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Außenhandel: Harte Erkenntnis für EU wie für die USA

Redaktion

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Im gestrigen Trubel rund um die Rede von Mario Draghi entging uns doch glatt, dass die neuesten Daten für den Außenhandel der EU vermeldet wurden. Im April lag der Warenhandelsüberschuss der Gesamt-EU (Eurozone + Nicht Euro-Staaten) bei 1,4 Milliarden Euro. Im April 2018 waren es noch ein Defizit von 0,9 Milliarden Euro. Das klingt doch erstmal gut, nicht wahr?

Details zum Außenhandel haben es in sich

Man steige doch mal etwas tiefer in das Zahlenwerk ein, und findet bei genauerer Betrachtung eine harte Erkenntnis. Wohl noch viel ernüchternder für die EU als für die USA, möchte man fast sagen. Die entscheidende Rubrik der Grafik haben wir rot umrandet. Es sind von Januar-April 2019 die Vergleiche zu Januar-April 2018. Angezeigt werden die Überschüsse beziehungsweise Defizit mit den wichtigsten Handelspartnern der EU.

Die EU machte im Vorjahr gegenüber den USA ein Plus von 46, jetzt von 48,2 Milliarden Euro. Also steigt das Minus der USA weiter an, obwohl Donald Trump verzweifelt versucht genau das Gegenteil zu erreichen. Traurig genug für ihn. Aber man schaue mal auf die Seite der EU. Bei den bedeutenden Handelspartnern erwirtschaftet sie eigentlich nur Überschüsse gegenüber den USA und der Schweiz. Tja, die Schweiz. Mal ehrlich. Sie ist geographisch komplett von der EU eingeschlossen, und verständlicherweise auf umfangreiche Importe aus der EU abhängig. Dass die EU gegenüber der Schweiz einen Überschuss von 13,4 Milliarden Euro hinlegt (Vorjahr 13,1), ist kein großes Kunststück. Also klammern wir die Schweiz mal aus.

Abgesehen von den USA produziert die EU nur Defizite. Gegenüber China wuchs das Minus von 57,2 auf 62 Milliarden Euro. Gegenüber Russland (Energieimporte) wuchs das Defizit von 25,8 auf 26,7 Milliarden Euro. Gegenüber der Türkei verwandelte sich ein Plus von 4,2 in ein Defizit von 3,5 Milliarden Euro. Weiter geht´s. Gegenüber Japan liegt das Minus bei 3,3 Milliarden Euro, gegenüber Norwegen (Energieimporte) bei -7,5 Milliarden Euro, gegenüber Südkorea bei 1,9 Milliarden Euro. Und sogar gegenüber Indien macht die EU 2,9 Milliarden Euro Minus. Ach ja, Mensch. Gegenüber Kanada macht die EU 3,1 Milliarden Euro Plus. Immerhin, besser als gar nichts.

Vereinfacht ausgedrückt: Im Warenhandel mit dem Planeten (beim Blick auf die großen Handelspartner) produziert die EU nur Defizite. Wäre der Warenhandel mit Nordamerika nicht extrem vorteilhaft für die EU, gäbe es netto richtig saftige Defizite, und somit den Abfluss von Geld und Wohlstand raus aus der EU. God bless America?

Außenhandel EU Daten April

Außenhandel EU - Containerschiff in Rotterdam
Außenhandel mit Waren über den Seeweg. Containerschiff bei der Einfahrt in Rotterdam. Foto: kees torn – AL MURAYKH , CSCL MARS & SMIT SEINE CC BY-SA 2.0

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Politologe

    19. Juni 2019 12:09 at 12:09

    Fazit: Die USA sind der wichtigste Abnehmer von EU Produkten.Der zweitwichtigste ist trotz der kleinen Grösse die Schweiz.Während die EU wie das Kaninchen vor der Schlange vor den Amis zittert, spielen sie ihre Arroganz gegenüber der Schweiz genüsslich aus. Ist erstaunlich, schicken doch die EU-Länder ihre fähigsten Politiker? ? nach Brüssel.

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Rüdiger Born: Was der Markt bei Gold noch benötigt für einen Long-Einstieg

Rüdiger Born

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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