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DIHK: Azubi-Schwund dramatisch, Flüchtlinge helfen frühestens in 5 Jahren

FMW-Redaktion

Der Azubi-Schwund nimmt dramatische Züge an, so darf man die heute vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) veröffentlichten Zahlen interpretieren. DIHK-Präsident Schweitzer lässt sich zitieren mit den Worten „Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt spitzt sich zu.“ 31% der befragten Unternehmen seien zuletzt nicht in der Lage gewesen alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Vor 10 Jahren hätten nur 12% der Betriebe dieses Problem gehabt. 14.000 Unternehmen sagen sie hätten überhaupt keine Bewerbungen mehr für eine Berufsausbildung erhalten. Neben dem Demographiewandel als Grund wollen anscheinend immer mehr junge Menschen ein Studium beginnen statt nach der Schule in das duale Berufsausbildungssystem einzusteigen.

Im Vergleich zum Jahr 2006 sei der abgehende Schülerjahrgang um 120.000 kleiner – das ist in der Tat ein dramatischer Rückgang. Derzeit könnten die Unternehmen das Niveau der Neu-Azubis halten, weil laut DIHK sich75 Prozent der Ausbildungsbetriebe auf leistungsschwächere Jugendliche eingestellt hätten. Dennoch sei der zukünftige Fachkräftemangel jetzt schon mehr als absehbar. Wie der DIHK auch schreibt, nützten die zuletzt gekommenen Flüchtlinge derzeit wenig um dieses Phänomen kurzfristig abzufedern. Zitat DIHK:


Diesen Trend werde auch die hohe Zahl junger Flüchtlinge in der kommenden Zeit nicht aufhalten können. Aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse seien bislang nur recht wenige Asylsuchende in den Ausbildungsbetrieben angekommen, erklärte der DIHK-Präsident. Doch seien drei von vier Unternehmen bereit, Flüchtlingen Praktika im Rahmen eines Anerkennungsverfahrens anzubieten. Die IHKs vor Ort leisteten Unterstützung bei Berufsorientierung, sie vermittelten Kontakte zu Betrieben und beförderten somit den Einstieg in Praktika und Einstiegsqualifizierungen.

Achim Dercks nannte in Berlin die Berufsorientierung an der Schnittstelle von Schule und Unternehmen den „ersten zentralen Hebel, um Jugendliche für eine duale Ausbildung zu begeistern.“ Hier sei ein „deutlich wachsendes Engagement“ festzustellen; gerade an Gymnasien sei das Angebot jedoch häufig noch unzureichend. Die IHK-Organisation setze sich dafür ein, eine größere Offenheit für Betriebspraktika, Unternehmensbesuche in Schulen und Angebote zur Berufsorientierung zu erreichen. „So können zusätzliche Potenziale für die Berufliche Bildung gehoben und zugleich Studienabbrüche vermieden werden“, sagte Dercks.

Im Detail sagt das DIHK dazu:

Diesen Trend wird auch die hohe Zahl junger Flüchtlinge in der kommenden Zeit nicht aufhalten können. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass die erfolgreiche Integration selbst bei gutem Verlauf mehrere Jahre braucht. Das A und O für den Einstieg in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist dabei das Beherrschen der deutschen Sprache – dies bestätigen 90 Prozent der Betriebe. Es wundert daher nicht, dass bislang recht wenige junge Flüchtlinge in den Ausbildungsbetrieben angekommen sind. Derzeit geben rund drei Prozent der Betriebe im IHK-Bereich an, dass sie Flüchtlinge ausbilden. Hochgerechnet befinden sich damit insgesamt rund 10.000 junge Flüchtlinge verteilt auf die Ausbildungsjahre in einer IHK-Ausbildung. Bevor sie die Ausbildung begonnen haben, befanden sich diese Flüchtlinge durchschnittlich 22 Monate in Deutschland. Während dieser Zeit liefen ihre Asylverfahren, wechselten sie von der Erstunterkunft in „andere Unterkünfte“, lernten Deutsch oder holten Schulabschlüsse nach.

Außerdem informierten sie sich in Berufsorientierungsmaßnahmen über die Qualifizierungswege oder Einstiegsqualifizierungen (EQ) in Deutschland, entschieden sich für ihren Ausbildungsberuf und den Ausbildungsbetrieb. Das alles braucht Zeit – ein schnellerer Start in Arbeit und Beschäftigung ist daher kaum realistisch. Erfreulich ist die Vielzahl erfolgreicher Ansätze und Einzelprojekte für die Integration von Flüchtlingen. Insgesamt ist der Übergang in Ausbildung für Flüchtlinge aber noch nicht „rund“ und zu wenig transparent. Wenn ab 2017 voraussichtlich die vielen jungen Menschen in Ausbildung streben, die im vergangenen Jahr nach Deutschland kamen, brauchen wir ein systematisches Übergangsmanagement. Nach Berufsorientierung und Praktika soll der Weg ggf. über den Zwischenschritt einer EQ in Ausbildung offen stehen. Und auch während der Ausbildung im Betrieb sind weiterhin begleitende Sprachkurse notwendig. Für die Integration in Ausbildung ist es auch wichtig, dass mit dem Integrationsgesetz die 3+2-Regel hoffentlich noch vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres in Kraft tritt. Denn für 76 Prozent der Betriebe ist die sichere Bleibeperspektive ihrer Azubis die Grundvoraussetzung für das eigene Ausbildungsengagement.

Die frühzeitige Kompetenzerfassung und Berufsanerkennung erleichtern jungen Flüchtlingen die Arbeitsaufnahme. Informationen zur schulischen und beruflichen Bildung der Bewerber sind für 56 Prozent der Betriebe entscheidend. In diesem Zusammenhang ist es gut, dass immer mehr Unternehmen das 2012 eingeführte Anerkennungsgesetz kennen, mit dem man im Ausland erworbene Qualifikationen feststellen lassen kann. War diese Möglichkeit noch im letzten Jahr nur rund jedem vierten Betrieb bekannt, sind es nun 52 Prozent. Die Unternehmen in Deutschland wollen sich weiter für Flüchtlinge engagieren: Drei von vier Unternehmen sind zum Beispiel bereit, Praktika im Rahmen eines Anerkennungsverfahrens anzubieten. Gemeinsam mit den Unternehmen wollen die IHKs vor Ort jungen Flüchtlingen ihre Chancen in der Beruflichen Bildung aufzeigen. Vor allem helfen sie bei der Berufsorientierung, vermitteln Kontakte zu Betrieben und unterstützen somit den Einstieg in Praktika und Einstiegsqualifizierungen.


Bis sie überhaupt vollwertig für eine Arbeitsstelle in Frage kämen (also Sprachkenntnisse + Ausbildung), würden ab der Einreise nach Deutschland 5-7 Jahre vergehen. Nur haben viele Flüchtlinge so viel Zeit in Berufsschulen oder Förderklassen auszuharren? Vielfach kennt man Berichte, dass Flüchtlinge per sofort Arbeit suchen, da sie oft ihre Familien in ihrer Heimat finanziell unterstützen müssen. Da ist die Versuchung nahe sofort eine eher einfache Tätigkeit anzunehmen, die immer noch deutlich besser bezahlt wird als ein Ausbildungsentgelt. Was ist die Lösung des Problems? Und was ist die Lösung der Demographie-Lücke? Wir haben auch keine parat. Obwohl es auf der einen Seite eine reale Lücke gibt bei zu wenigen jungen Menschen, die in den Arbeitsmarkt nachrücken, so haben wir andererseits in den letzten Monaten schon mehrmals von den enormen Bemühungen berichtet, die die Dienstleistungsindustrie vor allem in angelsächsischen Ländern bereits unternimmt um so viele Jobs wie möglich zu automatisieren, also Menschen durch Prozessoptimierung bzw. Digitalisierung wegzusparen.

Ob dieser Effekt die Lücke des Demographiewandels schließt oder sogar noch darüber hinaus Stellen wegrationalisiert? Wir wissen auch das nicht. Wir wundern uns aber immer wieder, wie genau doch hochbezahlte Ökonomen ganz genau berechnen können, wie viele zusätzliche Arbeitsstellen (500.000 pro Jahr) durch den Demographiewandel pro Jahr in Deutschland benötigt werden. Einfach toll diese Zahlen-Genies! Ach ja noch was… wir hatten es mehrmals schon angesprochen in diversen Artikeln zum Arbeitsmarkt, aber es scheint ja im Themenfeld Demographie-Wandel nur noch ein Randthema zu sein: Wieso haben wir überhaupt noch 2,6 ähhh 3,5 Millionen Arbeitslose? Die müssten dank Demographie-Wandel doch längst alle in Lohn und Brot sein Frau Nahles?



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3 Kommentare

  1. Wie konnte das denn bloß passieren ??? Vor etwa fünf bis zehn Jahren ist ja fast permanent den Jungen eingetrichtert worden, ohne Abitur hat man nichts, man findet keine Arbeit usw. usw.
    Und dann wundert man sich warum alle plötzlich studieren wollen ? In Deutschland braucht man doch nur ein einigermaßen gutes Abitur und schon klappt es mit der Uni. Ob die Abschlüsse dann jemals wichtig werden, das steht ja auf einem anderen Blatt Papier, wichtig ist Akademiker zu sein.

    Dann kommt die Akademikerarbeitslosigkeit oder der gemachte Abschluss ist doch nicht soviel wert wie man dachte, und dann landet man in der Ausbildung oder kommt anderweitg unter.

    Aber unsere Bundeskanzlerin hat uns ja jetzt viele neue „Fachkräfte“ beschert. Die werden das Problem schon irgendwie lösen…

  2. Jedem Jugendlichen sei eine gute Ausbildung gegönnt. Dennoch ist es schon sehr verwunderlich, dass vor gar nicht langer Zeit eine Vorrangprüfung vom Arbeitsamt gemacht wurde, d.h. es wurde z.B. bei Polen und Bulgaren geprüft, ob ein Deutscher sich für den Job findet; jetzt gilt offene Grenze ohne jede Prüfung. Das ist, angesichts der immer noch hohen Jugendarbeitslosigkeit hierzulande und in der EU schlimmer, als die ebenso ruckartige Energiewende. Stattdessen werden die Anforderungen gesenkt und das Abitur und der „Bätscheler“ verkommen zur (teuren) Lachnummer für Staat und Betroffenen.
    Übrigens gibt es bei den „Flüchtlingen“ neben der angesprochenen mangelnden Sprachkompetenz noch die ein- oder andere arbeitsrechtliche Besonderheit, an die mancher Arbeitgeber bestimmt noch nicht gedacht hat, https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/ramadan-wenn-die-fastenpflicht-mit-der-arbeitspflicht-kollidiert_76_126284.html

  3. Jugendarbeitslosigkeit in D bei 0%.
    Fantastisch !
    Solche Studien besonders von solchen zwqngssubventionierten Instanzen sind fürn Arsch !

    Betriebe mit null Bewerbungen ;p

    Gesucht Lediger Geselle mit mindestens 1,5er Zeugnis ,Studium , ein Jahr Ausland, 2Fremsprachen bis 25 Jahre wenns recht is .

    Die Betriebe wollen nicht ausbilden weil die ausgebildeten dann zum nächst gröseren wechseln (mehr Geld und so )

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