Folgen Sie uns
  • Beste App für den Handel, capital.com
  • marketsx
  • Täglich Handelssignale für den DAX

Märkte

Baltic Dry Index: Symbol für De-Globalisierung oder Chinaproblematik?

Der Baltic Dry-Index, veröffentlicht von der „uralten“ Baltic Exchange in London, bildet die Preise auf den 25 meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt ab

Avatar

Veröffentlicht

am

Viele werden von diesem Baltic Dry Index noch gar nichts gehört haben, im Dschungel der zahllosen Wirtschaftsindikatoren. Dabei spielt er doch eine gewaltige Rolle für die Beurteilung des Zustandes der Weltwirtschaft: Schließlich werden 90 Prozent der Güter auf den Schifffahrtsrouten transportiert. Und dieser Baltic Dry Index ist gerade auf den niedrigsten Stand seit 2016 gefallen. Wird die Globalisierung tatsächlich in einem solchen Ausmaß zurückentwickelt – oder gibt es dafür andere Gründe?

Baltic Dry Index – der tiefe Fall der Frachtraten

Der Baltic Dry-Index, veröffentlicht von der bereits „uralten“ Baltic Exchange in London, jeweils am frühen Nachmittag, bildet die Preise auf den 25 meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt ab. Für Trockenschuttgüter wie Kohle, Eisenerz und Getreide – somit gilt er als Frühindikator für die Weltwirtschaft. Und dieser Index befindet sich seit September 2019 im freien Fall, von 2500 Punkten auf zuletzt 411 Punkte, ein Minus von 80 Prozent.

Aber nicht nur der Baltic Dry Index zeigt eine derart dramatische Abwärtsbewegung auf, auch der Baltic Exchange Capesize Index befindet sich in einer scharfen Abwärtsbewegung. Die Frachtraten für extragroße Schiffe, die zu groß für den Sues- oder Panamakanal sind, ist ins Minus gerutscht und befindet sich auf einem Allzeittief.

Stellt sich aber zunächst die Frage, warum sich der Baltic Dry-Index im Jahr 2019 vorher fast verfünffacht hat in nur acht Monaten? So gut ist die Konjunktur weltweit nun wirklich nicht gelaufen. Hat China vielleicht angesichts des ständig eskalierenden Zollstreits mit den USA Vorräte angeschafft, um US-Blockaden und höheren Abgaben zuvorzukommen?

Dass der Index anschließend nach einem so starken Anstieg korrigieren musste, war klar. Dann kam der „Schwarze Schwan“ für den Industriesektor in Form des Coronavirus.

Wenn die chinesische Wirtschaft faktisch stillsteht, viele Fabriken geschlossen sind und man noch nicht einmal weiß, wann sie die Produktion wieder im normalen Maße aufnimmt, ja dann muss die Nachfrage Chinas unweigerlich einbrechen.

Chinas Sonderrolle für den Baltic Dry Index

Nicht nur für die Frachtraten ist ein Stillstand Chinas eine Katastrophe, auch für die Rohstoffmärkte sind dies Hiobsbotschaften, denn China ist der wichtigste Abnehmer: Dem Analysehaus BCA Research zufolge entfallen knapp 14 Prozent des weltweiten Ölkonsums auf das Reich der Mitte. Dann die weiteren Superlative: Die chinesische Volkswirtschaft steht fast für die Hälfte des Konsums von Stahl, 53 Prozent für den Verbrauch von Kupfer sowie für 64 Prozent der globalen Eisenerzimporte.

Klar: wenn dann dieser riesige Abnehmer die Nachfrage auf nahe Null herunterfährt, bei vollen Lagern – dann muss es einen Kollaps der Frachtpreise geben. Das Ganze bezieht sich natürlich nicht nur auf die Rohmateralien, auch Zwischen- und Fertigprodukte dürften einen großen Knick in der Nachfrage erleben. Hier kommt wieder Donald Trump ins Spiel. Mit seiner ständigen Taktiererei um Zölle und schwarze Listen hatte er 2019 sicherlich nicht nur die weltweiten Firmen verunsichert, sondern auch verursacht, dass man vor der nächsten Zollkeule noch ein bisschen auf Vorrat bestellt hat – per Schiff.

Donald Trumps Protektionismus hat damit schon etwas Sand ins Getriebe der Globalisierung gestreut. Und dann kam 2019-nCoV.

Fazit

Nur auf den Baltic Dry Index zu starren, um den kompletten Absturz der Weltwirtschaft zu prognostizieren, wäre ein bisschen zu einfach.

Dennoch: Überall haben sich Divergenzen aufgebaut. Im Verhältnis Aktienmarktentwicklung zu den Unternehmensergebnissen und seit fünf Monaten zeigt auch der Index für die weltweiten Frachtraten einen Absturz im Welthandel an. Was in der letzten Phase der Preisentwicklung aufgrund des Produktionsstopps infolge des Coronavirus in China absolut nachvollziehbar ist.

Chinas unvorstellbarer Hunger nach Rohstoffen bringt die Erklärung.

Wobei wir damit wieder bei der zentralsten aller globalen Wirtschaftsfragen wären: Kann das Virus in den nächsten Wochen eingedämmt und die Produktion wieder aufgenommen werden? Wenn nicht, wird es zu einem Absturz der Wirtschaft kommen: China ist zu bedeutend, noch ein paar Monate Quarantänemaßnahmen und wir hätten die Rezession.

Dies wäre das „worst-case-Szenario“, von dem die Aktienmärkte aber nicht ausgehen. Womit wir auch die Erklärung für den Absturz der Rohstoffmärkte haben: Angebot und Nachfrage!

Bevor es aber zu substanziellen Steigerungen der wirtschaftlichen Aktivitäten kommt, sollte es der Baltic Dry Index anzeigen. Schließlich benötigt man zur Produktion Grundmaterialien – und die werden nunmal vorwiegend auf dem Schiffweg transportiert.

Der Baltic Dry Index ist im freien Fall

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Ranzentier

    12. Februar 2020 17:44 at 17:44

    …der Coronavirus ist nur für uns Laien der schwarze Schwan…die Menschen die auf dieser Welt etwas zu sagen haben, wussten vorher das das kommt…alles wurde auf Vorrat angeschafft…jetzt wird geschaut wer wirtschaftlich zuerst wackelt…China oder USA…sie können sich sicher sein, dass China seine Bevölkerung eingeschworen hat auf einen langen Kampf und der zählt auch Opfer in den eigenen Reihen…und sie können sich sicher sein, dass auch in den USA alle Schulter an Schulter stehen, auch wenn das Kammerspiel von Trum vs. Powell und Republikanern vs. Demokraten manchmal anders ausschaut…außerdem hat China durch den Virus einen veritablen Grund den Zollvertrag nicht erfüllen zu müssen und wer weiß, was in den Verträgen chinesischer Produzenten steht bzgl. von Produktionsausfällen bei „Naturkatastrophen“…und woher wollen wir alle wissen, ob die letzten drei Jahre Trump nicht schon lange vorher geplant wurden und es deutliche Verlagerungen von Produktionsstandorten gab bzw. weitere Kapazitäten in anderen Ländern aufgebaut wurden…meiner Ansicht nach ist das Ganze der weitere Kampf USA gegen China, bloß auf einer anderen Ebene…

  2. Avatar

    Jan

    12. Februar 2020 22:59 at 22:59

    Wenn der Baltic Index schon 5 Monate nachlässt, gibt es offensichtlich andere Gründe als Corona.
    Corona wird wohl stark beschleunigen aber auch irgendwann wieder vorbei sein. Sind die andere Gründe dann auch weg?
    Das ist doch die Frage.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Indizes

ETF: Wie funktionieren sie – und sind sie auch in der Krise ungefährlich?

Sind ETFs auch in einer Krise geeignet? Über die Funktion eines ETF – und was in der Corona-Krise passierte

Avatar

Veröffentlicht

am

ETF war das Zauberwort unter den Anlageprodukten: während Vermögensverwalter stetig Rückgänge bei den Zuflüssen an Kundengeldern verkraften mußten, traten die ETFs einen jahrelangen Siegeszug an. Wird das so bleiben? Ist ein ETF für jedermann geeignet? Und ist es vor allem auch ein „Krisen-sicheres“ Instrument? Hier ein kurzer Überblick über die relevanten Fakten!

Was ist ein ETF?

Der Begriff ETF stammt aus dem englischen und bedeutet „Exchange Traded Fund“. Vereinfacht gesagt, handelt es sich dabei um einen börsengehandelten Indexfonds der die Weiterentwicklung eines Portfolios aus Wertpapieren darstellt. ETFs sind also Fonds, die wie Aktien über die Börse gehandelt werden. Ein ETF kann unterschiedlichste Arten eines Index abbilden, z.B. einen bestehenden Index wie den DAX, aber auch eine Zusammenstellung einer Branche.

Die Anteile daran werden dann an der Börse gehandelt, genauso wie die Aktien eines einzelnen Unternehmens. Für die meisten Investoren ist es schwierig alle Aktien aus einem Index zu kaufen oder zu verkaufen, zudem würde es einen hohen Kapitaleinsatz erfordern. Es ist daher für viele Investoren viel einfacher und günstiger, einen ETF zu handeln, der eine definierte Auswahl an Aktien oder Anleihen enthält.

Der Kurs bestimmt sich wie bei einer Aktie durch den Markt, also durch Angebot und Nachfrage. Weil ein ETF nichts anderes als ein Paket aus Wertpapieren ist, entspricht der Kurs in der Regel dem Gesamtwert der zugrundeliegenden Aktien. Der wohl bekannteste ETF ist der MSCI World, es handelt sich um einen internationalen Aktienindex bestehend aus über 1600 Unternehmen weltweit. Eine große Anzahl an Anlegern nutzen diese Anlageform auch als Sparplan, es werden z.B. monatliche Sparbeträge eingezahlt, um über einen längeren Zeitraum durch den Zinseszins zu profitieren.

Wie entsteht ein ETF?

ETF-Anteile werden durch autorisierte Marktteilnehmer, auch Market Maker genannt, kreiert. Diese arbeiten mit bekannten Anbietern wie z.B. der DWS (Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen) zusammen, die Fondsparte der Deutschen Bank. Professionelle Finanzinstitutionen wickeln die Ausgabe und Rückgabe von ETF-Anteilen gemeinsam im Hintergrund ab. Das Ergebnis ist eine einfache und reibungslose Investmentform. Genau das macht es für Anleger auch so leicht, ein ETF wie eine Aktie an der Börse zu handeln.

ETF: Welche Unterschiede gibt es?

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von ETFs: Zunächst gibt es die physisch replizierenden Fonds. Wie das Wort physisch schon aussagt, handelt es sich hierbei um eine 100-prozentige Nachbildung eines Aktienindex wie z.B. dem DAX oder Dow Jones. Diese bestehen konstant aus 30 Unternehmen, dadurch kann eine sogenannte Vollreplikation angewendet werden. Jedes Unternehmen im DAX hat eine bestimmte Gewichtung, die von der Marktkapitalisierung abhängig ist. In einem physischen ETF-Index werden die Aktien gemäß ihrer Gewichtung gekauft. Das ist für Indizes möglich, die sich nur aus einer übersichtlichen Zahl liquider Aktien zusammensetzen. Ist der Index allerdings sehr groß – wie der MSCI World mit mehr als 1.600 verschiedenen Unternehmen – dann werden nur bestimmte Unternehmensanteile gekauft. Man spricht hierbei von der Teilreplikation.

Bei der synthetisch replizierenden Methode werden nicht die physischen Werte eines Index zugrunde gelegt, sondern es erfolgt eine Nachbildung über Derivate, zu Ihnen zählen Optionen, Termingeschäfte und Tauschgeschäfte (englisch: “Swaps”). Dabei schließt der Fonds einen Vertrag mit einem Swap-Partner ab, wie Finanzinstitute und Investmentbanken, die sich dazu verpflichten, im Tausch gegen eine Gebühr die Indexrendite zu „liefern“. Ein synthetisches ETF ist in erster Linie dafür geeignet, kostengünstig in Nischenmärkte oder Anlageklassen wie Rohstoffe zu investieren, die sonst für die meisten Investoren nur schwer zugänglich sind.

Was ist das Ziel und für wen eignen sich?

Das Ziel eines ETF ist es, genau die Rendite zu erzielen, die der entsprechende Index erzielt. Ein ETF versucht damit gerade nicht, durch gezielte Auswahl einzelner Aktien klüger und besser zu sein als die breite Masse der Investoren. Auf diese Weise können Sie einfach und günstig am Marktgeschehen teilhaben, Sie folgen einfach der Mehrheit. Die Zusammensetzung eines ETF-Index wird mehrmals jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. Sie müssen sich also um nichts kümmern und können sich getrost zurücklehnen und sich im Erfolgsfall über ihre stetige Rendite freuen. Diese Anlageform eignet sich nicht nur für Profis, sondern insbesondere auch für Privatanleger, die ihr Portfolio nicht aktiv managen möchten und ihr Risiko über eine breite Auswahl an Aktien oder Anleihen streuen wollen.

Kritik an ETF

Im Wesentlichen gibt es zwei Kritikpunkte an ETFs: erstens führe ihr „Siegszug“ zu einer Monopolisierung der Märkte: Aktien wie Apple würden immer Markt-schwerer und daher in unzähligen ETFs immer stärker gewichtet. Dazu komme, dass immer mehr Indizes geschaffen werden (es gibt inzwischen mehr Indizes als Aktien), damit dann auf einen neu geschaffenen Index ein Index-ETF aufgelegt werden kann.

Die Folge: es gibt immer mehr ETFs, die auf eine vorhandene Liquidität der Marktteilnehmer trifft – insofern gaukelten die ETFs eine Liquidität vor, die faktisch gar nicht gegeben sei. Komme es zu crashartigen Situationen an den Märkten, könne der Siegeszug dieses Anlagevehikels  die Dynamik noch verstärken, so die Kritiker. Bei dem jüngsten heftigen Abverkauf im Gefolge der Corona-Krise kam es bislang vor allem in illiquiden Sektoren zu Problemen, etwa bei Junk Bonds – hier gab es deutliche Abweichungen zwischen dem Fondspreis und dem Preis der im Fonds enthaltenen Wertpapiere. Bei einem „großen“ ETF wie etwa dem SPY, der den Leitindex S&P 500 abbildet, kam es dagegen nicht zu derartigen Problemen.

Wie gut ist ein ETF auch in schwierigen Marktlagen geeignet?

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Katastrophen-Zahlen – warum (noch) kein Abverkauf? Marktgeflüster (Video)

Avatar

Veröffentlicht

am

Heute absolut katastrophale Arbeitsmarktdaten aus den USA und regelrechte Abstürze auch bei europäischen Konjunkturdaten – warum aber halten sich die Aktienmärkte angesichts solcher Horro-Meldungen noch recht passabel? Ist das alles wirklich schon eingepreist? Blicken die Aktienmärkte schon „hinter die Kurve“ und erwarten eine Besserung der Lage? Das Gegenteil ist der Fall: erst bei den anstehenden Daten, die den März volll erfassen, wird die ganze Dimension der Coronavirus-Krise sichtbar werden. So liegen die ersten Prognosen für die US-Arbeitsmarktdaten bei 20 Millionen (!) verlorenen Jobs. Aber neben der Erholung beim Ölpreis gibt es einen Grund, warum sich der Abverkauf de Aktienmärkte (noch) in Grenzen hält..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

weiterlesen

Indizes

Rüdiger Born: Dax, Dow, Öl und Gold zum Wochenschluss

Avatar

Veröffentlicht

am

Der Schub nach oben in den Indizes ist verloren gegangen. Die US-Arbeitsmarktdaten haben Dax und Dow wenig beeindruckt. Im Öl wird die Trendrichtung nach der Korrektur nach oben fortgesetzt. Wollen Sie abgesehen von meinen täglichen Analysen im Trade des Tages noch viel mehr und vor allem aktuellere Trading-News von mir erhalten, auch aufs Handy? Nutzen Sie dazu gerne meinen neuen Service „Trade to Go“ (einfach hier anmelden). Auch dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei!

weiterlesen

Werbung

Bitte abonnieren Sie unseren Newsletter.


Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage

ico Capital.com
Capital.com CFD Trading App
Kostenfrei