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Axel Voss als Initiator von Artikel 13 denkt über Verbot von YouTube nach

Claudio Kummerfeld

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am

Was? Kann das sein Ernst sein? Offenbar schon! Jetzt gibt CDU-Mann Axel Voss, der Initiator von Artikel 13 des neuen EU-Urheberrechts, jegliche Zurückhaltung auf. Heuchelei oder eine bisherige bewusste Falschinformation der Öffentlichkeit kann man ihm aktuell durchaus vorwerfen. Aber schauen wir uns mal genauer an, was er in aktuellen Interviews gesagt hat.

Uploadfilter unter Artikel 13 laut Axel Voss auf einmal doch notwendig?

Gebetsmühlenartig hatte Axel Voss in den letzten Wochen bestritten, dass es unter Artikel 13 Uploadfilter geben werde. Sie wären ja auch gar nicht im Gesetzestext erwähnt, und seien überhaupt nicht notwendig. Jetzt aber spricht Herr Voss auf einmal Klartext. So sagt er, dass man es bei großen Plattformen wie bei YouTube ohne eine technologische oder softwaregestützte Haltung gar nicht anders werden schaffen können. Gemeint sind hiermit die Uploadfilter, um das Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte auf Plattformen wie YouTube zu verhindern. Ach, sieh an. Auf einmal ist ihm ein Lichtlein aufgegangen, dass es gar nicht anders funktioniert? Oder hat er wochenlang die Öffentlichkeit belogen?

Unter Artikel 13 YouTube verbieten wäre eine Möglichkeit für Axel Voss

Und jetzt hat Axel Voss endgültig den Vogel abgeschossen. So sagte er auch, dass YouTube ein Geschäftsmodell mit dem (urheberrechtlich geschützten) Eigentum anderer Menschen kreiert habe. Falls es die Absicht von YouTube sei Menschen freien Zugang zu urheberrechtlich geschützten Arbeiten zu geben, dann sollte man darüber nachdenken, ob diese Art von Geschäftsmodell noch weiter existieren sollte. Im Klartext: Wenn Artikel 13 in Kraft ist, könnte man auch darüber nachdenken YouTube abzuschaffen. Ist ja eh nur eine Horde krimineller Copyright-Verletzer, stimmt´s, Herr Voss? Zitat Axel Voss:

„They have created a business model with the property of other people – on copyright protected works. If the intention of the platform is to give people access to copyright protected works then we have to think about whether this kind of business should exist. The new legislation is improving the situation for the European creators industry.“

Mal ehrlich. Ist der gute Mann noch ganzbei Trost? Ist ihm gar nicht klar, dass der überwiegende, weit überwiegende Teil der Inhalte bei YouTube von Content-Creatern tagtäglich mühsam selbst produziert wird? Dass hunderttausende Menschen von YouTube leben? Da fehlen einem echt die Worte. Aber das Gute daran ist, dass Axel Voss nun endlich seine Maske hat fallen lassen. Bisher hieß es von ihm ja immer, dass doch unter Artikel 13 alles genau so bleiben werde wie bisher. Die ganze Aufregung der (schlecht informierten und verblendeten Kids?) sei doch völlig übertrieben. Aber so langsam lässt er durchblicken, welch Geistes Kind er ist!

Jetzt gilt es um so mehr: Demonstrieren! (hier die Übersicht der aktuellsten Demos) Bis zum 25. März ist noch Zeit, denn dann beginnt im EU-Parlament in Brüssel die Sitzungsperiode, wo über Artikel 13 abgestimmt wird. Und vor allem Parlamentarier anrufen, ansprechen, oder anmailen (bitte nicht mit standardisierten Emails). Sehen Sie bitte auch das brandaktuelle Video zum großen Rundumschlag von Axel Voss von Deutschlands wohl bestem Nachrichten-YouTuber HerrNewstime.

Axel Voss will Artikel 13 unbedingt durchsetzen
CDU-Mann Axel Voss im EU-Parlament ist Initiator der Urheberrechtsverschärfungen nach Artikel 13. Foto: Sebastiaan ter Burg CC BY 2.0

15 Kommentare

15 Comments

  1. Avatar

    md

    13. März 2019 19:57 at 19:57

    ich will ja nicht hämisch klingen, :)))
    aber kommen hier türkische verhältnisse auf oder bin ich im falschen film. :)))
    erdogan lässt grüßen. ach ja drüben ist nur wiki verboten. youtube geht noch. soviel verbot wäre zuviel des guten. :))
    sorry aber ich kann nicht anders, ich muss lachen

    • Avatar

      leftutti

      13. März 2019 23:03 at 23:03

      @md, Schuld sind sicherlich wie immer die Grünen, wäre das nicht so, müsste sogar ich über die macht- und herrschaftsgeilen Jammergestalten Voss und Erdogan lachen. Sie als Deutschtürke freuen sich, dass in beiden Ihrer „Mutterländer“ irgendwelche Despoten und Zensoren der freien Meinungsäußerung Oberwasser gewinnen. Eigentlich sollte man darüber traurig oder besorgt sein, statt hämisch zu jubilieren. All das klingt eher nach AfD-Populismus: Gebrüll statt Lösungen.

      Bald sind Europawahlen: #niemehr CDU/CSU, niemehr SPD, #niemalsAfD

      • Avatar

        Peter

        3. April 2019 22:45 at 22:45

        Die einzige Rettung ist die AFD. Sie sollten sich mal deren bundestagsreden anhören… ruhig und sachlich

        • Avatar

          leftutti

          4. April 2019 11:22 at 11:22

          …außer sie verlassen mal wieder geschlossen beleidigt den Saal.

        • Avatar

          Kenguru

          4. April 2019 12:05 at 12:05

          Reichlich unsensibel so kurz nach einer Spendenaffäre plumpe Parteiwerbung in einem Wirtschaftsforum zu platzieren.

  2. Avatar

    Rationaller Johhny

    14. März 2019 11:56 at 11:56

    Die Welt besteht nicht aus der EU, wenn das wirklich durchkommt wird Google ihre server in die USA und Grossbritannien verlegen samt Arbeitsplätze. Den die grenzen der EU enden an der französischen Küste.

  3. Avatar

    Diana

    14. März 2019 14:55 at 14:55

    CDU/CSU Vorschläge/ Umsetzungen der letzten Zeit:

    -Erweiterung der polizeilichen Befugnisse

    -Abschaffung des DarkNet (Vor allem wichtig für Journalisten und Whistleblower durch die gegebene Anonymität)

    -Härtere Gangart und erweiterte Gesetzte gegen Whistleblower

    -Uploadfilter die die Meinungsfreiheit mindern (nicht abschaffen aber auf jeden Fall minimieren)

    -Abschaffung von YouTube und ähnlichen Seiten (eine der wichtigsten und schnellsten Möglichkeiten zur Verbreitung von Nachrichten)

    Ich kaaaaaann mir nicht helfen, aber die Richtung die die CDU/CSU einschlägt… Hmm, das Gesamtbild spricht für sich

    • Avatar

      leftutti

      14. März 2019 15:44 at 15:44

      @Diana, die Richtung, welche die CDU/CSU einschlägt ist genau die, die sie auch schon vor 40 Jahren verfolgt haben. Bei den ach so christlichen Parteien hat sich nichts, aber auch gar nichts geändert. Nur manchmal fahren sie einen verbal politisch korrekteren Kurs, der nicht gleich auf den ersten Blick so offensichtlich ist. Und manchmal gibt es Phasen oder Personen (FJS, Zimmermann, Beckstein, Kohl, Gauweiler, Geißler & Konsorten), bei denen die ganze schwarze Seele für jeden offensichtlich zum Ausbruch kommt.

      Sie haben völlig Recht, seit einiger Zeit (seit Merkel ihr politisches Ende ankündigt hat?!), sind verstärkt innenpolitische Radikalisierungstendenzen ganz offen erkennbar.

  4. Avatar

    Michael

    14. März 2019 16:56 at 16:56

    Vielleicht sollte ihm mal jemand stecken, dass es gar keine aktiven Uploadfilter gibt und diese auch technisch nicht realisierbar sind ?
    Irgendwelche „ich wünsch mir was“-Gesetze oder fortwährendes Herbeireden wird daran auch nichts ändern. Da kann er sich auch mit Youtube anlegen und eine blutige Nase holen, das ändert doch auch alles nicht die Realität.

    • Avatar

      Michael

      14. März 2019 18:12 at 18:12

      @Michael, Sie verwenden denselben Nickname wie ich. Würde es Ihnen aus Gründen der Unterscheidbarkeit etwas ausmachen, diesen zukünftig etwas abzuändern? Ansonsten wird es verwirrend für die Leser.

      • Avatar

        ms

        14. März 2019 21:51 at 21:51

        @Michael: kein Problem.

        Noch zum Beitrag: Da es scheinbar keine belastbaren Zahlen zu den vermeintlichen Urheberrechtsverstößen bei Youtube gibt, er aber behauptet, dass deren Geschäftsmodell nur darauf aufbaut, der tiefere (Un)Sinn dieses Gesetzes auch speziell darauf zielt, könnte Youtube rechtliche Schritte dagegen prüfen.

  5. Avatar

    Dude

    14. März 2019 17:50 at 17:50

    Guter Witz. U made my day! Thx!

  6. Avatar

    helmutn

    15. März 2019 07:20 at 07:20

    Zuallererst ist es mal „Mutti“ die sich verantwortlich für die Verbotsorgien zeichnet und für alle anderen Verwerfungen wie Rechtsbrüche,Rechtsbeugungen ect. denn Leute wie Voßkuhle und Haldenwang gehen wohl auf ihr Konto.

    • Avatar

      leftutti

      15. März 2019 12:51 at 12:51

      @helmutn, ich glaube, so einfach ist es nicht, dass man die Verantwortung immer dem Staatsoberhaupt zuschieben kann. In Amerika mag das der Fall sein, aber hierzulande kann die Kanzlerin nicht so einfach ihren Hunden und Schergen den Mund verbieten. Vor allem dann nicht, wenn sie sich in einer geschwächten Position befindet.
      Wenn beispielsweise die CSU irgendwelche Alleingänge und Vorstöße in Angriff nimmt (siehe z.B. Glyphosat), kühlt schlimmstenfalls die Stimmung zwischen Bayern und Berlin ab, ab mehr kann Mutti da nicht machen. Und wenn MdEP Vossibär seine One-Man-Show abzieht, kann sie ihn nicht aus dem Europäischen Parlament schmeißen, in das er demokratisch gewählt wurde.

      Unabhängig mal davon, dass die rabenschwarze Partei seit jeher Tendenzen zur totalen innenpolitischen Überwachung an den Tag legt und natürlich diesen Wahnsinn ohnehin vollkommen unterstützt.

      Ex-NSDAP-Mitglied, Meineidbauer „Old Schwurhand“, Verschärfer des Demonstrationsstrafrechts, Einschränker des Datenschutzes, Komplettversager beim Krisenmanagement des Reaktorunfalls in Tschernobyl und nicht zuletzt Ex-Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann wird ob dieser Maßnahme vor Freude im Grab hüpfen.

  7. Avatar

    Gamble

    19. März 2019 16:35 at 16:35

    Dann wird youtube im Darknet aufgezogen…cu there

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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am

Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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Autoindustrie: Zulieferer bauen massenweise Stellen ab

Claudio Kummerfeld

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Autos am Abstellplatz - Zulieferer der Autoindustrie mit Stellenabbau

Die deutsche Autoindustrie steht vor dem Doppelproblem der Coronakrise sowie des Strukturwandels, hin zu E-Autos und Brennstoffzelle. Die Krise hatte aber schon vor dem Ausbruch des Coronavirus begonnen. Seit Monaten läuft die Welle der Entlassungen in der Autoindustrie. Von der breiten Öffentlichkeit wenig beachtet, sind es vor allem die Zulieferer, die in großem Stil Stellen abbauen. Hier ein paar Beispiele von den ganz Großen der Branche.

Zulieferer der Autoindustrie mit massivem Stellenabbau

Einer der Giganten der Zulieferer für die deutsche Autoindustrie ist Continental. Erst Anfang September verkündete man den Abbau von 30.000 Stellen, 13.000 davon alleine in Deutschland (bislang 59.000 Mitarbeiter in Deutschland). Dazu hier nur ein ganz kurzer Auszug aus der Meldung von Continental:

Die gesamte Autoindustrie hat derzeit gewaltige Herausforderungen zu bewältigen. Keine ihrer Krisen der vergangenen 70 Jahre war größer und schärfer. Sie trifft die Zulieferer besonders hart. Sie verlangt uns kurzfristig schon sehr viel ab und fordert uns auf Jahre bis zum Äußersten. Nach etwa einem Jahrzehnt des schnellen, profitablen Wachstums und Beschäftigungsaufbaus entlang des bisherigen Wachstumsmodells der Autoindustrie richten wir uns jetzt auf eine neue Art des Wachstums mit Zukunftstechnologien aus.

ZF Friedrichshafen

Das Unternehmen ZF Friedrichshafen ist ebenfalls einer der ganz großen Zulieferer in der Autoindustrie. Auch hier werden laut Meldung des Unternehmens Stellen abgebaut. Aber das Anbieten von Abfindungen, Altersteilzeit etc klingt doch besser als Entlassung? Zitat vom Unternehmen:

In Deutschland hat das Unternehmen dazu den „Tarifvertrag Transformation“ mit der Arbeitnehmervertretung und den Gewerkschaften geschlossen. Er sieht vor, dass ZF bis Ende 2022 keine betriebsbedingten Kündigungen ausspricht und keine Standorte in Deutschland schließt. Im Gegenzug erhält das Unternehmen die Möglichkeit, die Arbeitszeiten von Tarifmitarbeitern um bis zu 20 Prozent zu reduzieren und gezielt Abfindungs- und Altersteilzeitpakete in Deutschland anzubieten. Seit Mitte des vergangenen Jahres hat ZF weltweit 5.300 Stellen abgebaut, davon allein 3.800 seit Jahresbeginn.

Mahle

Erst gestern hat der Autozulieferer Mahle verkündet 7.600 Stellen streichen zu wollen, 2.000 davon in Deutschland. Man habe seine Geschäftseinheiten, Regionen und Standorte eingehend bewertet und globale Überkapazitäten von 7.600 Stellen ermittelt, so drückt man es aus. Aus den folgenden Worten des Unternehmens kann man entnehmen, dass die Lage in der deutschen Autoindustrie wohl doch dramatischer ist, als man es annehmen möchte. Zitat Mahle:

Bereits im letzten Jahr hatte MAHLE vor dem Hintergrund des technologischen Wandels in der Automobilindustrie und eines anspruchsvollen Marktumfeldes umfassende Kostenspar- und Restrukturierungsprogramme eingeleitet. Durch die massiven Einbrüche der internationalen Märkte und die anhaltend niedrigen Kundenabrufe als Folge der Corona-Pandemie hat sich der Handlungsdruck nochmals deutlich verschärft. MAHLE prognostiziert eine Rückkehr der Fahrzeugmärkte zum Vorkrisen-Niveau erst in mehreren Jahren. Zugleich bleibt das Vorantreiben der technologischen Transformation unerlässlich.

Schaeffler

Auch Schaeffler ist ein Großer der Branche. Bis Ende 2020 will man weitere 4.400 Stellen in Deutschland und Europa abbauen. Betroffen sind der Stammsitz in Herzogenaurach, sowie elf weitere Standorte in Deutschland und zwei im Ausland. Für die Standorte Wuppertal und Clausthal-Zellerfeld wird eine Komplettschließung nicht mehr ausgeschlossen, so Schaeffler in seiner Mitteilung vom 9. September. Neben Mahle erkennt man auch in den Aussagen von Schaeffler klar, dass die Krise der Autoindustrie und ihrer Zulieferer schon lange vor der Coronakrise begann. Zitat:

Der weltweit tätige Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hatte bereits im Jahr 2018 angesichts der sich abzeichnenden technologischen und regulatorischen Veränderungen sowie geänderter Kundenanforderungen begonnen, seinen europäischen Werkeverbund anzupassen, die Organisation zu verschlanken und stärker auf die Bedürfnisse der Sparten auszurichten. Vor diesem Hintergrund wurde im November 2018 die Präsenz in Großbritannien um drei Standorte reduziert. Zudem wurde im Frühjahr 2019 in der Sparte Automotive OEM das Effizienzprogramm RACE etabliert, dem im Verlauf desselben Jahres die Spartenprogramme GRIP (Automotive Aftermarket) und FIT (Industrie) folgten. Im Rahmen von RACE wurden seitdem unter anderem die drei Automotive-Standorte Hamm, Unna und Kaltennordheim verkauft. Ferner wurde im September 2019 noch vor Ausbruch der Coronakrise ein zusätzliches Freiwilligenprogramm aufgelegt, das sich aktuell in der Umsetzung befindet. Die Zahl der Beschäftigten der Schaeffler Gruppe hat sich seit Ende 2018 um rund 8.250 Stellen von 92.478 auf 84.223 per Ende Juni 2020 verringert, was einem Rückgang um knapp 9 Prozent entspricht. Die genannten Maßnahmen sind dabei bisher nur teilweise in den Beschäftigtenzahlen reflektiert.

Bosch

Auch bei dem Giganten der Branche Bosch tut sich in Sachen Stellenabbau und Werksschließungen so einiges. Wir verweisen an dieser Stelle auf folgende Berichte der FAZ sowie auf regionale Berichte (hier und hier).

Transformation und neue Jobs in der Autoindustrie?

Es fallen also hunderttausende Stellen in der Autoindustrie weg, was offenbar die Zulieferer richtig hart trifft. Glaubt man den Unternehmen, dann ist es Teil der großen Transformation hin zu E-Mobilität etc, wo einfach weniger Beschäftigte in der Produktion benötigt werden (vereinfacht ausgedrückt). Dazu kommt derzeit noch die Auto-Krise, die offenbar schon 2018 begann, sich 2019 verschlimmerte, und in welcher die Coronakrise als Brandbeschleuniger fungierte. Da stehen nun Mengen an qualifizierten Facharbeitern. Wohin mit ihnen, wenn sie offenkundig auf Sicht von Jahren in der Autoindustrie keinen neuen Job mehr finden werden? Das ist wohl die wichtigste Frage. Da bei solchen Stellenstreichungen erstmal verhandelt wird, Sozialpläne erstellt werden etc, sehen wir die meisten dieser Entlassenen wohl jetzt noch nicht in den Arbeitslosenstatistiken. Werden sie in einer Nach-Corona-Welt neue Betätigungsfelder in neuen Industrien finden können? Wird die Industrie stark und innovativ genug sein, um neue Stellen zu schaffen? Denn trotz aller „Zukunftsprogramme“, sollte man sich nun wirklich nicht auf die Politik als Schaffer neuer Arbeitsplätze oder neuer Industrien verlassen!

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