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DIHK: Azubi-Schwund dramatisch, Flüchtlinge helfen frühestens in 5 Jahren

Der Azubi-Schwund nimmt dramatische Züge an, so darf man die heute vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichten Zahlen interpretieren. DIHK-Präsident Schweitzer lässt sich zitieren mit den Worten…

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FMW-Redaktion

Der Azubi-Schwund nimmt dramatische Züge an, so darf man die heute vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichten Zahlen interpretieren. DIHK-Präsident Schweitzer lässt sich zitieren mit den Worten „Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt spitzt sich zu.“ 31% der befragten Unternehmen seien zuletzt nicht in der Lage gewesen alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Vor 10 Jahren hätten nur 12% der Betriebe dieses Problem gehabt. 14.000 Unternehmen sagen sie hätten überhaupt keine Bewerbungen mehr für eine Berufsausbildung erhalten. Neben dem Demographiewandel als Grund wollen anscheinend immer mehr junge Menschen ein Studium beginnen statt nach der Schule in das duale Berufsausbildungssystem einzusteigen.

Im Vergleich zum Jahr 2006 sei der abgehende Schülerjahrgang um 120.000 kleiner – das ist in der Tat ein dramatischer Rückgang. Derzeit könnten die Unternehmen das Niveau der Neu-Azubis halten, weil laut DIHK sich75 Prozent der Ausbildungsbetriebe auf leistungsschwächere Jugendliche eingestellt hätten. Dennoch sei der zukünftige Fachkräftemangel jetzt schon mehr als absehbar. Wie der DIHK auch schreibt, nützten die zuletzt gekommenen Flüchtlinge derzeit wenig um dieses Phänomen kurzfristig abzufedern. Zitat DIHK:


Diesen Trend werde auch die hohe Zahl junger Flüchtlinge in der kommenden Zeit nicht aufhalten können. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse seien bislang nur recht wenige Asylsuchende in den Ausbildungsbetrieben angekommen, erklärte der DIHK-Präsident. Doch seien drei von vier Unternehmen bereit, Flüchtlingen Praktika im Rahmen eines Anerkennungsverfahrens anzubieten. Die IHKs vor Ort leisteten Unterstützung bei Berufsorientierung, sie vermittelten Kontakte zu Betrieben und beförderten somit den Einstieg in Praktika und Einstiegsqualifizierungen.

Achim Dercks nannte in Berlin die Berufsorientierung an der Schnittstelle von Schule und Unternehmen den „ersten zentralen Hebel, um Jugendliche für eine duale Ausbildung zu begeistern.“ Hier sei ein „deutlich wachsendes Engagement“ festzustellen; gerade an Gymnasien sei das Angebot jedoch häufig noch unzureichend. Die IHK-Organisation setze sich dafür ein, eine größere Offenheit für Betriebspraktika, Unternehmensbesuche in Schulen und Angebote zur Berufsorientierung zu erreichen. „So können zusätzliche Potenziale für die Berufliche Bildung gehoben und zugleich Studienabbrüche vermieden werden“, sagte Dercks.

Im Detail sagt das DIHK dazu:

Diesen Trend wird auch die hohe Zahl junger Flüchtlinge in der kommenden Zeit nicht aufhalten können. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass die erfolgreiche Integration selbst bei gutem Verlauf mehrere Jahre braucht. Das A und O für den Einstieg in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist dabei das Beherrschen der deutschen Sprache – dies bestätigen 90 Prozent der Betriebe. Es wundert daher nicht, dass bislang recht wenige junge Flüchtlinge in den Ausbildungsbetrieben angekommen sind. Derzeit geben rund drei Prozent der Betriebe im IHK-Bereich an, dass sie Flüchtlinge ausbilden. Hochgerechnet befinden sich damit insgesamt rund 10.000 junge Flüchtlinge verteilt auf die Ausbildungsjahre in einer IHK-Ausbildung. Bevor sie die Ausbildung begonnen haben, befanden sich diese Flüchtlinge durchschnittlich 22 Monate in Deutschland. Während dieser Zeit liefen ihre Asylverfahren, wechselten sie von der Erstunterkunft in „andere Unterkünfte“, lernten Deutsch oder holten Schulabschlüsse nach.

Außerdem informierten sie sich in Berufsorientierungsmaßnahmen über die Qualifizierungswege oder Einstiegsqualifizierungen (EQ) in Deutschland, entschieden sich für ihren Ausbildungsberuf und den Ausbildungsbetrieb. Das alles braucht Zeit – ein schnellerer Start in Arbeit und Beschäftigung ist daher kaum realistisch. Erfreulich ist die Vielzahl erfolgreicher Ansätze und Einzelprojekte für die Integration von Flüchtlingen. Insgesamt ist der Übergang in Ausbildung für Flüchtlinge aber noch nicht „rund“ und zu wenig transparent. Wenn ab 2017 voraussichtlich die vielen jungen Menschen in Ausbildung streben, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kamen, brauchen wir ein systematisches Übergangsmanagement. Nach Berufsorientierung und Praktika soll der Weg ggf. über den Zwischenschritt einer EQ in Ausbildung offen stehen. Und auch während der Ausbildung im Betrieb sind weiterhin begleitende Sprachkurse notwendig. Für die Integration in Ausbildung ist es auch wichtig, dass mit dem Integrationsgesetz die 3+2-Regel hoffentlich noch vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres in Kraft tritt. Denn für 76 Prozent der Betriebe ist die sichere Bleibeperspektive ihrer Azubis die Grundvoraussetzung für das eigene Ausbildungsengagement.

Die frühzeitige Kompetenzerfassung und Berufsanerkennung erleichtern jungen Flüchtlingen die Arbeitsaufnahme. Informationen zur schulischen und beruflichen Bildung der Bewerber sind für 56 Prozent der Betriebe entscheidend. In diesem Zusammenhang ist es gut, dass immer mehr Unternehmen das 2012 eingeführte Anerkennungsgesetz kennen, mit dem man im Ausland erworbene Qualifikationen feststellen lassen kann. War diese Möglichkeit noch im letzten Jahr nur rund jedem vierten Betrieb bekannt, sind es nun 52 Prozent. Die Unternehmen in Deutschland wollen sich weiter für Flüchtlinge engagieren: Drei von vier Unternehmen sind zum Beispiel bereit, Praktika im Rahmen eines Anerkennungsverfahrens anzubieten. Gemeinsam mit den Unternehmen wollen die IHKs vor Ort jungen Flüchtlingen ihre Chancen in der Beruflichen Bildung aufzeigen. Vor allem helfen sie bei der Berufsorientierung, vermitteln Kontakte zu Betrieben und unterstützen somit den Einstieg in Praktika und Einstiegsqualifizierungen.


Bis sie überhaupt vollwertig für eine Arbeitsstelle in Frage kämen (also Sprachkenntnisse + Ausbildung), würden ab der Einreise nach Deutschland 5-7 Jahre vergehen. Nur haben viele Flüchtlinge so viel Zeit in Berufsschulen oder Förderklassen auszuharren? Vielfach kennt man Berichte, dass Flüchtlinge per sofort Arbeit suchen, da sie oft ihre Familien in ihrer Heimat finanziell unterstützen müssen. Da ist die Versuchung nahe sofort eine eher einfache Tätigkeit anzunehmen, die immer noch deutlich besser bezahlt wird als ein Ausbildungsentgelt. Was ist die Lösung des Problems? Und was ist die Lösung der Demographie-Lücke? Wir haben auch keine parat. Obwohl es auf der einen Seite eine reale Lücke gibt bei zu wenigen jungen Menschen, die in den Arbeitsmarkt nachrücken, so haben wir andererseits in den letzten Monaten schon mehrmals von den enormen Bemühungen berichtet, die die Dienstleistungsindustrie vor allem in angelsächsischen Ländern bereits unternimmt um so viele Jobs wie möglich zu automatisieren, also Menschen durch Prozessoptimierung bzw. Digitalisierung wegzusparen.

Ob dieser Effekt die Lücke des Demographiewandels schließt oder sogar noch darüber hinaus Stellen wegrationalisiert? Wir wissen auch das nicht. Wir wundern uns aber immer wieder, wie genau doch hochbezahlte Ökonomen ganz genau berechnen können, wie viele zusätzliche Arbeitsstellen (500.000 pro Jahr) durch den Demographiewandel pro Jahr in Deutschland benötigt werden. Einfach toll diese Zahlen-Genies! Ach ja noch was… wir hatten es mehrmals schon angesprochen in diversen Artikeln zum Arbeitsmarkt, aber es scheint ja im Themenfeld Demographie-Wandel nur noch ein Randthema zu sein: Wieso haben wir überhaupt noch 2,6 ähhh 3,5 Millionen Arbeitslose? Die müssten dank Demographie-Wandel doch längst alle in Lohn und Brot sein Frau Nahles?

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Marcus

    14. Juni 2016 16:41 at 16:41

    Wie konnte das denn bloß passieren ??? Vor etwa fünf bis zehn Jahren ist ja fast permanent den Jungen eingetrichtert worden, ohne Abitur hat man nichts, man findet keine Arbeit usw. usw.
    Und dann wundert man sich warum alle plötzlich studieren wollen ? In Deutschland braucht man doch nur ein einigermaßen gutes Abitur und schon klappt es mit der Uni. Ob die Abschlüsse dann jemals wichtig werden, das steht ja auf einem anderen Blatt Papier, wichtig ist Akademiker zu sein.

    Dann kommt die Akademikerarbeitslosigkeit oder der gemachte Abschluss ist doch nicht soviel wert wie man dachte, und dann landet man in der Ausbildung oder kommt anderweitg unter.

    Aber unsere Bundeskanzlerin hat uns ja jetzt viele neue „Fachkräfte“ beschert. Die werden das Problem schon irgendwie lösen…

  2. Avatar

    leser

    14. Juni 2016 17:58 at 17:58

    Jedem Jugendlichen sei eine gute Ausbildung gegönnt. Dennoch ist es schon sehr verwunderlich, dass vor gar nicht langer Zeit eine Vorrangprüfung vom Arbeitsamt gemacht wurde, d.h. es wurde z.B. bei Polen und Bulgaren geprüft, ob ein Deutscher sich für den Job findet; jetzt gilt offene Grenze ohne jede Prüfung. Das ist, angesichts der immer noch hohen Jugendarbeitslosigkeit hierzulande und in der EU schlimmer, als die ebenso ruckartige Energiewende. Stattdessen werden die Anforderungen gesenkt und das Abitur und der „Bätscheler“ verkommen zur (teuren) Lachnummer für Staat und Betroffenen.
    Übrigens gibt es bei den „Flüchtlingen“ neben der angesprochenen mangelnden Sprachkompetenz noch die ein- oder andere arbeitsrechtliche Besonderheit, an die mancher Arbeitgeber bestimmt noch nicht gedacht hat, https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/ramadan-wenn-die-fastenpflicht-mit-der-arbeitspflicht-kollidiert_76_126284.html

  3. Avatar

    Steven

    14. Juni 2016 18:49 at 18:49

    Jugendarbeitslosigkeit in D bei 0%.
    Fantastisch !
    Solche Studien besonders von solchen zwqngssubventionierten Instanzen sind fürn Arsch !

    Betriebe mit null Bewerbungen ;p

    Gesucht Lediger Geselle mit mindestens 1,5er Zeugnis ,Studium , ein Jahr Ausland, 2Fremsprachen bis 25 Jahre wenns recht is .

    Die Betriebe wollen nicht ausbilden weil die ausgebildeten dann zum nächst gröseren wechseln (mehr Geld und so )

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Verbraucherpreise in Deflation – Rabattschlacht bei Bekleidung

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in einer Klemme

Für die deutschen Verbraucherpreise im Monat Dezember liegen ganz frisch die endgültigen und ausführlichen Daten vor. Weiterhin hängen sie mit -0,3 Prozent in der Deflation. Wie die Details zeigen, passiert genau das was man erwarten darf. Weil alle Daten zeigen, dass die stationären Verkäufer in den Bereichen Bekleidung und Schuhe die großen Corona-Verlierer im Einzelhandel sind, durfte man von einer kräftigen Rabattschlacht ausgehen. Und so kam es auch. Dank Lockdown muss man mit kräftigen Rabatten die Produkte online an die Kunden bringen – Hauptsache man bekommt überhaupt Geld in die Kasse um durchzuhalten?

So kam für den Bereich Bekleidung und Schuhe im Dezember im Jahresvergleich ein deutliches Minus von 5,4 Prozent zustande. Oben drauf kommt ja für alle Endkundenprodukte noch dazu, dass der Dezember der letzte Monat mit reduzierter Mehrwertsteuer dazu. Dieser Faktor wird sich wohl auf alle Segmente ausgewirkt haben – weshalb man aber für Januar mit steigenden Preisen rechnen darf? Die Verbraucherpreise für den Sektor Verkehr lagen mit 2,7 Prozent im Minus. Hier wirken nach wie vor die schwachen Energiepreise.

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise für Dezember

An dieser Stelle zitieren wir auszugsweise die aktuellen Aussagen des Statistischen Bundesamts zum Gesamtjahresvergleich zwischen 2019 und 2020:

Im Jahresdurchschnitt 2020 verbilligten sich vor allem die Energieprodukte

Die Energieprodukte verbilligten sich 2020 gegenüber dem Vorjahr deutlich um 4,8 % nach einem Anstieg um 1,4 % im Jahr 2019. Preisrückgänge gab es insbesondere bei leichtem Heizöl (-25,9 %) und bei Kraftstoffen (-9,9 %). Verantwortlich war neben der Senkung der Mehrwertsteuersätze vor allem der Ölpreisverfall auf dem Weltmarkt in den ersten Monaten des Jahres. Dagegen verteuerte sich Strom um 3,0 %. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Jahresteuerungsrate 2020 bei +1,1 % gelegen.

Preise für Nahrungsmittel überdurchschnittlich gestiegen

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich 2020 gegenüber 2019 überdurchschnittlich um 2,4 %. Im Jahresverlauf hat sich der Preisauftrieb zeitgleich mit der Senkung der Mehrwertsteuersätze abgeschwächt. Deutlich teurer waren im Jahr 2020 Obst (+7,1 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+6,1 %). Günstiger hingegen wurden insbesondere Speiseöle und Speisefette (-4,1 %).

Waren verbilligten sich 2020 gegenüber 2019 um 0,4 %

Waren insgesamt verbilligten sich 2020 gegenüber 2019 um 0,4 %. Unter den Verbrauchsgütern verteuerten sich Tabakwaren (+4,9 %) deutlich, die von der Senkung der Mehrwertsteuersätze ausgenommen wurden. Unter den Gebrauchsgütern verbilligten sich zum Beispiel Telefone (-6,0 %) sowie Geräte der Informationsverarbeitung (-4,4 %).

Dienstleistungen verteuerten sich 2020 gegenüber 2019 um 1,3 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich im Jahresdurchschnitt 2020 gegenüber 2019 mit +1,3 % überdurchschnittlich, darunter Nettokaltmieten mit +1,4 %. Bei einigen Dienstleistungen stiegen die Preise deutlich stärker, unter anderem für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,2 %), Leistungen für Friseure und Körperpflege (+4,1 %) sowie für die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+3,2 %). Die Ursachen hierfür waren vielschichtig, neben der Mindestlohnerhöhung dürfte auch der Aufwand für Hygienemaßnahmen zur Vermeidung von Corona-Infektionen relevant gewesen sein. Günstiger wurden vor allem Fahrkarten im Bahnfernverkehr (-14,9 %), bedingt vor allem durch die bereits seit Jahresbeginn abgesenkte Mehrwertsteuer für Bahnfernfahrten von 19 % auf 7 %.

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Covid-19: Sehen wir bald Peak-Corona? Einiges spricht dafür!

Es gibt einige Aspekte, die durchaus dafür sprechen, dass der Hochpunkt der Infektionen mit Covid-19 bereits überschritten ist!

Wolfgang Müller

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am

Sicher klingt es extrem merkwürdig, wenn man mitten im kalten Januar, beim Auftreten von massenhaft Mutationen von Covid-19 und einer noch nicht richtig in die Gänge gekommenen Impfaktion von einem möglichen und baldigen Überschreiten des Höhepunktes der Coronakrise spricht.

Aber es gibt einige Aspekte, die durchaus dafür sprechen.

Covid-19: Impfwelle und Dunkelziffer

Eines vorweg: Gemeint ist damit nicht das Ende der Infektionen, sondern die Zahl der Neuinfektionen, die in der zweiten oder dritten Welle ständig geklettert sind.

Die Zahl der offiziell an Covid-19 Infizierten hat am 7. Januar 2021 mit über 834.000 Menschen ihren bisherigen Höhepunkt erreicht (lt. John-Hopkins-Universität). Seither geht es tendenziell, trotz der Mutationszahlen, nach unten.

Ist der Hochpunkt von Covid-19 bereits überschritten?

Noch muss dies nicht die Wende bei den Infektionen gewesen sein, aber es deutet sich an, dass dies zumindest bald bevorstehen könnte. Dafür sprechen einige Faktoren: Es gibt weitere temporäre Verschärfungen in den Lockdowns (Europa, USA). Der Frühling naht, denn bis zum meteorogischen Frühlingsanfang auf der Nordhalbkugel sind es nur noch sechs Wochen, und die Impfquoten werden demnächst ein Vielfaches der offiziellen Infektionszahlen erreichen. Vor allem, wenn die USA über eine Million Menschen pro Tag impfen, die EU mit ihren 27 Staaten voll einsteigt und viele andere Staaten und die für Februar deutlich erweiterte Impfstoffproduktion anschwillt.

Sonderfall Deutschland

Was Deutschland im Vergleich zu anderen Staaten sehr unterschiedlich macht, ist die Zahl der bisher Infizierten und zugleich die wahrscheinlich niedrigere Dunkelziffer zu anderen europäischen Ländern. Die offizielle Infektionsrate mit Covid-19 liegt aktuell bei gut 2,4 Prozent, während sie in Großbritannien und vielen europäischen Staaten bei vier oder gar fünf Prozent liegt, bei einer gleichzeitig deutlich höheren Dunkelziffer. Das heißt, die Gesamtinfektionsrate läge möglicherweise in Deutschland bei weniger als 10 Prozent der Bevölkerung, während sie in anderen Ländern vielleicht schon über 20 Prozent liegt. Mit großer Auswirkung für die durch die Impfung zu beschleunigende Gefahrenabwehr gegenüber der Pandemie. Vorteil USA, auch wenn es makaber klingt: Wegen einer „offiziellen“ Infektionsrate von 7,5 Prozent, einer vielfach höheren Dunkelziffer, weil sich Teile der Bevölkerung bis zuletzt aus Angst vor beruflichen Konsequenzen nicht haben testen lassen und das Virus weitaus mehr verharmlost wurde, als in Deutschland. Und jetzt Joe Biden mit allem Einsatz 100 Millionen Menschen in sehr kurzer Zeit impfen lassen will.

In Deutschland kommt noch das Gefahrenmoment einer relativ alten Bevölkerung zum Tragen.

Laut statista gibt es derzeit in Deutschland rund 18,1 Millionen Menschen, die 65 Jahre oder älter sind. Ein prozentualer Anteil von rund 22 Prozent an der Gesamtbevölkerung im Lande. Dabei etwa drei Millionen Pflegebedürftige, über zwei Millionen zuhause und mit anderen Familienangehörigen zusammenlebend. Auch die Zahl der über 80-Jährigen liegt in Deutschland bei über fünf Millionen, es leben sogar schon 20 Tausend Hundertjährige in Deutschland.

Aus diesen Zahlen erklärt sich auch die große Fürsorgepflicht der Regierung gegenüber der älteren Bevölkerung.

Hier liegt auch der große Effekt der Impfaktion in Deutschland, denn bis vor Kurzem lag der Anteil der Coronatoten bei den über 70-Jährigen bei 87 Prozent und 70 Prozent bei den über 80-Jährigen. Diese Altersgruppen sollten jedoch in der großen Mehrheit bis in den März geimpft sein.

China und Indien

Ein Drittel der Menschheit (über 2,8 Milliarden Menschen) lebt in diesen beiden Ländern. Und wie sehen die Infektionszahlen aus? China wird sich weiter abschotten (bei unglaublich niedrigen Infektionen) und selbst impfen und im 1,39 Milliarden-Land Indien (mit der halben Bevölkerung unter 20 Jahre) zeigen die Zahlen schon seit Monaten nach unten.

Covid-19 in Indien

Fazit

Natürlich wird es nicht einfach sein, die Menschheit in ihrer Gesamtheit gegen Covid-19 zu impfen. Man weiß auch weder wie lange eine „erimpfte“ Immunität gegen Corona anhält, noch im Entferntesten, wie viele Menschen die natürliche Immunität bereits erlangt haben. Dabei soll die Krankheit bei einem Großteil der jungen Menschen sogar symptomlos verlaufen. Die Zahl der jungen Menschen unter 18 Jahre beträgt weltweit 30 Prozent, immerhin über 2,3 Milliarden Jungbürger.

Aber sollten sich die Impfpläne so umsetzen lassen, wie von den Firmen und den Ländern mit ihren Gesundheitsbehörden geplant, wird sich rasch Peak Corona einstellen. 750.000 Neuinfektionen, mit abnehmender Tendenz gegenüber Millionen täglicher Impfungen, zunächst bei den „Vulnerablen“, Peak Corona eben, auch wenn die Pandemie nicht so schnell erledigt sein dürfte. Was sind da nicht alles für Fragen offen, in Richtung Immunität, Übertragbarkeit und so weiter, aber aus meiner Sicht gibt es ein gewaltig helles Licht am Ende des Tunnels, zumindest für Covid-19.

Der Peak bei Covid-19 könnte bereits überschritten sein!

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Banken halten bei EZB 3,3 Billionen Euro – Daten zu Strafzinsen und Freibeträgen

Claudio Kummerfeld

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am

Türme von Banken in Frankfurt

Die einfache Sichtweise der „großen“ Experten in den Türmen der Notenbanken lautet: Je tiefer wir die Zinsen setzen, desto weniger attraktiv wird es für die Menschen Geld auf Bank- und Sparkonten zu parken. Sie werden dann immer mehr Geld in den Konsum pumpen. Aber egal wie viel sehr man auch an so einer Theorie festhält – die Realität sieht oft ganz anders aus. Die Bürger (vor allem die Deutschen) wollen gerade in Krisenzeiten offenkundig weiterhin Monat für Monat von ihrem Ersparten anständig was auf die hohe Kante packen – Vorsorgen für die schlechten Zeiten, sozusagen.

Und bei de facto Nullzinsen, die in den letzten Jahren in der Regel (nach Abzug der Inflation) reale Negativzinsen bedeuten, legen die Menschen einfach pro Monat noch mehr Geld auf die hohe Kante, sozusagen als Ausgleich für die fehlenden Zinsen. Und so steigen seit Jahren in der Eurozone die Bankguthaben immer weiter an. Das wird für die Banken immer mehr zu einem dramatischen Problem. Denn die Europäische Zentralbank (EZB) wollte nicht nur, dass der (einfältige?) Bürger endlich sein Geld in den Konsum steckt. Nein, die EZB wollte auch erreichen, dass die (faulen?) Banken endlich mehr Geld als Kredit herausreichen an Privat- und Geschäftskunden, damit die Konjunktur angekurbelt wird – und dadurch letztlich die Inflation ansteigt – die letzten Jahre geschah aber letztlich das Gegenteil.

Banken vor immer größerem Problem

Aber egal wie fleißig die Banken auch sein mögen bei der Kreditvergabe – der Sparfleiß der Bürger ist stärker. Die Guthaben bei den Banken wachsen immer mehr. Und genau deswegen hatte sich die EZB eine Art Strafmechanismus ausgedacht, damit die Banken nun wirklich mal die Einlagen der Kunden vermehrt als Kredit rausreichen. Verrechnet man das von den Bankkunden eingezahlte Guthaben mit den ausgegebenen Krediten, dann haben praktisch alle Banken eine Überschussliquidität, die bei der EZB geparkt wird. Die EZB bestraft die Banken hierfür mit einem Negativzins von derzeit -0,5 Prozent (ab 2014 stufenweise eingeführt, damals noch bei -0,1 Prozent). Je mehr die Kunden sparen und je höher sich die Banken-Überschüsse auf ihren EZB-Konten auftürmten, desto mehr mussten sie als Strafzins an die EZB überweisen.

Dies wurde in den letzten Jahren immer mehr zu einem Problem für die Banken, die sowieso dank Nullzinsen ein ernsthaftes Problem mit ihrem wichtigsten Geschäft hatten, nämlich der Zinsmarge. Die EZB sah dieses Problem, und führte einen Freibetrag ein. Die Banken sollten für zu viel hinterlegte Einlagenüberschüsse also bestraft werden – aber nicht so sehr, dass sie in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Und so gibt es EZB-Strafzinsen für die Banken mit einem Freibetrag an Einlagen, der nicht mit einem Strafzins bedacht wird.

Gigantische Überschüsse, Strafzinsen und Freibetrag

Heute veröffentlichte Daten der Bundesbank zeigen die Dimension der Beträge. Demnach gab es im Dezember 2020 eine Überschussliquidität im Euroraum in Höhe von 3,35 Billionen Euro. Zwischen Einführung des Tiering-Systems (Freibeträge) im Oktober 2019 und Dezember 2020 betrug der Zinsaufwand der Banken im Euroraum für das Halten dieser Überschussliquidität bei der EZB 8,9 Milliarden Euro. Dieser Zinsaufwand (die Strafzinsen) fiel laut Bundesbank um 4,7 Milliarden Euro niedriger aus, als dies unter sonst gleichen Bedingungen ohne ein Tiering-System der Fall gewesen wäre. Gleichzeitig wurde mit zuletzt 2,498 Billionen Euro der größte Teil der Überschussliquidität weiterhin negativ verzinst.

Während die Überschussliquidität der Banken bei der EZB in den letzten Jahren immer weiter stieg (oberer Teil der Grafik), dachte die EZB wohl sie könnte dies verhindern, indem sie den Strafzins immer weiter anhebt. Es brachte aber nichts! Wer arg ins Detail gehen möchte, kann sich beim Klick an dieser Stelle in den Bundesbank-Bericht auf den Seiten 61-72 in das Thema vertiefen. Wer sich für die Rücklagen der Deutschen interessiert, der klicke bitte hier. Im Krisenjahr 2020 wurde von deutschen Haushalten 333,5 Milliarden Euro auf die hohe Kante gelegt, nach 220,3 Milliarden Euro in 2019. Diese Summe steigerte sich in den letzten Jahren immer weiter, obwohl das Zinsniveau für die Sparer immer weiter abrutschte.

Grafik zeigt Bundesbank-Daten zu Strafzinsen und Überschussliquidität

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