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Aus dem Tagebuch eines einfachen Traders: Seltsam

Markus Fugmann

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am

Von Jürgen Sprenzinger

Neulich war wieder einmal Flattag. Sie wissen nicht, was ein Flattag ist? Hat nichts mit Freitag zu tun, sondern das ist einer jeder Wochentage, an dem die Kurse den ganzen Tag in einer Flat laufen – also bocklangweilig – und zwar derart, dass man Mühe hat, nicht vor dem Chart einzuschlafen. Meine Frau spricht dann von einem „Lulli-Markt“. Hier die offizielle Erklärung für einen Lulli-Markt: Ein Lulli-Markt ist ein Markt, der sich bei der kleinsten Kursschwankung in die Hosen macht und dessen Entscheidungsvolumen stacheldrahtmäßig von engem Sicherheitsdenken und Angst eingegrenzt ist.

Wie auch immer: Vor ein paar Tagen bin ich doch tatsächlich vor dem Monitor eingeschlafen. Die roten und grünen Kerzlein verschwammen mir vor den Augen, die Augen tränten und kaum, dass ich sie geschlossen hatte, war ich auch schon in Morpheus Armen. Gott sei Dank habe ich mir angewöhnt, Stopps zu setzen …

Nun ja, ein solch kurzer Büroschlaf soll ja sehr gesund sein. Jeder erfahrene Beamte kann das bestätigen. Doch kaum war ich eingeschlafen, hatte ich einen seltsamen Traum: Ich befand mich plötzlich vor einem Berg. Vor mir in der Wand sah ich ein schwarzes eisernes Tor. Ich versuchte, das Tor zu öffnen und es gelang mir mühelos. Dahinter betrat ich einen dunklen Gang, der leicht abwärts ging. Nun war ich neugierig geworden und versuchte, zu ergründen, wo mich der Weg wohl hinführen würde. Die Wände um mich herum waren pechschwarz und glänzten wie Steinkohle. Mir stieg Brandgeruch in die Nase. Ein geheimnisvolles Schimmern verbreitete wenigstens soviel Helligkeit, dass man den Weg sehen konnte.

Ich spürte heiße Luft um mich herum und eine leise Stimme riet mir, nicht weiter zu gehen. Doch ich war neugierig geworden, schon auch deshalb, weil es ständig bergab ging, heißer, aber auch heller wurde. Nach einer scharfen Linkskurve sah ich plötzlich vor mir eine blendend helle Öffnung. Ich ging darauf zu. Vor mir tat sich ein weiteres Tor auf. Es öffnete sich automatisch und ich befand mich ganz plötzlich in einer großen Höhle. Es war fürchterlich heiß, überall brannten Feuer. Zerlumpte Gestalten, aus deren unkenntlich verhüllten Gesichtern lediglich glühend rote Augen starrten, schaufelten unablässig Kohlen in die verschiedenen Feuerstellen.

Noch während ich darüber nachdachte, wo ich wohl wäre, stand mir plötzlich ein älterer, elegant im Seidensmoking gekleideter Herr gegenüber. Es war Mario Draghi – zumindest dachte ich das zunächst, denn die Ähnlichkeit war nicht zu übersehen. „Sagen Sie mal – wo bin ich hier denn reingeraten, Herr Draghi?“

Der Mann grinste mich an. „Sie sind in der Hölle gelandet.“ Seine Stimme klang schnarrend.

„Und Sie sind wahrscheinlich der Teufel persönlich?“

„Genau. Ich bin nicht Mario Draghi, er sieht mir nur sehr ähnlich, zugegeben. Nein – man nennt mich mich Teufel, Beelzebub, Satan, Luzifer und was weiß ich noch alles.“ Der Mann sprach sehr gepflegt und erweckte in mir den Eindruck eines Weltmannes, der über jede Situation erhaben zu sein schien.

„Aber“, hörte ich mich sagen, „ich bin doch noch nicht gar nicht gestorben – und mit Verlaub, auch wenn ich nebenbei ein bißchen trade, so habe ich mich doch immer für einen guten Menschen gehalten – ehrlich gesagt, Herr …“

„Nennen Sie mich einfach Luzi“, half mir der Mann auf die Sprünge. „Meine Freunde nennen mich Luzi.“

„Ja – äh, also Herr Luzi“, begann ich zögerlich, „verstehen Sie mich richtig: Ich glaube, ich bin hier falsch – ich habe immer angenommen, ich käme in den Himmel …“

„Keine Angst“, beruhigte mich Luzi, „Sie sind ja auch außerplanmäßig hier – als mein Gast sozusagen. Wie Sie schon richtig bemerkt haben: Sie sind noch nicht gestorben und können ja danach auch wieder gehen – oder auch hier bleiben.“

„Was heißt danach?“, wollte ich wissen.

„Ich brauche Ihren Rat.“

„Ausgerechnet der Teufel braucht einen Rat von mir? Unglaublich!“ Ich schüttelte verständnislos den Kopf. „Also gut. Wie kann ich Ihnen helfen?“

„Nun ja, die Sache ist so: Ich habe mit dem Traden angefangen – aber das ging gründlich daneben. Ich habe fast schon zwei Millarden verzockt – in den letzten vier Wochen. Ich glaube einfach, ich habe zu wenig Erfahrung damit.“

Eine schwarze, etwas dickliche Gestalt kam auf mich zugeschwebt. Es war Angela Merkel. „Es ist hier alles so alternativlos“ flüsterte sie mir zu. Bevor ich etwas erwidern konnte, war sie schon wieder verschwunden.

„Ist die auch da? Die lebt doch noch!“ rief ich erstaunt.

„Das ist nur ihre Seele. Der Rest folgt vermutlich in absehbarer Zeit“, klärte mich Luzi auf.

Ich nahm das Thema wieder auf: „Zwei Milliarden in vier Wochen?? Das schafft kaum einer – es sei denn, er ist Banker, Hedgefonds-Manager oder Politiker oder sowas. Aber warum haben Sie denn nicht zuerst mit einem Demokonto angefangen?“, entgegnete ich.

Luzi sah mich grinsend von der Seite an. Dann meinte er: „Das wäre völlig unmöglich. Ein Teufel und ein Demokonto? Es entspräche nicht meiner Denkweise und auch nicht meiner Art. Ich bin Praktiker, ich liebe das volle Risiko, Mensch! Außerdem ist Geld für mich kein Thema – ich kann es jederzeit nachdrucken, auch auf Umwegen, glauben Sie mir!“

„Also sind sie doch Mario Draghi!“, rief ich.

„Nein – definitiv nicht. Aber ich kenne den Mario gut. Er wird ab zu dann von mir geritten“, erklärte er grinsend.

„Wie auch immer – was kann ich nun genau für Sie tun?“, fragte ich.

„Sie sollen mir sagen, ob der Dax in den nächsten zwei Tagen steigt oder fällt.“

Staunend sah ich ihn an. „Aber lieber Herr Luzi, Sie sind der Herr der Unterwelt, Sie sehen und hören bekanntlich alles – Sie müssten doch viel eher wissen, wohin der Dax läuft. Schließlich haben Sie einen wesentlich besseren Einfluss auf den globalen Finanzmarkt und auf dessen kausale Zusammenhänge. Ehrlich gesagt, verstehe ich Ihre Frage nicht so ganz.“

Luzi rieb sich den schwarzen Kinnbart. Dann begann er zögerend: „Nun ja, ganz so einfach ist es nicht.“

„Weshalb?“

„Ich versuche, es Ihnen zu erklären: Der Dax ist Menschenwerk. Auch das Geld ist Menschenwerk. Geld ist weder gut noch böse, es ist neutral. Man kann damit eine Atombombe bauen, aber auch ein Krankenhaus. Geld ist kein universelles Prinzip, verstehen Sie?“

„Nein.“
„Alles, was kein universelles Prinzip ist, kann ich nicht beeinflussen“, fuhr er fort und meinte weiter: „Zumindest nicht direkt. Ein Beispiel sind die Börsenkurse. Ich kann sie nicht direkt beeinflussen, sondern lediglich die Anleger, durch die diese Kurse entstehen. Wissen Sie, wieviel Anleger es weltweit gibt? Das ist jeden Tag eine Sau-Arbeit, glauben Sie mir! Hätte ich nicht meine Unterteufel und Dämonen – ich wäre völlig verloren! Aber Menschen sind ebenfalls nicht berechenbar. Deshalb sind für mich die Kurse auch nicht berechenbar – und genau das ist das Problem!“

„Es tut mir sehr leid, Herr Luzi, aber ich kann Ihnen da nicht weiterhelfen. Doch ich kenne einen, der kann den Daxverlauf genau vorhersagen – oft sogar punktgenau. Der Mann heißt Michael Borgmann. Wie der das macht, weiß ich nicht, aber viele Leute glauben, dass er sogar mit Ihnen im Bunde ist.“

„Nein, den kenne ich leider nicht.“

„Sie könnten über das Internet mit ihm Kontakt aufnehmen. Ich denke schon, dass das möglich ist.“

„Und der ist wirklich gut??“

„Einer der Besten.“

„Sie haben mir sehr geholfen!“ Luzi grinste mich an und meinte: „Dann krall ich mir den mal.“

Plötzlich piepste es um mich herum. Ich öffnete die Augen und merkte, dass mein Kopf auf die Tastatur gefallen war und der Computer sich nun lauthals darüber beschwerte. Ich sah auf meinen Monitor und stellte fest, dass zwischenzeitlich zwei Positionen ins Plus gelaufen waren. Den Seinen gibts der Herr im Schlaf … Besten Dank, Herr Luzi!

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Autoindustrie: Das Problem ist der Standort Deutschland

Claudio Kummerfeld

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am

Autoindustrie in Deutschland im Wandel

Steht die deutsche Autoindustrie vor einem Niedergang wie der Standort Detroit, die ehemalige Hochburg der Autoproduktion in den USA? Die Deutsche Bank (DB) hat ein hochinteressantes Research-Dokument dazu veröffentlicht. Darin wird die Branche nicht wirklich schlecht geredet. Aber schaut man genauer hin, geht es vor allem um den Standort Deutschland, der problematisch sein soll. Die deutsche Autoindustrie selbst sei relativ gut aufgestellt, aber eben nicht der Standort Deutschland. Vorab wollen wir aus der Analyse einige Aussagen erwähnen, was denn positiv am Standort Deutschland zu bewerten ist.

Der Automobilstandort Deutschland verfüge über außergewöhnliche Vorteile. Zu nennen sei vor allem die enge technologische und räumliche Verzahnung von Herstellern, industriellen Zulieferern, Ausrüstern (z.B. Maschinenbau), Entwicklungsdienstleistern, Logistikunternehmen sowie von universitären und sonstigen Forschungseinrichtungen. Von dieser vertikal integrierten Wertschöpfungskette sowie dem über Jahrzehnte gewachsenen Know-how der Beschäftigten könne der Standort zehren. Auch der intensive brancheninterne Wettbewerb war und ist ein Motor für stetige Innovationskraft und Produktivitätsfortschritte. Fasst man aber alle in der Analyse der DB skizzierten Faktoren zusammen, dann falle es jedoch schwer, die Zukunftsaussichten für den Automobilstandort optimistisch zu sehen.

Negative Standortfaktoren für die Autoindustrie in Deutschland

Negativ zu erwähnen hat die DB-Studie so einiges. Und dabei geht es überhaupt nicht um den Absturz während der Coronakrise, sondern um strukturelle Faktoren. Zum Beispiel würden strenge CO2-Grenzwerte für neue Pkw in der EU dazu führen, dass die Hersteller mehr Elektroautos auf den Markt bringen müssten. Der resultierende Kostenanstieg verschärfe den Strukturwandel in der Branche. Kaum jemand erwarte, dass die Netto-Bilanz dieses Strukturwandels für die Wertschöpfung und Beschäftigung der Automoindustrie in Deutschland positiv ausfallen wird.

Auch die Unsicherheiten hinsichtlich der Klima- und Energiepolitik hätten dazu beigetragen, dass der Kapitalstock in energieintensiven Branchen wie der Metallerzeugung oder der Chemieindustrie in Deutschland seit vielen Jahren sinke. Diese Sektoren zählen auch zur automobilen Wertschöpfungskette. Durch die Investitionszurückhaltung würden laut der Studie Teile dieser Kette geschwächt. Höhere Kosten kämen auf die Autoindustrie auch durch die geplante Verschärfung der europäischen Abgasnormen zu (Euro 7). Im Volumensegment dürfte der Kostenaufschlag pro Fahrzeug besonders ins Gewicht fallen. Dies setze die Produktion von „Autos für den Durchschnittsbürger“ in Hochlohnländern wie Deutschland, aber auch in Frankreich oder Italien unter Druck.

Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten habe sich Deutschlands Position laut der Studie der DB im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Auch die anhaltenden Handelskonflikte würden die Investitionsbereitschaft hemmen. Zudem ist die Pkw-Nachfrage im wichtigen westeuropäischen Absatzmarkt gesättigt. Schließlich bedeute die demografische Entwicklung eine Herausforderung, da sie zu einem sinkenden Erwerbspersonenpotenzial führe und die Nachfrage dämpft.

Angesichts der strukturellen Herausforderungen sei es fraglich, ob die früheren Produktionshöchststände am Standort Deutschland jemals wieder erreicht werden. Die DB befürchtet, dass es immer schwerer wird, eine konkurrenzfähige Produktion von Pkw im Volumensegment in Deutschland aufrechtzuerhalten. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Autoproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Ähnlich sei es der Autoindustrie im US-Bundesstaat Michigan (Detroit) ergangen, wo heute deutlich weniger Fahrzeuge gefertigt werden als zu Beginn des Jahrhunderts. Die deutsche Autoindustrie sei besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.

Autoindustrie wird sich anpassen – Standort mit Problem?

Wir wollen nur kurze und interessante Auszüge der DB-Studie zitieren. Zum Beispiel gehen wir nochmal auf den Detroit-Vergleich ein. Die DB sagt, dass dieser Vergleich vielleicht zunächst schockieren möge. Aber noch immer würden in Michigan viele Light Vehicles (LV) produziert. Allerdings waren es in den letzten Jahren etwa ein Drittel weniger Fahrzeuge als zu Beginn dieses Jahrhunderts. In der Folge ist der Anteil des Bundestaates an der gesamten LV-Produktion der USA von knapp 25 Prozent im Jahr 2000 auf deutlich weniger als 20 Prozent in den letzten Jahren gesunken. Profitiert hätten dagegen einige Südstaaten der USA, in denen auch deutsche Hersteller in neue Autofabriken investiert haben. Hohe Standortkosten in Michigan (z.B. Lohn- und Pensionskosten der angestammten Belegschaft) seien ein wesentlicher Grund für diese Verschiebung innerhalb der USA gewesen. Eine ähnliche Entwicklung sei für den Automobilstandort Deutschland nicht unwahrscheinlich. Auch in Deutschland könnten die Produktionszahlen der Branche dauerhaft unterhalb der früheren Niveaus verharren. Der Anteil Deutschlands nicht nur an der globalen, sondern auch an der europäischen Automobilproduktion drohe zu sinken.

Die DB-Studie geht an das gesamte Thema durchaus differenziert heran. Man schreibt die Branche nicht einfach pauschal ab. Unter dem Strich sei man davon überzeugt, dass die deutsche Autoindustrie besser für die „elektromobile“ Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet sei als der Automobilstandort Deutschland. Die Unternehmen könnten Standortentscheidungen frei treffen und sich im Laufe der Zeit anpassen, wenn sich die Rahmenbedingungen an einem Standort verschlechtern. Bei der Beurteilung der Zukunftsperspektiven des Standorts Deutschland würden aus heutiger Sicht jedoch die negativen Faktoren überwiegen. Bedauerlich dabei sei, dass ein Teil dieser Faktoren durch eine klimapolitische Regulierung begünstigt werde, die deutlich weniger effektiv als möglich und teurer als nötig sei.

Der Vorwurf an die deutsche Autoindustrie, technologische Trends zu verschlafen, werde auch beim Übergang zu E-Mobilität stetig wiederholt. Doch auch in diesem Fall sei er laut DB nicht pauschal zutreffend. Richtig sei, dass der Anteil deutscher Hersteller an den verkauften Elektroautos in vielen Märkten unter ihrem Marktanteil bei traditionellen Fahrzeugen liegt. Gleichwohl gleicht der Übergang vom Verbrennungsmotor zur E-Mobilität einem Langstreckenlauf und nicht einem Sprint. Kein Anbieter liege uneinholbar vorne. Zudem sei die Produktpipeline der deutschen Hersteller gut gefüllt. Die Deutschen seien eben lediglich später dran als manche Konkurrenten, aus Sicht der Autoren der Studie jedoch nicht zu spät.

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

Claudio Kummerfeld

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am

Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Blick nach Deutschland

Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

Chart zeigt Vergleich von Dax gegen Anleiherenditen

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Achtung: Korrektur voraus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Stimmung auf dem digitalen Börsenparkett ist prächtig. Wir haben überhaupt nicht genug Geld, um alle die großartigen Titel des internationalen Kurszettels kaufen zu können, so eine verbreitete Empfindung.

Das sind einige der Zutaten dieser Euphoriewelle, die bereits seit einigen Monaten über die Aktienmärkte hinwegrollt.

Fokussierung auf wenige Trendbranchen: Die Hausse verkürzt sich zunehmend auf einige wenige Titel aus einigen Trendbranchen wie Wasserstoff oder E-Mobilität. Das waren zuletzt etwa die Favoriten auf der Privatanleger-Plattform Tradegate: NEL ASA, Plug Power, Xiaomi, Tesla und Ballard Power.

Es ist ein Warnsignal, wenn eine Hausse nur noch auf den Schultern weniger Aktien liegt. Gesund ist eine Hausse immer dann, wenn sie von möglichst vielen Aktien aus unterschiedlichen Branchen getragen wird.

Kauf zu jedem Preis: Typisch ist dabei, dass die Anleger derzeit bereit sind, für eine „geile“ Aktie jeden Preis zu bezahlen. Die Bewertung interessiert nicht mehr, solange der Titel einer Trendbranche zuzurechnen ist. Typisch ist auch, dass man diese Aktien nicht erst in einer Woche haben will, sondern jetzt sofort. Folglich verzichten immer mehr Anleger auf die Bestimmung eines Kauflimits und fassen stattdessen billigst zu.

In der Folge erleben wir immer öfter prozentual zweistellige Kursanstiege auf Tagesbasis, ohne dass eine Nachricht aus dem Unternehmen vorliegt. Zu Deutsch: Die Kursanstiege sind in der Regel nicht mehr fundamental begründet.

Am Ende entsteht ein gewaltiger Sog, dem wir uns kaum noch entziehen können. Selbst Profis fallen dann um, werfen ihre bewährten Strategien über…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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