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Auftragsbestand der Industrie durch Corona – die Krise begann bereits 2018!

Puhhhh, nochmal Glück gehabt? Kommt die deutsche Industrie mit einem kleinen blauen Auge durch die Coronakrise? Auf die Idee könnte man kommen, wenn man sich den aktuellen Auftragsbestand im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland anschaut. Nach aktuellen Angaben der staatlichen Statistiker (für Monat Mai), war der Auftragsbestand im Vergleich zu Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland, im Mai 2020 saison- und kalenderbereinigt gearde mal 2,7 Prozent niedriger. Also alles in bester Ordnung bei so einem geringen Rückgang? Der im folgenden Chart berechnete Indexstand zu den Auftragseingängen lag im Februar bei 114,1, und im Mai bei 111,0 Punkten.

Aber halt. Der Chart zeigt ja noch etwas ganz anderes. Die Entwicklung im Chart geht zurück bis ins Jahr 2015. Und hier sieht man gut, dass der Höchstwert im Auftragsbestand der Industrie im Dezember 2018 bei einem Wert von 120,5 Indexpunkten lag. Seitdem ging es kontinuierlich bergab. Wir haben die Schwäche und aufziehende Rezession in der deutschen Wirtschaft schon diverse Male vor der Coronakrise thematisiert. Aber so richtig konnte die Rezession in der Industrie, die schon vor Corona vorhanden war, nie den Weg in die breite mediale Öffentlichkeit finden, weil die Inlandsnachfrage (Bau und Dienstleistungen) den BIP-Schnitt im grünen Bereich hielt. Aber dieser Chart zeigt gut, dass schon lange vor Corona ein struktureller Einbruch in der deutschen Industrie in Gange war.

Auftragseingang der Industrie als Chart im Verlauf der letzten Jahre

Hier noch weitere Detailaussagen des Statistischen Bundesamts aus der heutigen Meldung im Wortlaut:

Die Reichweite des Auftragsbestands hat sich leicht erhöht und betrug im Mai 2020 im Verarbeitenden Gewerbe 6,0 Monate (April 2020: 5,9 Monate). Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern lag die Reichweite des Auftragsbestands im Mai 2020 wie im Vormonat bei 2,9 Monaten. Bei den Herstellern von Investitionsgütern betrug sie 8,5 Monate (April 2020: 8,3 Monate) und im Bereich der Konsumgüter 2,4 Monate (April 2020: 2,3 Monate).

Die Reichweiten erhöhten sich im Mai 2020 insbesondere im Bereich der Investitionsgüter, weil die Umsätze zuletzt stark gesunken waren. Darüber hinaus gab es im Bereich der Industriebetriebe im Mai 2020 insgesamt keine umfangreichen Auftragsstornierungen.

Die Reichweite gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne neue Auftragseingänge theoretisch produzieren müssten, um die vorhandenen Aufträge abzuarbeiten. Sie wird als Quotient aus aktuellem Auftragsbestand und mittlerem Umsatz der letzten 12 Monate im betreffenden Wirtschaftszweig berechnet.



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