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Europa

Autozulassungen im Juli: Sieh an, Krise vorbei? Oder Dank an die Mehrwertsteuer?

Claudio Kummerfeld

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am

Autozulassungen legen zu - voller Parkplatz mit Autos als Symbolbild

Erst gestern berichteten wir über die eklatante Lücke zwischen der aktuellen Situation in der deutschen Autoindustrie sowie ihren Geschäftsaussichten. Wenn man auf ganz aktuelle amtliche Daten von heute schaut, könnte man sofort sagen: Hurra, die Krise in der Autoindustrie ist vorbei. Denn die Autozulassungen lagen im Juli laut ganz frischer Veröffentlichung des Kraftfahrtbundesamts (KBA) nur 5,4 Prozent unter dem Wert von Juli 2019. 314.938 Personenkraftwagen wurden neu zugelassen. Nach Abschluss der ersten sieben Monate des aktuellen Jahres wurden insgesamt 1.525.560 Autozulassungen verzeichnet, ein Minus von 30,1 Prozent im Jahresvergleich.

Autozulassungen gepusht durch staatlichen Anreiz?

Aber immerhin. Nur noch minus 5,4 Prozent im Juli gegenüber dem letzten Jahr. Damit ist die Krise fast schon überwunden? Naja, da ist doch ein massives Geschmäckle dabei! Zum einen muss man annehmen, dass die Autobauer seit Monaten dabei sind überschüssige Lagerbestände mit guten Rabatten an den Mann und die Frau zu bringen! Und dazu kommt noch, und das wir entscheidend sein: Seit dem 1. Juli (! ! !) gilt die reduzierte Mehrwertsteuer. Und zahlreiche Aussagen von Einzelhändlern zeigen, dass die Konsumenten hierzulande derzeit gerade bei hochpreisigen Artikeln ihre Anschaffungen vorziehen auf den Zeitraum der gesenkten Mehrwertsteuer, also Juli bis Dezember.

Und bei neuen Autos, da dürfte sich die reduzierte Mehrwertsteuer besonders deutlich auswirken in einer netten Ersparnis! Also, der Push für die Autoindustrie im Juli könnte eine Verzerrung sein, die ja vom Staat genau so gewünscht ist. Die Leute sollen animiert werden jetzt mehr zu konsumieren, um die Wirtschaft nach dem Corona-Absturz wieder in Schwung zu kriegen. Aber: Was jetzt an Autos mehr gekauft wird, das fehlt dann in den nächsten Quartalen in der Statistik der Autozulassungen? Die Freude über diese aktuell fast schon wieder akzeptablen Zahlen stellt also ein zweischneidiges Schwert dar! Hier auszugsweise noch einige interessante Details der heutigen KBA-Veröffentlichung:

Die Anzahl der Elektrofahrzeuge wuchs mit 16.798 Neufahrzeugen um +181,7 Prozent, ihr Anteil an den Neuzulassungen lag damit bei 5,3 Prozent. 52.488 Hybride bescherten einen Zuwachs von +143,5 Prozent, was einem Anteil von 16,7 Prozent entsprach, darunter 19.119 Plug-in-Hybride (+484,7 %) und einem Anteil von 6,1 Prozent.

Bei den deutschen Marken zeigten sich zweistellige Zuwächse bei Mini mit +35,7 Prozent, gefolgt von BMW (+17,4 %) und Mercedes (+10,7 %). Für Porsche (+2,4 %) wies die Statistik eine einstellige Steigerung aus. Die Pkw-Neuzulassungen der Marken Smart (-51,6 %), Opel (-45,2 %), Ford (-22,5 %), Audi (-20,8 %) und VW (-3,3 %) lagen zum Teil deutlich hinter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Marke VW erreichte mit 19,0 Prozent den größten Markenanteil an den Neuzulassungen.

Bei den Importmarken wiesen Subaru (+63,9 %), Jeep (+42,2 %) sowie Mitsubishi (+33,4 %) Zulassungssteigerungen von mehr als +30 Prozent aus. Rückgänge von mehr als -30 Prozent zeigten sich hingegen bei Tesla (-66,6 %), Land Rover (-39,9 %), Jaguar (-38,9 %), Alfa Romeo (-33,6 %) und Dacia (-32,1 %). Mit einem Neuzulassungsanteil von 7,0 Prozent (+8,3 %) war Skoda erneut die anteilsstärkste Importmarke in der Monatsbilanz.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Übelkeit

    5. August 2020 13:57 at 13:57

    Nichts von allem. Die Autoindustrie profitiert, da öffentliche Verkehrsmittel aufgrund von Corona gemieden werden. Das heißt nicht das es der Gesamtwirtschaft besser geht, sondern nur eine Verlagerung von einem zum anderen Verkehrsmittel.

  2. Avatar

    Faktist

    5. August 2020 13:58 at 13:58

    LOL Tesla -66% in Deutschland, in Skandinavien -76%, in Niederlanden -72%… hmmm ist alles richtig, weil Tesla garnicht darauf aus ist, Autos zu verkaufen. Deren Intention geht alleine um an der Börse Geld zu drucken! Die haben einfach eine Lücke im System entdeckt um die SEC zu verarschen… Optionshandel mit legaler Manipulation des Aktienskurses. Viele haben es schon entdeckt, aber es kümmert keine Aufsichtsbehörde. Warum nicht? Weil die alle mit drin stecken und diese alle davon profitieren. So einfach ist dieses Casino, also eigentlich einfacher als Casino, weil man hier ja nicht verlieren kann.

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Europa

Kurzarbeit sinkt langsamer – Industrie mit 19 Prozent immer noch stark betroffen

Claudio Kummerfeld

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Arbeit in einem Metallbetrieb

Die Kurzarbeit in Deutschland geht zwar weiter zurück, aber nur noch sehr langsam. Das ifo-Institut liegt mit seinen Schätzungen die letzten Monate ziemlich gut, von daher kann man auch die heutigen Zahlen ernst nehmen. Laut ifo sinkt die Kurzarbeit im Oktober um 450.000 auf 3,3 Millionen betroffene Beschäftigte. Zuvor betrug der Rückgang rund eine Million Beschäftigte pro Monat. Damit seien nun noch 10 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Kurzarbeit, nach 11 Prozent im September. Aber in der Industrie halte sich die Kurzarbeit laut ifo besonders hartnäckig mit einem Anteil von immer noch 19 Prozent oder 1,3 Millionen Menschen. Hier weitere interessante Detailaussagen von ifo im Wortlaut:

„Vor allem bei Metall, Elektro und Maschinenbau hat es praktisch keinen Rückgang gegeben. Bei den Autoherstellern und ihren Zulieferern sehen wir eine leichte Verbesserung auf schlechtem Niveau“, fügt Link hinzu. Die Metallbranche liegt mit 29 Prozent der Beschäftigten (330.000) ganz vorn, zusammen mit dem Maschinenbau mit ebenfalls 29 Prozent (320.000). Die Elektrobranche folgt mit 23 Prozent (185.000) vor dem Fahrzeugbau mit 21 Prozent (240.000).

Bei den Dienstleistern ist die Kurzarbeit nur von 12 auf 11 Prozent der Beschäftigten gesunken. Spitzenreiter ist hier weiterhin das Gastgewerbe mit 26 Prozent der Beschäftigten oder 290.000 Menschen. Aber auch bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen, wie Zeitarbeit, Reisebüros und Reiseveranstalter sowie Messeveranstalter, sind es 17 Prozent oder 390.000 Menschen.

ifo Detaildaten zur Kurzarbeit im Oktober

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Europa

ifo Index schwächer, erster Rückgang seit sechs Monaten

„Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten“

Markus Fugmann

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Soeben hat das ifo Institut den ifo Index für Oktober veröffentlicht:

– ifo Geschäftsklimaindex 92,7 (Prognose war 93,0; Vormonat August war 93,4) – der erste Rückgang nach fünf Monaten Anstieg in Folge

– aktuelle Lage 90,3 (Prognose war 89,9 ; Vormonat war 89,2)

– Erwartungen: 95,0 (Prognose war 96,5; Vormonat war 97,7)

Dazu ifo in einer Pressemitteilung:

„Die Stimmung unter den Unternehmenslenkern hat sich eingetrübt. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im Oktober auf 92,7 Punkte gesunken, nach 93,2 Punkten[1] im September. Dies ist der erste Rückgang nach fünf Anstiegen in Folge. Die Unternehmen blicken deutlich skeptischer auf die Entwicklung in den kommenden Monaten. Ihre aktuelle Situation beurteilten sie hingegen etwas besser als im Vormonat. Angesichts steigender Infektionszahlen nehmen die Sorgen der deutschen Wirtschaft zu.

Im Verarbeitenden Gewerbe liegt der Geschäftsklimaindikator erstmals seit Juni 2019 wieder im positiven Bereich. Deutlich mehr Firmen waren mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Die Unternehmen konnten ihre Kapazitätsauslastung im letzten Quartal deutlich von 75,3 auf 79,8 Prozent steigern. Der zuletzt aufgekommene Optimismus mit Blick auf die kommenden Monate hat aber einen merklichen Rückschlag erhalten.

Im Dienstleistungssektor hat sich das Geschäftsklima hingegen merklich verschlechtert. Die Dienstleister waren weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Lage. Zudem ist der Optimismus der Vormonate zur weiteren Geschäftsentwicklung wieder verschwunden.

Im Handel ist Geschäftsklimaindikator leicht gesunken. Während die Händler pessimistischer auf die kommenden Monate schauen, waren sie mit den laufenden Geschäften zufriedener.

Auch im Bauhauptgewerbe ist die Aufwärtsbewegung des Geschäftsklimas gestoppt. Die Unternehmen korrigierten ihre sehr guten Einschätzungen zur aktuellen Lage deutlich nach unten. Auch ihre Erwartungen fielen etwas pessimistischer aus.“

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Europa

Deutsche Wirtschaft: Schwache Dienstleister, starkes Gewerbe

„Dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

Markus Fugmann

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Soeben wurde der Einkaufsmanagerindex für deutsche Wirtschaft (Markit PMI; erste Veröffentlichung für Oktober) veröffentlicht – einer der zentralen Indikatoren für die deutsche Wirtschaft:

Gesamtindex: 54,5 (Prognose war 53,2; Vormonat war 54,7)

Verarbeitendes Gewerbe: 58,0 (Prognose war 55,1; Vormonat war 56,4)

Dienstleistung: 48,9 (Prognose war 49,2; Vormonat war 50,6)

Damit bestätigt sich der Trend der letzten Zeit: Dienstleistung leidet, Gewerbe bleibt robust (noch?)

Kurz zuvor war der Einkaufsmanagerindex aus Frankreich mit 47,3 schwächer ausgefallen als erwartet (Prognose war 48,0)

(Hinweis: das ifo Institut hat soeben mitgeteilt, dass die ifo Umfrage erst am Montag veröffentlicht wird, im Videoausblick hatte ich gesagt, dass die Zahlen heute um 10Uhr veröffentlicht werden).

Dazu kommentiert Phil Smith von Markit, das die Daten erhebt: „dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger“

„Die deutsche Wirtschaft hält sich angesichts der zweiten Corona-Infektionswelle erfreulicherweise ziemlich wacker, wie der Oktober-Flash zeigt.
Obwohl einige Dienstleistungsunternehmen unter den neuen Restriktionen und der zunehmenden Unsicherheit im Zusammenhang mit der ‘zweiten Welle’ leiden, hielten sich die Geschäftseinbußen hier insgesamt noch in Grenzen. Gleichzeitig hat die boomende Industrie der Konjunktur ordentlich Auftrieb verliehen. Folglich sieht es zunehmend nach einer Wirtschaft der zwei Geschwindigkeiten aus. Das verarbeitende Gewerbe ist bisher weniger stark von den neuen Restriktionen betroffen als der Servicesektor und hat zudem enorm vom wieder
florierenden Welthandel profitiert. Da sich immer mehr Industrieunternehmen dem Wachstumsniveau von vor der CoronavirusPandemie nähern oder es sogar schon erreicht haben, wird ein dauerhafter Aufschwung ab jetzt zunehmend schwieriger. So sind die Erwartungen der Hersteller im Oktober auch erstmals seit siebenMonaten wieder leicht gesunken. Dennoch, Sorgenkind Nummer eins bleibt der Dienstleistungssektor.”

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