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Banken und die KfW-Kredite: Ein wichtiges Problem!

Redaktion

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Hochhäuser der Banken in Frankfurt - KfW-Kredite haben ein Problem

Wir alle haben es vernommen. Gestern ist die Kredit-Lawine gestartet. Die Staatsbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) hat bereits Stand Dienstag Abend über die Banken Kreditanträge für ein Volumen von über 3 Milliarden Euro erhalten, von 76 Antragstellern. Hört man sich die allgemeinen Aussagen der Politik dieser Tage an, dann ist die Marschroute klar und nachvollziehbar. Jetzt müsse die Wirtschaft schnell, sehr schnell, aber so richtig schnell, umfassend und unbürokratisch mit Krediten versorgt werden. Dafür hat man die KfW ja auch mit einem volumenmäßig nach oben offenen Gesamtrahmen ausgestattet! Also, können die Banken jetzt die Gelder sofort an alle Unternehmen und Unternehmer rausfeuern, weil nächste Woche Gehälter gezahlt werden müssen, Ladenmieten etc?

Banken haben trotz KfW noch 10 Prozent Ausfallrisiko

Leider haben die Banken da womöglich ein riesiges Problem. Wir hatten es die letzten Tage schon mehrfach hier und da in Artikeln angedeutet, aber in der Öffentlichkeit und wohl auch in der Politik ist es wohl nicht so richtig angekommen? Ja, die Kreditanstalt für Wiederaufbau haftet für diese Kredite, damit die Unternehmer schnell an ihr Geld kommen in dieser Ausnahmesituation. Aber: Die Politik konnte sich „nur“ durchringen die Haftung der KfW für diese Kredite auf bis zu 90 Prozent zu erhöhen. Also verbleibt ein Kreditausfallrisiko in Höhe von 10 Prozent des Kreditvolumens bei den Banken, die letztlich diese Kredite an die Kunden herausreichen.

Und jetzt kommt das Problem. Gerade die Hausbanken sehen ja auf den Konten ihrer Unternehmenskunden, wie die finanzielle Lage derzeit wirklich aussieht. Wir simulieren hier mal recht vereinfacht und plump ein Szenario. Der kleine Cafe-Betreiber, der auch ohne Coronavirus nicht viele Rücklagen hat, und Monat für Monat schwer mit hohen Kosten für Ladenmiete und Personal zu kämpfen hat, steht nun vor einem leergefegten Bankkonto, mangels Einnahmen. Er geht zum Banker, beantragt den KfW-Notkredit. Der Banker sieht, dass das Firmenkonto praktisch leergefegt ist. Sicherheiten für den Kredit? Keine. Aber die Bank soll für den Kredit von vielleicht 100.000 Euro ein 10 Prozent Ausfallrisiko übernehmen.

Aber die Bank weiß: Nach der Krise hat der Cafe-Betreiber vielleicht genau so viel Umsatz wie vorher, aber er hat einen viel höheren Schuldenberg, weil er nach der Krise ja den KfW-Kredit zusätzlich zu den normalen Fixkosten Montag für Monat abtragen muss. Also sieht die Bank hier eine recht hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieser Antragsteller für die Bank in ein paar Monaten zum Problemkandidaten werden wird. Also könnte es passieren, dass zahlreiche Unternehmer, die jetzt frohen Mutes diesen KfW-Kredit beantragen, leer ausgehen? Denn auch bei diesen Notkrediten prüft die Bank die Bonität des Kreditnehmers. Bei Kreditvolumen von bis zu 3 Millionen Euro entfällt sogar die KfW-Prüfung – sie verlässt sich dann aus Gründen der Vereinfachung und Beschleunigung der Abläufe nur auf die Meinung der Hausbank, ob der Kredit gewährt werden soll.

Erkennt die Politik das Problem demnächst?

Also, faktisch könnten in den nächsten Wochen viele Antragsteller leer ausgehen, weil die Bank immer noch ein Ausfallrisiko hat – was ja mehr als real sein wird nach der Krise! Denn viele Gastronomen, Hoteliers, Reisebürobetreiber uvm standen vielleicht schon vorher auf wackligen Beinen. Sie konnten vielleicht gerade so ihre Kosten verdienen, und sind dann nach der Krise dann überschuldet und haben mehr Kosten als Einnahmen? Wie soll die Bank dieses Risiko intern managen? Aktuell meldet das Handelsblatt, dass deutsche Bankenverbände Olaf Scholz angeschrieben haben, mit der dringenden Bitte die Haftungsübernahme der KfW anzuheben, damit eine umfassende Bereitstellung von Krediten gewährleistet werden könne. Am besten direkt rauf auf 100 Prozent, so unsere Meinung! Denn in der Tat – viele klamme Kleinstunternehmer könnten leer ausgehen, weil die Bank das 10 Prozent-Risiko nicht tragen kann oder will. Wenn wir schon in einer derart epochalen Krise für Gesundheit und Wirtschaft sind, warum knausert die Politik dann noch am letzten Zehntel des Kreditrisikos herum? (unsere bescheidene Meinung)

Wir möchten auch nochmal an eine Info der BaFin von vorgestern erinnern mit Leitlinien für Banken, wie sie sich bezüglich dieser Sondersituation verhalten sollen. Dort sagt die BaFin unter anderem Zitat „So ist beispielsweise ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.“ Also eine Möglichkeit für Banken, dass sie de facto Non Performing Loans (Ausgefallene Kredite) auf den Büchern halten können, ohne sie bilanziell als wertlosen Vermögensgegenstand abschreiben zu müssen? Vielleicht werden einige Banken diese Chance nutzen? Andere könnten wie gesagt Kreditanträge ablehnen, weil sie die nächsten Jahre nicht mit de facto reihenweise kaputten Kredit-Assets da stehen wollen. Es sei denn die Politik wacht in den nächsten Tagen noch auf, wenn sie sieht, dass Banken einige Antragsteller ablehnen, weil man das 10 Prozent Ausfallrisiko nicht tragen kann oder will?

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Wutbürger

    26. März 2020 21:35 at 21:35

    Kredit, Kredit, Kredit. Verdammt nochmal, kennt denn keiner mehr das Wort „EIGENKAPITAL“? Meinem Laden macht dieses Virenviech gar nichts, da gibt es dieses archaische Relikt Eigenkapital nämlich noch. Das wird zwar jetzt bisschen weniger, aber das macht gar nichts. Viel Spass Ihr Kreditjunkies beim Abzahlen.

  2. Avatar

    Marcus

    26. März 2020 22:10 at 22:10

    10% Ausfallrisiko sind für so manche Bank sehr viel… Und wie Sie richtig beschrieben haben Herr Kummerfeld in Ihrem Beispiel mit dem Cafe-Besitzer: Warum sollte die Bank demjenigen einen Kredit geben wo doch absehbar ist, das dieser nur die Verschuldung erhöht und der Kredit ja noch nicht mal verdient ist, und sich die Frage stellt ob das überhaupt jemals passiert.

    Und wie ich geschrieben habe diese Woche: Keine Bank holt sich in einer Rezession unnötig Risiko ins Haus, auch wenn es nur 10% sind, das ist einfach vollkommen illusorisch was sich die Politik da vorstellt. Viele Kreditnehmer werden es nicht schaffen so ehrlich muss man einfach sein, und das wird wahrscheinlich bedeuten, das mindestens 50% des ausgereichten Volumens ausfallen werden. Ich bin mal gespannt auf die Rechnung die der Staat dann kriegt.

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Christine Lagarde: Headlines zur EZB-Pressekonferenz – sehr dovish!

Markus Fugmann

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Die wichtigsten Aussagen der EZB-Chefin Christine Lagarde auf der EZB-Pressekonferenz – wie wird sie sich zu den ökonomischen Perspektiven durch die neuen Lockdowns äussern?

– Lagarde und Vize de Guindos betreten den Saal – beide mit Mundschutz..

– Neue Corona-Welle: Wirtschaft verliert an Fahrt, klare Verschlechterung des Ausblicks, vor allem im Dienstleistungsbereich

– Konsumenten halten sich zurück

– Inflation geringer aufgrundd fehlender Nachfrage

– FMW: jetzt das Übliche Loblied auf die EZB-Maßnahmen (gähn..)

– Risiken klar abwärtsgerichtet

– EZB wird im Dezember auf die neue Entwicklung reagieren und dabei auch Wechselkurs berücksichtigen

– Corona-Maßnahmen bringt „headwinds“ für wirtschaftlichen Ausblick (FMW: wo ist bloß die viel besungene „V-Erholung“?)

– Inflation dürfte negativ bleiben wegen deutscher Mehrwertsteuersenkung und niedrigem Ölpreis (FMW: Brent Öl fällt gerade erstmals seit Mai unter die Marke von 37 Dollar)

– Banken zeigen bei Kreditvergabe strengere Kriterien aufgrund steigender Risiken

– jetzt kommt der schon rituelle Aufruf Lagardes zu fiskalischen Maßnahmen, diese sollten zielgerichtet sein

– Lagarde jetzt über „Next Generation EU“ – wie Daniel Stelter sagen würde die „Klimaplanwirtschaft“

– Lagarde „hat“ fertig, jetzt kommen Fragen, natürlich alle virtuell..

—-

– Lagarde: für nächste EZB-Sitzung im Dezember werden alle Instrumente untersucht – das wird bereits vorbereitet, damit die EZB bei der Erholung (der Vermögenspreise…?) helfen kann

– FMW: Lagarde bisher sehr dovish, das bringt auch den Ölpreis so unter Druck, der Euro jetzt unter 1,17

– Lagarde: morgen kommen BIP-Zahlen, diese „könnten positiv überraschen“ (Prognose ist +15%), aber für das 4.Quartal sieht es nicht gut aus

– Lagarde zu Inflation: wir die derzeit negative Inflation nicht Deflation, weil es ein Sondereffekt der Pandemie ist

– Lagarde: Dass die Staaten der Eurozone Anleihen mit Gemeinschaftshaftung ausgeben, hat die Wahrnehmung der Eurozone verändert

– Lagarde: haben auf dieser Sitzung nicht über Veränderung der Geldpolitik diskutiert

Hier der Live-Feed zur EZB-PK:

Chrstine Lagarde - die Aussagen auf der EZB-Pressekonferenz

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Hans-Werner Sinn: Warum die Inflation ausbleibt, und wann sie kommt

Claudio Kummerfeld

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Der ehemalige Chef des ifo-Instituts, hoch angesehene und bekannteste Ökonom Deutschlands Hans-Werner Sinn (hier jüngst im Gespräch mit Marc Friedrich) hat aktuell der Mission Money ein ausführliches Interview gegeben. Ein echter zweiter Lockdown müsse in Deutschland vermieden werden, so der Appell von ihm.

Die deutsche Wirtschaft wird laut Hans-Werner Sinn die zweite Corona-Welle überleben. Aber es werde eine große Pleitewelle geben. In einem ersten Schritt würden zahlreiche Unternehmen in die Insolvenz gehen, die bis jetzt dank ausgesetzter Insolvenzpflichten viel neue Schulden angehäuft hätten. Und erst in einem zweiten Schritt würde es dann die Banken hart treffen, weil die ja in Folge der Insolvenzen die Kreditausfälle zu verkraften hätten.

Hans-Werner Sinn mit Schwerpunktthema Inflation

Ein zentral wichtiges Thema im folgenden ausführlichen Interview ist die möglicherweise anstehende Inflation in Europa und Deutschland. Hans-Werner Sinn äußert sich hierzu ausführlich. Vor Corona habe die Geldmenge der EZB 3,2 Billionen Euro betragen, seitdem sei bis heute 1 Billion Euro dazugekommen. Bis Sommer 2021 werde die Summe auf 5,4 Billionen Euro anwachsen. Es entstehe ein gigantischer Geldüberhang.

Hans-Werner Sinn erklärt ausführlich seine große Sorge vor der anstehenden Inflation. Zunächst erklärt er ausführlich, warum es bislang trotz Geldschwemme keine Inflation in Form von Preisexplosionen gebe (ab Minute 23 im Video). Seine Ausführungen dazu sind hochinteressant. Das zusätzlich geschaffene oder besser gesagt in den letzten Monaten nicht ausgegebene Geld sei nicht aktiv, weil es herumliege. Bei den Bürgern auf den Sparkonten oder im Tresor. Bei den Banken liege es laut Hans-Werner Sinn herum zum Beispiel auf deren Zentralbankkonten. Es werde nicht vollständig als Kredit an Wirtschaft oder Verbraucher herausgereicht. Daher wirke die gestiegene Geldmenge nicht inflationär. Denn in Krisenzeiten würden sich die Menschen nicht trauen Geld auszugeben.

Aber nach der Krise, wenn es zum Beispiel einen Impfstoff gegen Corona gebe und die Wirtschaft wieder boomt, dann steige auch wieder der Optimismus bei den Menschen. Gewerkschaften würden höhere Löhne verlangen, die Unternehmen würden die Preise anheben usw. Die Inflation könne dann sehr leicht über das 2 Prozent-Ziel der EZB ansteigen. Dann müsse die EZB die Zügel anziehen. Aber dann stehe man vor einem gewaltigen Problem. Hierzu wollen wir die wirklich sehr interessanten und aufschlussreichen Ausführungen von Hans-Werner Sinn nicht vorwegnehmen. Schauen Sie bitte das Video! Nur so viel. Er erläutert auch dann möglicherweise anstehende Folgeeffekte wie dann platzende Luftbuchungen und ein Bankensterben.

Hans-Werner Sinn
Hans-Werner Sinn. Foto: https://www.hanswernersinn.de/de/Bildarchiv

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Lockdown: Was läuft falsch bei den Corona-Maßnahmen?

Markus Fugmann

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Heute dürften in Deutschland und Frankreich neue Beschränkungen und Corona-Maßnahmen bis hin zum Lockdown verkündet werden. Im Grunde reagieren die durch die starken Anstiege alarmierten Regierungen in Europa alle ähnlich. Nach Informationen des Informations-Mediums für Intellektuelle, also bild.de, dürfen ab 04.November in Deutschland sich maxiximal zehn Menschen treffen, die wiederum maximal aus zwei Haushalten stammen dürfen.

Lockdown, Corona-Maßnahmen und Anreizkonflikte

Viele Menschen gehen davon aus, dass die Corona-Maßnahmen schon gerechtfertigt seien – auf der anderen Seite gibt es jene, die das Coronavirus und die damit verbundenen Maßnahmen latent verharmlosen – und nicht selten eine Verschwörung der Eliten vermuten zur Entmündigung der Bürger. Symbol dafür ist ihnen der Lockdown.

Nun müssen die Regierungen die Bevölkerung schützen – aber sind die getroffenen Maßnahmen gerechtfertigt? Professor Christian Rieck macht auf zwei zentrale Probleme der Maßnahmen deutlich, die häufig entweder zu „Überreaktionen“ oder zu „Unterreaktionen führen.  Es gebe viele „Anreizkonflikte“, die zu problematischen Reaktionen der Betroffenen führen, so Rieck.

In folgendem Video erklärt er, was er damit meint:

 

Lockdown und Corona-Maßnahmen - sind sie gerechtfertigt?

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