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Aus Petrodollars werden Petropennies: Ratlose Scheichs

Redaktion

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FMW-Redaktion

Nichts verdeutlicht den Niedergang der Ölstaaten wie die Tatsache, dass ihre Vertreter beim Weltwirtschfatsforum in Davos nicht anwesend sind. Als die Ölpreise über 100 Dollar standen, so z.B. im Jahr 2008, riß man sich um Vorträge etwa von Leitern der staatlichen Fonds aus den Ölstaaten, CEOs der weltgrößten Banken suchten den Kontakt zu ihnen, ihre Gelder waren begehrt.

Aber weil die Gelder nicht mehr so üppig fließen, und die Stimmung in den Ölstaaten, vorsichtig formuliert, etwas angkratzt ist, lassen sich die einst so Mächtigen nicht mehr in Davos blicken. Was sollten Sie dort auch sagen?

Dennoch spielen sie in Davos indirekt eine große Rolle. Der Grund ist klar: die staatlichen Fonds der Ölstaaten verkaufen Asstes westlicher Nationen, vor allem Anleihen und Aktien, und bringen so die Finanzmärkte in Turbulenzen. Und so sagen jene, die es wissen müssen, weil sie nach wie vor nahe drin sind: die Ölstaaten verkaufen derzeit massiv, um die Etatlöcher zu stopfen, die die kollabierten Einnahmen durch den ebenso kollabierten Ölpreis gerissen haben. Und: sie prognostizieren, dass diese Verkäufe nicht so schnell enden, sondern weiter anhalten werden.

Schätzungen gehen davon aus, dass Petrodollar-Investments zwischen 5% und 10% aller globalen Assets ausmachen – also ein gigantisches Volumen haben. Praktisch alle nahöstlichen Ölstaaten reduzieren derzeit ihre Bestände – aber ebenso wichtig ist, dass sie auch nicht mehr als Käufer auftreten: investierten Petrodollar-Staaten im Jahr 2012 noch 800 Milliarden Dollar in die globale Wirtschaft, so waren es im Jahr 2015 nur noch 200 Milliarden Dollar. Und 2016, das zeichnet sich ab, wird es noch deutlich weniger, wenn nicht der Ölpreis massiv steigen sollte.

Sichtbar werden die Verkäufe dieser Staatsfonds vor allem bei den Devisenreserven der jeweiligen Länder. Etwa bei Aserbeidschan, dessen Währungsreserven (meist in Form etwa von US-Staatsanleihen) von 16,5 Milliarden Dollar Mitte 2014 auf nun 7,3 Milliarden Dollar sich mehr als halbiert haben. Ähnlich die Lage beim einwohnerstärksten Land Afrikas, Nigeria: hier fielen die Reserven von 48 Milliarden Dollar Mitte 2013 auf nun 28,7 Milliarden Dollar. Tendenz auch hier klar rückläufig.

Oder Algerien, das die Währungsreserven, die in den letzten vier Jahren aufgebaut worden waren, komplett verbraucht hat inzwischen. Manch einer, der solche Staatsfonds leitet, hat bereits seinen Job verloren: so etwa der Leiter des kasachischen Staatsfonds, nachdem er gegenüber einem amerikanischen Finanzmedium eingestanden hatte, dass – sollte der Ölpreis nicht steigen – der Staatsfond in sieben Jahren kein Geld mehr habe.

Auch im einst so Petrodollar-reichen Saudi-Arabien schrillen daher die Alarmglocken, nachdem die Währungsreserven des Landes allein seit Mitte 2015 um mehr als 100 Milliarden Dollar zurück gegangen sind. Die Saudis haben ihre Währung an den US-Dollar gekoppelt, der Markt ist zunehmend verunnsichert darüber, ob nicht doch diese Anbindung aufgehoben wird. Heute ist bekannt geworden, dass die Machthaber in Riad alle Banken des Landes angewiesen haben, Spekulationen gegen den Rial nicht mehr zuzulassen.

Das alles ist ein Beispiel für Hilflosigkeit: man wolle, so sagte der Sohn des saudischen Königs kürzlich, eine „Thatcher-Revolution“ einleiten. Aber wie soll das funktionieren in einem Land, dass noch in Stammesstrukturen denkt und organisiert ist?

Die Scheichs jedenfalls sind weitgehend ratlos. Aus Petrodollars sind plötzlich Petrocents oder Petropennies geworden – mit hoher Wahrscheinlichkeit wird das politische Folgewirkungen haben, die den Nahen Osten nicht wirklich stabilisieren helfen..

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Bullen, Bären und fliegende Schweine

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Ab morgen startet das verlängerte Thanksgiving-Wochenende in den USA. Die gut laufenden Kurse im November sind im Fokus seiner heutigen Berichterstattung.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Thanksgiving-Party

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die steigenden Corona-Zahlen in den USA werden an der Börse derzeit ignoriert. Die Kurse kennen aktuell nur eine Richtung. Positiv zu werten ist auch, dass vermutlich die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen neue US-Finanzministerin werden sollte.

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Aktienmärkte: Warum einige aktive Fonds 2020 den Markt schlagen

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte sind Schauplatz eines Kampfes, der von Jahr zu Jahr härter wird: Der Wettstreit zwischen den aktiven Fonds und den preisgünstigen, passiven Indexfonds (ETFs). In diesem Jahr haben einige der aktiv gemanagten Investmentfonds die Nase vorn. Ein Grund dafür ist die auch die ungewöhnliche Konzentration der Anleger allgemein auf marktschwere Titel.

Aktienmärkte: Das Dauerduell aktiv gegen passiv

Was hatte sich der in diesem Jahr verstorbene Gründer des passiven Investierens, John Bogle, anfangs für Feinde gemacht, zumeist wurde er milde belächelt! Mitte der Siebziger war Mittelmaß als Ziel eines Investments absolut verpönt, alle wollten noch die Aktienmärkte schlagen.

Doch Bogle hatte seine Mitarbeiter beauftragt, alle im S&P 500 enthaltenen Aktien entsprechend ihrer Gewichtung zu kaufen und damit den bekannten Börsenindex einfach nachzubilden.

Damit schuf Bogle den ersten Indexfonds (Vanguard 500), mit einem aus heutiger Sicht mickrigen Volumen von 11,3 Millionen Dollar.

Doch von Jahr zu Jahr steigt die Anlagesumme in die passiven Anlagevehikel, vor gut zehn Jahren wurde die Billionen-Grenze überschritten, mittlerweile ist die von BlackRock, Vanguard, State Street dominierte Branche bei weit über sechs Billionen Dollar angelangt.

Natürlich lässt es sich auf Dauer nicht verheimlichen, dass es kaum einem aktiven Anlagevehikel jenseits der 10-Jahresfrist gelingt, den Index und damit auch den entsprechenden Exchange Traded Fund zu schlagen. Am allerwenigsten den Leitindex der Aktienmärkte, den S&P 500 als Benchmark – insgesamt liegt die Underperformance bei über 90 Prozent in den großen Märkten.

Ich habe es vor kurzem in einem Artikel dargelegt, welche Folgen es hat, wenn man in einem Jahrzehnt auch nur die zehn besten Handelstage der Aktienmärkte versäumt.

2020 und die extreme Outperformance von Growth

Blicken wir nun auf den heimischen Markt, wo die Entwicklung natürlich einmal mehr den amerikanischen Vorbildern folgt. Hier gibt auch BlackRock den Ton an mit seinen iShares, gefolgt von Lyxor und den XTrackers von DWS, einer Tochter der Deutschen Bank. Gefolgt von UBS, Amundi, Invesco und Deka Investments und damit sind auch die deutschen Sparkassen im Geschäft.

Wie eine Auswertung des Fondsverbands BVI zeigt, haben in den Privatanleger-Depots es einige der alten Namen aus der aktiven Branche geschafft, ihre Vergleichsindizes zu schlagen. Produkte der DWS, der Deka oder der Allianz Group und aus dem Kreise derer, die schon über ein Jahrzehnt am Markt sind. Und dies gilt auch schon für ein paar Jahre, obwohl für diese Produkte die teuren Konditionen mit dem Ausgabeaufschlag und der jährlichen Jahresgebühr von deutlich über ein Prozent p.a. gelten. Wie ist diese Performance zu erklären?

Es waren zum Teil die internen Vorschriften, die den aktiven Fondsmanagern geholfen haben – und nicht die besondere Aktienauswahl.

Man hatte innerhalb der Aktienmärkte auf Aktien gesetzt, die eine hohe Marktkapitalisierung aufwiesen, so genannte Blue Chips – und was lief in den letzten Jahren besonders gut?

Klar, der Tech-Bereich mit Titeln wie Amazon, Apple oder Microsoft, Aktien, die in den Fonds zum Teil noch stärker gewichtet waren, als zum Beispiel im S&P 500 oder im MSCI World. Aber bereits seit Anfang September ist so etwas wie eine Branchenrotation feststellbar, verstärkt durch das Ergebnis des Wahlausgangs in den USA sowie den letzten Ereignissen im Zusammenhang mit der Impfstoffentwicklung.

Anders ausgedrückt: Was passiert, wenn die Big Player wieder auf ein „normales“ Wachstumstempo zurückfallen, um nur eine milde Kursentwicklung zu prognostizieren?

Fazit

Aus den letzen Überlegungen wird deutlich, wie schwierig es in Zukunft bleiben wird, mit spezieller Aktien-Einzelauswahl die Aktienmärkte zu schlagen. Wird es zu einer bleibenden Branchenrotation von Growth zu Value kommen, oder hält sich das Wachstum der Big Seven, oder auch der FAANG-Aktien noch eine Weile?

Man braucht sich nur den explosiven Anstieg einiger Corona-Aktienopfer seit der Impfstoffmeldung von BioNTech/Pfizer zu betrachten. Wie stark wird es noch zu großen Umschichtungen in den großen Depots, insbesondere zum Jahreswechsel kommen? Der 9. November könnte bedeutsamer gewesen sein, als bisher angenommen. Der Anstieg des Nasdaq 100 von seinem Tief vom 6. März 2009 bis zu seinem Hoch am 2. September 2020 mit sagenhaften 1154 Prozent sollte irgendwann korrigiert werden, Kurse (speziell von Indizes) wachsen nie in den Himmel. Der Dax brachte es in diesem Zeitraum auf bescheidene 354 Prozent.

Die Aktienmärkte und die aktiv verwalteten Fonds

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