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Anleihen

Ausländische Anleger verabschieden sich aus Italien – raten Sie mal wer einspringt

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Wenn jemand verkauft, muss auf irgendwer kaufen… aber dazu später mehr in diesem Artikel. Durch die neue Regierung in Rom sind die Befürchtungen ausländischer institutioneller Anleger stark gewachsen in Sachen Instabilität und höherer Neuverschuldung. Das schlägt sich auch in Zahlen nieder, die inzwischen nach und nach bekannt werden. So war in den letzten Monaten eine regelrechte Kapitalflucht raus aus Italien in Gange.

Vorab dieser Vergleich: Ab Mai fing die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen an zügig von unter 2% auf über 3% zu steigen. Auch aktuell notiert sie seit Tagen über 3%. In den USA liegt sie aktuell bei 2,83% – und das nach mehreren Zinsanhebungen in den USA, und weiterhin Nullzinsen in der Eurozone!

Was sagt uns das? Ab Mai gab es enormen Verkaufsdruck in Italien, was die Anleihekurse nach unten brachte. Damit stieg automatisch die Rendite für italienische Staatsschulden. Daten und Aussagen aus Finanzkreisen zeigen nun: Es sind in großem Umfang die ausländischen Investoren, die ab Juni ihre Anleihen verkauften – bloß raus aus dem jetzt noch unsicheren Italien – das war wohl das Motto. Das ist gut nachvollziehbar bei dieser neuen Regierung.

Gemäß jüngster EZB-Daten gab es bei italienischen Anleihen alleine im Monat Juni einen Mittelabfluss durch ausländische Anleger über 38 Milliarden Euro – ein Rekordwert nach dem vorigen Rekord im Mai in Höhe von 34 Milliarden Euro. Man kann also diese Kapitalflucht und die fallenden Anleihekurse direkt in Verbindung bringen.

Wie man aus Finanzkreisen hört, haben italienische Banken im Mai und Juni diesen Exodus aufgefangen, und in großem Umfang (40 Milliarden Euro oder mehr) die Anleihen ihrer Regierung gekauft. Fast schon ein Witz! Der italienische Bankensektor, immer noch marode und seit Jahren diverse Male durch italienische Steuergelder gestützt, kauft nun Anleihen des italienischen Staates, damit die Renditen nicht endlos in die Höhe springen.

Nach Berechnungen von Citi lag der gesamte Kapitalabfluss aus Italien in Mai und Juni bei 76 Milliarden Euro, und lag damit weit über dem Wert von 56 Milliarden Euro in den Monaten Februar und März 2012. Citi erwartet auch weitere Rating-Abstufungen für Italien. Es gibt aktuell keine Anzeichen, dass die Ausländer zurückgekehrt sind. Wohl nur die Stützung durch inländische Banken sorgte dafür, dass die Rendite aktuell nicht weiter gestiegen ist (aktueller Stand 3,08%). Aber bei der neuen Regierung in Rom weiß wohl niemand, was passieren wird. Neue Forderungen nach EZB-Schuldenverzicht gegen Italien, neue Forderungen gegen Brüssel, neue Szenarien zum Euro-Austritt, massive Neuverschuldung um die Wahlversprechen zu finanzieren? Das Pulverfass bleibt am Köcheln!

5 Kommentare

5 Comments

  1. asyoulike

    24. August 2018 11:07 at 11:07

    Moin, moin,

    so ist es sicher, „das Pulverfass bleibt am Köcheln“. Es wird keine vernünftige Lösung für Italien geben können. M.E. muss jede Regierung in Rom Gelder zur Beruhigung der Wähler ausgeben. Wer gewählt werden möchte in Italien, muss das Füllhorn auftun. Das ist nicht per se schlecht, nur es wird dann zum Problem, wenn man mehr Gelder ausgeben muss, als man einnimmt (wie im Privatbereich auch). Die Differenz muss quasi als Schulden finanziert werden. Auch das sollte kein Problem sein, solange die Schulden nicht auf Dauer wachsen. Und nun sind wir beim typischen Problem Italiens. Da die Einnahmen immer kleiner sind als die laufenden Einnahmen, müssen über die Zeit die Schulden wachsen. Wir halten fest:

    Ausgaben = Einnahmen + Schulden (somit ein Gleichgewicht)

    Es wird sicher ersichtlich, dass diese Konstruktion nicht auf Dauer funktioniert.

    Somit ist der Vergleich mit einem Pulverfass gerechtfertigt. Es fehlt noch die Lunte, die das Ganze zur Explosion bringt. Den klar sein dürfte m.E. auch, dass die BRD Italien nicht wird retten können, auch wenn Berlin dieses zur Eigenrettung gerne machen möchte. Seit der letzten Bundestagswahl sitzt im Berliner Parlament wieder eine Oppositionspartei (wie ärgerlich für unsere Steuergeldverschwender).

    Fazit: Italiens finanzieller Untergang ist gleichbedeutend mit dem Untergang der EU in ihrer jetzigen Form. Rien ne va plus.

  2. Beobachter

    24. August 2018 11:58 at 11:58

    Hat man doch eben die wunderbare Rettung von Griechenland gefeiert. So wird es der EZB nie langweilig, bald können sie die türkischen u.italienischen Banken retten. Die spanischen Banken werden nach einem Dominoeffekt auch noch fällig.Die grösste Bank des besten EU Landes ist auch angeschlagen ( DB)
    Schlussfolgerung:
    In der langen Phase der Billigzinsen hat sich also keine Bank der EU erholen können.Also ist dieses Experiment gescheitert.Warum sollte also dieses Experiment immer verlängert werden, wie viele „FINANZSPEZIALISTEN „ meinen.

  3. Drusius

    24. August 2018 12:00 at 12:00

    Da brodelt noch mehr. Der Target II-Saldo nährt sich der Billionen-Grenze und die Verwertungsgesellschaften für Immobilien der BR-Gesellschaft, nach den für das nächste Jahr geplanten „Zwangsanleihen“, stehen schon in den Startlöchern. Hoffen wir, daß das geplante „Ordo ab Chao“ noch ein wenig auf sich warten läßt.

  4. bademeister

    24. August 2018 12:37 at 12:37

    Gerade folgende Meldung auf Guidants-News:

    US-Präsident Donald Trump soll Italien Finanzhilfen in Form von Anleihekäufen ab 2019 angeboten haben, wie die italienische Tageszeitung „Corriere della Sera“ unter Berufung auf informierte Kreise berichtet.

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Anleihen

Aktuell: Kommt ein Deal zwischen der EZB und Italien?

In den letzten Tagen war die italienische Regierung ja erstaunlich handzahm – jetzt zeichnet sich ab, warum..

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In den letzten Tagen war die italienische Regierung ja erstaunlich handzahm – man sei bereit, das Defizitziel zu senken – das bekräftigte heute aktuell auch Armando Siri, der ökonomische Berater des eigentlich starken Mannes Italiens, Matteo Salvini. Man könne von 2,4%, auf 2,2% oder 2,3% gehen (von derzeit noch 2,4%), so Siri.

Woher kommt diese plötzliche Kompromißbereitschaft? Nun, dafür – darauf verdichten sich aktuell die Hinweise – gibt es wohl ein sehr konkretes „Zuckerl“ für Italien! So gibt es sich verdichtende Gerüchte, dass die EZB für Italien das sogenannte „OMT“ (Outright Monetary Transactions) wieder aufleben lassen könnte. Zur Erinnerung: das OMT-Programm wurde im Jahr 2012 in Kraft gesetzt, kurz nach den vielleicht wichtigsten Worten der Finanzgeschichte von Mario Draghi im Juli 2012, als er sagte, die EZB „..is ready to do whatever it takes to preserve the Euro. And believe me, it will be enough.“

Formal muß ein Land dieses OMT durch die EZB beantragen, sich dabei aber an die Vorgaben der Notenbank halten. Die EZB kauft dann Anleihen des Landes am Sekundärmarkt – also von den Banken, nicht von dem jeweiligen Staat selbst! Das wäre natürlich für die italienischen Banken, die vollgesogen sind mit italienischen Staatsanleihen (sie besitzen derzeit kanpp mehr als ein Viertel aller italienischen Anleihen und haben ihren Anteil in den letzten Monaten noch einmal deutlich aufgestockt, während „Ausländer“ ihre Bestände um 3% reduziert hatten, laut Angaben der italienischen Notenbank) ein Segen!

Bislang ist das OMT noch nie umgesetzt worden – es diente mit Einführung auf dem Hochpunkt der Eurokrise 2012 vor allem zur Beruhigung der Märkte, als letzter Anker, wenn alles wegdriftet. Dass die EZB nun offenkudnig überlegt, erstmals das OMT in die Praxis zu überführen mit Italien, zeigt, wie schwer die Lage des Landes wirklich ist..


By World Economic Forum – Cropped from File:Mario Draghi World Economic Forum 2013.jpg, original source Flickr: Special Address: Mario Draghi, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=24229287

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Anleihen

Die Alles-Blase: Warum die Verschuldung der US-Unternehmen implodieren und das Vermögen der Amerikaner schrumpfen wird!

„Man muß notwendige Grausamkeiten möglichst früh begehen“ – und warum es verhängnisvoll ist, wenn Notenbanken genau das verhindern wollen..

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Die Wohlstandsillusion

Die Notenbanken haben mit ihrer Geldpolitik, die auf das Platzen der US-Immobilienblase reagierte, zunächst einmal den „Karren aus dem Dreck“ gezogen. Federführend war dabei der damalige Fed-Chef Ben Bernanke, der als der große Kenner der Großen Depression aus den 1930er-Jahren galt (und gilt). Seine Schlußfolgerung war: wir müssen die Märkte mit Liquidität fluten, um einen Zusammenbruch wie in den 1930er-Jahren zu verhindern (genau das taten damals die Notenbanken nicht).

Diese Reaktion ist verständlich – aber langfristig wohl verhängnisvoll. Denn sie läßt eine Lebensweisheit außer acht, die da lautet: „Man muß notwendige Grausamkeiten möglichst früh begehen“! Wer immer nur darauf erpicht ist, Schmerzen zu vermeiden (etwa durch den Konsum von Medikamenten), der arbeitet nur am Symptom, nicht aber an der Ursache. Die Ursache aber ist, dass der Westen über seine Verhältnisse lebt – und sich das aber nicht eingestehen will und mithilfe der Notenbanken eine Wohlstandsillusion aufrecht erhält, die dauerhaft nicht aufrecht zu erhalten ist.

Ja: ein Zusammenbruch wie damals ab dem Jahr 1929 ist bitter – aber eben auch eine notwendige Bereinigung des Systems, die dann zu einer Gesundung eben dieses Systems führen kann. Zwar blühte damals der politische Extremismus im Gefolge der Wirtschaftskrise (mit der extremsten Form im deutschen Nationalsozialismus) – aber die extremistischen Tendenzen nehmen derzeit auch klar erkennbar zu. Und das trotz des verzweifelten Versuchs, die Wohlstandsillusion aufrecht zu erhalten, trotz der Tatsache, dass es sehr vielen Menschen im Westen materiell so gut geht wie noch nie.

 

Das Platzen einer Illusion – ein Unfall in Zeitlupe

Aber das wird wohl nicht so bleiben – und genau das spüren viele Menschen. Denn das Platzen der Wohlstandsillusion ist eigentlich kaum zu verhindern, sondern nur künstlich noch etwas aufschiebbar. Dass auch die Finanzmärkte derzeit so verunsichert sind, liegt daran, dass die Notenbanken nun ihre aktive Mitarbeit an der „Alles-Blase“ aufgekündigt haben – und damit völlig unklar ist, wie es weiter gehen soll.

Im Folgenden möchten wir Ihnen zwei (englischsprachige) Videos an Herz legen, beide von Jesse Colombo. Im ersten Video zeigt er, dass das Vermögen der Amerikaner im Vergleich zum BIP der USA so hoch ist wie noch nie – aufgrund der „Alles-Blase“. Die Amerikaner sind die großen Profiteure dieser Alles-Blase, weil sie vor allen an den explodierenden Finanzmärkten aktiv waren und sind (hier mehr dazu). Seit der Finanzkrise ist das Vernögen der Amerikaner um 46 Billionen Dollar gestiegen, hat sich also seitdem mit 83% fast verdoppelt. Und das kann auf Dauer nicht so bleiben:

Das gilt auch für die Verschuldung der US-Unternehmen – das ist vermutlich die Blase, deren Platzen dann die nächste Finanzkrise auslösen wird, wie Jesse Colombo zeigt:


Von Frank Liebig – Archiv Frank Liebig, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61315444

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Aktien

Aktuell: Pulverfass Italien, Problemkind Apple, Trump feiert globale Steuersenkung

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Die EU-Kommission hatte heute Vormittag Italien die erwartete Ohrfeige verpasst. Den Haushaltsplan Italiens lehnte man ab, und will nun ein Defizitverfahren gegen Rom einleiten. So weit, so gut. Der Anleihemarkt hatte das schon erwartet, und so war die Rendite für zehnjährige italienische Staatsanleihen gestern bis auf 3,69% gestiegen.

Heute nun sank die Rendite auf aktuell 3,53%. Das ist eigentlich erstaunlich – aber vermutlich geht es hier um den Marktmechanismus „kauf das Gerücht, verkauf die Fakten“. Nur dass es hier umgekehrt ging. Die Anleger hatten erst Anleihen verkauft (Rendite rauf), und sind nun wieder ein wenig optimistischer (Anleihen kaufen, Rendite fällt). Dabei ist die Situation weiterhin ein echtes Pulverfass.

Laut „La Stampa“ habe Italiens Innenminister Matteo Salvini seine Kompromissbereitschaft gegenüber Brüssel signalisiert. Man könne bei den Ausgaben für das Bürgereinkommen und die Rente einiges überdenken. Das hilft erstmal der Rendite. Aber halt. Inzwischen hat Salvini diesem Medienbericht widersprochen. Über das Defizitziel von 2,4% werde man nicht diskutieren. Er sei lediglich offen für eine mögliche Diskussion über die geplanten Investitionen im neuen Haushalt.

Also: Warum bleibt die Rendite auch aktuell noch bei 3,53%? Sieht der Markt (noch) nicht, dass der Streit zwischen Rom und Brüssel jederzeit in die nächste Eskalationsstufe springen kann? Für Spekulanten wäre das eine Chance. Aber wie gesagt, es ist ein Pulverfass. Hier kann man als Trader unmöglich etwas planen, und muss halt eine pure Spekulation eingehen.

Apple

Der Gigant unter den Auftragsfertigern für Elektronik „Foxconn“ will laut Medienberichten im nächsten Jahr ca 2,5 Milliarden Euro einsparen. Nur der für die iPhone-Herstellung zuständige Geschäftsbereich solle ca 760 Millionen Euro einsparen. In den letzten Tagen hatten bereits mehrere Apple-Zulieferer ihre Erwartungen spürbar zurückgeschraubt. Das lässt mehr als jemals zuvor darauf schließen, dass Apple ein Absatzproblem bekommen dürfte. Sind die iPhones doch langsam zu teuer geworden? Die Apple-Aktie ist in den letzten Wochen sehr stark gefallen, von 233 Dollar Anfang Oktober auf gestern 177 Dollar. Heute geht es in der New Yorker Vorbörse mal 1% nach oben. Aber das muss noch keine Trendwende bedeuten.

Globale Steuersenkung

Donald Trump ist aktuell mehr als begeistert über eine „globale Steuersenkung“. So bezeichnet er die massiv gefallenen Ölpreise. Sie bescheren seinen Wählern natürlich sinkende Benzinpreise. Genau das hatte er ja mehrfach in den letzten Monaten von der OPEC gefordert. Die ist aber der falsche Adressat für Dankesbriefe, da die OPEC gerade verzweifelt versucht den Ölpreis hochzubekommen. Nein, Donald Trump sollte sich eher bei den heimischen Frackern bedanken, die pumpen wie wild. Trump dankt in seinem Tweet ausdrücklich Saudi-Arabien. Eine Hommage an seinen Buddy Kronprinz bin Salman? Auch tweetet Trump zum Schluss noch, dass der Ölpreis noch weiter fallen solle. Momentan verliert er gut 40 Cent. Nun wartet man gespannt auf die Öl-Lagerdaten, die um 16:30 Uhr veröffentlicht werden (wir berichten gleich darüber).

Donald Trump
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