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Bankenrettung in Italien: Der totale EU-Irrsinn jetzt amtlich im Wortlaut in deutscher Sprache!

Redaktion

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FMW-Redaktion

Vor einem Monat gab es die Einigung zwischen den EU-Institutionen und der italienischen Regierung. Rom dürfe die Banca Monte dei Paschi, die kaputteste aller kaputten Banken, „vorsorglich rekapitalisieren“, denn sie sei ja eigentlich eine ganz gesunde Bank. Man müsse ihr quasi also nur kurz über eine kleine Schwächephase helfen, danach könne sie normal gesund weiter arbeiten. So war die Einigung zu verstehen. Dieser Deal vor vier Wochen war eine Grundsatzeinigung. Heute nun folgte die offizielle Bestätigung.


© European Union, 2017 / Photo: Mauro Bottaro

Der Originaltext, der vor wenigen Minuten durch die EU-Kommission auch in deutscher Sprache veröffentlicht wurde, ist derart irrsinnig und obskur, dass man es kaum fassen kann. Da steht es schwarz auf weiß, dass die EZB die Monte dei Paschi für „solvent“ erklärt hat. Deswegen könne provisorisch mal eben kurz geholfen werden mit 5,4 Milliarden Euro. Auch kann man hier endgültig schwarz auf weiß nachlesen, dass die Anleihegläubiger (in der Regel kleinsparer) zwar ihr Geld verlieren als Beteiligung an der Rettung der Bank. Aber direkt danach wird auch offiziell bestätigt, dass sie sich ihren Verlust erstatten lassen können, weil sie ja wohl (alle?) falsch beraten wurden beim Kauf ihrer Anleihen. Einfach unfassbar, dass eine öffentliche Institution wie die EU-Kommission sowas auch noch in Klartext abdruckt, ohne sich die Mühe zu geben die Tatsachen zu verschleiern. Man hat wohl Glück, dass die breite Masse der Öffentlichkeit diese Angelegenheit für zu finanztechnisch erachtet, und wohl keine Lust hat sich die Details anzugucken.

Was schert uns schon das Geschwätz von gestern mit Sätzen wie „der Steuerzahler soll nie wieder für Bankenrettungen zahlen müssen“? In diesem Fall blutet der italienische Steuerzahler für die Fehlleistungen der Banker. Hier der wichtigste Teil der aktuellen Veröffentlichung der EU-Kommission im Originalwortlaut, für Genießer:


Staatliche Beihilfen: Kommission genehmigt vorsorgliche Rekapitalisierung der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS)

Brüssel, 4. Juli 2017

Die Europäische Kommission genehmigte im Rahmen des EU-Rechts und auf der Basis eines Umstrukturierungsplans eine vorsorgliche Rekapitalisierung der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS). Auf diese Weise ist es möglich, das Fortbestehen der Bank langfristig zu sichern und dabei Wettbewerbsverzerrungen zu beschränken.

Die Kommission genehmigte eine staatliche Beihilfe in Höhe von 5,4 Mrd. EUR für eine vorsorgliche Rekapitalisierung der italienischen Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS). Am 1. Juni 2017 war im Vorfeld zwischen Kommissarin Vestager und dem italienischen Wirtschafts- und Finanzminister Pier Carlo Padoan eine grundsätzliche Einigung über den Plan zur Umstrukturierung der MPS erzielt worden. Diese Einigung unterlag zwei Bedingungen, die jetzt beide erfüllt sind: Die Europäische Zentralbank hat im Rahmen ihrer Aufsichtsfunktion bestätigt, dass die MPS solvent ist und die Mindestkapitalanforderungen erfüllt, Italien wiederum verfügt über eine förmliche Zusage privater Investoren, die zum Ankauf der notleidenden Kredite der Bank bereit sind.

Der Plan ermöglicht es der MPS, (präventiv) den Kapitalbedarf zu decken, der bei einer etwaigen Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen entstehen würde. Die Anteilseigner und nachrangigen Gläubiger der MPS haben 4,3 Mrd. EUR beigesteuert, damit die staatliche Beihilfe genehmigt werden kann und, wie im EU-Beihilferecht vorgeschrieben, nur beschränkt Steuergeld eingesetzt werden muss. Unabhängig davon können anspruchsberechtigte Kleinanleger, die Anleihen halten, bei der Bank einen Ausgleich beantragen, weil ihnen missbräuchlich nachrangige Anleihen verkauft wurden. Ferner wird die Bank grundlegend umstrukturiert werden, damit sie fortbestehen kann und der italienische Staat eine ausreichende Rendite für die von ihm getätigte Investition erhält.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager erklärte dazu: „Wir haben im Einklang mit dem EU-Recht die Kapitalspritze Italiens für die MPS genehmigt. Damit kann die Bank bei einer unerwarteten Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen ihren Eigenkapitalbedarf decken. Damit die MPS ihren Fortbestand langfristig sichern kann, wird sie ihr Geschäftsmodell neu ausrichten und über 26 Mrd. EUR an notleidenden Krediten aus ihrer Bilanz ausgliedern. Die Genehmigung dieser Kapitalzuführung war erst möglich, nachdem nachrangige Anleihegläubiger und Anteilseigner ihren Beitrag zu den Umstrukturierungskosten geleistet haben, so wie dies gemäß der „Lastenverteilung“ im EU-Beihilferecht vorgeschrieben ist.“

Der für Finanzstabilität zuständige Vizepräsident Valdis Dombrovskis ergänzte: „Je nach den konkreten Umständen lassen die für die Bankenunion geltenden Vorschriften unterschiedliche Lösungen für Banken zu, die frisches Kapital brauchen. In jedem Fall sollte durch die jeweiligen Lösungen sichergestellt sein, dass die Finanzstabilität in Europa gewahrt und die Belastung für die Steuerzahler gering gehalten wird. Im Fall von MPS werden die Bedingungen für eine vorsorgliche Rekapitalisierung erfüllt. Anteilseigner und nachrangige Anleihegläubiger haben sich auch an den Kosten beteiligt.“

Die EU-Rechtsvorschriften, namentlich die Richtlinie über die Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten, sieht die Möglichkeit staatlicher Kapitalzuführungen für solvente Banken vor, sofern bestimmte Kriterien erfüllt sind („vorsorgliche Kapitalisierung“). Eine staatliche Beihilfe kann in diesem Kontext nur gewährt werden, um sich auf den etwaigen Kapitalbedarf einer Bank einzustellen, der bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen entstehen könnte. Die Beihilfe löst nicht die Abwicklung der betreffenden Bank aus. Die vorsorgliche Rekapitalisierung solventer Banken nach der Abwicklungsrichtlinie ist eine Option, die zwischen dem Europäischen Parlament und dem Rat bei der Verabschiedung der Richtlinie vereinbart wurde.

Am 23. Dezember 2016 kündigte die MPS an, dass sie eine vorsorgliche Rekapitalisierung beantragen wolle, nachdem es ihr nicht in vollem Umfang gelungen war, das nötige Kapital bei privaten Anlegern zu beschaffen. Anlass für diese Kapitalbeschaffungsaktion war das Abschneiden der Bank bei dem EU-weiten Stresstest, der 2016 von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde und der Europäischen Zentralbank durchgeführt wurde. Dabei zeigte sich, dass es der Bank beim „ungünstigen Szenario“, mit dem eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen simuliert wird, unterkapitalisiert wäre.


Eine Frage unsererseits zum Schluss: Wenn die Monte dei Paschi solvent war und ist, warum gelang es ihr nicht am freien Kapitalmarkt Gelder einzusammeln für eine Kapitalerhöhung?




Quelle: EU-Kommission

6 Kommentare

6 Comments

  1. Avatar

    Dreistein

    4. Juli 2017 20:09 at 20:09

    Eine Frage unsererseits zum Schluss: Wenn die Monte dei Paschi solvent war und ist, warum gelang es ihr nicht am freien Kapitalmarkt Gelder einzusammeln für eine Kapitalerhöhung?
    Ja weil jeder Mann gesehen hat wie solvent die MPS war/ist.
    So sieht es in ganz Italien aus und wenn wir jetzt noch die Geldschwämme und die Nullzinspolitik der EZB mal wegnehmen würden, wie sehe es dann erst nicht nur in Italien aus? Das Lügen und betrügen geht munter weiter!

  2. Avatar

    Michael

    5. Juli 2017 01:50 at 01:50

    Zieht man von einer der sogenannten größten Volkswirtschaften Europas mal all die faulen Dinge ab, die sie seit ihrem Bestehen produziert, verbleibt eine Bilanz, ein Wert, eine Bedeutung in der Dimension Spitzbergens, ohne Spitzbergen zu nahe treten zu wollen.
    Raus mit Italien aus der EU, nicht durch dämliche Drohungen von deren Seite, sondern aktiv im Sinne von sitzen geblieben, Mindestanforderung nicht geschafft, die letzten zwei Klassen wiederholen.
    Eine EU ohne Italien könnte und würde nach einer kurzen Eingewöhnungsphase prosperieren, auch wenn das für die „realistischen“ Börsenfuzzies erst einmal undenkbar wäre. Eine kurze Zeit lang lang, wie bei Covfefe Trump’s triumphalem Wahlsieg mit 49 vs. 51%% der Wählerstimmen.
    An den Börsen ist alles möglich, nur nicht die Wirklichkeit. Die müssen hart arbeitende Menschen ertragen…

  3. Avatar

    Argonautiker

    6. Juli 2017 19:56 at 19:56

    Das auf Gegenseitigkeit beruhen von Finanz und Politik nennt man Faschismus. Ein bewährtes Modell in Krisenzeiten. Zu mindest für Finanz und Politik. Wohin es die Menschen brachte, dürfte in Erinnerung sein.

    Staat subventioniert Banken mittels Steuern, Banken subventionieren Staaten mittels Krediten. Wer erwirtschaftet Steuern und hinterlegt Kredite durch Arbeit mit Wert? Der BiBaBuzemann.

    Man ist sich also einig, daß der Mehrwerterzeuger durchaus noch ne Schippe zulegen sollte, weil sonst kann man sich den gehobenen Lebensstandard nun mal bei den zu Höherem berufenen nicht mehr leisten. Das muß man schon einsehen.

  4. Avatar

    Stephan Oelze

    11. Juli 2017 14:42 at 14:42

    Was mir nur nicht ganz klar ist wie es mit der A2DG69 weitergeht. Nirgendwo findet mann dies heraus. Ich habe 10 dieser Aktien und ich habe keine Info wie langer der Handel ausgesetzt bleibt. Der Handel ist sei 22.12.2016 eingefroren.

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Gamestop: Aktie explodiert weiter – kippen Hedgefunds?

Die Aktie von Gamestop steigt vorbörslich weiter und überschreitet dabei der Marke von 300 Dollar! Jetzt wird es eng für einige Hedgefunds!

Markus Fugmann

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Die Aktie von Gamestop, gestern die meistgehandelte Aktie weltweit, steigt vorbörslich weiter und überschreitet dabei die Marke von 300 Dollar! Damit steigt die Marktkapitalisierung der Aktie weiter – alleine der (eher sinnfreie) Tweet von Elon Musk gestern Abend („Gamestonk“) hatte der Aktie von Gamestop weitere drei Milliarden an Marktkapitalisierung beschert. Nicht schlecht für ein Unternehmen, das durch die Digitalisierung den Anschluß verpasst hatte und im letzten Jahr einen Gesamtumsatz (nicht Gewinn!) von knapp über fünf Milliarden Dollar erzielt hatte!

Bringt Aktie von Gamestop Hedgfunds zum Kippen?

Bekanntlich ist Gamestop eine Aktie, die von Hedgefunds wie Melvin Capital massiv geshortet ist. Nach wie vor gibt es deutlich mehr geshortete Aktien als im free float vorhanden sind – vorgestern waren es noch, trotz Short-Squeeze, 139%! Das bedeutet für die Hedgfunds wie Melvin Capital, die ca. Assets von zwölf Milliarden Dollar besitzen, eine immense Gefahr: denn theoretisch kann die Aktie von Gamestop unendlich steigen, womit die Verluste für die Shorties eben auch potentiell unendlich sind. Bereits vorgestern mußte Melvin Capital durch eine Geldspritze von 2,7 Milliarden Dollar u. a. durch den Hedgefund Citadel gestützt werden.

Hinzu kommt, dass auch Market Maker/Broker in Gefahr geraten: durch den Überhang an Call-Optionen müssen diese Broker sich dadurch absichern, dass sie die Aktie von Gamestop physisch kaufen – was den Hebeleffekt nach oben noch verstärkt. Allerdings gibt es derzeit schlicht zu wenige Aktien, sodass nun eine Jagd nach den Aktien einsetzt, die noch dadurch verstärkt werden kann, dass die Short-Player zur Eindeckung ihrer Short-Position die Aktie zurück kaufen müssen, wenn sie die Position glattstellen wollen oder müssen! Stand heute sind mehr als 72 Millionen Aktien von Gamestop geshortet.

All das ist eine Folge einer Art „Flash Mob“: junge Trader verabreden sich zum Beispiel in dem subreddit wallstreetbets, um mit (aus dem Geld liegenden) Optionen die Aktie von Gamestop nach oben zu pushen – wissend um die Notlage jener Hedgefunds, die die Aktie geshortet haben. Geht der ungebremste Anstieg weiter, müssen diese Hegdefunds entweder schnell die Reißleine ziehen – was aber schwierig ist, weil der Pool an frei verfügbaren Aktien, die zurück gekauft werden könnten , derzeit gar nicht vorhanden ist – oder sie müssen andere (Long-)Positionen verkaufen, um einen Margin Call zu vermeiden. Der Verkauf von (Long-)Positionen zur Erhaltung der Marge dürfte auch der Grund für den zwischenzeitlichen Abverkauf der Wall Street am Montag gewesen sein, als die Indizes ohne Nachricht fast um drei Prozent gefallen waren!

Mit den Jung-Tradern ist damit eine Gruppe plötzlich zu einem echten Faktor geworden! Nach dem Strum auf das Kapital folgt also nun der Sturm auf das Kapital! All das ist eine Folge der ultralaxen Geldpolitik der Notenbanken, die exzessive Spekulation geradezu ermuntern!

Bringt die Aktie von Gamestop Hedgefunds zum Kippen?

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Aktienmärkte 2021: Wie war es vor der Blase im Jahr 2000?

Die Aktienmärkte haben in den letzten Wochen unglaubliche Höhen erreicht, speziell in den USA mit der neuen Generation RobinHood: Das Wort Bubble (Blase) wird bei Google so oft angeklickt wie nie zuvor

Wolfgang Müller

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Die Aktienmärkte haben in den letzten Wochen unglaubliche Höhen erreicht, speziell in den USA mit der neuen Generation RobinHood: Das Wort Bubble (Blase) wird bei Google so oft angeklickt wie nie zuvor. Vergleiche mit der Internet-Blase im Jahr 2000 drängen sich auf. Wie war es damals, hatte nicht auch schon Alan Greenspan Jahre zuvor (1996) von einem irrationalen Überschwang (Irrational Excuberance) gesprochen? Hier ein paar interessante Reminiszenzen aus dieser Zeit, zu der die jungen Wilden von heute in der Mehrzahl noch in den Kindergarten oder zur Schule gingen.

Aktienmärkte or dem Jahr 2000: Eine Hausse (Blase), die vieles in den Schatten stellte

Was waren die Endneunziger für eine wilde Zeit! Betrachten wir hier die amerikanischen Aktienmärkte (die Zeit des Neuen Marktes wäre eine weitere Geschichte). Nach einer Kursverdreifachung von 1985 bis 1994 stieg der S&P 500 im Jahr 1995 um weitere 34 Prozent, die Anlegergrößen fingen an, sich über die Indexsteigerungen Gedanken zu machen. So wie Hedgefondsmanager Ray Dalio: „Ich denke, wir nähern uns einer Blow-off-Phase des US-Aktienmarkts“, der diese Bedenken diese gegenüber der Wirtschaftszeitung Pension & Investments äußerte. Sein bekannter Kollege von Fidelity, Peter Lynch, wiederholte diese Einschätzung in einem Artikel im Worth Magazine im Jahr 1995 und sprach von der Sorglosigkeit der Investoren.

Trotz dieser prominenten Warnungen stieg der Leitindex 1996 um weitere 23 Prozent – und in den Medien stand zu lesen: „Jeder Cocktailparty-Gast und Taxifahrer möchte nur über heiße Aktien und Fonds sprechen.“ Und wieder warnte ein bekannter Fondsmanager: „Wir wissen, dass die derzeitige Manie schlecht enden wird, aber wir wissen nicht wann.“

1997 stiegen die Kurse der Aktienmäkte dennoch weiter, der S&P 500 um weitere 33 Prozent und auch der Nasdaq um 22 Prozent. Dies rief den nächsten prominenten Hedgefondsmanager, George Soros, auf den Plan, der beschloss massiv gegen die US-Technologiewerte zu wetten.

Die Kurse stiegen aber auch 1998 weiter, der S&P 500 um weitere 27 Prozent, der Nasdaq 100 kam so richtig ins Laufen mit 85 Prozent plus.

Der Starinvestor, der im gleichen Jahrzehnt die Bank of England in die Knie gezwungen hatte, verlor mit seiner Wette gegen die Internetwerte 700 Millionen Dollar. Amazon und Yahoo begangen zu rennen und ein Sprecher des Quantum-Fonds musste eingestehen, zu früh auf das Platzen der Internetblase gesetzt zu haben.

Im Jahr 1999 erreichte die Spekulation der Aktienmärkte fast ihren Höhepunkt – und der Nasdaq schoss noch einmal um 102 Prozent nach oben.

Hier die gewaltige Performance der Aktienindizes, beim Nasdaq bedeutete diese jährliche Performance eine Steigerung von 407 Punkten (Ende 1994) auf knapp 5000 Punkte im Jahr 2000.

Aktienmärkte: Die Blase Ende der 1990er-Jahre

Selbst ein Warren Buffett lag zu dieser Zeit jährlich um 15 Prozent hinter dem Nasdaq zurück. Er wurde sehr kritisiert und schon abgeschrieben, weil er so starke Zweifel an der Überlebensfähigkeit der Hightech-Titel geäußert hatte – ähnlich wie derzeit.

Der historische Einbruch

Wie immer in Endphasen einer Hausse der Aktienmärkte wurden die Bedenken beiseite gewischt und es wagten überproportional viele Unternehmen den Weg an die Börse. 1999 und in der ersten Phase des Jahres kam es zu 819 Börsengängen, das Daytrading wurde zur Mode, für das nicht wenige ihren Job aufgaben.

Der Auslöser für den großen Einbruch ab März 2000 war börsentypisch: Fedchef Greenspan hatte allein von 1999 auf 2000 die US-Leitzinsen von 5,5 auf 6,5 Prozent angehoben und offen Zweifel an den Bewertungen und der Fähigkeit der Dotcom-Stars geäußert, ihre Schulden zu bedienen. Es kam zu einer Reihe von Bilanzskandalen, vielen Insolvenzen und einem gigantischen Ausverkauf des Marktes. Bis Oktober 2002 war der NASDAQ um 75 Prozent von seinem Höchststand gefallen, er gab alle Gewinne in der Blase ab und der Einbruch brachte den Index wieder auf das Niveau von 1996 zurück.

Dennoch: Die Indizes kollabierten zwar in den Jahren 2000 bis 2002, aber die Renditen von 1994 bis 2002 konnte sich dennoch sehen lassen. Die großen Verluste entstanden bei denjenigen, die spät in die Aktienmärkte eingestiegen waren und natürlich bei denen, mit dem berühmten „Margin Debt“ oder die am Optionsmarkt tätig waren.

Die Verluste der Aktienmärkte nach Platzen der Blase

Was man aus dieser Übersicht auch ablesen kann, dass sich nach jeder Blase immer wieder Value durchgesetzt hat.

Wann ist eine Blase eine Blase?

Star-Fondsmanager Ray Dalio, David Lynch, Howard Marks, Seth Klarman, George Soros und Warren Buffett hatten alle die Blase der Aktienmärkte entdeckt und die Anleger vor den Gefahren gewarnt. Aber ihre Warnungen kamen zu früh. Von 1995 bis zum Höhepunkt im Jahr 2000 lagen Anleger, die internationale Aktien, Value-Aktien, Anleihen oder Rohstoffe in ihren Depots bevorzugten, um mehr als 20 Prozent pro Jahr hinter dem Technologieindex zurück.

Bereits im Jahr 2002 hatte sich das Bild gewandelt, das von mir schon oft erwähnte, weil über Jahrzehnte feststellbare „Reversion to the Mean“ hatte wieder zugeschlagen. Value-Aktien lagen wieder vorne und auch die Anleihen.

Eine ähnliche Situation finden wir auch heute vor: Wer ist nicht schon bei einer Tesla nach deren Durchstarten über 200 Dollar ins Grübeln gekommen, oder bei vielen anderen Tech-Aktien. „Fear of Missing out“ gilt für Privatanleger genauso wie für Institutionelle.

Es dürfte Managern schwerfallen, eine bevorstehende Blase überzeugend darzustellen, wenn Anleger nur einen Markt sehen, der sich ständig nach oben schraubt.

Auf der anderen Seite hat die frühzeitige Vorhersage einer Baisse nachteilige Auswirkungen, wenn der Vermögensverwalter zu vorsichtig agiert. Seine Kunden wollen keine Gebühren zahlen, um ihr Geld jahrelang parken zu lassen (speziell im Umfeld von Negativrenditen), während Privatanleger, wie die RobinHooder sich im Markt tummeln und mit überlegenen Renditen prahlen – selbst wenn man weiß, dass die Blase irgendwann platzen muss.

Die Geschichte zeigt jedoch, dass kein Marktzyklus ewig dauern kann, die Schwerkraft zwingt jeden Bullenmarkt in die Knie. Aber die Preiskomponente gibt keine Sicherheit über das Ende und das Platzen der Bubble, zumal wir eine absolut ungewöhnliche Situation haben, für die es keine Blaupause gibt. Eine (noch) marginalisierte Anleiheklasse als Konkurrenz zu den Aktien (der wohl größte Unterschied zu 2000), Notenbanken, die stets weiter Geld ins System pumpen und eine Wirtschaft, die per Lockdown und nicht aus Nachfragegründen in die Knie gezwungen wird. Wieder einmal wissen heute Investoren, dass Aktienmärkte teuer und in manchen Bereichen sogar irrational teuer sind.

Dieses Verhältnis von Growth zu Value-Aktien hat zumindest bis vor wenigen Wochen bereits das Niveau von 1999 erreicht und tendiert in Richtung Dotcom-Blase. Die Warnzeichen leuchten überall und es wird demnächst wohl eine erste Bereinigung geben, bei einer derart hohen Call-Spekulation genügt bereits ein kleiner Anlass, wie zum Beispiel eine kleine verbale Äußerung durch die Fed heute, durch die US-Börsenaufsichtsbehörde oder durch eine Überraschung in der Berichtssaison. Aber für das Platzen der Gesamtmarktblase bedarf es meiner Meinung nach erst einer Änderung der Konkurrenzsituation Aktien – Anleihen (Aktienmärkte 106 Billionen Dollar, Staatsanleihen über 60 Billionen Dollar plus Unternehmensanleihen), wo über 30 Billionen Dollar an Zinspapieren immer noch mit einer negativen Realrendite notieren. Das war im Jahre 2000 nicht der Fall.

Was bedeutet das für die Gegenwart?

Sollte es wieder einen Mega-Crash für die Tech-Werte à la 2000 bis 2002 geben, würden die Gewinne des Nasdaq gewaltig abschmelzen, von den 1100 Prozent Kurssteigerung bliebe aber noch einiges übrig. Aber sicher nichts für die Späteinsteiger, was die Mehrheit sein dürfte und erst recht nichts für die gehebelten Depots der RobinHooder. Noch ist es nicht soweit und es bestünde auch die Chance rechtzeitig das Risiko zu begrenzen. Aber eines hat bisher fast jede Hausse der Aktienmärkte gezeigt: Wenn es so richtig läuft, wird man nicht bescheiden und kurssichernd, sondern gierig. Wobei wir wieder bei dem wohl bekanntesten Bonmot von Warren Buffett wären..

Fazit

Dieser Rückblick zeigt, wie schwer es ist, in gewissen Marktphasen der Aktienmärkte ruhig zu bleiben und aber auch investiert, „zu tanzen solange die Musik spielt, aber immer in der Nähe des Ausgangs“, wie ein Spruch des Citigroup-Chefs Chuck Prince vor der Finanzkrise lautete. Vor allem nicht den Fehler zu machen zu Zeiten von Euphorie, mit „Options und Margin Debt“ zu operieren. „Leverage kills“, sagen die erfahrenen Hasen.

Außerdem ist es leicht für Außenstehende und Analysten, die kein Depot betreuen, cool zu bleiben und ständig die zweifellos vorhandenen Warnsignale zu verkünden. Aber was heißt das für Fondsmanager, die im Wettbewerb zur Benchmark stehen und daran gemessen werden – heute durch die Exchange Traded Funds mehr denn je? Wo die „Fear of Missing Out“ brutal zuschlägt!

Aufgrund all der beschriebenen Imponderabilien könnte tatsächlich die alte Kostolany-Strategie des „Buy and Hold“ Wiederauferstehung feiern.

Haben wir es doch im Jahr 2020 in brutaler Form erleben müssen: Vom 20. Februar ging es bis zum 23. März im Sturzflug um 33 Prozent beim S&P 500 nach unten, aber bereits am Tag darauf wieder um 9,4 Prozent nach oben, in drei Tagen um 17 Prozent. Wem war es hier gelungen rechtzeitig hinaus aber aber auch wieder in den Markt hinein zu gelangen? Die ganzen Hedgefonds-Strategien mit Einsatz von Algorithmen und künstlicher Intelligenz haben zu einem geführt, zu mehr Umsatz, aber nicht zu mehr Gewinn. „We are in a bubble, but it’s a logical bubble“, (Mohamed-El-Erian: Notenbanken und TINA), oh wie wahr, aber wann wird sie platzen?

Parallelen? Die Aktienmärkte heute und die Blase vor dem Jahr 2000?

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Gamestop, Elon Musk und die Fed! Videoausblick

Markus Fugmann

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Gestern war Gamestop die meist gehandlte Aktie an der Wall Street, nachdem nun auch Elon Musk mit einem Tweet den Hype noch einmal hat eskalieren lassen. Nachbörslich explodierte daraufhin die Aktie von Gamestop – und bringt damit Hedgefunds, de die Aktie geshortet haben, in große Schwierigkeiten. All das aber ist Ausdruck dessen, was vor allem die Fed mit ihrer Geldpolitik angerichtet hat: sie befeuert solche exzessiven Spekulationen und behauptet dabei, es gehe ihr mit ihren Interventionen um das reibungslose Funktionieren von Märkten. Wird die US-Notenbank heute vor solchen Exzessen wie bei Gamestop warnen? A propos Exzess: heute die Zahlen von Tesla, Apple und Facebook im Fokus (wir berichten dazu heute Abend ab 22Uhr bei finanzmarktwelt.de)..

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