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Bank of Japan: Wie bisher „nur 600 Mrd pro Jahr“, Inflation bald Deflation

FMW-Redaktion

Die Bank of Japan (BOJ) hat beschlossen erst einmal kein zusätzliches Anleihekaufprogramm aufzulegen. Der Witz dabei: Das derzeit sowieso schon laufende jährliche Programm (QE) beläuft sich auf gut 600 Milliarden Euro pro Jahr. Trotz fehlender Ausweitung ist dieses aktuell schon laufende Programm der Bank of Japan so groß, dass man fast sagen kann sie wird irgendwann der einzig verbliebene Player auf dem japanischen Kapitalmarkt sein. Dann könnte man de facto sagen der Staat finanziert sich selbst (Linke Tasche rechte Tasche).

Die BOJ hat z.B. bis dato die Hälfte des japanischen ETF-Marktes (Exchange Traded Funds) für Aktien aufgekauft. Bei dem gigantischen ständigen QE mus man sein Geld ja irgendwo unterbringen. Und man muss ja irgendwie den Markt zwingen Geld in die Realwirtschaft zu pumpen. Aber ab wann ist der Punkt erreicht, wo dieser Zustand in Japan zu einer Art staatlicher Planwirtschaft wird, wenn ein staatliches Vehikel wie die Notenbank eigentlich alles aufkauft? Eine Frage für Philosophen.

In Japan agieren Notenbank und Regierung in Sachen Geldschwemme in einer Art unausgesprochener Symbiose. Wenn die Notenbank nichts macht, dann pumpt eben die Regieurung. So geschehen nur kurz nach der Verkündung der BOJ heute früh das QE nicht zu erhöhen. Die Regierung wird laut „Nikkei“ neue Schulden über 22 Milliarden Euro aufnehmen um die japanische Wirtschaft zu stimulieren.

Kann man ernsthaft daran glauben, dass diese 22 Milliarden wirklich helfen bei den bisherigen gigantischen Anstrengungen der BOJ? Denn die BOJ hat ihr Inflationsziel von 2% (wie in Euroland + USA) erst mal nach hinten verschoben. Schuld daran seien die bösen Ölpreise (also kein Problem mit der inländischen Demographie?). Bei ihrer vorherigen Sitzung lag die anvisierte Preissteigerung in Japan für 2015 noch bei +0,7%, seit heute bei +0,1% – in volkswirtschaftlichen Dimensionen gerechnet ein Desaster!

Notenbankpräsident Kuroda sagte „Draghi-like“ die BOJ werde nicht zögern zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen, falls nötig. Da fragt man sich: Wenn man eh schon ständig draufhaut auf die QE-Keule und die Inflation direkt an der Kante zur Deflation steht, worauf wartet er noch?


Hier das Original-Statement der BOJ von heute früh:

With regard to the asset purchases, the Bank decided, by an 8-1 majority vote, to continue
with the following Guidelines:

a) The Bank will purchase Japanese government bonds (JGBs) so that their amount
outstanding will increase at an annual pace of about 80 trillion yen. With a view to
encouraging a decline in interest rates across the entire yield curve, the Bank will conduct
purchases in a flexible manner in accordance with financial market conditions. The
average remaining maturity of the Bank’s JGB purchases will be about 7-10 years.
b) The Bank will purchase exchange-traded funds (ETFs) and Japan real estate investment
trusts (J-REITs) so that their amounts outstanding will increase at annual paces of about 3
trillion yen and about 90 billion yen respectively.




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1 Kommentar

  1. Japan kann es doch einfach so machen wie China: mehr bauen. Abreißen, neu aufbauen, wieder abreißen usw. usf.: http://martin-ebner.net/regions/asia/japan-beton-statt-bonsai/

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