Autobauer in China reagieren auf schwachen Inlandsmarkt mit stark steigenden Exporten, während Elektroautos und höhere Benzinpreise den Strukturwandel beschleunigen.
Autobauer in China kompensieren Einbrüche mit Exporten
Der chinesische Automarkt entwickelt sich immer mehr zu einem Spiegelbild der chinesischen Wirtschaft im Kleinen. Der schwache heimische Konsum wird durch immer aggressivere Exporte kompensiert und gleichzeitig schreitet angesichts des Iran-Krieges, der sich auch in China in höheren Benzinpreisen niederschlägt, die Elektrifizierung voran.
Einbruch beschleunigt Wechsel zu Elektroautos
Im April wurden nur 1,384 Millionen Autos verkauft, was einem Rückgang von 21,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gleichzeitig steigerten sich die Exporte um 80,7 Prozent auf 769.000 Einheiten.
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Der Anteil der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben stieg zum ersten Mal über 60 Prozent. Dabei machten rein batteriebetriebene Autos 41,8 Prozent der Verkäufe aus. Damit rutscht der Anteil der Verbrenner auf 38,7 Prozent.
Diese Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund, dass die Anschaffung von NEVs (New Energy Vehicles) sich im neuen Jahr durch den Wegfall der Steuerbefreiung verteuert. Gleichzeitig schlagen die höheren Benzinkosten durch die Schließung der Straße von Hormus bei den Verbrennern zu Buche. Die Folge ist, dass die Verkäufe von Verbrennern stärker einbrechen als bei den Autos, die ganz oder teilweise mit Strom betrieben werden. Im April ging laut CPCA 40 Prozent des Absatzrückgangs auf Kosten der Verbrenner, was eine leichte Erholung gegenüber dem März darstellt. Dabei müssen die Hersteller für benzinbetriebene Autos im Durchschnitt Rabatte von 17,2 Prozent gewähren, während diese bei NEVs nur bei 11,1 Prozent lagen. Allerdings gingen die Rabattaktionen der Hersteller und Autohäuser im April leicht zurück.
Auch bei den Fahrzeugen mit alternativen Antrieben verschieben sich die Verkäufe weiter zu höheren Segmenten, da sie auch relativ gesehen günstiger werden.
China: Verbrenner verlieren im Technologiewettlauf
Hier liegt auch ein entscheidender Unterschied zum letzten Jahr. Die Hersteller sind entweder nicht länger in der Lage oder sie werden von der Regierung mittlerweile so stark unter Druck gesetzt, dass sich der Preiskrieg etwas entschärft hat. Dies führt aber dazu, dass die neuen Modelle, die potenziell teurer sind, weniger nachgefragt werden als ältere. Zugleich trifft diese Entwicklung die Verbrenner stärker als elektrifizierte Fahrzeuge. Weil sich Investitionen und Modelloffensiven zunehmend auf alternative Antriebe konzentrieren, geraten klassische Verbrenner technologisch schneller ins Hintertreffen und wirken im Vergleich immer weniger attraktiv. So verstärkt sich ihre Marktkrise selbst, weil sinkende Nachfrage, geringere Investitionen und wachsender technischer Rückstand eine Abwärtsspirale in Gang setzen.
Gleichzeitig setzt sich der Trend fort, dass heimische Hersteller dominieren. Der Anteil von BYD, Geely, Xpeng und Co. stieg im April um weitere fünf Prozent auf 69,6 Prozent. Entsprechend sinkt der Anteil ausländischer Marken. Dabei kam Volkswagen im ersten Quartal glimpflich davon. Seine Auslieferungen fielen um 14,8 Prozent. Da aber der Gesamtmarkt um 17,4 Prozent zurückging, stieg der Anteil der Volkswagen-Gruppe wieder auf 13,9 Prozent. Allerdings reitet VW in China ein totes Pferd, denn die Verkäufe von rein elektrischen Autos brachen um 63,8 Prozent ein. Zusammengenommen mit den allgemeinen Trends ergibt sich das Bild, dass VW in einem schrumpfenden Markt gewinnt, der in absehbarer Zeit kollabieren wird, und zwar mit Modellen, die gegenüber den heimischen Konkurrenten altbacken wirken. VW versucht mit seinen neuen Audi-Modellen und frischen ID-Modellen, vor allem der mit Xpeng entwickelten ID.UNYX-Reihe, dem Trend entgegenzusteuern.
Verlierer in dem schrumpfenden chinesischen Automarkt sind die Händler, die auf zu vielen alten Autos sitzen. Denn während der neuen, teureren und mehrheitlich elektrisch betriebenen Autos relativ schnell neue Besitzer finden, bleiben sie gleichzeitig auf günstigeren, veralteten und mehrheitlich verbrennungsmotorischen Fahrzeugen sitzen, die nur über Rabatte verkauft werden können. Die Folge ist, dass das gebundene Kapital weiter steigt und immer mehr Händler Verluste erleiden. Die Konsolidierung, die schon im letzten Jahr stark war, wird sich in diesem Jahr fortsetzen.
Elektroautos erobern globale Märkte
Die chinesischen Autobauer reagieren auf den Rückgang im Heimatmarkt mit weiter steigenden Exporten. Dabei steigt auch hier der Anteil der Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, der im April mit 52,7 Prozent das erste Mal die 50-Prozent-Hürde übersprang. 28 Prozent der Ausfuhren waren rein elektrische Autos. Dabei war Russland im ersten Quartal wieder das wichtigste Exportziel, gefolgt von Brasilien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Belgien, das größte Einfuhrland für die EU, lag auf Platz 6, wobei dorthin trotz der Strafzölle nach Brasilien die meisten elektrischen Fahrzeuge und Hybride verkauft werden. Andere wichtige Absatzmärkte für diese Kategorie sind Brasilien, Thailand, Südkorea und Australien. Auch hier ergibt sich ein Muster, das sinnbildlich für die chinesische Wirtschaft insgesamt steht. China greift nicht nur die traditionellen Absatzmärkte europäischer Hersteller ab, während es selbst immer weniger Importe aufnimmt, sondern zielt zunehmend auch auf die Heimatmärkte der europäischen Autobauer.
Die Transformation des chinesischen Automobilmarktes schreitet auch in diesem Jahr voran und unter dem Eindruck der Schließung der Straße von Hormus und der damit verbundenen Verteuerung von Benzin beschleunigt sie sich sogar. Noch 2019 warnte eine wissenschaftliche Publikation davor, dass diese Transformation allein daran scheitern würde, dass nicht genug Seltene Erden für die Batterieproduktion zur Verfügung stünden. Heute ist klar, dass neu erschlossene Vorkommen und technische Innovationen die Elektrifizierung des Verkehrssektors eher beschleunigen als bremsen.
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