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Bargeldverbot: Freiheit und Privatsphäre sind wichtig, aber der wichtigste Aspekt wird übersehen

FMW-Redaktion

Bargeldverbot? Panik? Der Staat kontrolliert und überwacht uns bis ins letzte? Die mögliche Abschaffung der 500 Euro-Scheine und die mögliche Grenze von maximal 5.000 Euro in bar pro Kauf, wie sie jetzt in der Diskussion ist, sind der erste Schritt in eine totale finanzielle Überwachung und Entmündigung der Bürger durch den Staat?

Das ist eine reale Befürchtung, die derzeit auch umfangreich in der Presse besprochen wird, u.a. auch vom Spiegel Online-Kolumnisten Sascha Lobo, der letzte Woche titelte „Bargeld kann man nicht überwachen“. In seinen Kolumnen besprach er regelmäßig den NSA-Skandal, wo die meisten anderen das Thema schon längst vergessen hatten. Die Themen Freiheit und Selbstbestimmung werden in seinen Kolumnen immer wieder thematisiert. So ist es auch gut das Thema „Bargeld Staat elektronisches Geld“ in diesem Kontext ausführlich zu besprechen. Jüngst meldete sich auch der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht Hans-Jürgen Papier in der FAZ zu Wort und spricht sogar vom „Recht auf Bargeld“. Die Abschaffung von Bargeld wäre sogar verfassungswidrig. So wird er folgendermaßen zitiert:

„Dies wären nicht gerechtfertigte Eingriffe in Freiheitsrechte, nämlich in die Vertragsfreiheit und Privatautonomie. Zudem habe das Verfassungsgericht immer wieder betont, „dass die Freiheitswahrnehmung der Bürger nicht total erfasst und registriert werden darf“.

Aktuell springt auch Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele dem Bargeld bei, denn er sagt gegenüber der FAZ eine Währung lebe vom Vertrauen, und es wäre fatal wenn das Vertrauen der Bürger beschädigt würde. Auch sagte er bei Bargeld ginge es auch um die Freiheit der Bürger, Zitat „Freiheit stirbt scheibchenweise“.

Die Betonung der finanziellen Selbstbestimmung des Bürgers (oder wie man es sonst nennen will) ist wichtig und richtig. Wir möchten heute an dieser Stelle aber nach dem Oktober ein zweites Mal darauf hinweisen, dass Bargeld für jeden einzelnen Bürger auch einen ganz knallharten Vorteil hat. Horrorszenario: Eine große deutsche Bank oder mehrere Banken geraten ins Wanken und „das Volk“ fürchtet um seine Kontoguthaben. Bei einer richtig großen Pleite nützt auch ein kein Banken-Einlagensicherungsfonds – der verpufft dann wie ein Sandkorn im Meer. Hat der Bankkunde das Gefühl sein Geld ist nicht mehr sicher, kann er jetzt zum Automaten gehen, das Geld in bar abheben und unters Kopfkissen legen. Gibt es irgendwann (Deutsche Bank-Chef: in 10 Jahren kein Bargeld mehr) kein Bargeld mehr, wie soll der Kunde sein Geld dann in Sicherheit bringen?

Er müsste rein theoretisch sein Geld irgendwohin ins Ausland überweisen, wo es noch Bargeld gibt und sich dort auszahlen lassen. Aber wenn es schnell gehen muss, wer hat da mal eben ein Auslandskonto parat? Der normale Kleinsparer sicher nicht. Der hat sein Geld nur noch in elektronischer Form vorliegen und ist auf Gedeih und Verderb der Bank ausgeliefert und muss sich zu 100% darauf verlassen, dass der Staat die Verlässlichkeit des Finanzsystems garantiert. Und wenn er das nicht mehr kann? Dann ist der Bürger entmündigt. Bei einem Moratorium drückt in der Bank jemand nur auf einen Knopf und Überweisungen sind nicht mehr möglich. Mangels Möglichkeiten der Bargeld-Abhebung sieht der Kunde sein Geld auf dem Kontoauszug, einem dann wertlosen Stück Papier, weil er an das Geld nicht rankommt, mangels Möglichkeit der Bargeld-Abhebung.

Da wäre es doch gut, wenn es auch in Zukunft Bargeld geben würde. Es ist nicht nur beruhigender für die Bürger sein Eigentum vor dem Zugriff der Bank entziehen zu können. Diese Möglichkeit setzt die Bank auch unter Zugzwang seriös zu wirtschaften – denn sie weiß, solange es Bargeld gibt, kann der Kunde zum „Bank run“ Richtung Automat ansetzen.



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