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August-Arbeitslosenquote auf Rekordtief seit Wiedervereinigung, immer mehr offene Stellen, und die Lage der Flüchtlinge

FMW-Redaktion

Die Arbeitslosigkeit steigt saisonbedingt leicht an von 5,6% auf 5,7% im August. Damit sind aktuell offiziell (!) 2,54 Millionen Menschen arbeitslos – zwar geringfügig mehr als im Juli, aber im Jahresvergleich immer noch der beste August-Wert seit der Wiedervereinigung! Tatsächlich sind eher fast 3,4 Millionen Menschen arbeitslos, da viele von ihnen von der Bundesagentur für Arbeit offiziell als „Unterbeschäftigt“ klassifiziert werden, obwohl sie auch alle arbeitslos sind.

Ein offizieller Wert von 5,7% ist grob gesehen nahe an der Vollbeschäftigung, die irgendwo um die 4% herum einsetzt. Bei so einer guten Lage ist es volkswirtschaftlich nachvollziehbar, dass die Arbeitgeber natürlich viele Stellen nachfragen. Das geschieht auch. Die Zahl der offenen Stellen, die nur bei der Agentur bemeldet sind (!), steigt von Juli auf August um 15.000 auf 765.000 Stellen. Im Jahresvergleich ist es ein Zuwachs von 80.000 offenen Stellen.

Nach wie vor kann aber niemand das Rätsel auflösen, warum die Sockel-Arbeitslosigkeit nicht endlich mal kräftig sinkt, bei so vielen offenen Stellen auch für einfache Tätigkeiten, für die kein Hochschulabschluss, keine Berufsausbildung und auch kein Abitur notwendig ist. Es bleibt Monat für Monat die selbe offene Frage, ob die Langzeitarbeitslosen nur zu faul sind, ob die Arbeitgeber zu unflexibel sind, oder ob die Agentur einfach zu unfähig ist Arbeitslose wirklich ernsthaft zu qualifizieren. Der größte Brocken an Schuld dürfte womöglich bei der Agentur zu suchen sein.

Die folgende Grafik zeigt, in welchen Sektoren im Monat Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat wie viele Stellen geschaffen oder gestrichen wurden. Diese Zahlen veröffentlicht die Agentur stets immer mit zwei Monaten Verzögerung. Der Sektor „Metall, Elektro- und Stahlindustrie“ bringt im Jahresvergleich zwar erfreulicherweise 62.000 neue Stellen, ansonsten entfällt das deutsche Jobwunder aber zu allergrößten Teilen auf mäßig bis sehr schlecht bezahlte Dienstleistungsjobs.

Zur aktuellen Situation von Flüchtlingen am Arbeitsmarkt schreibt die Bundesagentur für Arbeit heute Zitat:

Die Ausweitung des Arbeitskräfteangebots infolge der europäischen Arbeitnehmerfreizügigkeit und der Fluchtmigration hat Auswirkungen auf beide Seiten des Arbeitsmarktes. 11 So ist im Vorjahresvergleich einerseits die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Personen aus den aktuellen Zuwanderungsländern im Juni um 269.000 oder 14 Prozent gestiegen, während andererseits die Zahl der Arbeitslosen aus diesen Ländern im August um 33.000 oder 8 Prozent zugenommen hat. Auch dann, wenn die Integration von Zuwanderern schnell gelingt, wird es wegen saisonaler, struktureller oder betrieblicher Gründe immer einen gewissen Umfang von Arbeitslosigkeit geben, der sich bei zuwanderungsbedingt steigendem Arbeitskräfteangebot entsprechend erhöht (Angebotseffekt). Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die Arbeitsmarktintegration insbesondere von Flüchtlingen nach den Erfahrungen der Vergangenheit mehrere Jahre braucht. Ihre Arbeitslosmeldung ist ein erster Schritt in einem Integrationsprozess, der aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse und formalen Qualifikationen längere Zeit in Anspruch nehmen wird. Entsprechend ist zu beobachten, dass die Arbeitslosigkeit von Personen aus den wichtigsten nichteuropäischen Asylherkunftsländern im August im Vorjahresvergleich um 38.000 oder 22 Prozent gestiegen ist.

Seit Juni 2016 wird die bisherige Berichterstattung über Staatsangehörige aus den wichtigsten Asylherkunftsländern ergänzt um die Berichterstattung über Personen im Kontext Fluchtmigration bzw. Geflüchtete oder Flüchtlinge. Als Personen im Kontext Fluchtmigration werden Asylbewerber, anerkannte Schutzberechtigte und geduldete Ausländer gezählt. Danach wurden im August 2017 in Deutschland 497.000 geflüchtete Menschen als Arbeitsuchende und darunter 196.000 als Arbeitslose von einer Arbeitsagentur oder einem Jobcenter betreut. Gegenüber dem Vorjahr hat die Zahl der Arbeitsuchenden um 150.000 oder 43 Prozent und die der Arbeitslosen um 43.000 oder 28 Prozent zugenommen.

Die Differenz von 497.000 „Arbeitssuchenden“ und 196.000 „Arbeitslosen“ rührt daher, dass diese Menschen zwar alle arbeitslos sind, sich aber in „Maßnahmen“ der Bundesagentur für Arbeit befinden, also letztlich nichts anderes wie Langzeitarbeitslose, die in Weiterbildungsmaßnahmen „geparkt“ werden. Bei Flüchtlingen sind es lediglich andere Kurse wie „Deutsch- und Integrationskurse“. Wie wir gestern berichteten, geht die Forschungseinrichtung der Bundesagentur „IAB“ davon aus, dass in den nächsten Monaten sehr viele dieser „geparkten“ Flüchtlinge von den Maßnahmen in die offizielle Arbeitslosigkeit „umgebucht“ werden, was ein weiteres Absenken der gesamten Arbeitslosigkeit erstmal verhindern dürfte.

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1 Kommentar

  1. Wenn das so weiter geht ist ja zumindest in der Zukunft Platz auf dem Arbeitsmarkt für all die Arbeitnehmer aus der Autoindustrie. Bleibt ja abzuwarten ob die deutsche Autoindustrie auch im „Elektrobereich“ so erfolgreich wie bisher bleibt.

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