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Aufruhr in Italien: Varoufakis kassierte 24.000 Euro für Interview

FMW-Redaktion

Es herrscht Aufruhr in Italien! Der Grund: der ehemalige griechische Finanzminister Varoufakis, so ist bekannt geworden, hat für ein am 27.September diesen Jahres stattgefundenes 22-Minuten-Interview des italienischen Fernsehsenders RAI 3 24.000 Euro kassiert. Das ist durchaus üppig – und sicher ein Stundenlohn, von dem die meisten Griechen nicht einmal zu träumen wagen dürften.

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Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis. Foto: Robert Crc/Wikipedia (FAL)

Das sorgt – seltsamerweise nicht in Griechneland, sondern in Italien – für Aufruhr. Es sind vor allem konservative Politiker aus dem Lager der Forza Italia, also der Partei Berlusconis, die sich darüber echauffieren. So twitterte Mara Carfagna, Sprecherin der Forza Italia: Zahlen die Italiener für den Sender RAI, damit der wiederum Varoufakis solch üppige Sätze von gut 1000 Euro pro Minute anbietet? Auch im italienischen Parlament regte sich Unmut – ein „no go“, so der Tenor vor allem bei konservativen Rednern.

Pikant ist, dass dieses RAI-Interview bzw. dessen üppige Entlohnung durch Varoufakis selbst bekannt geworden ist. Um Vorwürfe zu widerlegen, er sei mit seinen zahlreichen Interviews auf einer Art „Selbstbereicherungs-Tripp“, hatte Varoufakis in seinem Blog einen Artikel verfaßt mit dem Titel „Transparency Everywhere. My fees and the troika’s latest vilification drive“. Darin listet Varoufakis 20 Reden auf, die er unengeltlich gehalten habe (nur das Flugticket wurde bezahlt), und drei Reden, bei denen er zwischen 500 und 1700 Euro erhalten hatte (also moderate Honorare). Diese Reden führt Varoufakis als „Liste A“ auf – inklusive Nennung, dass er Economy geflogen sei.

Für Sprengstoff aber sorgt die „Liste B“:

LIST B – Commercial Speeches/Apperances, given and planned since August 2015

27 Sep. 2015 – Participation in tv program Che Tempo Che Fa, RAI 3,

Fee: €24,000 after Italian tax and social security contributions Travel expenses: Yes (First Class)

21 Oct 2015 – Presentation in the context of the Abraaj annual conference in Singapore

Fee: €28,800 after Greek tax

Neben dem Interview mit der RAI erhielt Varoufakis auch für seine Teilnahme an einer Konferenz in Singapur 28.800 Euro. Gewissermaßen Schadensersatz für die zahlreichen unentgeltlichen Reden, so scheint er es zu verstehen. Und weil bei Varoufakis alles politisch ist, sieht er in seiner „Transparenz-Offensive“ ein Vorbild für die Troika und die „Troika-gesteuerten“ Medien, die sich an ihm ein Vorbild nehmen sollten, statt ihn zu diskreditieren:

„Transparency is one of the pillars of the European democracy network that I, and many others, are working towards these days, and which my travels and talks are intended to promote. For this reason, I owe a debt of gratitude to the troika-led media in the sense that, through their vilification campaign, have given me a wonderful opportunity to demonstrate in practice the principle of transparency that we want to bring to European politics.“

Das Interview mit der RAI wie auch seine Rede in Singapur würden es ihm ermöglichen, unabhängig von Interessen zu sein und so für eine gute Zukunft Europas zu kämpfen. Wir lernen also: an Varoufakis Wesen wird irgendwann auch die Welt genesen! Und gut bezahlte Interviews sind dafür der Wegbereiter..



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1 Kommentar

  1. Die Italiener sind doch nur sauer, das sie jetzt durch einen anderen Topverdiener geschlagen worden. Ein deutscher Regierungsjurist (aka „Politiker“) würde bei der Ankündigung einer solch niedrigen „Entlohnung“ noch nicht einmal antworten (Affront) – derartig öffentlich ausgeführte Bestechungsaktionen müssen schon sechsstellig sein.

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