Nicht nur die deutsche Autoindustrie befindet sich in einer massiven Krise, siehe anstehende Werkschließungen bei VW. Auch der zweite europäische Massenhersteller Stellantis ist in der Krise, und hat wohl unter anderem zu früh zu umfangreich auf Elektroautos gesetzt? Die „Gute Sache“ zügig umsetzen, ohne zu schauen, ob die Kunden das neue Produkt überhaupt nachfragen? Peugeot, Vauxhall, Opel, Citroen, Fiat – Stellantis ist in der Tat ein Konzern, der viele europäische Marken unter einem Dach hat, und de facto in Frankreich und Italien die Marktführerschaft inne hat. Wird dort falsch entschieden, wirkt sich das katastrophal aus, aktuell vor allem auf die Autoindustrie in Italien.
Italiens Autoindustrie kämpft um ihr Überleben – sagt eine Lobbygruppe
Italiens Autoindustrie steht vor einer existenziellen Bedrohung, wenn die von Stellantis angeführten Hersteller den Trend der rückläufigen Produktion im Land nicht umkehren, so sagt es laut Bloomberg eine Automobilhandelsgruppe. Die Pkw-Produktion von Stellantis in Italien ist in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 41 % eingebrochen, was die Besorgnis über mögliche Arbeitsplatzverluste schürt. Einige Beschäftigte des Unternehmens werden sich heute an Protesten in Rom beteiligen.
„Unsere Autoindustrie kann nicht überleben, wenn das Produktionsvolumen so niedrig bleibt“, sagte Roberto Vavassori, Leiter der Handelsgruppe Anfia und Geschäftsführer des Bremsenzulieferers Brembo, in einem Interview. „Viele Autozulieferer in Italien sind klein und sind ebenfalls gefährdet. Stellantis, zu dem die Marken Fiat, Maserati und Alfa Romeo gehören, ist mit großem Abstand der größte Autohersteller in Italien. Als Gründe für die wochenlange Schließung von Werken wie Mirafiori, das den elektrischen Fiat 500 herstellt, nannte Stellantis einen Einbruch der Nachfrage nach Elektroautos, die zunehmende Konkurrenz durch chinesische Hersteller und hohe Energiekosten.
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Der Vorstoß des Vorstandsvorsitzenden Carlos Tavares, in Niedriglohnländern zu produzieren, führte zu wiederholten Konflikten mit der Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Nach Schätzungen der Gewerkschaften wird die Produktion der Autoindustrie in Italien in diesem Jahr auf rund 500.000 Einheiten zurückgehen, während sie 2023 noch bei rund 750.000 Stück lag.
Es wird erwartet, dass sich einige Gewerkschafter aus Frankreich und den USA – ein wichtiger Gewinnbringer von Stellantis – den Demonstrationen am Freitag in der italienischen Hauptstadt anschließen werden. „Unsere Arbeitsplätze werden nach Mexiko verlagert, und das ist ein gemeinsames Thema, weshalb ich nach Rom fahre“, sagte Brandon Campbell, ein Vertreter der United Auto Workers, am Donnerstag in einem Interview auf der Pariser Automesse. „Stellantis schließt überall Fabriken.“
Kommentar
FMW: Man sieht, dass auch in Italien „der Baum brennt“. Nicht nur in Deutschland, auch in anderen Teilen Europas ist die Autoindustrie kräftig angeschlagen. Es wäre falsch, alles nur auf die böse chinesische Konkurrenz zu schieben. Einerseits sind EU und Einzelstaaten mit ihrer immer größeren Bürokratie schuld, und auch die Energiekosten sind zu hoch. Andererseits haben die Hersteller wie Stellantis oder VW offenkundig viel zu früh und zu umfangreich auf Elektroautos gesetzt, ohne zu prüfen, ob ihre Angebote zu teuer sind, ob sie auch ohne staatliche Zuschüsse am Markt überhaupt einen Platz finden, ob die Ladeinfrastruktur vorhanden ist usw. Auch dürften sich die großen etablierten Hersteller zu lange auf alten Strukturen ausgeruht haben. Nun wird die Quittung präsentiert.
FMW/Bloomberg
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das Problem sind m.E. nicht die Kunden, sondern die fehlende Infrastruktur > also der Staat.
ein weiteres Problem sind die hohen Kosten. Hersteller haben auf hochpreisige Produkte gesetzt. Trotz der Tatsache, das eMail weniger Teile benötigen und schneller hergestellt werden können.
dies schlägt Bauch nun auch auf die Zulieferer durch.
letztlich hat auch diese Branche total versagt. wir haben es mit einem multiplen Systemversagen zu tun
Ich habe gerade heute gelesen, dass VW nun auch LFP-Akkus in seine eAutos einbauen will. Bisher hatte man stattdessen teure aber sehr leistungsfähige Akkus auch in Kleinwagen eingebaut gehabt. Also nicht nur bei ihren Spizenmodellen. Der Preis der verkauften eAutos war offenbar nur wenig wichtig. Nun, solange die chinesische Konkurrenz nicht in Europa aktiv war, gab es auch keinen Grund dazu. Im Artikel kann man lesen, dass Stelantis in Italien und Frankreich Marktführer ist und deshalb wohl genau wie die deutschen Hersteller keinen Grund sah günstig zu produzieren oder die Wünsche der Käufer zu berücksichtigen. Das schräge Design vieler eAutos passt dazu – da haben die Designer sich verwirklicht. Auch das wird nun geändert.
Ganz offensichtlich klappt es also auch nicht mit Faschisten und Rechtspopulisten an der Spitze, obwohl die mit ihren marktradikalen libertären Schnapsideen doch immer blühende Landschaften und eine florierende Wirtschaft mit unendlich wachsendem Wohlstand versprechen.
Anscheinend sind Realpolitik und populistisches Wahlkampfgetöse doch zwei völlig unterschiedliche Paar Schuhe.
Aber klar, schließlich sind innerhalb von zwei Jahren ja auch urplötzlich und völlig unvorhersehbar Probleme aus dem Nichts erschienen, die bis dahin einfach nicht existierten und nicht abzusehen waren: Bürokratie, Demografie, der Wirtschaftsimperialismus und Neokolonialismus aus China, eine völlig einseitige Ausrichtung auf Exportwirtschaft, die bösen E-Autos, die noch bösere Ladeinfrastruktur und die allerbösesten Energiekosten (die auf dem Niveau von 2017 sind).
Nur eine Kostenkomponente darf man journalistisch nicht erwähnen, noch nicht einmal mit der Kneifzange anfassen:
https://www.ceicdata.com/de/indicator/china/monthly-earnings
https://www.baymevbm.de/Redaktion/Frei-zugaengliche-Medien/Abteilungen-GS/Volkswirtschaft/2019/Downloads/Studie-Wettbewerber-M-E-Industrie_L%C3%A4nderreport-China.pdf
Nun wieder die Nazikeule schwingen, die beim Aufschlag in Staub des Idealismus zerbröckelt und den Schwinger in seiner eigenen Wölkchen mit Glücksgefühl bettet. Nur kann der durch den Dunst nicht erkennen das die Welt über ihn lacht. Das immer das Nazi Thema vorgeschoben wird wenn man Argumente s es hen will.
@Lu Bi
Das Wort Nazi wurde nie verwendet. Rechtspopulisten sind keine oder nicht zwingend Nazis. Und dass in Italien derzeit Neo-Faschisten an der Spitze stehen bzw. zumindest tief in der postfaschistischen Bewegung verwurzelt sind, müsste eigentlich sogar der verblendetste Ideologe erkennen.
Der einzige, der etwas schwingt, sind Sie. Und zwar den Nazikeulen-Hohlplastik-Hammer mit Weichgummi-Stiel in der einen und das morsche Die-Welt-lacht-Knüppelchen in der anderen Hand. Und bitte nicht vergessen: „Die Welt“ ist lediglich eine kleine vorlaute Gruppierung, die sich selber gerne als Nabel der Welt und Vertreter einer allgemeingültigen Volksmeinung sieht 😆
Nun hätte man die Infrastruktur geschaffen und sanft das E Auto, ohne Zwang eingeführt, wäre es nicht soweit gekommen. Sofortige rücknahme der EU Vorgaben. Breites aufstellen Verbrennen, Wasserstoff, E Antrieb und alternative Kraftstoff. Der Verbraucher soll entscheiden was das brauchbarste für ihn ist. Die Rahmenbedingungen sind nicht Überall gleich. Was nützt E Mobilität wenn sie sich keiner leisten kann weil diese Planwirtschaft Deutschland Und andere Länder Wirtschaftlich kaputt macht.