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BaFin zum Zinstief: Lebensversicherer leben zunehmend von Substanz, nicht von Erträgen

Redaktion

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Im Großen und Ganzen scheint in der Finanzbranche doch alles in Ordnung zu sein, auch trotz jahrelangen Zinstiefs und noch jahrelang bevorstehenden Nullzinsen? So liest sich jedenfalls auf den ersten Blick der aktuell erschienene Jahresbericht der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin für 2017, die neben Banken und Vermögensverwaltern auch für die Aufsicht von Versicherungen zuständig ist. Die Headline liest sich bei bei Banken wie Versicherungen positiv.

Da liest man sinngemäß, dass die Anbieter sich angepasst hätten. Bei Versicherungen liest man zunächst, dass die Anbieter trotz ständigen Abgesangs auf beispielsweise Lebensversicherungen („schon oft das Totenglöcklein geläutet“) kurz- und mittelfristig keine lebensbedrohlichen Probleme haben würden. Risikomanagement und -Bewusstsein der Versicherer hätten sich nach Ansicht der BaFin deutlich verbessert.

Die Lage scheint wohl schlimmer zu sein

Aber liest man etwas weiter im Text der BaFin, sieht die Lage schon ganz anders aus. Immer mehr Versicherer würden nicht mehr von Erträgen leben, sondern von der Substanz. Man müsse zunehmend Reserven auflösen. Klingt das nach einem Schneeballsystem, wo der Chef seinen Ferrari verkaufen muss um auszahlungswillige Kunden zu bedienen, weil gerade keine neuen Kundengelder reinkommen? Nein – natürlich sollte das nur ein völlig überzeichneter Vergleich sein! Bilden Sie sich selbst eine Meinung, ob die Lage noch so rosig ist. Zitat BaFin:

Leben von der Substanz

Eine wachsende Zahl von Lebensversicherern lebt von der Substanz. Sie können die erforderliche Dotierung der Deckungsrückstellung und damit auch der Zinszusatzreserve, die die Unternehmen eigentlich stärken soll, nicht mehr ohne weiteres aus den laufenden Kapitalerträgen bedienen. Die Folge: Die Versicherer müssen stille Reserven auflösen. Dies ist zwar bis zu einem gewissen Grad akzeptabel, weil die Reserven derzeit sehr hoch sind. Stille Reserven sind aber nichts anderes als künftige Cashflows. Sie aufzulösen, ist nicht unbegrenzt möglich.

Zinszusatzreserve erhalten

Auch wenn die Zinszusatzreserve die Unternehmen zusehends belastet, sie abzuschaffen wäre ein großer Fehler. Die Zinszusatzreserve stärkt die Deckungsrückstellungen systematisch. Sie macht die Branche in ihrer Gesamtheit robuster und untermauert ihre Fähigkeit, garantierte Leistungen langfristig zu erbringen. Daher sei es auch nach wie vor grundsätzlich richtig, den Versicherern den Aufbau einer Zinszusatzreserve abzuverlangen, betonte Exekutivdirektor Grund.

Viele Versicherer werden wohl überlegen, ob es überhaupt noch Sinn macht in dem Geschäft mit Lebensversicherungen tätig zu sein. Die Konsequenzen sind logisch. Garantieverzinsungen entfallen bei Neuverträgen immer häufiger. Oder der Anbieter stellt sein Neugeschäft ein, und verkauft seine Altbestände an Drittanbieter. Dies spricht die BaFin ebenfalls an. Zitat:

Trend zu Produkten ohne feste Garantien

Einige Lebensversicherer bieten bekanntlich als Reaktion auf das niedrige Zinsniveau mittlerweile den Policen-Klassiker mit fester Garantie nicht mehr an andere aber sehr wohl. Branchenweit geht der Trend hin zu Produkten ohne feste Garantien. Alles in allem ist das Angebot der Branche heute stärker diversifiziert, was die Aufsicht auch seit Jahren von ihr verlangt.

Externer Run-off als Alternative?

Einige wenige Lebensversicherer entscheiden sich angesichts des Niedrigzinsniveaus zu einem externen Run-off, sie stellen also ihr Neugeschäft ein und verkaufen oder übertragen ihren Bestand – ganz oder in Teilen. Aktuell sind drei Run-off-Plattformen in Deutschland aktiv. Einen Antrag prüft die BaFin gegenwärtig. Neue Anträge haben die Aufsicht bis zum Redaktionsschluss nicht erreicht und sind auch nicht angekündigt. Von einem starken Run-off-Trend kann also bislang nicht die Rede sein.

Die BaFin-Zentrale in Frankfurt
Die BaFin-Zentrale in Frankfurt. Foto: © Kai Hartmann Photography / BaFin

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Richard David Precht: Künstliche Intelligenz und unsere Zukunft!

Markus Fugmann

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„Wir gehen in die zweite ganz große industrielle Revolution hinein!“, sagt der Philosoph Richard David Precht. Damit stehen wir vor einscheidenden Veränderungen nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft. Die erste industrielle Revolution beendete die Herrschaft des Adels und der Kirche – die derzeit ablaufende zweite Revolution durch künstliche Intelligenz verändert vor allem die Arbeitswelt und damit die Produktionsverhältnisse grundlegend. Nun versuchen uns Ökonomen stets zu versichern: kein Problem, es fallen zwar viele Jobs weg, aber es würden eben auch viele neuartige Jobs geschaffen werden. Das ist eine schöne Perspektive, sie hat aber leider einen kleinen Makel: sie stimmt nicht, sagt Richard David Precht zur sogenannten „Kompensations-Theorie“.

Die Menscheit jedenfalls ist durch diesen Wandel überfordert, der Boden, auf dem wir stehen, wackelt erheblich – und so entsteht zunächst einmal die Sehnsucht danach, die gute alte Welt mit ihren Werten wiederzubeleben. Ausdruck dieses Versuchs sind etwa Trumpin den USA oder die AfD in Deutschland. Aber einer der einschneidenden Änderungen im politischen Bereich wird sein, dass die Parteien, die mit der ersten industriellen Revolution entstanden und aufgestiegen waren, unter gehen werden.

Richard David Precht über schwache KI und starke KI

Richard David Precht unterscheidet zwischen schwacher und starker künstlicher Intelligenz – und führt Beispiele an, worin sich diese beiden unterscheiden. Was bedeutet das aber für uns praktisch? Wird vor allem durch „starke“ KI, also einer KI, die tiefgehende Lernprozesse leisten kann, etwa der Niedriglohn-Sektor wegfallen? Eher nicht – denn je mehr Menschen in bestimmten Bereichen verdienen, umso interessanter wird der Einsatz einer starken KI zur Kosten-Ersparnis, während sich der Einsatz im Niedriglohnsektor gar nicht lohnen würde.

Was bleibt, was wird untergehen – und welche Bereiche werden sich durchsetzen? Es werde derjenige technische Fortschritt kommen, der gesellschaftlich akzeptiert wird, dazu ein Bedürfnis befriedigt und sich gleichzeitig zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell machen läßt, sagt Richard David Precht. Folgender Vortrag des Philosophen ist ein „must see“!

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Der Philosoph Richard David Precht über Künstliche Intelligenz

Richard David Precht

Von Foto: © JCS‘, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62733272

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Arbeitsmarkt positiv gestimmt? Mehr neue Jobs bei IT als Entlassungen in der Gastronomie?

Claudio Kummerfeld

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Laptop mit Aufklebern

Kann das wirklich sein? Ist es das vorgezogene Weihnachtswunder am deutschen Arbeitsmarkt, mitten im zweiten Lockdown? Wenn man ein Wirtschaftsforschungsinstitut für verlässlich und seriös hält, dann doch in erster Linie das ifo-Institut! Und man möchte den Forschern bei ifo wirklich nichts Böses unterstellen. Aber ist es wirklich realistisch, dass die Stimmung am deutschen Arbeitsmarkt derzeit sogar besser wird, weil die IT-Dienstleister mehr neue Stellen schaffen wollen, als gleichzeitig in Restaurants, Bars, Hotels, Reisebüros etc verloren gehen?

Kann man sich das vorstellen? Gibt es überhaupt zehntausende oder hunderttausende neue IT-Experten in Deutschland, die auch so viele neue Stellen besetzen können? Ist die Nachfrage nach solchen Dienstleistungen wirklich so stark gestiegen in den letzten Wochen? Klar, dank Corona verlagert sich sehr viel des Geschäftslebens ins Internet. Aber wirklich, nochmal mit gesundem Menschenverstand nachgedacht: Können diese neuen Jobs hunderttausende Jobs ersetzen, die bei Gastro und Co verloren gehen? Es fällt wirklich schwer das zu glauben.

Aber das ifo-Institut hat sich das nicht ausgedacht. Nein, man macht für sein Beschäftigungsbarometer Umfragen bei ca 9.500 Unternehmen. Sie werden gebeten ihre Beschäftigtenplanungen für die nächsten drei Monate mitzuteilen. Also, kann das wirklich sein? Die IT fängt den Arbeitsmarkt auf in dieser Krise? Hier die Aussagen vom ifo-Institut im Wortlaut:

Etwas mehr deutsche Unternehmen als im Oktober denken über Neueinstellungen nach. Das ifo Beschäftigungsbarometer ist im November auf 96,7 Punkte gestiegen, von 96,4 Punkten im Oktober. Die zweite Welle hat vorerst keine größeren negativen Auswirkungen auf den deutschen Arbeitsmarkt. Die Entwicklung ist jedoch über die Branchen hinweg sehr heterogen.

In der Industrie ist das ifo-Barometer leicht gestiegen. Jedoch ist die Zahl der Unternehmen mit Entlassungsplänen weiterhin größer als die jener, die mit steigenden Mitarbeiterzahlen rechnen. Die Dienstleister planen eher Mitarbeiter einzustellen. Getragen wird die Entwicklung vor allem von den IT-Dienstleistern. In der Reisebranche und dem Gastgewerbe dagegen sind Entlassungen nicht zu vermeiden. Im Handel hat das Barometer leicht nachgegeben. Dort planen die Firmen derzeit mit konstanten Mitarbeiterzahlen. Die Bauindustrie sucht weiter neue Mitarbeiter, um ihre aktuellen Aufträge abarbeiten zu können.

Hier die vier Einzelsektoren mit einzelnem Chart:

Grafiken zeigen Beschäftigungsbarometer für den deutschen Arbeitsmarkt

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Markus Krall und Marc Friedrich: Crash 2021, Gelddrucken ersetzt Denken

Redaktion

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Markus Krall spricht über die Hyperinflation, in der Geld entwertet wird

Markus Krall und Marc Friedrich unterhalten sich im folgenden Gespräch über die aktuelle Krise, den möglicherweise anstehenden großen Crash, und die Zeit danach. Einig sind sich die beiden, dass es 2021 los gehen wird mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch. Markus Krall formuliert es recht klar, dass die Wirtschaftskrise längst da sei. Sie sei nur noch nicht bilanziert worden. Durch Maßnahmen wie die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht sei die Krise bei Unternehmen und in Bankbilanzen nur noch nicht richtig transparent sichtbar.

Markus Krall und Marc Friedrich sehen die Hyperinflation

Markus Krall kann man aufgrund seiner zahlreichen Tweets über die Corona-Maßnahmen der Politik kritisch betrachten. Das sollte Kommentatoren und geneigte Beobachter aber nicht davon abhalten, seinen höchst interessanten Aussagen zur wirtschaftlichen Gesamtsituation zuzuhören, die er seit Monaten öffentlich präsentiert. Denn er ist absoluter Bankeninsider, und hat die letzten Jahre eine große Bankenkrise vorhergesagt. Zusammen mit Marc Friedrich bespricht er im folgenden Video Punkt für Punkt wichtiger Themen rund um die aktuelle Krise und zukünftige Entwicklungen.

Wichtig ist, was die nächsten Quartale passieren wird. Einig sind sich Marc Friedrich und Markus Krall, dass wir derzeit in einer deflationären Phase sind, auf die zwingend eine kräftige Inflation folgen soll. Nur wie schnell die Preise in eine Hyperinflation umschlagen, das könne man nicht genau vorhersehen. Entscheidend hierbei ist unter anderem, wann die Geldumlaufgeschwindigkeit anspringen müsste. Sehen Sie beim Klick an dieser Stelle genau zu diesem Punkt interessante Ausführungen von Hans-Werner Sinn.

Die EZB als großes Problem

Ein wichtiger Punkt im Gespräch zwischen Markus Krall und Marc Friedrich ist auch die zentral wichtige Rolle der EZB. Sie arbeite derzeit am digitalen Euro. Die EZB wisse, dass eine Hyperinflation (hier die Begriffserklärung) drohe. Sie wisse auch, dass die Leute aus dem Geld fliehen würden, wenn sie das Vertrauen darin verlieren. Mit einem digitalen Euro hätte die EZB Kontrolle über das gesamte Konsumverhalten der Menschen, und könnte zum Beispiel bestimmen, wie viel Geld die Bürger maximal in einem bestimmten Zeitraum ausgeben dürfen. Die Rolle der EZB insgesamt sehen die beiden grundsätzlich mehr als kritisch.

Der große Knall

Markus Krall macht wenig bis gar keine Hoffnung auf eine Rettung unseres jetzigen bestehenden Geldsystems. Der große Crash werde kommen. Je länger EZB und Politik die Probleme hinauszögern würden, desto schlimmer werde der unausweichliche große Knall sein. Immer mehr gesunde Firmen würden sich derzeit anstecken, weil sie als Lieferant zum Beispiel unwissentlich Forderungen gegenüber Zombieunternehmen aufbauen würden, die Forderungen nicht begleichen können. Auch wenn man die Aussicht der beiden auf eine Hyperinflation und einen großen Systemkollaps nicht zwingend teilen muss, so sind ihre Ausführungen und die Zustandsbeschreibungen der aktuellen Lage doch hochinteressant!

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