Allgemein

Banken in den USA: Aktuell Zuckerbrot und Peitsche durch Fed und SEC

New York ist das Zentrum wichtiger Banken in den USA

Die große Frage in der Bankenwelt, die aber derzeit niemand aussprechen will, lautet: Werden die Kreditausfälle durch die Coronakrise (Arbeitslosigkeit, Firmenpleiten) so hoch ausfallen, dass das Eigenkapital der Banken aufgezehrt wird, und dass hierdurch das Finanzsystem kollabiert? Nun ja, die europäischen und deutschen Aufseher haben sich derzeit dafür entschieden dieses Problem optisch verschwinden zu lassen, in dem die Banken nach jüngster Entscheidung bis Ende September gestundete Darlehen nicht aus Zahlungsausfall in ihren Büchern aufzeigen müssen (der „legale Bilanzbetrug“, wie Markus Krall es formulierte). Problem versteckt, aber nicht gelöst! Und die Banken in den USA?

Fed mit Peitsche für Banken

Die US-Notenbank Federal Reserve hat heute Nacht (nach positivem Banken-Stresstest, ohhh Wunder, mal wieder alles bestens) verkündet, dass wichtige Banken in den USA im dritten Quartal (also ab nächste Woche) keine eigenen Aktien mehr zurückkaufen dürfen. Das ist ein wichtiger Punkt. Gerade US-Konzerne kaufen seit Jahren in gigantischem Ausmaß eigene Aktien zurück, um so den Aktienkurs zu pushen. Und je weniger Aktien frei am Markt verfügbar sind, desto mehr steigt die Dividende pro Aktie, was jede einzelne Aktie natürlich wertvoller macht. Aber vor allem durch umfangreiche Aktienrückkäufe geht den Unternehmen Geld verloren. Geld, das derzeit wohl besser im Eigenkapital aufgehoben ist, als Reserve für die regnerischen Tage, die jetzt anstehen dürften, wenn Millionen von Konsumenten und Unternehmen Kreditraten womöglich nicht mehr bedienen können.

Und die Fed hat heute Nacht auch entschieden, das wichtige US-Banken im dritten Quartal nicht mehr nach Belieben ihre Dividenden erhöhen können. Sie dürfen zwar weiterhin Dividenden ausschütten, aber nur nach einer Formel, die sich am tatsächlichen Gewinn der Bank orientiert. Die Gründe für diese Maßnahmen der Fed sind klar. Die Institute sollen möglichst viel Geld im Eigenkapital behalten, und Reserven aufbauen für die anstehenden Kreditausfälle!

SEC mit Zuckerbrot

Wo die Fed den Banken in den USA aktuell eine weitere Regulierung vor die Füße wirft, da gibt es von der US-Börsenaufsicht SEC, die ja als Behörde vom Weißen Haus gelenkt werden kann (anders als die Fed), Zuckerbrot für die Banken. Denn die SEC hat heute Nacht verkündet, dass die Volcker Rule gelockert wird. Sie sollte nach der Finanzkrise 2008 das Zocken der Banken auf eigene Rechnung verbieten. Eine gute Idee, weil damit zukünftige Schieflagen von Banken unwahrscheinlicher werden! Aber jetzt wird diese Vorschrift ein wenig aufgelockert. Die Kreditinstitute dürfen ab 1. Oktober wieder Hedgefonds und Privat Equity-Firmen Finanzdienstleistungen anbieten. Auch können sie Anteile an bestimmten Risikokapitalfonds zeichnen. Der Roulette-Tisch wird für die Banken also wieder zugänglicher. Eine Unterstützung aus der Trump-Administration, damit die Banken bei Nullzinsen und anstehenden Kreditausfällen eine Kompensationsmöglichkeit haben, in dem sie mehr Erträge aus diesen Bereichen erwirtschaften können?



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

2 Kommentare

  1. Das Eigenkapital einer Bank ist eine Zahl auf einer Festplatte. Das eine Bank „Pleite“ ist, wenn das Eigenkapital ein negatives Vorzeichen aufweist, ist nichts weiter als eine Konvention. Konventionen kann man ändern.

    „legaler Bilanzbetrug“ ist alte Denke. Was mich bei Krall immer etwas wundert. Hat er doch selbst mal am Beispiel griechischer Banken gezeigt, das das bei denen schon seit Jahren sehr erfolgreich läuft. Warum sollte das also jetzt nicht mehr funktionieren?

    Banken gehen nur Pleite, wenn der sie pleite gehen lassen WILL, der auf der Druckerpresse sitzt. Will er das nicht, gehen sie auch nicht pleite.

  2. So lange keine Mehrheit ein Interesse an der Pleite von Banken hat, werden sie auch nicht pleite gehen. Die Notenbanken und dahinter stehenden Staaten haben doch in den letzten Jahrzehnten immer wieder ihre Kreativität bewiesen. Für ALLES gibt es eine Lösung, wenn man sie will. Denn, wenn das System kollabiert, gehen auch sie unter. Das System sichert ihren Reichtum und ihre Macht. Und kein Reicher und Mächtiger, möchte dies aufgeben müssen. Und wenn man die Marktwirtschaft in den Sozialismus umbaut oder alle Daten fälscht und betrügt, sodass sich die Balken biegen, man wird das System nicht zusammenbrechen lassen!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage