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Cost-Income-Ratio von rund 70% auf 96% gestiegen Bafin-Chef: „Erste Verteidigungslinie bei kleinen Banken gefallen“

Laut BaFin-Chef haben kleinere Banken ihre Bewertungsreserven größtenteils aufgebraucht. "Die erste Verteidigungslinie ist weggefallen”.

Im Dezember hatte ein regionaler Sparkassen-Verbandschef bereits vor dem Zinsschock bei Eigenanlagen der Sparkassen gewarnt. Heute nun äußert sich der oberste deutsche Bankenaufseher. Mark Branson wurde nach dem Wirecard-Debakel Behörden-Chef und hat sozusagen den Auftrag, den Laden auf Vordermann zu bringen. Der BaFin-Chef sorgt sich laut aktueller Aussage um die Wertpapierbestände kleiner Banken und Sparkassen in Deutschland.

BaFin-Chef besorgt

Vor allem Anleihen sind wegen des Zinsschocks aktuell weniger wert. Die abrupt steigenden Zinsen bedeuten für viele Kreditinstitute “steigenden Stress. Zumindest kurzfristig”, erklärte Branson bei einem Empfang seiner Behörde am Montag in Frankfurt laut Bloomberg. “Die Wertpapiere in ihren Beständen haben rechnungslegungsbedingt durch den Zinsanstieg aktuell stark an Wert verloren.”

Bewertungsreserven bei Banken größtenteils aufgebraucht

Das drücke kurzfristig auf die Profitabilität der betroffenen Banken – vor allem der weniger bedeutenden Institute. Bei ihnen sei in den ersten neun Monaten die vor Steuern berechnete Cost-Income-Ratio von rund 70 % auf 96 % gestiegen. Nach Steuern stehe so im Durchschnitt ein negatives Ergebnis. Bis Ende 2022 hätten aber fast alle Banken die Verluste noch durch ihre Bewertungsreserven auffangen können. “Die haben sie nun größtenteils aufgebraucht. Die erste Verteidigungslinie ist weggefallen”, sagte Branson.

Weiter steigende Zinsen = steigender Stress für kleine Banken und Sparkassen

Sollten die Zinsen zügig und signifikant weiter steigen, steige auch der Stress für die Institute – vor allem für die, die keine Reserven mehr haben, wenig Überschusskapital und größere offene Zinspositionen. “Diese Institute monitoren wir im Moment besonders eng”, sagte Branson.

Die Bundesbank hatte im November in ihrem Finanzstabilitätsbericht geschrieben, dass sich bei Sparkassen und Kreditgenossenschaften die Abschreibungen allein im ersten Halbjahr 2022 auf 12,3 Milliarden Euro belaufen würden. Dies entspreche rund 5,6% des harten Kernkapitals.

Problem durch die jahrelange Haltezeit von Anleihen

Allerdings halten viele Institute die Wertpapiere bis zur Endfälligkeit. Wenn sie dann zum Nennwert zurückgezahlt werden, werden bis dahin die Wertverluste durch entsprechende Bewertungsgewinne ausgeglichen. In der Zwischenzeit mindert der Wertverlust aber das Eigenkapital und damit die Fähigkeit der Banken, weitere Verluste zu absorbieren.

Besonders die regionalen Sparkassenverbände hatten zuletzt den Markt auf die Wertberichtigungen vorbereitet. Die westfälische Sparkassenpräsidentin Liane Buchholz etwa verortete in einem Bloomberg-Interview den möglichen Abschreibungsbedarf auf Eigenanlagen im “oberen dreistelligen” Millionen-Euro-Bereich, bezogen auf 2022 und ihr Gebiet. Auch die Sparkassenverbände von Baden-Württemberg und von Bayern sprachen von Abschreibungen im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich.

FMW/Bloomberg

BaFin-Zentrale in Frankfurt
BaFin-Zentrale in Frankfurt. Photographer: Alex Kraus/Bloomberg


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3 Kommentare

  1. Es war von Dr. Krall schon 2018/2019 anschaulich beschrieben worden, wann die ersten Banken über die Klippe gehen.
    Nur in einer Sache lag er falsch.
    Die Billionen frisch „gedrucktes“ Geld sind nicht zur Bankenrettung gedruckt worden, sondern wegen Corona schon vorher. Das hat alles etwas verzögert.
    Mal sehen wieviel Billionen demnächst gedruckt werden.
    Aber auch die von ihm damals beschriebenen Zombiefirmen, und die Immobiliekrise werden ihren Weg gehen.
    Es wird spannend.

    Viele Grüße aus Andalusien Helmut

  2. Helmut: Die Bankenrettung gabs wirklich: EZB-TLTRO Kredit.
    Krall lag und liegt bei allem richtig.

  3. Pingback: Aktuelle Meldungen und Videos vom 24. Januar 2023 | das-bewegt-die-welt.de

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