BYD zieht bei den deutschen Autoverkäufen an Toyota vorbei. Während der Absatz in der Heimat schrumpft, investiert der Konzern massiv in Europa.
Im Juni 2026 überholte BYD Toyota erstmals in der Geschichte bei den Neuzulassungen in Deutschland. BYD registrierte 6.259 Einheiten, Toyota 6.072. BYD rangierte damit auf Platz 14 der meistverkauften Marken in Deutschland, knapp hinter Fiat.
In Europa kamen die chinesischen Marken im ersten Halbjahr auf einen Anteil von 5,1 Prozent und damit vor Ford (3,8 Prozent) und knapp hinter Mercedes-Benz, das einen Marktanteil von 5,2 Prozent vorzuweisen hat. BYD allein ist nun mit 70.500 Einheiten unter den Top-25 in Europa und hat Suzuki, Mini und Jeep überholt.
Offensive in Deutschland: BYD baut Händlernetz und Ladenetz aus
BYD hat Deutschland, dem wichtigsten Einzelmarkt in Europa, zum Schwerpunkt seiner Entwicklung auf dem alten Kontinent auserkoren. Im März bezog der Autohersteller aus Shenzhen seine neue Firmenzentrale in Offenbach. Von hieraus baut BYD systematisch seine Händlerpräsenz aus und zielt dabei hauptsächlich auf Privatkunden. Der Privatkundenanteil lag im Juni bei fast 51 Prozent. Bei den Zulassungen dominieren mit einem Anteil von 65-70 Prozent die Firmenzulassungen. BYD will mit dieser Strategie die Bekanntheit und das Vertrauen in die Marke stärken.
Seit Anfang 2025, als es nur 26 Vertriebsstandorte gab, hat sich der Ausbau des Händlernetzes deutlich erhöht. Im Juli kam mit dem Autohaus Wackenhut der 200. Standort hinzu. Bis zum Jahresende sollen es rund 350 Verkaufsstationen werden. BYD nimmt damit Rücksicht auf die Vorliebe der Deutschen, Autos vor dem Kauf anzufassen und Probe zu fahren, statt sie per Klick in einer App zu bestellen.
Begleitet wird die Verkaufsoffensive mit dem Ausbau eines eigenen Schnellladenetzes in Europa. In den nächsten 12 Monaten will BYD 3.000 Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 1.500 kW in Europa aufbauen, die ein E-Auto in etwa fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent aufladen sollen. Etwa 300 dieser Ladepunkte sollen in Deutschland entstehen. Im Vergleich zu Tesla ist das neue Netz nur etwa 20-25 Prozent so groß, aber die einzelnen Ladesäulen sind deutlich stärker als die 1.000 kW von Tesla.
Im April gab BYD zudem den Startschuss für die Markteinführung von Danza in Europa. Zunächst sind in sieben Ländern drei Modelle verfügbar, die zwischen 100.000 und 115.000 Euro kosten sollen. Der Fokus des BYD-Marketings liegt dabei weniger darauf, auf die Volumina zu achten, als Danza als technologisch fortschrittliche Marke zu positionieren. Dazu zählt die 800-Volt-Architektur, die in Europa erst in einer Handvoll Modellen verfügbar ist, wie dem Porsche Taycan, Audi e-tron GT oder Hyundai Ioniq 5 bzw. 6 sowie den Schwestermodellen von Kia, dem EV 6 und EV 9.
Mit diesen Bausteinen will BYD in diesem Jahr einen Absatz von 50.000 Einheiten erreichen. Für das erste Halbjahr verzeichnete der Konzern für Deutschland 26.252 Einheiten, also etwas über 50 Prozent des Jahresziels.
Absatzeinbruch im Heimatmarkt: Produktion in Europa wird forciert
Anders als Toyota, das einen „Multi-Path“-Ansatz verfolgt, setzt BYD in Europa auf einen Mix von Plug-in-Hybriden (PHEV) und reinen Elektrofahrzeugen (BEV), wobei auf Grund der EU-Zölle auf E-Autos aus chinesischer Produktion die Hybride dominieren. Toyota hat im laufenden Jahr den BEV-Absatz auf Europaebene verdoppelt, verliert aber im wichtigsten Einzelmarkt Deutschland knapp ein Fünftel seines Volumens.
Während BYD in Deutschland boomt, schrumpft die Marke auf dem Heimatmarkt. Im ersten Halbjahr 2026 lagen die weltweiten BYD-Verkäufe rund 15,7 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig beginnt der Aufbau europäischer Eigenproduktion: Im Werk in Szeged in Ungarn läuft seit Januar 2026 eine Testproduktion mit dem Kompaktmodell Dolphin Surf. Die Serienproduktion soll im vierten Quartal 2026 starten, rund ein Jahr später als ursprünglich geplant. BYD sucht zusätzlich derzeit nach einem bestehenden Werk, das der chinesische Autobauer übernehmen kann. Gerüchte, dabei würde es sich um die „gläserne Fabrik“ in Dresden handeln, hat der VW-Konzern mit den Worten dementiert, er würde kein Werk einem direkten Konkurrenten überlassen.
Der Erfolg in Deutschland zeigt, dass BYD seine Europa-Strategie konsequent an die Besonderheiten des Marktes angepasst hat. Statt allein auf günstige Preise zu setzen, investiert der Konzern in Händlernetze, Ladeinfrastruktur und eine stärkere lokale Präsenz. Mit dem Produktionsstart in Ungarn und einer möglichen weiteren Fertigung in Europa entsteht schrittweise die Grundlage für dauerhaft höhere Absatzzahlen.
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