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Indizes

Bärenmarkt oder Rezession – was kommt früher?

Es gab nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA keine Rezession, ohne dass der Aktienmarkt vorher substanzell gefallen wäre. Also keine Rezession ohne Aktienbaisse!

Wolfgang Müller

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am

Es ist fast schon so etwas wie die Geschichte von der Henne und dem Ei und der Frage was zuerst da war – die Beziehung zwischen einem Wirtschaftsabschwung (Rezession) und dem dazugehörenden Einbruch an den Aktienmärkten (Bärenmarkt). Denn, wenn eine Volkswirtschaft rezessiv wird, und nicht nur über zwei Quartale, was man als technische Rezession bezeichnet, war es noch immer zu einem scharfen Einbruch der Märkte gekommen. Hier ein paar Daten zur Divergenz beider Elemente eines Wirtschaftszyklus in den letzten Jahrzehnten.

Das eine bedingt das andere – Rezession und Bärenmarkt

In den USA dürfte die Abhängigkeit von der Höhe der Aktienindizes und dem Wachstum der Volkswirtschaft mehr denn je Gültigkeit haben. So haben sich die Indizes seit der Finanzkrise 2009 „Pi mal Daumen“ mehr als vervierfacht: Hier sei nur der S&P 500 genannt, mit seinem Anstieg von 666 Punkten auf 3027 Zähler.

In den USA sind deutlich mehr als die Hälfte der Bürger Besitzer von Dividentiteln, in welcher Form auch immer, selbst ihre Altersvorsorge hängt in großem Maße davon ab. Im Gegensatz zu Deutschland, wo nur knapp jeder Sechste solche Werte in Form von Aktien oder Fonds sein eigen nennt. Doch wann gab es in der Vergangenheit Rezessionen und wie hatte der Aktienmarkt darauf reagiert?

 

Ein kleiner Überblick über die letzten US-Rezessionen:

Im Juli 1981 kam es zu einer Rezession, die 16 Monate anhielt, die Wirtschaft um 2,7 Prozent schrumpfen ließ, der Aktienmarkt (S&P 500) fiel um 27 Prozent und zeigte es 7 Monate im Voraus an.
Juli 1990: Dauer 8 Monate, Wirtschaft -1,4%, Index -20%, Rezession und Kurseinbruch begannen gleichzeitig
März 2001: Dauer 8 Monate, Wirtschaft -0,3%, Index -49%, Beginn Bärenmarkt 11 Monate vorher
Dezember 2007: Dauer 18 Monate, Wirtschaft -5,1%, Index -57%, Beginn Bärenmarkt 2 Monate vorher

Einschränkend muss man natürlich feststellen, dass die Stärke des Aktieneinbruchs und das Ausmaß der Rezession in keiner echten Korrelation zueinander stehen – siehe Dotcom-Krise 2000.

Noch ein kleiner Blick auf Deutschland. Hier haben Rezessionen eine längere Lebensdauer als die in den USA. Liegt es daran, dass Notenbank und Regierung hierzulande zögerlicher sind bei der Bewältigung der Krisen durch Zinspolitik und Konjunkturmaßnahmen? Die Dauer deutscher Rezessionen (Quelle statista):

1980 bis 1982: 34 Monate
1991 bis 1994: 40 Monate
2001 bis 2003: 32 Monate
2008 bis 2009: 12 Monate

 

Dezember 2018, die USA knapp am Bärenmarkt

Es ist also schon eine recht sichere Indikation für konjunkturelles Unheil, wenn ein Aktienindex in den Bärenmarkt eintaucht. Als im Dezember 2018 die US-Indizes infolge der vier Zinsanhebungen der Federal Reserve nebst den Bilanzreduzierungen und der unglücklichen Kommunikation von Fed-Chef Powell (das Wort Autopilot), Rezessionsängste generierten, stürzte der US Hauptindex an den Weihnachtstagen bis auf -19,48 Prozent ins Minus, knapp an die Schwelle des Bärenmarktes.

Was folgte, ist bekannt: eine zinspolitische 180-Grad-Kehrtwende und in der Folge ein Anstieg des S&P 500 von 2350 Punkten bis auf 2950 Anfang Mai. Ich habe damals bereits über das Billionen-Dollar-Risiko in den USA geschrieben, denn der US-Konsument, der für 70 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts verantwortlich ist, kann sich schon wegen seiner hohen Verschuldung weder einen großen Einbruch an den Aktienmärkten, noch einen substanziellen Anstieg der Kreditzinsen leisten (zusätzlich das BBB-Risiko der Unternehmen).

Derzeit würde bereits der Einstieg in einen Bärenmarkt (-20%) einen Verlust in der US-Marktkapitalisierung von mindestens 7 Billionen Dollar bedeuten. Auch wenn dies nicht der alleinige Verlust der US-Shareholder wäre, sie müssten dennoch ihre Konsumausgaben deutlich reduzieren – die Rezession wäre eine unweigerliche Folge.

Ein weiterer Grund dafür, warum Donald Trump in regelmäßigen Abständen auf den Stand seines Lieblingsindex, den Dow Jones, blickt.

 

Fazit – Rezession und Bärenmarkt

Die Frage nach der Henne und dem Ei oder hier im Artikel, was früher eintritt, Rezession oder Bärenmarkt, dürfte aufgrund der Historie plus der aktuellen Lage schon ein bisschen beantwortet sein. Zu groß ist die Abhängigkeit der US-Verbraucher von ihren Depots. Sollte es aber aufgrund eines exogenen Schocks (eine große Unternehmenspleite, kriegerische Vorfälle) zu einem nicht nur temporären Kurseinbruch kommen, könnte sich daraus aber auch eine rasche Schrumpfung der Wirtschaft entwickeln. Der Bärenmarkt käme auch hier höchst wahrscheinlich früher, denn „in der Regel“ ist das Aktienkursbarometer der früheste der Frühindikatoren. Fehlinterpretationen nicht ausgeschlossen, aber diese sind zumindest in den USA bei einem Bärenmarkt recht selten.

Es gab nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA keine Rezession, ohne dass der Aktienmarkt vorher substanzell gefallen wäre. Also keine Rezession ohne Aktienbaisse!

Bevor es zu einer Rezession kommt, tauchen Aktienmärkte in der Regel in einen Bärenmarkt

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Rüdiger Born: S&P 500 noch nicht willig für einen Rücksetzer?

Rüdiger Born

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Ist der S&P 500 noch nicht willig für einen Rücksetzer? Das schaue ich mir im folgenden Video direkt am Chart etwas genauer an.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – das Problem mit den aktuellen Zockereien

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Er bespricht die Zockereien der letzten Tage, und warum dies im großen Bild gesehen ein Problem für die Börse ist.

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GameStop: Symptom für Entgleisung der Märkte – wie war das möglich?

Wie war ein Phänomen wie bei der Aktie von GameStop möglich? Eine Spurensuche nach den Ursachen eines erstaunlichen Exzesses!

Wolfgang Müller

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Die Anlegerwelt blickt bestürzt und fasziniert in die USA, auf die Kapriolen von Aktie wie GameStop – dazu auf Small Caps, auf exorbitante Call-Spekulation, auf Schieflagen von Leerverkäufern und Brokern. Ausgelöst nicht durch Big Money, sondern durch viele junge Anleger, die eine unregulierte Seite der Aktienmärkte ausnutzen. Eine Spurensuche nach den Ursachen, was Entwicklungen wie bei der Aktie von GameStop möglich gemacht hat..

Wie war GameStop möglich?

Die Notenbanken

Klar ist die Entwicklung an den Aktienmärkten zunächst einmal den Notenbanken geschuldet. Mit der Eliminierung der Anlageklasse Anleihen, der Verlängerung der Aktienhausse, weil mit sinkenden Zinsen Aktienbewertungen immer mehr relativiert wurden. Vor allem aber durch die besondere Situation einer Pandemie, in der alle Notenbanken an einem Strang ziehen, um eine wirtschaftliche Katastrophe zu verhindern.

Dabei ist doch Fed-Chef Jerome Powell noch einer der Vernünftigeren. Hatte er nicht 2018 viermal die Zinsen angehoben, um Exzesse zu unterbinden – und wie ist er für seinen Kommunikationsgau gemaßregelt worden, als er für 2019 von weiteren Zinsanhebungen und Bilanzreduzierung gesprochen hatte? Wurde er nicht von Donald Trump monatelang in der Öffentlichkeit vorgeführt, als „Dummkopf“ beschimpft, weil er partout nicht die Zinsen stärker senken wollte. Der Ex-Präsident hatte stets ins Felde geführt, dass Deutschland sich verschulden könne und dabei noch Geld verdienen würde. Kurzum: Die Marktteilnehmer haben die Ausnahmesituation an den Kapitalmärkten erkannt und den Aktienboom immer weiter befördert. Es gibt einen „Ocean of Liquidity“. Das ist die erste Voraussetzung für das Phänomen GameStop!

Die kostenlosen Neobroker

Eine sehr wesentliche Ursache für den verstärkten Boom an den Aktienmärkten, speziell durch neue Anlegergruppen, war der Preiskampf der Broker um die Kunden, der schließlich zur Abschaffung der Gebühren geführt hat. Es war die Meldung im Oktober 2019, die die Gebührenschmelze brachte: Charles Schwab hatte als Branchenführer angekündigt, in Zukunft auf Kommissionen für das Geschäft mit US-Aktien, börsengehandelten Fonds (ETFs) und Optionsscheinen zu verzichten. Es folgten weitere Broker wie TD Ameritrade und E-Trade und selbst Fidelity zog für seine 22 Millionen Konten nach. Eine Reaktion auf den Aufstieg von RobinHood, der Boden für das grenzenlose Zocken war bereitet. Wenn ich für kleine Trades keine Gebühren bezahlen muss, kann ich das x-mal am Tag wiederholen.

Einen weiteren Schub gab es für die Retail Investors durch die Möglichkeit, Bruchstücke von Aktien zu kaufen – also die Möglichkeit durch den Broker, Teile einer Amazon-Aktie zu handeln, weil ich keine 3000 Dollar für eine einzelne Aktie aufbringen kann. Dazu noch das Angebot der Depotbeleihung, um auf Kredit zu spekulieren. Ein brutaler Preiskrieg um jeden Kunden hat die Situation eskalieren lassen – die Entwicklung um GameStop ist die Folge solcher Entwicklungen!

Die Pandemie und der Teillockdown

Ich habe bereits am 7. Juli 2020 in einem Artikel geschrieben: Der Lockdown und die damit verbundene häusliche Quarantäne hat eine zweifelhafte Entwicklung losgetreten: Die pandemiebedingte Unterbrechung des US-Profisports und der Ausfall an Sportwetten hat viele Sportzocker zur Börse gebracht. Dazu jene, die früher mit Kryptowährungen gehandelt haben. Man spricht daher von einer „Gamification“ der Geldanlage. Die Börse wurde als Ersatz für Fußball-Wetten oder das Glücksspiel in den geschlossenen Casino ansehen. Das beste Beispiel dafür ist der aus der Sportwettenbranche kommende David Portnoy, der „Anführer“ der RobinHooder. Nun ruft auch er zum „Sturm auf das Kapital“ auf – GameStop sei nur der Auftakt gewesen, so Portnoy.

Ein Teil dieser Entwicklung war auch der staatlichen Unterstützung in der Pandemie geschuldet. Die vielen Schecks, die eigentlich für die Versorgung während der Arbeitslosigkeit gedacht war, wurden von nicht wenigen teilweise zum Zocken genutzt. Unterstützungen von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden, aber der Gesamtbetrag konnte bis über 4000 Dollar pro Monat ausmachen und damit höher, als es mancher mit seiner reellen Arbeit bringen konnte. Zuletzt waren es die 600 Dollar Schecks, die im Februar noch auf 2000 Dollar aufgestockt werden sollen. Es ist dieses Helikoptergeld, das in Aktien oder Optionen von GameStop fließt.

Die Plattform der sozialen Medien

Wer hätte das gedacht? Dass soziale Medien einmal genutzt werden, um die Großen an der Wall Street zu attackieren.

Wallstreetbets ist so ein Subreddit, auf dem sich Marktteilnehmer austauschen und sich auch zu gemeinsamen Wetten am Kapitalmarkt organisieren. Es laufen auch viele Fehlinformationen, wie eine mehr oder weniger koordinierte Aktion von Trollen auf der Social-Media-Plattform Reddit, die durch ihre Spekulation den direkten Angriff auf die Hedgefonds der Wall Street zum Ziel haben. GameStop war vermutlich erst der Anfang!

Das ist auch ein großer Unterschied zur Dotcom-Blase im Jahr 1999/2000: Die Verfügbarkeit von Informationen und die Vernetzung auf Millionen Geräten, wo sich blitzschnell ein Finanzmob organisieren lässt. Das Smartphone mit all seinen Möglichkeiten war damals noch nicht auf dem Markt. Wenn die Geschichte mit GameStop erledigt ist, kommen dann weitere Angriffe auf Aktien, die sehr „leerverkauft“ sind? Diese Frage hat sich nach den letzten Short Squeezes schon erübrigt. Auch wenn mit einer Firma richtig etwas faul ist und man den Kurs trotzdem nach oben treiben kann. Hatten wir denn in Deutschland nicht eine Firma, die im Visier der Leerverkäufer war und zunächst von der BaFin noch geschützt wurde (Wirecard)?

Die De-Regulierung

Ganz im Gegensatz zur Obama-Regierung, der nach der Finanzkrise eine Reform zur Regulierung der Finanzmärkte veranlasst hatte, wurden die Regularien in der Trump-Ära schrittweise wieder gelockert. Trump sprach ständig von vier Prozent Wachstum, dafür wurden die Steuern radikal gesenkt, Auslandskapital repatriiert, Aktienrückkäufe in großem Maße toleriert und alles gefördert, faktisch und verbal, was die Aktienmärkte befeuerte. So wurde der Boden bereitet für eine Aktienrally, an deren Ende immer Gier einzieht, jeder versucht an der wundersamen Geldvermehrung zu partizipieren, eine Phase für die es viele Namen gibt: Hausfrauenrally, Milchmädchenhausse und weitere.

Ein Thema an den Märkten ist beim Short Selling auch der nackte Leerverkauf, der dazu führen kann, dass die Short Quote auch über 100 Prozent der frei verfügbaren Aktien hinausgehen kann – so wie bei GameStop. Man hatte diese gefährliche Variante der Kurssicherung/Spekulation im Zuge der Finanzkrise zwar verboten, aber nie richtig überwacht, wie es sich in den jetzigen Fällen als Falle erweist.

Fazit

Es ist zweifelsohne ein ganzes Bündel von Ursachen, die zu dieser Spekulationsorgie geführt haben. Auch wenn die Notenbanken mit ihrer Marginalisierung der Zinslandschaft erst die Grundlage für eine lange Börsenphase steigender Notierungen gesorgt haben, wurde die Situation erst dadurch möglich, dass Broker und Marktteilnehmer das Laissez-Faire der Behörden ausgenutzt haben, um Geld zu scheffeln.

Wie kann es sein, dass sich Tausende von Kleinanlegern in Foren verabreden können, um Attacken an den Märkten durch Zocks mit Aktien wie GameStop zu organisieren? Man stelle sich vor JP Morgan, Bank of America und Goldman Sachs würden sich zu konzertierten Aktionen und zu einem bestimmten Zeitpunkt verabreden. Mit ihrer Finanzkraft könnte die Giganten reihenweise Aktien mit niedrigen Nominalwerten zu Pennystocks machen, was extreme Folgen zeitigen würde: Auschluss bei Kapitalsammelstellen, die nicht in Pennystocks investieren dürfen, Abstufungen im Kredit-Rating, kein Zugang zum Kapitalmarkt, Entlassungen, Pleite. Verbotene Marktmanipulationen stehen stark unter Strafe.

Ist es bei Privaten „uncharted territory“? Nicht mehr lange, denn das dürfte Schule machen, sich die Volumen erhöhen und auch im Ausland probiert werden. Auch wenn sich zunächst einige darüber freuen, wenn es der Hedgefonds-Branche etwas ans Leder geht, sie mit gleichen Waffen geschlagen werden. Aber es ist organisiertes Frontrunning, Pump&Dump – und damit Marktmanipulation. Ein Fall für die Regulierungsbehörden, für die SEC. Diese hat mit Gary Gensler einen neuen Chef, anscheinend ein „harter Hund“. It’s your job, Mister Gensler!

Wie war ein Phänomen wie bei der Aktie von GameStop möglich?

By BentleyMall – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25399096

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