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Banken: EU und USA – verschiedene Welten

Banken-Chefs in den USA sind euphorisch – in Europa aber herrscht der Blues

Wolfgang Müller

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am

Die Berichtssaison in den USA hat es bisher wieder einmal gezeigt: Obwohl noch kaum europäische Banken gemeldet haben, gibt es höchstwahrscheinlich haushohe Unterschiede zwischen den Instituten der beiden großen Wirtschaftsblöcke. Und jede Menge Argumente dafür, dass sich dies nicht so schnell ändern wird.

Die Quartalsberichte europäischer Banken und ihr Malus

In den nächsten Tagen werden die Karten der europäischen Banken auf den Tisch gelegt, mit UBS, die bereits gestern gemischte Zahlen präsentiert haben, Barclays, HSBC, Credit Suisse, ING Group und natürlich der Deutschen Bank (30.10.), vormals eine der Top-5-Adressen im Bankensektor. Seit Jahren kämpfen die europäischen Banken mit den Folgen der Finanzkrise, aber auch mit einer europäischen Problematik, die ein Statement von Bankenpräsident Dr. Hans-Walter Peters anlässlich der Jahrestagung von IWF und Weltbank letzte Woche verdeutlicht – Auszüge aus seiner Rede in Washington:

„Auch wenn die EZB bei ihrer jüngsten Zinsentscheidung endlich einen Staffelzins bzw. einen Freibetrag für Einlagen der Banken eingeführt hat: Die europäischen Institute werden weiterhin jährlich rund 5 Milliarden Euro Sondersteuer an die EZB zahlen müssen. Wir befürchten, dass dieser Betrag schon im nächsten Jahr schnell wieder auf 6 oder 7 Milliarden Euro steigen wird. Und zwar deswegen, weil die Überschussliquidität im Bankensystem durch das neue Aufkaufprogramm nach allen Erfahrungen wieder steigen wird.

Ganz anders ist die Situation hier in den USA. Die Fed hat in der Vergangenheit nicht nur der Versuchung widerstanden, Negativzinsen einzuführen. Sie zahlt den Banken seit 2009 auch Guthabenzinsen auf deren Überschussliquidität.

Wenn Sie beide Zahlen seit dem Start der Negativzinspolitik durch die EZB Mitte 2014 gegenüberstellen – also die Zinsbelastung der europäischen Banken durch die EZB einerseits und die Zinszahlungen der Fed auf die Überschussliquidität andererseits – dann landen Sie bei einem dreistelligen Milliardenbetrag. Die US-Institute haben gegenüber den Banken aus dem Euro-Raum zum Jahresende eine bessere Ertragssituation von insgesamt gut 120 Milliarden Euro aus der Zinspolitik.“

 

Ganz anders die Gemütslage amerikanischer Banken-CEOs

Die Stimmung von US-Bankern bei dieser Tagung von Weltbank und IWF, insbesondere von Jamie Dimon (JP Morgan) und James Gorman (Morgan Stanley), war richtig euphorisch, schließlich konnten beide Bankenchefs erst kürzlich dicke Milliardengewinne für das dritte Quartal präsentieren.

„Wir sind beide Optimisten“, sagte Gorman. Die Stimmung bei den Konsumenten in den USA sei gut und Panik wäre wegen der globalen Handelskonfliktes auch nicht angesagt. Der tatsächliche Schaden sei bisher vergleichsweise gering. „In den vergangenen 100 Jahren gab es Kriege und wirkliche geopolitische Umbrüche“, sagte Gorman. „In einer solchen Phase sind wir heute nicht. Es gibt lediglich Handelskonflikte.“

Ähnlich argumentierte auch der Chef der führenden US-Bank Jamie Dimon, noch im Hochgefühl des Quartalgewinns von neun Milliarden Dollar, was fast zwei Drittel der gesamten Marktkapitalisierung der Deutschen Bank entspricht.

Das Geschäft mit Firmenkunden sei wegen der Handelsstreitigkeiten zwar etwas schwieriger, aber man habe in den letzten Jahren die richtigen Entscheidungen getroffen. Fast schon ein wenig hochnäsig von einem Banker aus dem Land, welches die weltweite Finanzkrise hauptsächlich verursacht und die von der Reaktion von Politik und Notenbank profitiert hat, trotz der Kreation billionenschwerer fauler Anlageprodukte (CDOs).

Wie geht es weiter in Europa?

Nicht nur der Bankenpräsident Peters, auch die Institute fielen noch vor der Präsentation ihrer frischen Zahlen ins Lamento.

„Europäische Banken haben mit einer Kombination aus gedämpftem globalem Wachstum und niedrigen Zinsen zu kämpfen“, klagt Commerzbank-Chef Martin Zielke. Und er spricht wie seine Kollegen vom Hauptverantwortlichen für die Misere – die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Eine weitere Ursache für den maroden europäischen Bankenmarkt ist nach Ansicht von Bankenkennern auch auf die Überkapazitäten zurückzuführen. Es gab seit Jahren keine großen Übernahmen oder Fusionen mehr und dies sollte sich auch nicht so schnell ändern. Dafür gibt es in der inhomogenen EU-Zone mehrere Gründe, ein wesentlicher dürfte in den niedrigen Aktienkursen liegen. Wie will denn eine Deutsche Bank bei einem Aktienkurs von gut sieben Euro eine Kapitalerhöhung für eine Fusion stemmen, nachdem sie schon mit einem deutlich zweistelligen Milliardenbetrag bei Kapitalerhöhungen des letzten Jahrzehnts den Aktienkurs in die Tiefe getrieben hat?

Banken nehmen anderen Instituten also weiter Geschäfte ab, statt mit ihnen zu fusionieren.

Bankenpräsident Peters geht demzufolge davon aus, dass sich die Schere zwischen amerikanischen und europäischen Banken in den nächsten Jahren noch weiter öffnen wird. Er erwarte keinen raschen Kurswechsel durch die neue EZB-Präsidentin Christine Lagarde in der Zinspolitik. Dazu noch ein Vergleich des ersten Halbjahres 2019 (Quelle: EY): Nettogewinn der Top-10-Banken

USA: 69,65 Milliarden €

EU: 26,38 Milliarden €

 

Fazit

Es herrscht mittlerweile eine einhellige Meinung in Finanzkreisen vor, dass Minuszinsen nicht den gewünschten Effekt bringen, nämlich den Sparer zum Konsum zu animieren. Das Gegenteil ist der Fall: der stark im Geldmarkt investierende deutsche Sparer erhöht sogar noch seine Sparrate, wie letzte Zahlen der Bundesbank es beweisen.

Deshalb auch die Forderung des alten EZB-Chefs an die europäischen Länder, insbesondere Deutschland, fiskalpolitische Maßnahmen einzuleiten und von der schwarzen Null abzurücken. Morgen ist Showdown für den Italiener bei seiner letzten EZB-Sitzung. Welche Botschaft wird er für seine Nachfolgerin Christine Lagarde parat halten?

Vermutlich keine Positive für die Banken, die nach wiederholten Analysen von Dr. Markus Krall Ende 2020 vor dem ganz großen Absturz stehen sollen. Die fehlende Fristentransformation frisst das Geschäftsmodell der Institute. Wird die ehemalige IWF-Chefin das Unheil abwenden können? An den unterschiedlichen Ertragssituationen amerikanischer und europäischer Banken dürfte sich aber so schnell nichts ändern.

 

Die Banken in Europa sind sehr viel schlechter aufgestellt als die Banken in den USA

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Übelkeit

    23. Oktober 2019 15:23 at 15:23

    Hier kranken die Banken, in den USA fällt der Haushalt ins bodenlose. Jacke wie Hose, das System hat fertig.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Tesla, Zoom, Salesforce

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Tech steht heute im Fokus der Börsianer, darunter, die Aktien von Tesla, Zoom, und Salesforce.

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Aktienrückkäufe: Warum ich nicht begeistert bin – Werbung

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Lieber Börsianer,

die langjährige Flutung der Finanzmärkte mit dem billigen Geld der Notenbanken hat mittlerweile zu einigen kuriosen Begleiterscheinungen geführt. Weil Geld nichts mehr kostet, verschulden sich einige Unternehmen bis über beide Ohren. Doch statt in Zukunftstechnologien zu investieren, kaufen sie lieber eigene Aktien zurück – Kurspflege nennt man das. Angeblich geschieht das zum Wohle der Anleger, denn durch die Aktienrückkäufe steigen in der Regel auch die Kurse.

Allerdings ist bei hochverschuldeten Unternehmen Vorsicht geboten. Denn bereits ein geringer Zinsanstieg stellt diese Unternehmen vor arge Probleme. Freilich sind nicht alle Aktienrückkäufe schlecht. Wenn sich das Unternehmen die Kurspflege leisten kann und damit Geld an die Aktionäre zurück gibt, ist das oft besser, als das Geld möglicherweise zu Negativzinsen im Unternehmen zu belassen. Doch vor Übertreibungen müssen Sie sich schützen.

Das Spielcasino ist eröffnet

In den USA sind mittlerweile nicht mehr Privatanleger, Pensionsfonds und Vermögensverwalter die größten Aktienkäufer, sondern die Unternehmen selbst. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wird damit außer Kraft gesetzt. In den vergangenen zehn Jahren gaben die 500 Unternehmen des S&P 500 die gigantische Summe von fünf Billionen Dollar für eigene Aktien aus. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Japan, der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt.

90% der Unternehmen haben dafür mehr als die Hälfte ihrer Gewinne investiert. Das Geld fließt also nicht mehr in Fabriken, Maschinen, Produkte und Jobs sondern wird für die eigene Kurspflege eingesetzt. Die Big Player erhalten damit den Status Quo und überlassen die Entwicklung neuer Technologien den Start-Ups und der Konkurrenz aus Fernost.

Nicht unbedenklich ist dabei, dass vor allem in den USA ein Teil der Vorstandsvergütung an die Entwicklung des Aktienkurses geknüpft ist. Die Manager tun sich also vor allem selbst etwas Gutes, statt an die langfristige Konkurrenzfähigkeit Ihres Unternehmens zu denken. Wenn Aktien in solch riesigem Umfang zurückgekauft werden, dann handelt es sich um einen ernsten Eingriff in die Preisbildung der betreffenden Aktien.

Apple schlägt besonders gerne zu

Der größte Käufer eigener Aktien ist ausgerechnet Apple. Jetzt könnte man einwenden, dass Apple auch Milliardengewinne erzielt und sich deshalb die Rückkäufe leisten kann. Das ist prinzipiell richtig. Doch selbst Apple übertreibt mittlerweile. Im vergangenen Jahr wurden Anteile im Wert von 72 Milliarden Dollar zurückgekauft. Der freie Cashflow lag deutlich darunter. Selbst die Gewinnmaschine Apple nimmt also mittlerweile Fremdkapital auf, um Aktienrückkäufe zu finanzieren. Das wurde sogar von offizieller…..

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IHS Markit-Kauf für 44 Milliarden Dollar – wie man gigantisch wächst ohne neue Schulden

Claudio Kummerfeld

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New York Downtown bei Nacht

In der Branche für Finanzdaten, Börsendaten und ökonomischen Analysedaten nimmt die Konzentration auf wenige große Anbieter immer mehr zu. Es gibt Bloomberg, Reuters, große Börsenanbieter wie die Deutsche Börse oder Euronext, und es gibt gerade den Versuch der London Stock Exchange den Datenanbieter Refinitiv für 27 Milliarden Euro zu übernehmen. Jetzt legt S&P Global (gehört zur Standard & Poors-Gruppe) nach und kauft den Datenanbieter IHS Markit. Und das für satte 44 Milliarden Dollar.

IHS Markit war Ende letzter Woche an der Börse noch 37 Milliarden Dollar wert. S&P Global lag bei 82 Milliarden Dollar. Wie schafft man es so viel Geld auszugeben, mal eben 44 Milliarden Dollar? Nun, in diesem Fall ist das gar kein Problem. Man „kauft“ per Aktientausch. Ein richtiger Kauf ist es dann gar nicht. Man fusioniert, und der „Käufer“ erhält an der neuen Firma die Aktienmehrheit. Oder besser gesagt, die bisherigen Aktionäre des größeren Fusionspartners halten dann später auch die Mehrheit am neuen Unternehmen.

So kommt es, dass die bisherigen Aktionäre von S&P Global an der neuen Firma 67,75 Prozent der Anteile halten werden, und die bisherigen Aktionäre von IHS Markit 32,25 Prozent. So haben alle was davon, und die Firma hat keine gestiegene Verschuldung durch diese Transaktion. So können große Konzerne schnell weiter wachsen, ohne sich zu verschulden.

Ganz anders lief es vor vier Jahren bei Bayer, wir erinnern uns alle mit Grausen an die Zeit danach. Die Leverkusener kauften Monsanto für 66 Milliarden Dollar in Cash. Dafür musste man damals eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar aufnehmen, also Kredite. So brockt man sich jede Menge Probleme ein, wenn man seine bisherige Aktionärsstruktur beibehalten will.

Will man extern kräftig zukaufen, muss man sich dann wie Bayer massiv verschulden. Um die Last zu reduzieren, muss man dann brutal einsparen, einzelne Sparten verkaufen usw. Gerade große Konzerne mit stark steigenden Aktienkursen können sich über den Weg des Kaufs mit eigenen Aktien (Fusion) andere Unternehmen einfach und bequem einverleiben. Dann werden die Aktionäre der bisherigen Konkurrenzfirma einfach zu Miteigentümern des eigenen Unternehmens gemacht. Und zack, der Konzern wächst kräftig, ohne dabei neue Schulden machen zu müssen. Natürlich hat der einzelne Altaktionär nach der Transaktion weniger Eigentum am Konzern. Aber dafür ist der Konzern an sich ja auch spürbar gewachsen, wodurch eine Kompensation stattfindet. Langfristig können über diese Methode die ganz großen Konglomerate entstehen.

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