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Notenbank als Ersatz für Regierungshilfen? Bank of England rettet nach Pensionskassen jetzt Energiemarkt

Bank of England rettet nach den Pensionskassen jetzt auch den britischen Energiemarkt mit bis zu 40 Milliarden Pfund Liquidität.

In der City of London sitzt auch die Bank of England

Nachdem die Bank of England vom 28. September bis zum 14. Oktober mit massiven Anleihekäufen die Kurse gestützt, und damit britische Pensionskassen vor einem Kollaps bewahrt hatte, versucht man nun offenbar den britischen Energiemarkt zu retten. Wird die Notenbank damit nicht eher zu einem inoffiziellen Wirtschaftsministerium, nur viel schneller, schlagkräftiger und jenseits von politischer Kontrolle?  Gut, in diesem Fall ist es eine Kooperation zwischen Notenbank und Finanzministerium.

Europa ist im Griff der Energiekrise. Und wo man in Deutschland zum Beispiel Gaskonzerne wie Uniper verstaatlicht hat, da flutet die Bank of England den britischen Energiemarkt jetzt mit bis zu 40 Milliarden Pfund an Liquidität. Wie die Notenbank vor wenigen Minuten mitteilte, will man gemeinsam mit dem britischen Finanzministerium die Energiemärkte in Großbritannien finanzieren. Eine gemeinsame Aktion von Regierung und Notenbank – in dieser Form in der Eurozone wohl undenkbar, weil man tunlichst darauf achtet, dass die EZB als eigenständige Institution weit entfernt von Regierungen operiert.

Energieunternehmen und ihre kommerziellen Kreditgeber in Großbritannien können laut heutiger Meldung ihre Teilnahme am „Energy Markets Financing Scheme“ (EMFS) beantragen, das von der Bank of England und dem britischen Finanzministerium bereits am 8. September 2022 angekündigt wurde. Im Vorfeld und nach dem Einmarsch in der Ukraine war eine beispiellose Preisvolatilität auf den Energiegroßhandelsmärkten zu beobachten. Dies kann laut der Bank of England dazu führen, dass Energieunternehmen mit guter Bonität einen hohen Liquiditätsbedarf haben, der sich aus der Einforderung von Anfangs- und Nachschusszahlungen ergibt, die sich aus ihren Absicherungsgeschäften ergeben, die sie zur umsichtigen Steuerung der Energiepreisrisiken vornehmen. Daher wollen BOE und Regierung den „außerordentlichen Liquiditätsbedarf“ von Energieunternehmen decken, die auf den britischen Gas- und/oder Strommärkten tätig sind.

Das Energy Markets Financing Scheme (EMFS oder Scheme) ist ab heute für Anträge offen. Es wird die Bereitstellung kurzfristiger finanzieller Unterstützung für Energieunternehmen guter Bonität ermöglichen, um den Bedarf an Sicherheiten zu decken, der sich aus Absicherungsgeschäften auf außerbörslichen (OTC) und börsengehandelten Märkten ergibt, und wenn der Zweck darin besteht, das Risiko oder die Kosten vertraglicher Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Kauf oder Verkauf von Strom oder Gas zu verringern, die für die endgültige Versorgung des britischen Inlandsmarkts bestimmt sind.

Diese Finanzierung wird laut Bank of England dazu beitragen, das Risiko zu vermeiden, dass die derzeitigen außergewöhnlichen Umstände dazu führen, dass die Unternehmen nicht in der Lage sind, Nachschussforderungen nachzukommen. Auf diese Weise wird das Programm das Vertrauen in den Markt stärken und die Liquidität erhöhen, da die Energieversorgungsunternehmen weiterhin Hedging-Aktivitäten durchführen können.

Andrew Bailey, Chef der Bank of England, sagt dazu aktuell: „Die Volatilität der Energiemärkte, die wir in den letzten Monaten aufgrund des russischen Einmarsches in der Ukraine erlebt haben, hat dazu geführt, dass eine Reihe von Energieunternehmen mit einem außerordentlichen Liquiditätsbedarf konfrontiert ist. Diese Regelung wird kurzfristige finanzielle Unterstützung für diese Unternehmen bereitstellen, damit sie diese Zeit überstehen können, und gleichzeitig die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Energiemärkte in Großbritannien unterstützen.

Ab heute wird die Bank of England die ersten Anträge auf ihre Förderungswürdigkeit prüfen. Das britische Finanzministerium wird dann die Kreditrisiken und – Limits eingehend prüfen, bevor es die endgültige Genehmigung erteilt. Die Notenbank wird dann eine 100%ige Bürgschaft für die bestehende Geschäftsbank des Energieunternehmens oder für Banken, die sie für zusätzliche Kredite in Anspruch nehmen, stellen. Während der Inanspruchnahme der Regelung müssen die Energieunternehmen eine Reihe von Bedingungen erfüllen, z. B. Beschränkungen bei der Verwendung der Mittel, bei der Vergütung von Führungskräften und bei Kapitalausschüttungen.

Die Unternehmen haben drei Monate Zeit um einen Antrag zu stellen, und können nach der Genehmigung für weitere 12 Monate eine Garantie in Anspruch nehmen. Staatliche Unternehmen und Energieunternehmen, die sich im Besitz von Finanzinstituten und Rohstoffhandelshäusern befinden, kommen für die Regelung nicht in Frage.

FMW/Bank of England



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