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AT & T kauft Time Warner: Eine Übernahme mit einer bedenklichen Parallele

Geld ist da, ohne Ende, dazu noch gratis, warum also nicht jetzt zuschlagen bei Time Warner, werden sich die Damen und Herren wohl gefragt haben? Eine bedenkliche Parallele zum Jahr…

Redaktion

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FMW-Redaktion

AT & T kauft Time Warner. Darauf haben sich beide Seiten bereits geeinigt. Warum? Nun, hier kauft der bisherige Transporteur der Inhalte jetzt einfach den Inhalte-Produzenten auf, und verdient somit zukünftig komplett am Kunden, an seinen Abos, an den Werbeeinnahmen und an der Durchleitung der Inhalte. Es wäre fast so als würde die Deutsche Telekom die RTL-Gruppe + Sky kaufen. Gut, natürlich ist das nicht ganz vergleichbar, da der Markt in den USA größer ist und daher mehrere große starke Anbieter hat. Dennoch entsteht hier ein wirklich mächtiger Riese.

Time Warner-Aktionäre erhalten nach einem Schlusskurs vom Freitag bei 89,48 Dollar einen Kaufpreis von 107,50 Dollar pro Aktie. Davon gibt es 53,75 Dollar in bar, und 53,75 in AT & T-Aktien. Der Kaufpreis beträgt somit 85,4 Milliarden Dollar, bei einen Gesamtwert der Transaktion von 108,7 Milliarden Dollar, wenn man Time Warners Schulden mit einrechnet. Auf den letzten Aktienkurs der Aktie ist dieser Kaufpreis ein Aufschlag von 20,1%. Nach Abschluss der Transaktion sollen die ehemaligen Time Warner-Aktionäre  14,4%-15,7% an AT & T besitzen.

Beide US-Präsidentschaftsbewerber haben sich umgehend sehr kritisch zu dem Deal geäußert. Trump sowieso, weil er anscheinend eine neue Medienverschwörung gegen sich erwartet (so kann man seine Aussagen deuten). Hillary Clinton konnte fast gar nicht anders als sich auch kritisch zu äußern, da sie eh schon das Image der Wall Street-Kandidatin hat – sie braucht aber die Wähler von Links und aus der Mitte. Kuscheln mit den „Großkonzernen“ kommt da gar nicht gut an. Also, ob der Deal kartellrechtlich überhaupt so durchgeht, ist mehr als fraglich. Die Prüfung wird sowieso noch lange dauern.

Hier in Kurzform, was AT & T alles kauft:

Den Pay TV-Sender HBO

Warner Bros. (TV, Home Video, Spiele)

Warner Bros. Filmstudios + Rechte

TV-Sender wie TNT, TBS, Cartoon Network, CNN

Das Lustige, oder wohl eher schon Traurige: Als damals der Internetkonzern AOL dank seiner eigenen hoch-gehypten Marktkapitalisierung Time Warner völlig überteuert kaufen konnte für 182 Milliarden Dollar, befand man sich auf dem absoluten Höhepunkt der Internet-Blase. Heute befinden wir uns auf dem absoluten Höhepunkt einer Schuldenblase, getrieben durch gratis verteiltes frisch gedrucktes Notenbank-Geld. Deswegen wird es auch kein Problem für AT & T sein die Hälfte der Übernahme mit Anleihen zu finanzieren. Der Chart zeigt den Nasdaq-Index seit dem Jahr 1995. Damals die erste Übernahme im absoluten Hoch des Hypes. Heute erneut die Übernahme im absoluten Hoch des Hypes. Diesmal ist es nur ein anderer Hype. Geld ist da, ohne Ende, dazu noch gratis, warum also nicht jetzt zuschlagen bei Time Warner, werden sich die Damen und Herren wohl gefragt haben? Eine bedenkliche Parallele zum Jahr 2000, auch wenn der jetzige Käufer nicht einer reinen Phantasiewelt entsprungen ist, und deutlich weniger zahlt als vorher!

nasdaq-time-warner

Hier die Original-Zitate der beiden Firmenchefs:


“This is a perfect match of two companies with complementary strengths who can bring a fresh approach to how the media and communications industry works for customers, content creators, distributors and advertisers,” said Randall Stephenson, AT&T chairman and CEO. “Premium content always wins. It has been true on the big screen, the TV screen and now it’s proving true on the mobile screen. We’ll have the world’s best premium content with the networks to deliver it to every screen. A big customer pain point is paying for content once but not being able to access it on any device, anywhere. Our goal is to solve that. We intend to give customers unmatched choice, quality, value and experiences that will define the future of media and communications.

“With great content, you can build truly differentiated video services, whether it’s traditional TV, OTT or mobile. Our TV, mobile and broadband distribution and direct customer relationships provide unique insights from which we can offer addressable advertising and better tailor content,” Stephenson said. “It’s an integrated approach and we believe it’s the model that wins over time.

“Time Warner’s leadership, creative talent and content are second to none. Combine that with 100 million plus customers who subscribe to our TV, mobile and broadband services – and you have something really special,” said Stephenson. “It’s a great fit, and it creates immediate and long-term value for our shareholders.”

Time Warner Chairman and CEO Jeff Bewkes said, “This is a great day for Time Warner and its shareholders. Combining with AT&T dramatically accelerates our ability to deliver our great brands and premium content to consumers on a multiplatform basis and to capitalize on the tremendous opportunities created by the growing demand for video content. That’s been one of our most important strategic priorities and we’re already making great progress — both in partnership with our distributors, and on our own by connecting directly with consumers. Joining forces with AT&T will allow us to innovate even more quickly and create more value for consumers along with all our distribution and marketing partners, and allow us to build on a track record of creative and financial excellence that is second to none in our industry. In fact, when we announce our 3Q earnings, we will report revenue and operating income growth at each of our divisions, as well as double-digit earnings growth. 

Bewkes continued, “This is a natural fit between two companies with great legacies of innovation that have shaped the modern media and communications landscape, and my senior management team and I are looking forward to working closely with Randall and our new colleagues as we begin to capture the tremendous opportunities this creates to make our content even more powerful, engaging and valuable for global audiences.”

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Emm wie Meikel

    24. Oktober 2016 14:40 at 14:40

    Da kommt großes Unheil auf alle Märkte zu, wenn sich die Zinsen wieder normalisieren sollten (etwa in Richtung vom langjährigen Durchschnitt von 6-7%). Die großen Zentralbanken versuchen genau das mit allen Mitteln zu verhindern, weshalb sie die Zinsen sogar in den negativen Bereich manövrieren (die einmalige Leitzinserhöhung der FED um ein Viertelprozentpünktchen war allenfalls ein Alibi, um nach den ganzen, großspurigen Ankündigungen nicht völlig das Gesicht zu verlieren). Doch eine panische Flucht aus den Anleihemärkten könnten sie nie und nimmer stoppen (das Volumen dieser Märkte ist gigantisch und übersteigt alles bisher dagewesene), weshalb sie alles daran setzen, eine solche zu verhindern (durch massive Anleihenkaufprogramme mit Geld aus der Druckerpresse, die neulich sogar auf Unternehmensanleihen ausgedehnt wurden). Der Zirkus kann sich über viele Jahrzehnte hinziehen, wie Japan zeigt. Doch irgendwann platzen die ganzen Blasen, denn ewig kann es so nicht weitergehen.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Tesla, Zoom, Salesforce

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Tech steht heute im Fokus der Börsianer, darunter, die Aktien von Tesla, Zoom, und Salesforce.

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

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IHS Markit-Kauf für 44 Milliarden Dollar – wie man gigantisch wächst ohne neue Schulden

Claudio Kummerfeld

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New York Downtown bei Nacht

In der Branche für Finanzdaten, Börsendaten und ökonomischen Analysedaten nimmt die Konzentration auf wenige große Anbieter immer mehr zu. Es gibt Bloomberg, Reuters, große Börsenanbieter wie die Deutsche Börse oder Euronext, und es gibt gerade den Versuch der London Stock Exchange den Datenanbieter Refinitiv für 27 Milliarden Euro zu übernehmen. Jetzt legt S&P Global (gehört zur Standard & Poors-Gruppe) nach und kauft den Datenanbieter IHS Markit. Und das für satte 44 Milliarden Dollar.

IHS Markit war Ende letzter Woche an der Börse noch 37 Milliarden Dollar wert. S&P Global lag bei 82 Milliarden Dollar. Wie schafft man es so viel Geld auszugeben, mal eben 44 Milliarden Dollar? Nun, in diesem Fall ist das gar kein Problem. Man „kauft“ per Aktientausch. Ein richtiger Kauf ist es dann gar nicht. Man fusioniert, und der „Käufer“ erhält an der neuen Firma die Aktienmehrheit. Oder besser gesagt, die bisherigen Aktionäre des größeren Fusionspartners halten dann später auch die Mehrheit am neuen Unternehmen.

So kommt es, dass die bisherigen Aktionäre von S&P Global an der neuen Firma 67,75 Prozent der Anteile halten werden, und die bisherigen Aktionäre von IHS Markit 32,25 Prozent. So haben alle was davon, und die Firma hat keine gestiegene Verschuldung durch diese Transaktion. So können große Konzerne schnell weiter wachsen, ohne sich zu verschulden.

Ganz anders lief es vor vier Jahren bei Bayer, wir erinnern uns alle mit Grausen an die Zeit danach. Die Leverkusener kauften Monsanto für 66 Milliarden Dollar in Cash. Dafür musste man damals eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar aufnehmen, also Kredite. So brockt man sich jede Menge Probleme ein, wenn man seine bisherige Aktionärsstruktur beibehalten will.

Will man extern kräftig zukaufen, muss man sich dann wie Bayer massiv verschulden. Um die Last zu reduzieren, muss man dann brutal einsparen, einzelne Sparten verkaufen usw. Gerade große Konzerne mit stark steigenden Aktienkursen können sich über den Weg des Kaufs mit eigenen Aktien (Fusion) andere Unternehmen einfach und bequem einverleiben. Dann werden die Aktionäre der bisherigen Konkurrenzfirma einfach zu Miteigentümern des eigenen Unternehmens gemacht. Und zack, der Konzern wächst kräftig, ohne dabei neue Schulden machen zu müssen. Natürlich hat der einzelne Altaktionär nach der Transaktion weniger Eigentum am Konzern. Aber dafür ist der Konzern an sich ja auch spürbar gewachsen, wodurch eine Kompensation stattfindet. Langfristig können über diese Methode die ganz großen Konglomerate entstehen.

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