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Bargeld: 1.364 Euro pro Person gehortet – Bundesbank über Steuerhinterziehung

Bargeld Münzen und Scheine mit Geldkassette

Die Bundesbank hat heute als Teil ihres Monatsberichts eine Detailanalyse zum Thema Bargeld veröffentlicht. 2.000 Personen wurden repräsentativ befragt. Dabei kam heraus, dass jeder Deutsche im Jahr 2018 im Schnitt Bargeld in der Höhe von 1.364 Euro aufbewahrt hat, jenseits von den Beträgen in der eigenen Geldbörse. Nur 107 Euro hatten die Bürger hingegen im Schnitt in der Geldbörse.

Bargeld-Hortung habe nichts mit Steuerhinterziehung zu tun

Interessant ist die Frage, warum der deutsche Michel so viel Bargeld hortet. Denn 1.364 Euro ist ja nur ein Durchschnittswert. 22 Prozent der Befragten hatten gar keine Barreserve. 50 Prozent hielten 200 Euro oder weniger. 75 Prozent hielten höchstens 500 Euro. Beträge über 5.000 Euro wurden nur in 5 Prozent der Fälle beobachtet. Der höchste angegebene Wert lag bei 100.000 Euro. Handelt es sich um Steuerhinterziehung? Die Bundesbank ist sich ziemlich sicher, dass dies nicht der Fall ist. Vielmehr scheine mangelndes Vertrauen in die Sicherheit und Belastbarkeit der technischen Infrastruktur (z. B. Angst vor Hackerangriffen) ein wichtiger Erklärungsfaktor für hohe Bestände an Bargeld bei den Bürgern zu sein.

Na klar, kann man jetzt denken. Wer wird schon bei einer Befragung zugeben, dass man Bargeld zum Zwecke der Steuerhinterziehung hortet? Genau wegen diesem Problem hat man sich bei der Befragung Gedanken gemacht, um belastbare Aussagen zu erhalten, die auch wirklich der Wahrheit entsprechen. Mit den folgenden Maßnahmen will man sichergestellt haben, dass die Umfrageteilnehmer in Sachen Bargeld-Hortung und Steuern ehrlich antworten. Zitat Bundesbank:

Flyer informierten über die wissenschaftliche Zielsetzung der Befragung. Studienteilnehmer konnten bei Bedenken direkten Kontakt mit der Studienleitung aufnehmen. Während des Interviews gab es die Möglichkeit, die Antworten ohne Einsichtnahme durch den Interviewer direkt in den Befragungslaptop einzugeben, oder die Antworten mithilfe eines Papierfragebogens nachträglich anonym einzureichen. Zudem wurden besonders sensible Themen zunächst mit allgemeineren Fragen eingeleitet,
bevor der konkrete, persönliche Sachverhalt erfragt wurde.

Geld anhäufen bei Bank nicht mehr notwendig?

Wir meinen: Für den ganz klassischen deutschen Michel, der früher noch kleine monatliche Überschüsse aufs Sparbuch umbuchte, gibt es derzeit keinen Unterschied mehr zwischen Sparkonto und Hortung von Bargeld zuhause. Beides wird nicht verzinst und verliert durch die Inflation jedes Jahr etwas an Wert. Aber auf der Bank, da gehört das Geld nicht direkt dem Bürger, sondern der Bürger hat als Gläubiger eine Geldforderung gegen die Bank. Hortet man Bargeld zuhause, ist man auch wirklich direkt Eigentümer und Besitzer der Geldscheine!

Laut Bundesbank nimmt die durchschnittliche Haltung von Bargeld bis zum Alter von 65 Jahren zu. Personen ab 65 würden hingegen wieder weniger Bargeld halten. Die hohen Barrücklagen kurz vor Eintritt in den Ruhestand können laut Bundesbank auf eine Reserve für das Rentenalter hindeuten, die nach dem 65. Lebensjahr langsam abgebaut werde. Auch wurden die Umfrageteilnehmer befragt, was sie glauben, warum Menschen generell Ersparnisse in Form von Bargeld halten. Die Antworten der Befragten sind auch im folgenden Schaubild dargestellt. Ausgewertet wurden die Antworten von Personen, die selbst Bargeld halten, da bei dieser Gruppe der Rückschluss auf das eigene Verhalten erfolgen soll. Die größte Bedeutung haben finanzielle und praktische Überlegungen:

Es gibt kaum noch Zinsen von den Banken“ (58 %)
Bargeld ist das gängigste Zahlungsmittel“ (55%)
Bargeld kann man immer nutzen, auch wenn die Technik nicht funktioniert“ (41%)
Bargeld kostet keine Gebühren“ (31%)
Der Schutz der persönlichen Daten durch den anonymen Charakter des Bargelds (23%)
Absicherung gegen Banken- oder Staatskrisen (19%)
Das steuerliche Motiv/Vermögen vor dem Staat geheim halten (12%)

Tabelle mit Umfrageergebnissen der Bundesbank zum Thema Bargeld



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