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Auftragsbestand der Industrie steigt kräftig – Rekordniveau!

Metallverarbeitung

Der Auftragsbestand der deutschen Industrie (Verarbeitendes Gewerbe) steigt und steigt und steigt. Nachholeffekte nach der schlimmsten Phase der Corona-Pandemie letzte Jahr, und dazu jetzt noch weltweit Lieferengpässe. Die Aufträge bei unzähligen Betrieben stauen sich und können oft kaum abgearbeitet werden, weil Teile fehlen oder viel zu teuer sind. Dies mündet offenbar in diesem Auftragsbestand, der seit Beginn dieser statistischen Zählung im Jahr 2015 immer neue Rekorde erreicht. Dies sieht man gut in der folgenden Grafik, die bis 2015 zurückreicht.

Heutige Daten vom Statistischen Bundesamt zeigen, dass der Auftragsbestand der deutschen Industrie im Juni 2,8 Prozent höher war als im Mai. Seit Juni 2020 ist er durchgehend angestiegen. Der Chart sagt da schon alles. Auch den Höhepunkt aus Dezember 2018 mit einem Indexstand von 120,6 Punkten hat der Auftragsbestand längst hinter sich gelassen mit aktuell 134,4 Punkten. Die Nachfrage aus dem In- wie Ausland nach deutschen Industrieprodukten zieht offenkundig immer weiter an. Im Vergleich zum Februar 2020, dem letzten „normalen“ Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie, war der Auftragsbestand im Juni 2021 ganze 17,0 Prozent höher!

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Bei den Herstellern von Vorleistungsgütern stieg der Auftragsbestand im Juni gegenüber Mai um 0,9 Prozent, bei den Herstellern von Investitionsgütern war es ein Plus von 3,2 Prozent. Bei den Konsumgütern war es ein Plus von 4,2 Prozent. Die Reichweite des Auftragsbestands betrug im Juni wie im Vormonat 7,0 Monate. Bei den Herstellern von Investitionsgütern betrug sie 9,7 Monate (Mai: 9,5 Monate) und bei Vorleistungsgütern 3,8 Monate (Mai: 3,9 Monate). Bei den Konsumgütern lag sie bei 3,3 Monaten (Mai 2021: 3,2 Monate). Die Reichweite gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne neue Auftragseingänge theoretisch produzieren müssten, um die vorhandenen Aufträge abzuarbeiten.

Man sieht: Die Bücher sind voll, der Auftragsbestand ist gigantisch. Durch die Lieferengpässe dürfte es noch lange Zeit einen Auftragsstau in der Industrie geben. Um mal die Dimension von Lieferproblemen zu sehen: Gestern fielen die US-Einzelhandelsumsätze vor allem deswegen schwächer aus, weil trotz gigantischer Autonachfrage der US-Konsumenten nicht genug Autos angeboten worden konnten, weil offensichtlich Teile fehlen. Und vor Kurzem zeigte eine Umfrage des ifo-Instituts, dass die deutschen Produzenten nicht in großem Umfang vorhaben Lieferketten von Asien zurück nach Europa zu verlagern. Man setzt eher auf eine Ausweitung der Anzahl von asiatischen Zulieferern oder mehr Lagerhaltung. Die Lieferprobleme sollten auf jeden Fall nicht so schnell verschwinden, und der Auftragsbestand der deutschen Industrie dürfte wohl erstmal weiter sehr hoch bleiben.

Chart zeigt Verlauf im Auftragsbestand der Industrie seit 2015



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