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Asien-Crash: Die FED darf das nicht mehr ignorieren!

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Letzte Woche sprachen wir noch von einer Korrektur in Shanghai, seit heute ist es ein Crash, denn die Gewinne aus diesem Jahr wurden jetzt endgültig aufgefressen. Der Shanghai Composite Index lag Ende Dezember 2014 bei 3.234 Punkten, jetzt liegen wir bei 3.209. D.h. all die kleinen chinesischen Privatanleger, die dieses Jahr eingestiegen sind, sind (im Schnitt) jetzt im Minus. Alle Rettungsmilliarden nützten nichts, ein offizielles chinesisches Notenbank-QE wie in Japan, Europa und den USA bleibt bisher aus. Es sieht so aus, als müsste sich der Crash austoben, bis Ruhe einkehrt, also genau dass passiert, was die Machthaber in Peking wohl nicht wollen: etwas in ihrem Land geschieht, das sie nicht lenken können.

Die entscheidende Frage ist: Kann die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wie bisher auch diesen Crash in Asien und seine absehbaren Folgen für den Westen ignorieren? Im letzte Woche veröffentlichten Sitzungsprotokoll der Fed von Ende Juli ging man nicht auf China ein. Zu dem Zeitpunkt konnte der „objektive“ Marktbeobachter immer noch von einer netten Korrektur in China sprechen – seit heute kann man wirklich vom Crash reden! Die Konjunkturdaten in den USA haben sich längst verdunkelt. Abgesehen davon, dass der im 1. Halbjahr 2015 starke Dollar schon kräftig dabei half die Unternehmensbilanzen der international agierenden US-Konzerne zu verhageln, wird es im 3. und erst recht im 4. Quartal China sein, dass mit drastischen Einbrüchen beim Handelsvolumen und z.B. der Nachfrage nach Autos (GM ist gut in China vertreten) die Laune in den USA verhageln wird.

Wird die Fed also die (auch von uns) noch letzte Woche angenommene MiniMini-Zinsanhebung ganz abblasen? Dem steht eine Sache im Wege: Die Amerikaner neigen dazu nur auf den eigenen Teller zu gucken. Ich beachte nur, was ich auch direkt vor mir sehe. In den nächsten drei Wochen (verbleibende Zeit bis zur Zinschentscheidung am 17. September) dürfte die China-Krise noch längst nicht in der amerikanischen Realwirtschaft ankommen. Das dauert noch etwas länger. Guckt man dann weiterhin nur auf die eigenen Einzelhandels- und Verbraucherdaten etc, könnte man weiterhin geneigt sein einen Mini-Zinsschritt von z.B. 0,1% vorzunehmen.

Natürlich wäre das mehr ein symbolischer Akt, aber wie man in den letzten Tagen am Markt sah: Die breite Masse der Börsianer hat die Zinsanhebung noch längst nicht eingepreist – man hofft bei dem Umfeld längst auf eine Verschiebung. Die Trader der „Fed Fund Futures“ sehen die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung am 17. September bei nur noch 25%, für Dezember bei 59%. Der 17. September könnte somit ein großer Showdown werden, der die Aktien erneut kräftig auf Talfahrt schickt, wenn die FOMC-Mitglieder der Fed stur auf ihr (aktuelles) Zahlenwerk der US-Konjunktur schauen.

Warum kann und darf die Fed den Asien-Crash nicht mehr ignorieren? Es findet dort nicht nur ein Börsencrash, sondern auch eine richtige strukturelle Wirtschaftskrise statt. Die Wachstumsorgie in China konnte nicht ewig so weitergehen. Sie musste irgendwann auf ein Normalmaß gestutzt werden. Nur ist die kommunistische Regierung wohl nicht in der Lage in ihrem inzwischen kapitalistischen Wirtschaftssystem das völlig durch Kredite gehebelte Wachstum behutsam abzubremsen. Man hat es versucht – es ging aber schief. Die Fed ist wie die EZB in einer bizarren Zwickmühle: Eigentlich hätte sie schon vor 1 oder 1 1/2 Jahren die Zinsen vorsichtig erhöhen müssen. Oder Fed + EZB hätten nach der Lehman-Krise die Zinsen nicht einfach auf 0 senken dürfen. Denn jetzt hat sich „der Markt“ seit 7 Jahren an geschenktes Geld (Notenbankkredite ohne Zinsen) gewöhnt, wie ein Junkie. Wie will man jetzt die Zinsen anheben, um sie in der nächsten Krise wieder senken zu können? Geht nicht mehr, denn die nächste Krise nach 2008 ist ja jetzt schon da.

Mit dem billigen Geld erkaufte man sich kapitalmarkttechnisch eine 7jährige Erholungsphase, die die Orgie am Aktienmarkt auslöste. Die realwirtschaftliche Krise war nie zu Ende – sie wurde nur mit endlos frisch gedruckten Notenbankgeldern überdeckt. Jetzt ist es zu spät irgendwie zu reagieren. Was wird jetzt passieren? Die Zinsen bleiben bei 0 und die Fed legt demnächst das QE4 auf? Möglich ist alles.

Vor allem für die Aktienmärkte heißt es jetzt: Die nächsten drei Wochen bis zur Zinsentscheidung der Fed werden von der Volatilität her zu einer Art Schleudersitz!


2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Michael

    24. August 2015 17:58 at 17:58

    Es war schon klar, dass die Börsenbullen nach Freibier schreien. Nur, dass die Wertpapiere, Aktien, Anleihen und Rohstoffutures nebenbei nicht zu knapp fundamental überbewertet sind. Offenbar war das Angebot höher als die Nachfrage. Wer glaubt, dass FED die Zinsen anhebt, glaubt auch an den Osterhasen. Auch bei Nullzinsen können Indizes crashen. Das haben die Japaner schon früher bewiesen. Wie es früher hieß: Die Rothschilds können eine Hausse machen, aber keine Baisse verhindern. Diese Rothschilds sind heute die Zentralbanken. Die PBoC hat sehr wohl QE betrieben, indem sie für über 800 Mrd. $ aufgeblasene und schwindsüchtige Wertpapiere ankaufte. Dazu kamen das Verbot von Short – Absicherungen und diverse Handelsbeschränkungen. Diese Maßnahmen sind bestens geeignet schnell noch den Verkaufsknopf zu drücken.

    Auf jeden Fall werden die Zentralbanken endlich entmystifiziert. Nur Derivate hatten die Kurse und Preise in den Himmel katapultiert. Die mussten bei fallenden Kursen/Preisen aussteigen. Das führte zu den Turbulenzen, die sogar noch etwas anhalten können, nachdem die Amis ihre GAP’s geschlossen haben. Da sind die Amis sehr ordentlich. Ganz unabhängig vom FED.

    Außerdem ist es prima, dass ein paar Crash-Gurus, die glaubten einen Crash tagesgenau prognostizieren zu können, wieder mal daneben lagen. Armstrong hatte für August/September Hausse und für Oktober einen Crash orakelt. Das Kreuz des Todes ist ausgelöst. GD50 läuft beim DOW unter GD200. Diejenigen, die day of cross als Verkaufssignal nahmen sind jetzt raus. Pünktlich zum Monatsende steigen die aus, die den Monatsschlusskurs als Grundlage ihrer Strategie verwenden. Daran ändert niemand mehr was. Somit beginnt mal wieder die saure Gurkenzeit an den Börsen.

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Autoindustrie: Die Stimmung hat sich brutal verfinstert!

Claudio Kummerfeld

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Riesiger Parkplatz mit unzähligen Autos

Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie (Hersteller und Zulieferer) hat sich brutal verfinstert. Laut heute früh veröffentlichten Umfrageergebnissen des ifo-Instituts ist die aktuelle Geschäftslage der Branche zwar noch akzeptabel mit einem Wert von +7,2 Punkten nach -2 Punkten im Oktober. Aber die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sinken aktuell dramatisch ab, von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November! Der Chart zeigt den Absturz der Stimmungslage in der Autoindustrie in den letzten Monaten. Im Moment läuft es noch, aber der Blick in die Zukunft macht die Firmen gegenwärtig nicht glücklich, so ifo aktuell in seiner Headline-Aussage. Weitere Aussagen hier im Wortlaut:

„Im Oktober haben wir einen Einbruch bei den gewerblichen Neuzulassungen gesehen. Das wird sich wahrscheinlich fortsetzen, aufgrund der großen Unsicherheit bei den Unternehmen“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

Die Unternehmen gaben an, ihre Produktion deutlich drosseln zu wollen. Der Indikator sank von plus 38,6 Punkte auf minus 0,5 Punkte. Die Exporterwartungen fielen deutlich von plus 19,0 Punkten im Oktober auf minus 5,0 Punkte. Auch gab immer noch die Mehrheit der Unternehmen an, die Zahl ihrer Mitarbeiter zu verringern. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 34,6 Punkte.

Der Auftragsbestand konnte zuletzt nicht mehr so stark zulegen. Der entsprechende Indikator sank deutlich auf 6,2 Punkte, nach 29,3 im Oktober. Der Bestand im Fertigwarenlager ist allerdings weiterhin geringer als saisonüblich. Der Indikator stieg nur leicht auf minus 4,9 Punkte.

Chart zeigt Verlauf der Geschäftserwartungen der Autoindustrie

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Der heutige Anstieg bei Gold (hier der jüngste Bericht auf FMW dazu) ist für mich der erste Hinweis, dass für einen Long-Einstieg etwas möglich sein könnte. Jetzt fehlt noch ein Trigger. Das Szenario hierfür bespreche ich im folgenden Video.

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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