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Aktuelle Daten vom Statistischen Bundesamt Auftragseingänge der Industrie im März +5 % – Iran-Effekt?

Die Auftragseingänge der deutschen Industrie erlebten im März einen kräftigen Anstieg. Das könnte etwas mit dem Iran-Krieg zu tun haben.

Hamburger Hafen
Hamburger Hafen. Foto: Claudio Kummerfeld

Die Auftragseingänge der deutschen Industrie sind im März im Monatsvergleich kräftig um 5 % angestiegen, im Jahresvergleich um 6,3 %. Geht es also plötzlich kräftig aufwärts mit der deutschen Volkswirtschaft? Dazu gleich unsere eigene Theorie!

Auftragseingänge der Industrie plötzlich kräftig im Plus

Der reale (preisbereinigte) Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe ist nach um 8 Uhr gemeldeten vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes im März 2026 gegenüber Februar 2026 saison- und kalenderbereinigt um 5,0 % gestiegen. Ohne die Berücksichtigung von Großaufträgen war der Auftragseingang um 5,1 % höher als im Vormona. Damit erreichte der Auftragseingang ohne Großaufträge das höchste Niveau seit Februar 2023.

Die positive Entwicklung der Neuaufträge der Industrie im März 2026 verteilte sich auf fast alle Wirtschaftsbereiche. Den größten Einfluss auf das Gesamtergebnis hatten dabei die Anstiege der Auftragseingänge in der Herstellung von elektrischen Ausrüstungen (saison- und kalenderbereinigt +21,5 % zum Vormonat), im Maschinenbau (+6,9 %) sowie in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+14,4 %).

Bei den Investitionsgütern lag der Auftragseingang im März 2026 um 2,1 % höher und bei den Vorleistungsgütern um 9,2 % höher als im Vormonat. Bei den Konsumgütern stieg er um 7,3 %. Die Auslandsaufträge stiegen im März 2026 um 5,6 %. Dabei stiegen die Aufträge aus der Eurozone um 10,1 % und die Aufträge von außerhalb der Eurozone um 2,7 %. Die Inlandsaufträge stiegen um 4,0 %.

Erklär-Versuch

Wir sahen es gerade erst am Markt für Baufinanzierungen: Im März wurden in Deutschland deutlich mehr Immobilienkredite vergeben als üblich. Im Bankenmarkt ist es ein offenes Geheimnis: Viele Häuslebauer haben offenbar ihre Entscheidung zur Finanzierung vorgezogen. Denn mit Ausbruch des Iran-Kriegs befürchtete man zurecht steigende Kreditzinsen. Also lieber noch schnell abschließen, bevor die Zinsen noch weiter klettern?

Der selbe Effekt könnte auch für die Auftragseingänge der deutschen Industrie gelten. Lieber so schnell wie möglich nach Kriegsausbruch Industriegüter bestellen, bevor in Folge des Iran-Kriegs durch steigende Brennstoffpreise und Materialmangel die benötigten Waren noch teurer werden oder Lieferzeiten deutlich verlängert werden. So könnte der Iran-Krieg für die Auftragsbücher einen Vorzieheffekt ausgelöst haben!

Update von 09:19 Uhr: Der DIHK schreibt aktuell folgendes: DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen zu den heutigen Auftragseingängen: Lageraufstockungen verstärken Auftragseingänge: „Der überraschend starke Auftragseingang im März ist zwar erfreulich, aber leider kein Vorbote eines Aufschwungs in der Industrie. Vielmehr verbergen sich dahinter auch Lageraufstockungen, um Lieferkettenstörungen im Zuge des Krieges im Nahen Osten zu begegnen. Darauf weisen die hohen Zuwächse bei den Aufträgen in der Elektrotechnik hin. Laut DIHK-Blitzumfrage zur Krise im Nahen Osten reagiert ein Drittel der Industriebetriebe mit steigender Lagerhaltung auf den Krieg. Neben Kunststoffen fürchten die Unternehmen besonders einen Mangel an elektronischen Komponenten.“

Langfristige Entwicklung der Auftragseingänge der Industrie



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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4 Kommentare

  1. Das klingt in der Tat nach einem Vorzieheffekt für die Maschinenbauindustrie und für die Elektroindustrie aufgrund der aktuellen Situation im Naher und Mittlerer Osten.

  2. Ja- so wird es sein.
    Der Auftragsrückgang ìn den nächsten Monten wird dann aber auch heftiger sein, wenn dann die jetzt vorgezogenen Bestellungen fehlen und die erwünschte Deindustrialisierung weiter voranschreitet.

    Viele Grüße aus Andalusien
    Helmut

  3. Ich muß gestehe: Ich tappe bei der Einschätzung der Märkte komplett im Dunkeln. Nach meinem bisherigen Börsenverständnis passen Rahmendaten, Zukunft, Unternehmensdaten und – aussichten, Zinsentwicklung vs. Inflation irgendwie nicht zu den Börsenständen, jedenfalls nicht in Europa und besonders nicht in Deutschland.
    Ich kann nur hoffen, daß mir die Charttechnik irgendwann signalisiert, wann der Wahnsinn zu Ende ist….???!!!

    1. Matthias

      Die Märkte handeln die Zukunft, mit Übertreibungen in beide Richtungen. Da die Zukunft durch KI und Robotik gerade besonders offen ist. handeln die Märkte ihre Visionen davon.
      Ich habe den Eindruck, dass man in Deutschland besonders wenig von diesen Entwicklungen mitbekommt. Das würde erklären, warum man von hier aus einen schwierigeren Zugang zu den vorherrschenden Ideen hat.

      Da ich ausschließlich Ausland handele, was nichts mit der gegenwärtigen Lage im Land zu tun hat (obwohl das ein guter Grund wäre), kann ich eine gewisse Euphorie gut nachvollziehen.
      KI macht viele Arbeiten heute schon viel effizienter, und wenn es einen Roboter zu kaufen gibt, der Aufgaben im Haushalt erledigen kann, ist der sofort da.

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