit immer weiter zu sinken. Mit aktuell 0,51% im Tief kommen sie laut heutiger Veröffentlichung des Anbieters „Dr. Klein“ langsam wieder ran an den absoluten Tiefstand von 0,42%. Man schaue auf den unteren Teil der Grafik. Die Rendite für Bundesanleihen sowie der Bauzins gehen nach unten. Je schlechter die konjunkturelle Lage (dank Bau und Dienstleistungen läuft das BIP insgesamt ja noch auf der Null-Linie), desto stärker ist die Annahme, dass die EZB noch weiter lockert.

Bauzinsen fallen weiter Richtung tief

Man lese bitte die folgende interessante Aussage von Dr. Klein. Zitat:

Bereits seit Ende Januar sinken sowohl die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe als auch die Bauzinsen. Der Bestzins für ein Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung liegt aktuell bei 0,51 Prozent und ist damit nicht mehr allzu weit vom absoluten Tiefstand (0,42 Prozent) entfernt. Michael Neumann geht nicht davon aus, dass sich die Bauzinsen in den kommenden Monaten viel bewegen werden: „Solange sich die Konjunktur nicht nachhaltig positiv entwickelt, wird sich an der aktuellen Zinssituation nichts ändern. Das erneute Absinken der Bauzinsen ist allerdings nicht nur in der Konjunkturschwäche, sondern auch im aktuell starken Wettbewerb zwischen den Banken begründet. Ein neues Rekordtief ist in diesem Jahr nicht auszuschließen.“

Bauzinsen fallen weiter – hat Markus Krall recht?

Und wie schon beim deutlichen Angriff der Sparkassen gegen die EZB, so darf man auch bei den Aussagen von Dr. Klein fragen: Hat Markus Krall recht mit seiner These, dass die Banken dank immer weniger Zinserträgen irgendwann schrumpfendes Eigenkapital haben, wonach die Kreditkontraktion folgt, also die Verknappung des Kreditangebots, worauf ein großer wirtschaftlicher Kollaps folgen soll? Die Aussagen von Dr. Klein über den zunehmend scharfen Wettbewerb der Banken um Kredite vergeben zu können (weiter sinkende Zinsmargen), sprechen jedenfalls für die These von Markus Krall. Ob sein Gesamtszenario vom großen Zusammenbruch wirklich so kommt – das wissen wir wirklich nicht.

Hier noch weitere Aussagen von Dr. Klein von heute im Wortlaut:

Nach acht Jahren der expansiven Geldpolitik unter Mario Draghi hat die EZB nahezu ihren gesamten Instrumentenkasten geplündert: Der Leitzins liegt seit vier Jahren bei null Prozent, der „Strafzins“ für Banken seit mehreren Monaten bei -0,5 Prozent. Darüber hinaus hält die Zentralbank mittlerweile Staatsanleihen und weitere Wertpapiere im Volumen von fast 3 Billionen Euro. Sollte es jetzt zu einer Rezession kommen, hätten die Notenbanker daher nur noch beschränkte Möglichkeiten, der Konjunktur geldpolitisch unter die Arme zu greifen.

Während Draghi dennoch bis zuletzt die Handlungsfähigkeit der EZB verteidigte, betont Christine Lagarde auch die negativen Langzeitfolgen der lockeren Geldpolitik und erhöht den Druck auf die Politik. Die nationalen Regierungen müssten die niedrigen Zinsen nutzen und mit konsequenten Reformen in die Zukunftsfähigkeit der Euro-Staaten investieren. Michael Neumann, Vorstandsvorsitzender der Dr. Klein Privatkunden AG, hält politische Maßnahmen ebenfalls für unerlässlich. Dennoch bezweifelt er, dass die Forderungen von Lagarde Gehör finden: „Ich erwarte, dass Christine Lagarde die Nationalstaaten mit mehr Vehemenz und in kürzeren Abständen zu Reformen auffordern wird als ihr Vorgänger Draghi. Nur werden sich die Regierungen davon nicht beeindrucken lassen, solange die EZB keine Konsequenzen folgen lässt.“

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Argentinien de facto pleite – IWF fordert radikalen Schuldenschnitt

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Argentinien geht mit großen Schritten dem erneuten Staatsbankrott entgegen. In der Nacht zum Donnerstag erklärte der Internationale Währungsfonds IWF die Schulden des Landes für untragbar. Ein bedeutender Verzicht der Gläubiger sei zwingend notwendig. Ohne Schuldenschnitt steht das Land vor dem Kollaps.

Argentinien kann weder Zins noch Tilgung zahlen

Die nun offizielle Zahlungsunfähigkeit Argentiniens hatte sich bereits in den letzten Monaten abgezeichnet. Ende August letzten Jahres hatte der damalige Finanzminister Hernán Lacunza fällige Zins- und Tilgungszahlungen ausgesetzt und die internationalen Gläubiger zu Verhandlungen über eine „Restrukturierung“ der US-Dollar-Schulden aufgerufen. Am 1. September wurden dann Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, die die Lage noch verschlimmerten. Viele Argentinier hatten damals in Panik begonnen, ihr Geld außer Landes zu bringen. Innerhalb von nur 48 Stunden verließen weitere drei Mrd. US-Dollar das Land. Um den Totalabsturz der Landeswährung zu verhindern, limitierte der damalige Präsident Mauricio Macri das Umtauschvolumen von Argentinischen Pesos auf 10.000 US-Dollar pro Kopf und Monat. Die Abwertung des Peso setzte sich dennoch, wenn auch mit geringerem Tempo weiter fort. Aktuell erreicht der Wechselkurs mit 0,0158 ARS zu 1 US-Dollar einen neuen Tiefstand.

Die seit Januar geführten Verhandlungen zwischen der Ende Oktober neu gewählten Regierung in Buenos Aires und den Vertretern der größten Gläubiger waren jedoch geprägt von Misstrauen und gegenseitigen Schuldzuweisungen. Aktuell geht es um eine Summe von 113 Mrd. US-Dollar, die das südamerikanische Land seinen internationalen Gläubigern nicht zurückbezahlen möchte. Insgesamt hat Argentinien Außenstände in Höhe von 285 Mrd. US-Dollar. Die Pleite konnte trotz des größten Hilfskredits der Geschichte des IWF in Höhe von 57 Mrd. US-Dollar nicht abgewendet werden.

Der IWF gesteht nun ein, dass Argentinien seine Schulden aus eigener Kraft nicht mehr reduzieren kann – die Schuldenlast explodiert hingegen immer weiter. Bedingt auch durch den weiteren Verfall der Landeswährung gegenüber dem US-Dollar.

Die wirtschaftliche Krise des Landes, zurückzuführen auf jahrzehntelange Misswirtschaft, hatte im Spätsommer zu massiven sozialen Unruhen und schließlich zu Neuwahlen geführt. Als Sieger ging die Mitte-Links Koalition Frente de Todos hervor. Der peronistische Oppositionskandidat Alberto Fernández wurde neuer Präsident. Kritiker fürchten jedoch, dass in Wahrheit die ehemalige Präsidentin und jetzige Vizepräsidentin Argentiniens, Cristina Fernández de Kirchner, die wahre Machthaberin ist. Die Linksnationalistin hegt extreme Abneigungen gegenüber den „Heuschrecken“-Gläubigern, speziell aus den USA. Die Forderungen des IWF nach drastischen Budgetkürzungen im Sozialbereich sowie eine Privatisierungswelle lehnt die neue Regierung ebenfalls ab. Kirchner ist die Witwe des ehemaligen argentinischen Präsidenten und ersten Generalsekretärs der Union Südamerikanischer Nationen Néstor Carlos Kirchner.

Die Peronisten und die Imperialisten

Eine wesentliche Grundidee des Peronismus ist der „Justicialismo“, ein Konzept, das sich an dem europäischen Faschismus orientiert und einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Sozialismus in einem national orientierten Staat, geprägt von sozialer Gerechtigkeit präferiert (justicia social). Dabei wird eine fortschreitende Industrialisierung, die gleichmäßige und gerechte Verteilung der Einkommen sowie der Aufbau eines Wohlfahrtsstaats angestrebt. Diese Ideologie ist nach Ansicht der Peronisten unvereinbar mit den Zielen des US-amerikanischen Imperialismus und den Auflagen des IWF. Peronisten sind Anhänger des ehemaligen argentinischen Generals Juan Perón, der durch einen Militärputsch am 4. Juni 1943 an die Macht kam und zweimal Präsident des Landes war.

So ist es kaum verwunderlich, dass die linksnationalen Peronisten unter dem neuen Präsidenten Alberto Ángel Fernández selbst die Rückzahlung des IWF-Kredites neu verhandeln wollen. Dies ist eigentlich ein Tabu, da ein Forderungsverzicht des IWF generell nicht vorgesehen ist. Maximal sei eine Prolongierung des Darlehens möglich. Dies ist auch der Grund dafür, warum der supranationale Fonds auf einen radikalen Schuldenschnitt zu Lasten der privaten Gläubiger drängt. Nur so besteht überhaupt eine Chance darauf, dass der IWF sein Geld, also das Geld der Geberländer, jemals zurückerhält. Für den IWF steht damit auch seine eigene Reputation auf dem Spiel.

Nach 2001 und 2014 ist dies bereits der dritte Staatsbankrott Argentiniens seit dem Jahr 2000. Insgesamt wird es der zehnte Staatsbankrott des Landes sein. Die betroffenen Schulden in Höhe von 113 Mrd. US-Dollar rangieren im Vergleich zu früheren Schuldenschnitten ganz oben auf der Rangliste. Lediglich Griechenland brachte es im Jahr 2012 auf einen noch höheren Schuldenschnitt in Höhe von 138 Mrd. US-Dollar.

Fazit und Ausblick

Wie ich bereits gestern in dem Artikel „Wie das Coronavirus wirtschaftliche Wunden wieder aufreißt„ ausführte, besteht im Zusammenhang mit dem aktuellen China-Schock die Gefahr, dass weitere „Schwarze Schwäne“ auftauchen und die Unsicherheit an den internationalen Kapitalmärkten verstärken. Dies wiederum zwing die Notenbanken zu noch aggressiverer Geldpolitik. Da nicht zuletzt die Aufwertung des US-Dollars Mitauslöser für das Schuldendilemma Argentiniens und anderer Staaten (Brasilien, Türkei, Chile etc.) ist, wird auch die US-Notenbank nicht umhinkommen, die Dollar-Zinsen zu senken und somit die Aufwertung der Schuldenwährung Nummer eins zu stoppen. Andernfalls droht ein Dominoeffekt der Staatsbankrotte.

Argentinien steht unmittelbar vor dem nächsten Bankrott

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