Folgen Sie uns

Allgemein

Bald billiger tanken? Saudis attackieren Russland auf Europas Ölmarkt

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Für deutsche Autofahrer zeichnet sich eine Entwicklung ab, die bald zu günstigeren Preisen an den Zapfsäulen führen könnte: Saudi-Arabien attackiert Russlands Stellung am europäischen Ölmarkt durch Dumping-Preise. So haben zuletzt Ölmultis wie Shell und Total verstärkt Öl aus Saudi-Arabien eingekauft – schlichtweg deshalb, weil es günstiger ist als russisches Öl, nachdem die Saudis eine Art Europa-Offensive gestartet haben.

König Salaman
2012: Damals noch Prinz Salman mit US-Verteidigungsminister Leon Panetta
Foto: Wikipedia / Erin A. Kirk-Cuomo (CC BY 2.0)

Einer der Gründe für die Offensive der Scheichs: man erwartet, dass bald der Iran wieder auf den Markt kommen wird, der bis 2012 zwischen 5% und 10% Marktanteil hatte auf dem europäischen Ölmarkt. Bevor also mit Aufhebung der Sanktionen der Iran wieder verstärkt nach Europa liefern wird, will Saudi-Arabien Fakten schaffen – und sich einen beherrschenden Marktanteil sichern. Erster Angriffspunkt ist zunächst Mittelosteuropa. Das Kalkül der Saudis: die ehemaligen Satellitenstaaten der Sowjetunion wollen sich energiepolitisch unabhängiger von Russland machen. Und so entsteht eine win-win-Situation: die Saudis liefern billigeres Öl, die Staaten Ostmitteleuropas werden weniger abhängig von Russland, dem man grundsätzlich mißtraut.

Seit Beginn der Woche ist dieser Angriff auf die russische Position auf Europas Ölmarkt gewissermaßen offiziell: Igor Sechin, Chef von Russlands größter Ölfirma Rosneft konstatierte am Dienstag, dass die Saudis Polen mit Öl zu Dumping-Preisen lockten. Gestern dann die Aussage des russischen Energieministers Alexander Novak, der die Offensive Saudi-Arabiens auf Europas Ölmarkt als „größte Herausforderung“ bezeichnete.

Nun entsteht eine hochinteressante Situation: vor allem durch die westlichen Sanktionen hatte Russland versucht, seinen Anteil für Öllieferungen nach Asien stark zu erhöhen – und damit den dortigen Platzhirschen Saudi-Arabien provoziert. Mit der Abkühlung Chinas und der Schwellenländer aber ist diese Strategie für Russland problematischer geworden, und auch die Saudis suchen nach Alternativen – die sie jetzt zunächst in Ostmitteleuropa finden und damit direkt Russland in seinem „Vorhof“ attackieren. Wenn die Saudis dann in Ostmitteleuropa Fuß gefasst haben, könnte man vom Hafen Danzig auch auf den deutschen Markt kommen, so das Kalkül hinter der Offensive der Saudis.

Angesichts dieser neuen Situation werden auch die Gespräche zwischen der von den Saudis geführten OPEC und Russland zur Vermeidung von Dumping-Preisen erheblich erschwert, zumal schon mit dem Eingreifen Russlands in Syrien sich beide Seiten in indirekter Konfrontationsstellung befinden: die Saudis promoten die Rebellen, die Russen stützen die Assad-Regierung.

Damit stehen die Vorzeichen für Preisabsprachen zwischen der OPEC und Russland denkbar schlecht – womit eine zentrale Hoffnung der Öl-Bullen hinfällig würde. Und wenn die Saudis dann über Mittelosteuropa den nächsten Schritt gehen und auf den deutschen Markt drängen, dürfte sich das auch an den Zapfsäulen hierzulande stark bemerkbar machen..

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    Daniel

    15. Oktober 2015 13:01 at 13:01

    Die Oelmultis geben den niedrigen Oelpreis nicht vollumfaenglich an die Konsumenten weiter, sondern stopfen mit den Gewinnen die Locher, die der niedrige Oelpreis in ihre Bilanzen brennen. Waeren die Saudis etwas schlauer, dann wuerden sie ihr eigenes Oel an den Zapfsauelen weltweit verkaufen.

  2. Avatar

    bigben

    15. Oktober 2015 13:41 at 13:41

    wer wohl die saudis in solchen geostrategischen entscheidungen berät ???

    da provoziert nicht etwa der saudi den russen, sondern … ;)

  3. Avatar

    Chris

    15. Oktober 2015 13:59 at 13:59

    Über längere Zeit hatte auch ich Angst vorm Peak-Oil!Was sollte bloss werden aus unserer Volkswirtschaft ohne Öl?Chaos,Bürgerkrieg,leere Autobahnen usw.!Jetzt ist eher Trough-Oil angesagt,will heissen,viel zu viel Öl um es überlebensfähig zu verbrennen!So ändern sich innerhalb kürzester Spanne die Zeiten. Eine Tusse,die da ständig von „alternativlos“&anderem bullshit labert ist da eher fehl am Platz!

  4. Avatar

    enkidu gilgamesh

    15. Oktober 2015 16:31 at 16:31

    Egal was die Saudis machen, um Russland oder Iran zu schaden, sie rennen in Jeder hinsicht ihrem Untergang entgegen. Dieses hektische Verhalten der Saudis ist ein Ausdruck ihrer Schwäche!

    Mehr hier:

    Krieg um Wasser & Energie, #SRM in der Troposphäre für mehr Öl & Gas.
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/07/war-on-water-krieg-um-wasser.html

    Das Rückgrat des Monsters brechen! Danke #Russland! Maschine der Teufel!
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/09/breaking-backbone-das-ruckgrat-brechen.html
    #COP21 #Geoengineering #SRM #HAARP

    Flugzeugpassagiere werden aufgefordert, die Fensterblenden zu schließen, während Chetrails gesprüht werden.
    https://www.youtube.com/watch?v=f2G6TB2LyEs

    Eine unheimliche Koalition! Die Einheit der Feinde! Domino Effekt!
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/08/weird-coalition-unheimliche-koalition.html

    Wacht auf, schaut auf und lernt über Geoengineering & Climate-Engineering!
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2014/09/dieser-blog-soll-das-teilen-von.html

    Öffne Deinen Geist und Augen, das Gegenteil der Lügen ist wahr über #CO2 !
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/06/open-your-eyes-mind-connect-dots-see.html
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/07/gegenteil-der-luge-opposite-of-lie.html
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/07/legalizing-illegal-crime.html

    HIMMELSRAUB, WASSERRAUB, LANDRAUB, WÜSTENLANDWIRTSCHAFT, WÜSTENFRACKING
    http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/02/skygrabbing-watergrabbing-landgrabbing.html
    https://flic.kr/y/XTQ3Lc

  5. Avatar

    argus

    15. Oktober 2015 16:36 at 16:36

    Diese Saudis—–Wahhabiten, Teufelsanbeter.
    Die „Königsfamilie“ lebt in Saus und Braus, während das Volk leidet.
    Ein diktatorisches Regime, dem das Wort Menschenrechte fremd ist.
    Ich möchte kein Öl von denen, viel lieber möchte ich Öl aus Russland.

  6. Avatar

    Feldhase

    15. Oktober 2015 17:33 at 17:33

    Die können vielleicht ja die Ukraine beliefern, die freuen sich auch über billiges Öl, was sie dann vieleicht ja nicht bezahlen müssen, und für das Geld, was sie für das Öl von uns kriegen, können sie wieder Waffen kaufen zum „Kriegen“

  7. Avatar

    Kannichdasglauben

    15. Oktober 2015 17:50 at 17:50

    Tja, dann liefern die Russen vielleicht mal ein paar Luftabwehrraketen aun die Houthis im Jemen.
    Das dürfte den Ölpreis wieder heben.
    Die machen halt nur keine so dreckige Politik, hoffe ich.

  8. Avatar

    Mario

    15. Oktober 2015 18:08 at 18:08

    Als Selbsständiger Unternehmer im Transportbereich freut mich der günstige Preis an der Zapfsäule schon, gleichzeitig erwarte ich das der Staat die Mineralölsteuer langfristig anhebt. Der Preis ist ja dann immer noch günstig, aber nicht mehr lange. Polen, Czechen, Ungarn, Rumänen usw. fahren eh schon zu Dumpingpreisen und sch….en auf die Deutsche Steuer.

  9. Avatar

    zrt

    15. Oktober 2015 18:59 at 18:59

    Saudis mögen sich das vielleicht wünschen, aber es wird nicht fliegen, aus mehreren offensichtlichen Gründen.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

weiterlesen

Allgemein

Coronavirus: Die Impfung und die praktischen Folgen

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Deutschland rüstet sich für die ersten Impfungen gegen das Coronavirus. Impfzentren werden bereits für Mitte Dezember vorbereitet, obwohl noch gar kein Vakzin zugelassen ist. Die Politik macht Druck.

Mindestens 96 Corona-Impfzentren sollen allein in Bayern bis Mitte Dezember einsatzbereit sein. In jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt im Freistaat ist mindestens ein Impfzentrum geplant, so ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag.

Aber was passiert nach erfolgreicher Impfung? Wie wird man mit den verschiedenen Gruppen im praktischen Leben umgehen? Darüber wird man bald diskutieren.

Coronavirus: Immunisiert oder nicht

Im Prinzip müsste es im neuen Jahr vier verschiedene Gruppen innerhalb der Bevölkerung geben: Menschen, die bereits eine Infektion mit dem Coronavirus überstanden haben. Und dann die, die  registriert sind: eine diffuse Gruppe mit Bürgern, die selbst nicht genau wissen, ob sie vielleicht nicht schon infiziert waren, die große Gruppe derer, die sich noch vor der Infektion geschützt haben – und schließlich die Geimpften. Wie verfährt man in Zukunft mit den Menschen, die die Infektionskrankheit überwunden haben und die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit immun sind gegen die Krankheit und auch als Spreader des Coronavirus für die Mitmenschen wegfallen? Gibt es nach erfolgreicher Impfung so etwas wie einen Impfpass?

Der Impfpass, jetzt eine zweifelhafte Angelegenheit?

In Kürze, wenn die Zulassung des Impfstoffes vollzogen ist, wird es rasch zwei Gruppen von Bürgern geben, die annehmen können, die Krankheit bezwungen zu haben – die vormals Infizierten und die Geimpften. Nach dem Stand der Wissenschaft gilt eine rasche Wiederinfektion mit dem Coronavirus als unwahrscheinlich. Bei Abermillionen von Infektionen müsste dies schon aufgefallen sein. Die Zahl der Infizierten in Deutschland nähert sich der Ein-Millionen-Grenze (Ende dieser Woche?), die Dunkelziffer dürfte in Deutschland bei Faktor 3 bis 5, liegen, so die Annahme einiger Wissenschaftler aufgrund der Antikörpertests.

Jedenfalls wird die Zahl der „Immunen“ bald im Millionenbereich liegen. Während man den ehemals Infizierten nach langen Diskussionen keinen Immunitätsausweis zusicherte, so wird nach einer Impfung gegen Covid-19 sicherlich eine Impfbescheiningung ausgestellt werden, wie beim Impfpass nach jeder Standardimpfung.

Was wird passieren, wenn sich geimpfte Menschen sagen, „so jetzt bin ich geschützt, warum weiter eine Maske tragen?“ Nur eine von vielen praktischen Fragen.

Aber da beginnt bereits das Dilemma. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht eine „Impf- und Immunitätsdokumentation“ vor. Was wird diese für Folgen haben? Eine Wiedergewährung von Mobilitäts- und Freiheitsrechten? Der Ethikrat ist bereits bei der Beratung der Problembereiche.

Wo könnte der Impfpass Anwendung finden?

Trotz aller ethischen Bedenken, werden Impfungen bei Reisen in fremde Länder empfohlen oder sind sogar Verpflichtung (z.B. gegen Gelbfieber in bestimmten afrikanischen Ländern). Wie werden asiatische Länder auf die Impfung reagieren, Staaten wie Taiwan, Vietnam, Thailand, Südkorea, Australien, Neuseeland, die die Infektion bisher erfolgreich eindämmen konnten? Könnte ein Impfausweis nicht Voraussetzung werden, dass man nach der Einreise von Menschen aus Risikogebieten keine 14-tägige Quarantäne absolvieren muss?

Gibt es aktuell vor einer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff nicht bereits die Verpflichtung zu einem Corona-Schnelltest, in dieselbe Richtung laufen Bestrebungen im Luftverkehr?

Und was ist eigentlich mit den vielen Unternehmen aus den Corona-geschädigten Branchen, sei es der Kulturbereich, bei Messen, oder jeglichen Veranstaltungen (Fußball) mit größerem Publikumsverkehr? Werden diese sich für das ethisch etwas zweifelhafte Instrument Impfbescheinigung einsetzen, weil es ihnen sofort Luft zum Atmen bringen würde? Oder wird dies der Staat abwiegeln und versuchen, die Branchen mit immer weiteren Notgeldern über Wasser halten? Eines ist doch schon heute absehbar: Bei einer Bevölkerungszahl von 83 Millionen Menschen, abzüglich der bereits Betroffenen und den Impfverweigerern wird es lange dauern, bis all die Freiwilligen oder auch Zwangsläufigen (Pflegepersonal?) im großen Umfang gegen das Coronavirus geimpft sind.

Fazit

Sicher ist es noch etwas früh, sich über die praktischen Folgen einer Impfung Gedanken zu machen. Allerdings werden Regelungen kommen, ja vermutlich sogar gefordert werden. Schließlich steht manchem Unternehmer das Wasser bis zum Hals und man sehnt sich nach Kunden, nach Menschen, die kein Risiko in Sachen Coronavirus darstellen, für sich und für andere. Wann werden die Diskussionen über die neue Sachlage starten?

Was werden die praktischen Auswirkungen der Impfungen gegen das Coronavirus sein?

weiterlesen

Allgemein

Was den schwachen Goldpreis aktuell bewegt

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Ein Barren aus Gold

Der Goldpreis ist die letzten Tage ohne Stärke unterwegs. Eigentlich ist das merkwürdig, denn der US-Dollar schwächelt seit Tagen, und müsste Gold (das in Dollar gehandelt wird) daher doch eigentlich Auftrieb geben. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen) hat binnen einer Woche von 92,80 auf 92,18 Indexpunkte verloren.

Corona-Impfstoffe dämpfen Aufwärtstrieb im Goldpreis

Mit aktuell 1.865 Dollar sieht man, dass die seit Donnerstag letzter Woche kurz aufgeflackerte Erholung mit Anlauf Richtung 1.900 Dollar wieder verpufft ist. Eindeutig ist zu sehen, dass die Anleger, die über das Vehikel der ETF (Exchange Traded Funds, hier die Begriffserklärung) in Gold investieren, letzte Woche auf der Verkäuferseite waren mit gut 30 Tonnen. Der folgende aktuelle Chart der Commerzbank zeigt seit Jahresanfang in gelb den Goldpreis-Verlauf, und in schwarz die Gold-ETF-Bestände. Die Nachfrage schlafft derzeit ab.

Chart zeigt ETF-Bestände in Gold im Vergleich zum Goldpreis

Die letzte wie auch die vorletzte Woche waren die Kapitalmärkte gefangen im Fieber der Corona-Impfstoff-Hoffnung. Nach Biontech und Pfizer kam letzte Woche Moderna mit einem fertigen Impfstoff, und heute früh dann auch noch AstraZeneca. Daher laufen die Aktienmärkte auch heute zum Wochenstart erfreulich nach oben. Alles was die Märkte positiv stimmt für eine Erholung der Weltwirtschaft, schwächt tendenziell den „Sicheren Hafen“ namens Gold. Im Chart sehen wir den Goldpreis im Verlauf der letzten 30 Tage. Der große Absturz in der Mitte des Charts rührt her von der ersten Impfstoff-Meldung gegen das Coronavirus vom 9. November von Biontech und Pfizer.

Laut heutiger Aussage des Commerzbank-Analysten Carsten Fritsch dürfte der aktuelle Optimismus hinsichtlich der Impfstoffe dagegen sprechen, dass es schon in Kürze zu einem neuerlichen Run auf die Gold-ETFs kommt. Entsprechend gedämpft sei der kurzfristige Ausblick für den Goldpreis. Die spekulativen Finanzanleger seien seiner Meinung nach durch den Preisrutsch Mitte letzter Woche offensichtlich auf dem falschen Fuß erwischt worden. Denn sie weiteten ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 17. November auf gut 90.000 Kontrakte aus, nachdem sie diese in der Woche zuvor reduziert hatten. Entsprechend dürfte der Preisrückgang auf rund 1.850 Dollar letzten Mittwoch seiner Meinung nach auch durch spekulative Verkäufe begünstigt worden sein.

Mittel- und langfristig bergauf?

Bleibt es bei dem Szenario, welches wir letzte Woche schon erwähnten? Kurzfristig bleibt der Goldpreis trotz schwachem US-Dollar und dank der Corona-Impfstoff-Hoffnungen schwach? Aber mittel- und langfristig sieht man wieder Kurse über 1.900 Dollar und auch Richtung 2.000 Dollar? Das ist die Frage. Denn im großen Bild, da ist die Meinung der Notenbanker ja relativ eindeutig, wie man die letzten Tage und Wochen auch bei der EZB heraushören konnte. Die Geldpolitik (Anleihekäufe und Zinsen) wird noch sehr lange Zeit extrem locker bleiben, um die wirtschaftliche Erholung der Volkswirtschaften zu unterstützen. Also weiterhin Optimismus im größeren Bild für einen steigenden Goldpreis? Dieses Szenario bleibt vorhanden.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in den letzten 30 Tagen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage