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Banker: „Blutbad“ beim Brexit – bei knappem Remain Erholung nur von kurzer Dauer

FMW-Redaktion

Endlich mal ein Banker, der so richtig auf die Pauke haut. Klare Worte lieben wir doch alle. Bei einem Brexit werde es ein Blutbad an den Märkten geben, so beschreibt es Unicredit-Chefanalyst Erik Nielsen wortwörtlich in einer E-Mail an Kunden. Sollte die Abstimmung so ausgehen, dass man mit einem knappen Ergebnis doch in der EU bleibt, wäre jegliche Erholung nur von kurzer Dauer. Ein Jahr nach dieser Abstimmung wäre der Brexit erneut auf der politischen Agenda in UK, so Nielsen. Da gilt auch dann, wenn David Cameron nach einem knappen Verbleib in der EU politisch überleben werde. Nielsen sieht nur eine Chance für eine wirklich „Erholungsrallye“, nämlich wenn die Briten mit einer ganz klaren Mehrheit für den Verbleib in der EU stimmen, mit mindestens 55% für den Verbleib, so seine Meinung.

Das österreichische „Wirtschaftsblatt“ weist aktuell auf einen noch wenig beachteten Umstand hin, der immer noch als Problem für viele Privatpersonen existiert. So gäbe es in Österreich noch immer jede Menge offene Kredite von Privatpersonen, die in Schweizer Franken laufen. Bei einem Brexit könne der Franken Richtung Parität laufen, wodurch die Schuldenlast der Kreditkunden um ca. 10% steigen würde. Man verweist auf die wiederholten Warnungen der österreichischen Nationalbank, die Kreditkunden mögen doch bitte endlich ihre Franken-Kredite in Euro umwandeln. Dies sollten die Kreditnehmer laut Wirtschaftsblatt doch vielleicht jetzt noch vor der Brexit-Abstimmung tun.

EURCHF
EURCHF seit Anfang 2014. Gut zu sehen ist das Aufheben der 1,20-Schwelle durch die Schweizer Nationalbank am 15.01.2015.

Tja, letztlich ist jemand, der eine Fremdwährungskredit aufnimmt, nichts anderes als ein Devisenspekulant. Wie sich ab Freitag der Euro gegen den Schweizer Franken entwickelt, wer kann das schon genau sagen. Möglich bzw. anzunehmen ist, dass bei einem Brexit die Flucht in die „sicheren Häfen“ kräftig an Fahrt aufnimmt. Was zählt dazu? Gold, deutsche Staatsanleihen, und der Schweizer Franken. Es ist gut vorstellbar, dass wie vom Wirtschaftsblatt beschrieben daher diese Aufwertung eintritt, und Kreditnehmer, die wohl immer noch auf einem deutlich schwächeren Franken hoffen, einmal mehr draufzahlen.

Nochmal zurück zum Chefexperten von Unicredit. Bei einem knappen Remain in der EU sei jegliche Erholung von kurzer Dauer. Das ist zumindest eine klare Aussage. Basierend auf dieser Aussage kann man vorab eine klare Anlageentscheidung treffen, nämlich das Shorten der „normalen“ Anlageklassen, richtig? Und es ist ja sehr wahrscheinlich, dass ein Remain wenn überhaupt sehr knapp zustande kommt. Aber: Hat der gute Mann denn auch recht mit seiner Annahme? Nochmal: „Jegliche Erholung nur von kurzer Dauer?“ Ein Ereignis wie der Austritt eines Landes aus der EU hat es so noch nie gegeben – es gibt auch nichts Vergleichbares. Wir meinen es ist nicht prognostizierbar, was passiert. Realwirtschaftlich wird die Welt wohl kaum untergehen, weder in der EU noch in UK. Verlieren werden wohl beide, da sind sich die meisten Beobachter einig, aber das Leben wird weitergehen. Was der Markt vollgepumpt mit potenzieller Hysterie daraus macht: Das entscheide bitte jeder selbst, bzw. da bilde sich bitte jeder selbst vorher ein Urteil, oder bleibe einfach dem Markt für ein paar Tage fern. Denn auch der „beste Profi“ kann nicht vorhersehen, was bei so einem Ereignis passiert, das es so noch nie gab!



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1 Kommentar

  1. Weshalb sollte der Brexit ein Jahr später wieder Thema werden?

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