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Autozulassungen: „Nur“ 20 Prozent Minus – Produktion geht es viel schlechter

Claudio Kummerfeld

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Autoindustrie mit Autozulassungen im August

Geht es der deutschen Autoindustrie schon wieder deutlich besser? Jüngste Meldungen sprachen das Gegenteil, wie neue Massenentlassungen beim Zulieferer Continental und auch die nach wie vor hohe Kurzarbeit in der Branche zeigen. Aber schaut man auf ganz frische Daten zu den Autozulassungen im August, dann könnte man sagen: Halb so schlimm, das wird schon. Denn im August lagen die Autozulassungen „nur noch“ 20 Prozent unter dem Niveau von August 2019.

Autozulassungen täuschen hinweg über deutlich schlechtere Produktionszahlen der Autoindustrie

251.044 Personenkraftwagen wurden laut Kraftfahrtbundesamt im August neu zugelassen. Also, es geht bergauf, und 20 Prozent Minus ist nicht mehr so schlimm bei der kräftigen Wirtschaftskrise? Nun, Autozulassungen müssen ja nicht unbedingt gleichbedeutend sein mit dem Produktionsvolumen der Autoindustrie! Denn noch kurz vor dem Lockdown und auch danach bei der Wiederaufnahme der Produktion wurden Autos hergestellt, die nicht nachgefragt wurden. Eine Halde entstand. Und man darf nun annehmen, dass die Autohersteller derzeit mit deftigen Rabatten versuchen ihre Lagerbestände auf den Markt zu werfen, wie es auch der Fachpresse zu entnehmen war. Diese abverkauften Lagerbestände dürften einen guten Teil zu den Zulassungen beigesteuert haben. Den 20 Prozent Rückgang bei den Autozulassungen erwähnt heute auch der Verband der Automobilindustrie (VDA). Und dort sagt man Zitat:

Im August liefen lediglich 203.100 Pkw in Deutschland vom Band (-35 Prozent). Dabei spielten neben der geringeren Zahl der Arbeitstage auch Werksferien eine Rolle, die in diesem Jahr vermehrt im August lagen. Nach acht Monaten beträgt die Fertigung 2,0 Mio. Einheiten (-36 Prozent).

Also, die Produktion liegt im August bei -35 Prozent, und im wesentlich aussagekräftigeren Vergleich der ersten acht Monate 2020 zu den ersten acht Monaten 2019 sind es -36 Prozent in der Fertigung der deutschen Autoindustrie. Die tatsächliche Produktion fällt also deutlich geringer aus, als es die reine Zahl der Autozulassungen mit -20 Prozent vermuten lässt. Die Lagerbestände werden mit Rabattschlachten abgebaut, was das öffentlich sichtbare Bild zur Autoindustrie verzerrt. Ach übrigens: Bei den Autozulassungen für Importwagen legt Tesla explosionsartig zu. Hier einige Details des Kraftfahrtbundesamts im Wortlaut:

BMW (+15,2 %) konnte bei den deutschen Marken einen zweistelligen Zuwachs in der Neuzulassungsstatistik verzeichnen, für Mini (+3,3 %) wies die Statistik eine einstellige Steigerung aus. Alle weiteren deutschen Marken zeigten Rückgänge, welche bei Smart mit -71,1 Prozent am deutlichsten ausfielen, gefolgt von Porsche (-49,5 %), Opel (-46,8 %), Audi (-35,0 %), Ford (-26,1 %) und Mercedes (-3,7 %). Mit einem Anteil von 17,5 Prozent war VW trotz eines Rückgangs (-16,9 %) erneut die zulassungsstärkste Marke.

Bei den Importmarken legte Tesla (+453,7 %) am stärksten zu, gefolgt von zweistelligen Zuwächsen bei Jeep (+40,3 %), Nissan (+13,5 %) und DS (+11,9 %). Einstellige Zulassungssteigerungen erreichten Toyota (+8,9 %), Honda (+1,4 %) und Fiat (+1,0 %). Deutliche Einbußen verzeichneten Jaguar (-69,0 %), Dacia (-63,9 %), Land Rover (-58,2 %), Seat (-40,2 %), Ssangyong (-39,0 %), Suzuki (-34,4 %) und Mazda (-34,1%). Skoda erreichte trotz einer Einbuße von -20,0 Prozent den größten Neuzulassungsanteil (6,2 %) bei den Importmarken.

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Hesterbär

    3. September 2020 15:05 at 15:05

    Tesla legt in der Neuwagenstatistik um 453,7% zu? Alle Achtung. Wie viele Teslas wurden denn zugelassen? Unter den Top 30 der Autobauer ist Tesla bei den Neuzulassungen im Juli jedenfalls nicht dabei. Demnach sind weniger als 268 Teslas zugelassen worden. Im Vergleich zu VW mit 59.714. Na, da liegt man ja wirklich nur ganz knapp hinter dem Branchenprimus.

  2. Avatar

    anton sandweger

    4. September 2020 10:08 at 10:08

    wer soll als Durchschnittsverdiener ein neues Auto ohne Leasing oder Kredit bezahlen Immer neue Modelle immer teurere Reperaturen immer ,anfälliger und Wartungsaufwändiger, es wird sich einiges ändern Die Chinesen warten die unterschiede in Zuverlässigkrit schwinden

  3. Avatar

    Hesterbär

    4. September 2020 11:33 at 11:33

    Im Juli 2020 gab es nur 203 Neuzulassungen von Teslas! https://www.kba.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020/pm_18_2020_fahrzeugzulassungen_07_2020_pdf.pdf?__blob=publicationFile&v=4
    Laut Statistik also im August mehr als 13x so viele Neuzulassungen. Jetzt wird auch klar, warum die Tesla-Aktie abgeht wie eine Rakete. Die Anleger schreiben diese Entwicklung einfach fort. Schafft Tesla jeden Monat eine Verdreizehnfachung der Neuzulassungen, hätte schon Ende dieses Jahres im Schnitt jeder Deutsche einen Tesla. Und schon Ende Januar 2021 hätte jeder von uns 13 Teslas. Ein Wahnsinns-Wachstum!
    Fazit: Man muss nur die Statistiken richtig lesen können!

    • Avatar

      Scheer

      4. September 2020 13:26 at 13:26

      Mein Post war ironisch gemeint.
      Nicht ärgern lassen.
      Keine Sorge, wenn der letzte Kritiker an den Wert glaubt ist Zahltag.

  4. Avatar

    Scheer

    5. September 2020 13:54 at 13:54

    Neue News zu Tesla:
    1. Tesla wurde die Aufnahme zum S&P 500 verwehrt, daher der nachbörsliche Absturtz von 6%
    2. Es gibt eine wundervolle Zusammenfassung des Unternehmens auf Zerohegde. Link: https://www.zerohedge.com/news/2020-09-03/tesla-lost-324-million-q2-and-thats-accounting-its-fraudulently-low-warranty
    Hier wird auf die einzelnen Themen bei Tesla eingegangen:
    Unternehmensgewinn: „Ohne Berücksichtigung des Verkaufs von Emissionsgutschriften bei Sonnenuntergang wird Tesla im Jahr 2020 erneut Geld verlieren, wie jedes Jahr in den 17 Jahren seines Bestehens. Tesla ist jetzt eine „kaputte Wachstumsstory“; die durchschnittlichen Quartalseinnahmen sind seit dem 4. Quartal 2018 ungefähr gleich geblieben, während die Nachfrage nach seinen Autos nur durch massive Preissenkungen aufrechterhalten werden kann.“

    Reichweite: „Und im High-End-Segment weltweit übertrifft der Audi eTron nun eines der beiden Tesla-Angebote (das Modell S und das Modell X)…“

    Personalfluktuation: „In der Zwischenzeit hat Tesla die meisten Austritte von Führungskräften, die ich je in einem Unternehmen gesehen habe; hier ist die erstaunlich vollständige Liste der Ausreißer. Diese Leute gehen nicht, weil die Dinge bei Tesla gut (oder sogar passabel) laufen; sie gehen wahrscheinlich eher, weil Musk entweder ein regelrechter Gauner oder der größte Idiot der Welt ist, für den man arbeiten kann (oder beides)“

    Kundenzufriedenheit: „Unterdessen rangiert Tesla in der jährlichen Umfrage des Consumer Report zur Zuverlässigkeit von Autos auf Platz 23 von 30 Marken (und das bei vielen Aktionären/Eigentümern, die ihre Probleme zweifellos unterrepräsentieren – die tatsächliche Zahl ist mit ziemlicher Sicherheit viel schlimmer), und die Zahl der Klagen aller Art gegen das Unternehmen eskaliert weiter – es gibt jetzt über 800“

    Fazit: An alle die an Tesla glauben, jetzt ist euer Zeitpunkt gekommen. Buy the dip, Tesla braucht jetzt euch.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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