Märkte

Augen auf beim Gaspreis nächste Woche

Drei Gas-Flammen auf einem Herd

Am Mittwoch überraschte Wladimir Putin die Weltöffentlichkeit mit einer Bekanntmachung. Russland werde für sein Gas nur noch Zahlungen in Rubel akzeptieren. Dazu sei die russische Zentralbank angewiesen worden binnen einer Woche einen Mechanismus für Zahlungen in Rubel zu entwickeln. Also darf man annehmen, dass bis nächste Woche Mittwoch in der Hinsicht etwas passieren wird? Der Gaspreis zeigt sich derzeit jedenfalls entspannt. Denn es gibt von Seiten der EU kein Importverbot für Öl, geschweige denn für Gas. Also können die Lieferungen erstmal weiter laufen.

Dies beruhigt die Märkte, und die Preise für Gas können sich entspannen. Der europäische Terminmarkt-Gaspreis Dutch TTF zeigt sich aktuell relativ entspannt bei Kursen um die 103,50 Euro, nachdem man noch gestern Kurse von 128 Euro gesehen hatte. Im Chart sehen wir den Kursverlauf der letzten zehn Tage. Aber nächste Woche, wenn die russische Zentralbank dann einen Zahlungsmechanismus für Rubel präsentiert – dann könnte es interessant werden. Erleben wir dann im Gaspreis plötzlich deftige Kursbewegungen aus Angst vor einer Abschaltung der Gasflüsse – wenn die EU-Länder sich nämlich der Rubel-Zahlungen verweigern? Carsten Fritsch von der Commerzbank sagt dazu heute, dass ein Stopp der russischen Gaslieferungen nicht ausgeschlossen werden kann, nachdem die EU-Länder es ablehnen würden dafür wie von Putin gefordert künftig in Rubel zu bezahlen.

Gestern hatten die Devisenexperten der Commerzbank einen möglichen Ausweg aufgezeigt, wie die Gas-Deals in Rubel funktionieren können, ohne dafür die sanktionierte russische Zentralbank einschalten zu müssen. Niemand müsse die Sanktionen gegen die russische Zentralbank brechen um Rubel zu erwerben. Rubel – wie jede andere Währung der Welt – gebe es nicht nur bei der Zentralbank, sondern auch bei Geschäftsbanken. Einige von denen seien ebenfalls sanktioniert, aber eben nicht alle. Und klar, diese Geschäftsbanken würden natürlich wiederum mit der Zentralbank handeln. Aber das würden Banken per definitionem so machen. Die Sanktionen gegen die russische Zentralbank können laut den CoBa-Experten daher gar nicht als Sekundärsanktionen angelegt sein (also nicht auch Institute treffen, die aufgrund ihrer lokalen Rechtslage sich nicht an EU- und US-Sanktionen halten). Weil sonst – wieder: per definitionem – alle russischen Banken sanktioniert wären, so die Ansicht der CoBa-Experten.

Dass die Lage brisant ist, zeigen aktuelle Aussagen des russischen Außenministeriums. Die Weigerung russisches Gas in Rubel zu kaufen, könne zu einer Krise der gescheiterten Zahlungen und einer Serie von weltweiten Insolvenzen führen. Es wird also spannend nächste Woche. Was wird passieren beim Thema „Gas in Rubel zahlen“? Behalten Sie den Gaspreis im Auge.

Aktuell: Noch mehr Spannung kommt jetzt dazu, weil Bundesfinanzminister Christian Lindner sagt, er empfehle deutschen Energieanbietern ihr Gas nicht in Rubel zu bezahlen.

Dutch TTF Gaspreis im Verlauf der letzten zehn Tage



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