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Artikel 13: CDU-Mitglied zerreißt Ausweis, erste Demo in Köln, Samstag europaweiter Aktionstag

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Immer mehr Spinner, Verwirrte, Uninformierte und Verschwörungstheoretiker trauen sich aus ihren Löchern und protestieren gegen Artikel 13. Würde der Initiator des neuen EU-Urheberrechts Axel Voss von der CDU es so deutlich sagen? Wohl kaum. Aber in den letzten Tagen hat er immer wieder klar zum Ausdruck gebracht, dass er die Gegner von Artikel 13 für eine Lachnummer hält. Schlecht informiert seien sie, nicht lernbereit, stur, und sie würden einfach nicht verstehen, worum es denn wirklich geht.

Sehen YouTube-Videos nach Artikel 13 so aus?

Ein im deutschen YouTube inzwischen bekannter Fashion-Interviewer mit mehr als 150.000 Followern befragt regelmäßig Menschen auf der Straße, was sie für ihre Outfits bezahlt haben, und wo sie sie gekauft haben. Er zeigt aktuell auf, wie seine Videos aussehen könnten, wenn Artikel 13 in seiner jetzt geplanten Form umgesetzt wird (hier mehr Hintergründe). Und ja, so meinen auch wir, diese Darstellung ist durchaus realistisch. Denn alles, was urheberrechtlich geschützt ist, und ohne Genehmigung verwendet wird, soll ja nicht mehr von den Plattformen zum Hochladen genehmigt werden. Und da in solchen Videos ständig Markennamen und Logos gezeigt und ausgesprochen werden, müssten Videos womöglich so aussehen, weil die Uploadfilter das alles sonst automatisch erkennen und das Video noch vor dem Hochladen blocken würden!

CDU-Mitglied zerreißt Mitgliedsausweis

Ein YouTuber, der sich im folgenden aktuellen Video als wertkonservatives CDU-Mitglied „outet“ und seit vier Jahren Parteimitglied ist, hat die Schnauze voll in Sachen Artikel 13. Er spricht von einem offenen Angriff auf die hunderttausend Inhalte-Ersteller bei YouTube. Seinem Noch-Parteimitglied Axel Voss unterstellt er entweder, dass er lügt, oder dass er völlig ahnungslos ist, und dass er wohl seinen eigenen Gesetzestext gar nicht verstanden habe. Er werde nun die CDU verlassen, und zerreist im folgenden Video seinen CDU-Mitgliedsausweis. Er werde die Partei nie wieder wählen, und auch andere Menschen wolle er davon überzeugen. Klar ist: Die Front verläuft eindeutig bei der CDU, die fast geschlossen für Artikel 13 ist. Andere Parteien wie Gründe und SPD sind komplett oder fast ganz dagegen.

Zwei SPD-Politiker stellen sich konkret Fragen zu Artikel 13 im folgenden Video-Interview.

Erste Demo in Köln gegen Artikel 13, großer europaweiter Aktionstag

Am Samstag waren offenbar tausende Menschen zur ersten großen Demo nach Köln angereist, um gegen Artikel 13 zu protestieren (hier nochmal die Infos zum Inhalt des Gesetzes). Wohl im April wird final im EU-Parlament abgestimmt, und bis dahin hat jeder Bürger die Möglichkeit auf die Parteien und die Abgeordneten in Brüssel Druck auszuüben (vor allem aus dem konservativen Lager). Am Samstag den 23. März gibt es einen europaweiten Aktionstag gegen Artikel 13. Über diesen Link können Sie die Europakarte sehen, wo und wann genau etwas stattfindet.

In Deutschland gibt es offenbar Demos in München und Frankfurt. Aber angeblich soll es auch eine große Demo im Berlin geben. Informieren Sie sich hierzu bitte laufend im Netz, zum Beispiel über Twitter und YouTube. Empfehlen können wir hierzu als aktuelle Nachrichtenquelle den wohl besten Nachrichten-YouTuber in Deutschland „HerrNewstime“ (hier klicken). Was auffällt: Die Demo-Teilnehmer sind sehr jung, in der Regel unter 30 Jahre. Da rennt eine ganze Generation vorbei an der CDU, möchte man glatt sagen. Und da sage man noch mal die Jugend interessiere sich nicht mehr für Politik! Hier einige Eindrücke von der Demo am Samstag in Köln.

Der Initiator von Artikel 13 Axel Voss von der CDu
CDU-Mann Axel Voss. Foto: Martin Kraft CC BY-SA 3.0 – Ausschnitt aus Originalfoto

10 Kommentare

10 Comments

  1. Bernd Parg

    18. Februar 2019 18:30 at 18:30

    Leider ist Ihnen, was den Termin für die Europaweite Demo angeht, ein Fehler unterlaufen.

    Diese finden am 23.März statt, nicht wie im Artikel geschrieben 23.2

  2. Columbo

    18. Februar 2019 19:29 at 19:29

    „Und da sage man noch mal die Jugend interessiere sich nicht mehr für Politik!“

    Naja, für Politik würde ich nicht sagen, sie wacht halt vorübergehend auf, wenns ums Netz geht.

    • Michael

      18. Februar 2019 22:35 at 22:35

      @Columbo, genau so würde ich das auch mal sehen. Ein paar Hundert „Demonstranten“, von denen ein paar Hundert ins geistig-kommunikativ paralysierende Smartphone glotzen, ob der unmittelbare Nachbar die eben per Mikrofon, PA und Lautsprechern abgesendete „Botschaft“ des Anheizers 10 Meter vor ihnen („stoppt die Zensur“) auch auf dem Display hat. Alles schon gefilmt, synchronisiert und online in allen Clouds? Alles bereits social verlinkt, mit Daumen, Vogel, Plus, X und Hashtag versehen?

      Demonstrieren der eigenen Unzufriedenheit und Widerstand durch Penetranz, durch physische Präsenz, durch verbalen Widerspruch mittels ihrer Stimmbänder, durch politischen Ungehorsam müssen die Demo-Küken offensichtlich erst noch lernen. Um reale Politik geht es hier eindeutig nicht so sehr, als um eine diffuse Angst um die geliebte Parallelwelt der stimmbandfreien und anonymen Kuschelzimmerwelt der Smart-iGeräte.

      Ich zitiere aus dem zweiten Video: „Noch nie gab es so eine Bewegung für was Gutes, in der so viele Leute mobilisiert wurden für was Gutes…“

      Da bleibt mir als Demonstrations-Veteran gegen Atombomben und noch mehr Atombomben, für Frieden und Wohlstand statt machtpolitischer Dogmen und Predigten, für die Erhaltung eines ganzen Planeten wenigstens als lebenswerte Grundlage der eigenen Existenz fast schmunzelnd die Luft weg. Mag daran liegen, dass ich 300.000 friedlich demonstrierende Leute auf der Straße erlebt habe.

      Welchen Geschichtslehrer hatten bzw. haben solche jungen Leute in der Schule? Bzw. welche Suchmaschinen außerhalb Google benutzen die denn in ihrem vernetztem Digital-Universum?

      Mit diesem Kuschelclub kann keiner einen abgebrühten Christlichen Unionisten erschrecken. Ebenso wenig, wie mit chaotisch randalierenden Gelbwesten ohne Plan und klare Ziele.

      • vvhiistle

        19. Februar 2019 00:27 at 00:27

        Man merke das sie negativität verbreiten. Das Inetz ist eins der besten Dinge die Der Menschheit passieren konnte. Plötzlich gibt es 1000 mehr möglichkeiten als eine 0815 Arbeit, Infos sammeln war noch NIE so einfach, Der Austausch von Informationen ob sie nötig oder nicht sind macht im Realen Leben kein unterschied denn in Grunde genommen gibt es keinen Unterschied ob ich ihnen das Mitteile über Imternet oder nicht. Sie hören/lesen es so oder so. Den (Technischen) Fortschritt kann man nicht in die andere Richtung drehen, liegt in der Menschlichen Natur. Ich als Zukünftiger Unternehmer kämpfe gegen Art. 11 und 13 da durch diesen „Müll“ meine zukunft,Pläne den Bach runter geht. Ich möchte kein Industriekaufmann oder fachautomechatroniker oder sonst was werden. Das Internet bietet mir die Möglichkeit. Nicht nur mir . Jedem Einzelnen. Man kann durch jeden Müll erfolgreich werden. Wir Leben in jetzt in der Goldenen Zeit. Und Diese Goldene Zeit wird man uns nicht von Menschen wegmehmen lassen die 6 mal so Alt sind wie wir, die Lobbyisten vor dem eigenen Volk sehen… #NieMehrCDU #StopptfieZensur #StopptDieErkennungsTechnologien

        • Kenguru

          19. Februar 2019 06:51 at 06:51

          Macht kaputt, was Euch kaputt macht!

        • Columbo

          19. Februar 2019 07:33 at 07:33

          @vvhiistle
          Aber deutsch lernt man im Netz nicht so richtig, scheint mir.

        • Michael

          19. Februar 2019 10:36 at 10:36

          @vvhiistle, ich verbreite überhaupt keine „Negativität“ gegen das Internet. Nein, ich finde es auch sehr brauchbar für die Informationssuche und ein gewisses Maß an Kommunikation. Man findet außerdem kostenlose Raubkopien, bekommt am Tag 50 nervtötende Spammails, muss ständig auf der Hut vor Malware sein und zweifelt am Sinn des Lebens, wenn mal für einen Tag die Verbindung zum Provider ausfällt.

          Bei den großen Datenschnüfflern, -sammlern und -verkäufern von Facebook, Twitter, Alphabet usw. bin ich mir hingegen nicht so sicher. Sicher bin ich mir jedoch, dass es einen gewaltigen Unterschied macht, ob Du mir etwas über das Internet mitteilst oder face-to-face. Das ist echt cool, da kann ich zum Beispiel ganz schnell erkennen, ob Du mich anlügst oder nicht, ob Du etwas ernst meinst oder nicht uvm.

          Ansonsten schließe ich mich dem Hinweis von @Columbo etwas weiter unten an. Arbeite an deinem Deutsch, ich würde nie Geschäfte mit jemandem machen, der mir solch ein Kauderwelsch um die Ohren haut. Tipp: Bücher lesen kann da sehr weiterhelfen 😉
          Ich nenne Dich ganz despektierlich „Du“, weil ich aus deiner Aussage oben auf dein Alter schließe: Die Leute, die dir deine Goldene Zeit wegnehmen wollen, sind meistens so 50 bis maximal 70 Jahre alt. Und das geteilt durch 6 ergibt als Mittelwert 10 Jahre.

          • Michael

            19. Februar 2019 10:55 at 10:55

            Korrigiere: dem Hinweis von @Columbo oben

      • leftutti

        19. Februar 2019 01:06 at 01:06

        @Michael, atomare und „konventionelle“ Aufrüstung, utopisch steigende Militärausgaben, erneute Etablierung der alten Feindbilder, Drohungen statt Dialog, das wäre doch ein guter Grund für Euch alten Demo-Deppen, mal wieder auf die Straße zu gehen. Zumindest, solange die Jugend zu faul und das Mittelalter zu ignorant dafür ist.
        Du weißt sicher, wie ich das meine und erkennst die Ironie 😉

  3. Kitsutilo

    21. Februar 2019 10:33 at 10:33

    Mal wieder sieht man, dass die presse keine ahnung hat um was es der jugend geht. es geht hierbei um den schutz von satiere, reveiws,parodien, memes und formaten wie let’s plays, als auch um die lächerlichen auflagen, die in artikel 13 für kleine seiten gestellt werden, die nicht realistisch sind. Ein scharfer uploadfilter wird nicht in der lage sein VERLÄSSLICH erkennen zu können ob es sich um einen bruch des uhrheberachutzes handelt, oder es in den bereich der pressefreiheit fällt.
    Im amerikanischen gibt es so etwas wie fair use, aka dass videoausschnitte und tonspuren genutzt werden dürfen, solange diese nicht den orginalen inhalt wiederspiegeln, was parodien, reviews ect schützt, in deutschland haben wir sowas ähnliches auch, nur das wird von artikel 13 in einer weiße bedroht, die die politiker nicht verstehen.
    Memes sind ein grundlegender bestandteil des internets und verstoßen meistens nicht gegen das urheberrecht, da sie eben so wie parodien geschützt sind, ein filter wird ein bild sehen und sich denken: „oh! bild aus serie X mit text! blockieren!“.
    Auf youtube hat man eh schon mit falschen urheberrechtsclaims zu kämpfen, ein filter würde es nicht besser machen vielmehr würde es so werden, dass sich formate wie reviews und let’s plays wieder so rückentwickeln, dass man den developer nach einer lizens fragen muss, damit man das spiel in einem let’s play spielen darf (was gerne gerne gesehen wird, weil es ist kostenlose werbung, developer gehen manchmal sogar auf let’s player zu und schenken ihnen ein spiel ganz nach dem motto:“let’s play das mal, das spiel ist toll, dir gefallen spiele in diese richtung, deine zuschauer mlgen sowas auch und es hilft uns beiden) oder wenn man eine review verfassen möchte, wo der developer dann sagen kann:

    „hey du, im vertrag steht nicht, dass du was negatives sagen darfst, wir nehmen dein video einfach mal runter“.

    Und das ist wo die Probleme beginnen, wer sagt, dass das nicht auch firmen machen können weil das logo zu sehen ist? Wer sagt, dass man die lizens des developers nicht verliert weil man was schlechtes sagt? wer sagt, dass die last auf die firmen nicht zu hoch wird, als dass sie genug lizensen rausgeben können, was letztendlich fatal für kleine oder angrhende let’s player ist? und was ist mit memes, die meinungen vertreten oder einfach nur lustig sind und eine serie oder einen film celebrieren?

    Was ist mit unserer freiheit im netz und unserer kreativität? Mit unseren Rechten, die durch artikel 13 alles andere als geschützt wird? darum geht es bei der petition mit 4,6 millionen stimmen und bei dem letzten protest und den aufkommenden protesten, darum geht es der jugend.

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Artikel 13 laut CDU doch ohne Uploadfilter? Achtung, Merkel-Falle!

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Auf den ersten Blick möchte man sagen, dass ein Wunder geschehen ist. All die Proteste gegen Artikel 13 des neuen EU-Urheberrechts scheinen Wirkung gezeigt zu haben. Kann das sein? Die CDU hat verkündet, dass man auf die Anwendung von Uploadfiltern verzichten will. Das klingt ja fast zu schön um wahr zu sein. Hier der entscheidende Tweet der CDU und der Text zum Nachlesen.

Artikel 13 ohne Uploadfilter?

Sind die Kritiker am Ziel? Ist die CDU einsichtig? Es klingt doch zu schön um wahr zu sein. In den folgenden Videos nehmen HerrNewstime und Christian Solmecke dazu eine Einschätzung vor.

In diesem Blogbeitrag des WDR wird das merkwürdige Zurückrudern der CDU in Sachen Uploadfilter ebenfalls kritisch kommentiert.

Achtung Merkel-Falle bei Artikel 13

Warum sprechen wir von einer „Merkel-Falle“? Das klingt doch nach polemischer oberflächlicher Hetze gegen unsere Kanzlerin? Wenn die CDU als Partei (beziehungsweise führende Politiker der CDU) sich offenbar dazu entschlossen hat bei Beschluss von Artikel 13 auf EU-Ebene das Gesetz zu entschärfen, dann wird doch noch alles gut? Denn letztlich bestimmt der deutsche Gesetzgeber, wie Artikel 13 für deutsche Internet-User in Deutschland angewendet wird. Denn alle EU-Gesetze müssen letztlich von den nationalen Regierungen noch in „Nationales Recht“ umgesetzt werden. Also muss hierzulande ein deutsches Gesetz dafür geschrieben werden, welches Artikel 13 des EU-Urheberrechts entspricht.

Nur wie genau man das Gesetz ausgestaltet, da ist natürlich Spielraum. Und das klingt doch super, dass die CDU diesen Spielraum nun im Sinne der Kritiker nutzen möchte? Ohhh, man erinnere sich bitte. CDU/CSU und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag glasklar gegen Uploadfilter ausgesprochen. Bundesjustizministerin Barley und die „Bundesdigitalministerin“ Doro Bär aus der CSU hatten sich beide gegen diese konkrete Umsetzung des neuen EU-Urheberrechts stark gemacht. Trotzdem nutzte Angela Merkel einfach ihre „Richtlinienkompetenz“ als Kanzlerin, damit Deutschland als Staat im EU-Rat doch für Artikel 13 stimmt. Vorbei an allen gegenteiligen Meinungen der zuständigen Minister in ihrem Kabinett.

Tja, und nun kommen wir zur entscheidenden Sache. Wenn einige wichtige oder vermeintlich wichtige CDU-Funktioniere verkünden, dass Uploadfilter auf nationaler Ebene verhindert werden – warum sollte sich Angela Merkel daran halten? Sie kann ja schließlich über alle Partei-Kollegen hinweg regieren. Diese Zusage der CDU scheint relativ wenig wert zu sein, wenn man sieht, wie radikal und ignorant Artikel 13 offenbar auf EU-Ebene gerade durchgepeitscht wird. Angela Merkel muss so ein Papier ihrer eigenen Partei nicht interessieren, wenn das nationale Gesetz geschrieben wird. Also sollte man sich jetzt nicht auf dieser Beruhigungspille der CDU ausruhen als Gegner der Richtlinie. Ein SPD-Politiker merkt dazu aktuell an:

AKK spricht davon, dass die SPD in Sachen Artikel 13 Hetze betreibt

Einfach unfassbar. Angela Merkels Nachfolgerin AKK sagt doch allen Ernstes, dass die SPD in Sachen EU-Urheberrecht Hetze betreibe. Bitte? Bitte was Frau AKK?

Hier noch ein bisschen Realsatire. Die GEMA erklärt, dass das alles überhaupt kein Problem ist.

Angela Merkel Artikel 13 Uploadfilter
Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

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Bundesbank: Bargeld unproblematisch, Industrie bremst Konjunktur

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Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für März veröffentlicht. Die Situation sieht wie folgt aus: Die Gesamttendenz bleibt mau, ist aber nicht katastrophal. Die Industrie laufe zwar wegen einer Delle bei den Autobauern schlecht, dafür würden aber die Baubranche und die Inlandsnachfrage viel von der Industrieschwäche wieder ausgleichen – so möchten wir die Worte der Bundesbanker sinngemäß wiedergeben. Zitat Bundesbank auszugsweise:

Die konjunkturelle Lage blieb nach der Jahreswende verhalten. Dies habe vor allem an der sich weiter abkühlenden Industriekonjunktur gelegen, heißt es im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank. Das Verarbeitende Gewerbe könnte damit das dritte Quartal in Folge das gesamtwirtschaftliche Wachstum dämpfen, schreiben die Expertinnen und Experten. Als Stützen des Wachstums dürften ihrer Einschätzung nach hingegen der Bausektor und der private Konsum dienen.

Die Industrieproduktion ging im Januar 2019 kräftig zurück, saisonbereinigt um 1 ¼ Prozent gegenüber dem Vormonat. Ausschlaggebend war laut Monatsbericht ein erneuter Dämpfer in der KfZ-Industrie (-5 ¾ Prozent). „Die neuerliche Delle bei der Pkw-Fertigung dürfte größtenteils auf Produktionsausfälle infolge eines Streiks in einem Motorenwerk in Ungarn zurückzuführen sein“, schreiben die Fachleute. Da der Streik noch im Januar beigelegt wurde, erwarten die Expertinnen und Experten, dass die jüngsten Verluste bei der Pkw-Produktion vorübergehend bleiben. Größere Aufholeffekte in der Kfz-Branche nach dem Produktionsrückgang im zweiten Halbjahr 2018 infolge der Einführung eines neuen Emissionstestverfahrens seien für das laufende Vierteljahr aber nicht mehr zu erwarten. Ohne die Automobilbranche stagnierte die Industrieerzeugung im Januar laut Monatsbericht hingegen.

Bargeld

Die Bundesbank widmet sich in ihrem aktuellen Monatsbericht ausführlich dem Thema Bargeld (ab Seite 43). Um es vereinfacht auszudrücken: Die Bundesbanker sind einfach nicht in der Lage Beweise oder belastbare Studien zu finden, die den Verdacht erhärten, dass Bargeld in großem Umfang für kriminelle Aktivitäten genutzt wird. Aber genau dies ist ja stets das Argument der Anti-Bargeld-Lobby. Da muss diese Aussage der Bundesbank mehr als eine schallende Ohrfeige darstellen. Schon vor einem Monat hatte die Bundesbank ein Plädoyer pro Bargeld gehalten. Außerdem verweist man darauf, dass die EU-Kommission von einer europaweit einheitlichen Regelung für eine Obergrenze bei Bargeld-Zahlungen abgesehen hat. Denn 95% befragter Bürger hätten dies abgelehnt. Auch betroffene Berufsgruppen hätten sich gegen EU-weite Regeln ausgesprochen. Hier einige Auszüge aus der heutigen Bundesbank-Veröffentlichung zum Thema Bargeld. Zitat:

Zahlungen mit Bargeld sind einfach, sicher, effizient und anonym. Daher bezahlen die Verbraucher knapp drei Viertel ihrer Einkäufe an der Ladenkasse mit Bargeld. Gleichzeitig rücken diese Eigenschaften Bargeld auch in den Fokus für illegale Verwendungsmöglichkeiten. Bargeld befördere die Schattenwirtschaft und diene als Mittel der Verbrechensfinanzierung – so wird in der öffentlichen Diskussion behauptet. Mit Blick auf eine mutmaßlich umfangreiche rechtswidrige Verwendung werden regulatorische Maßnahmen zur Beschränkung der Bargeldnutzung gefordert. Vor diesem Hintergrund betrachtet der vorliegende Aufsatz empirisch die Bargeldverwendung in der Schattenwirtschaft sowie im Zusammenhang mit verwandten Bereichen wie Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und sonstige Kriminalität. Wissenschaftliche Belege zum Umfang der aus Schattenwirtschaft und Kriminalität resultierenden Bargeldnachfrage sind aufgrund des illegalen Charakters der Aktivitäten nur schwer zu erbringen. Empirische Untersuchungen der Schattenwirtschaft sind deswegen überdurchschnittlich unsicher, sodass alle Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden sollten. Oft wird lediglich auf anekdotische Evidenz zurückgegriffen, die direkt an der Höhe des Bargeldumlaufs oder des Umlaufs großer Banknotenstückelungen ansetzt. Ein Modellrahmen zur empirisch fundierten Untersuchung des Umfangs der unlauteren Bargeldnutzung ist der sogenannte Bargeldnachfrageansatz. Eigene ökonometrische Schätzungen mit diesem Ansatz untersuchen, ob die Bareinzahlungen bei den Filialen der Bundesbank sowie der geschätzte Inlandsumlauf von Euro-Banknoten in Deutschland mit schattenwirtschaftlichen Aktivitäten zusammenhängen.

Die Umfrageteilnehmer führten unter anderem Zweifel an ihrer Wirksamkeit an. Insgesamt kam die Europäische Kommission zu dem Ergebnis, dass Barzahlungsobergrenzen Kriminelle in der Regel nicht von der Ausübung einer Straftat abhalten werden, insbesondere bei Verstößen im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung oder Terrorismusfinanzierung.

Den Studie (in Deutschland) liegen unterschiedliche Definitionen der Schattenwirtschaft zugrunde, sodass ihre Ergebnisse nicht immer direkt vergleichbar sind. Über die verschiedenen Untersuchungen hinweg liegt nach diesen Schätzungen in Deutschland das Ausmaß der Schattenwirtschaft in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 2,4% und 16,6 %. Bezogen auf ein BIP in Höhe von rund 3 300 Mrd € im Jahr 2017 ergibt sich aus diesen Schätzungen ceteris paribus ein Umfang der Schattenwirtschaft zwischen circa 80 Mrd € und 550 Mrd €. Die erhebliche Bandbreite der bisherigen Schätzergebnisse spiegelt die Sensitivität in Bezug auf die Wahl der Ermittlungsmethode wider.

Bargeld
Euro-Banknoten. Foto: Europa credito urgente CC BY-SA 4.0

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Florian Homm über die schleichende Abschaffung des Bargelds

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Der Trend in vielen Ländern wird immer klarer: wir sind auf einem schleichenden Weg der Bargeldabschaffung, damit die Flucht aus den Niedrig-/Nullzinsen durch die Hortung von Bargeld immer schwieriger wird. Welche Schritte in diese Richtung unternommen wurden, welche Überlegungen die Zentralbanken derzeit anstellen – über all das berichtet Florian Homm in folgendem Video:


Bargeldabschaffung? Foto von einem 50 Euro-Schein. Foto: EZB

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