Indizes

Bärenmarkt oder Rezession – was kommt früher?

Es gab nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA keine Rezession, ohne dass der Aktienmarkt vorher substanzell gefallen wäre. Also keine Rezession ohne Aktienbaisse!

Es ist fast schon so etwas wie die Geschichte von der Henne und dem Ei und der Frage was zuerst da war – die Beziehung zwischen einem Wirtschaftsabschwung (Rezession) und dem dazugehörenden Einbruch an den Aktienmärkten (Bärenmarkt). Denn, wenn eine Volkswirtschaft rezessiv wird, und nicht nur über zwei Quartale, was man als technische Rezession bezeichnet, war es noch immer zu einem scharfen Einbruch der Märkte gekommen. Hier ein paar Daten zur Divergenz beider Elemente eines Wirtschaftszyklus in den letzten Jahrzehnten.

Das eine bedingt das andere – Rezession und Bärenmarkt

In den USA dürfte die Abhängigkeit von der Höhe der Aktienindizes und dem Wachstum der Volkswirtschaft mehr denn je Gültigkeit haben. So haben sich die Indizes seit der Finanzkrise 2009 „Pi mal Daumen“ mehr als vervierfacht: Hier sei nur der S&P 500 genannt, mit seinem Anstieg von 666 Punkten auf 3027 Zähler.

In den USA sind deutlich mehr als die Hälfte der Bürger Besitzer von Dividentiteln, in welcher Form auch immer, selbst ihre Altersvorsorge hängt in großem Maße davon ab. Im Gegensatz zu Deutschland, wo nur knapp jeder Sechste solche Werte in Form von Aktien oder Fonds sein eigen nennt. Doch wann gab es in der Vergangenheit Rezessionen und wie hatte der Aktienmarkt darauf reagiert?

 

Ein kleiner Überblick über die letzten US-Rezessionen:

Im Juli 1981 kam es zu einer Rezession, die 16 Monate anhielt, die Wirtschaft um 2,7 Prozent schrumpfen ließ, der Aktienmarkt (S&P 500) fiel um 27 Prozent und zeigte es 7 Monate im Voraus an.
Juli 1990: Dauer 8 Monate, Wirtschaft -1,4%, Index -20%, Rezession und Kurseinbruch begannen gleichzeitig
März 2001: Dauer 8 Monate, Wirtschaft -0,3%, Index -49%, Beginn Bärenmarkt 11 Monate vorher
Dezember 2007: Dauer 18 Monate, Wirtschaft -5,1%, Index -57%, Beginn Bärenmarkt 2 Monate vorher

Einschränkend muss man natürlich feststellen, dass die Stärke des Aktieneinbruchs und das Ausmaß der Rezession in keiner echten Korrelation zueinander stehen – siehe Dotcom-Krise 2000.

Noch ein kleiner Blick auf Deutschland. Hier haben Rezessionen eine längere Lebensdauer als die in den USA. Liegt es daran, dass Notenbank und Regierung hierzulande zögerlicher sind bei der Bewältigung der Krisen durch Zinspolitik und Konjunkturmaßnahmen? Die Dauer deutscher Rezessionen (Quelle statista):

1980 bis 1982: 34 Monate
1991 bis 1994: 40 Monate
2001 bis 2003: 32 Monate
2008 bis 2009: 12 Monate

 

Dezember 2018, die USA knapp am Bärenmarkt

Es ist also schon eine recht sichere Indikation für konjunkturelles Unheil, wenn ein Aktienindex in den Bärenmarkt eintaucht. Als im Dezember 2018 die US-Indizes infolge der vier Zinsanhebungen der Federal Reserve nebst den Bilanzreduzierungen und der unglücklichen Kommunikation von Fed-Chef Powell (das Wort Autopilot), Rezessionsängste generierten, stürzte der US Hauptindex an den Weihnachtstagen bis auf -19,48 Prozent ins Minus, knapp an die Schwelle des Bärenmarktes.

Was folgte, ist bekannt: eine zinspolitische 180-Grad-Kehrtwende und in der Folge ein Anstieg des S&P 500 von 2350 Punkten bis auf 2950 Anfang Mai. Ich habe damals bereits über das Billionen-Dollar-Risiko in den USA geschrieben, denn der US-Konsument, der für 70 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts verantwortlich ist, kann sich schon wegen seiner hohen Verschuldung weder einen großen Einbruch an den Aktienmärkten, noch einen substanziellen Anstieg der Kreditzinsen leisten (zusätzlich das BBB-Risiko der Unternehmen).

Derzeit würde bereits der Einstieg in einen Bärenmarkt (-20%) einen Verlust in der US-Marktkapitalisierung von mindestens 7 Billionen Dollar bedeuten. Auch wenn dies nicht der alleinige Verlust der US-Shareholder wäre, sie müssten dennoch ihre Konsumausgaben deutlich reduzieren – die Rezession wäre eine unweigerliche Folge.

Ein weiterer Grund dafür, warum Donald Trump in regelmäßigen Abständen auf den Stand seines Lieblingsindex, den Dow Jones, blickt.

 

Fazit – Rezession und Bärenmarkt

Die Frage nach der Henne und dem Ei oder hier im Artikel, was früher eintritt, Rezession oder Bärenmarkt, dürfte aufgrund der Historie plus der aktuellen Lage schon ein bisschen beantwortet sein. Zu groß ist die Abhängigkeit der US-Verbraucher von ihren Depots. Sollte es aber aufgrund eines exogenen Schocks (eine große Unternehmenspleite, kriegerische Vorfälle) zu einem nicht nur temporären Kurseinbruch kommen, könnte sich daraus aber auch eine rasche Schrumpfung der Wirtschaft entwickeln. Der Bärenmarkt käme auch hier höchst wahrscheinlich früher, denn „in der Regel“ ist das Aktienkursbarometer der früheste der Frühindikatoren. Fehlinterpretationen nicht ausgeschlossen, aber diese sind zumindest in den USA bei einem Bärenmarkt recht selten.

Es gab nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA keine Rezession, ohne dass der Aktienmarkt vorher substanzell gefallen wäre. Also keine Rezession ohne Aktienbaisse!

Bevor es zu einer Rezession kommt, tauchen Aktienmärkte in der Regel in einen Bärenmarkt



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