Anleihen

Bauzinsen: Alarmstimmung? Renditen weisen den Weg

Die Bauzinsen sind seit März weniger stark gestiegen als Anleiherenditen. Und die erleben aktuell deutlich Auftrieb. Also Obacht Häuslebauer!

Wohngebäude in der Hamburger Hafencity
Wohngebäude in der Hamburger Hafencity. Foto: Claudio Kummerfeld

Alarm: Die Bauzinsen mit zehn Jahren Sollzinsbindung sind seit Ausbruch des Iran-Kriegs Anfang März laut Daten des Anbieters Interhyp von 3,55 % auf 3,88 % angestiegen, also ein Zuwachs um 0,33 Prozentpunkte! Die zehnjährige Rendite für deutsche Bundesanleihen ist im selben Zeitraum angestiegen von 2,64 % auf 3,16 %, also ein Plus von 0,52 Prozentpunkten.

Entwicklung der deutschen Bauzinsen in den letzten drei Monaten

Bauzinsen hängen an Anleiherendite

Die Anleiherenditen sind quasi der Ausgangspunkt für die Bauzinsen in Deutschland. Wer als Kapitalanleger am „Sichersten“ anlegen will, kauft deutsche Bundesanleihen. Wollen Banken für die Ausgabe von weniger sicheren Pfandbriefen überhaupt Investoren am Anleihemarkt als Käufer gewinnen, müssen sie in Sachen Rendite logischerweise einen spürbaren Aufschlag auf Bundesanleihen zahlen. Steigen die Bund-Renditen, müssen daher die Renditen für Pfandbriefe deutlicher ansteigen. Unter anderem über Pfandbriefe refinanzieren die Banken ihre Kreditvergabe an Häuslebauer. Und was die Banken an höheren Finanzierungskosten haben, geben sie natürlich an die Kreditkunden in Form höherer Zinsen weiter! Die Bauzinsen hängen also davon ab, wie sich tagtäglich am freien Anleihemarkt die Renditen für Staatsanleihen entwickeln. Und diese Rendite-Entwicklung hat verschiedene Einflussfaktoren!

Inflation treibt Renditen nach oben

Seit Anfang März ist der Iran-Krieg der entscheidende Einflussfaktor, abgesehen von der massiven Ausweitung der Neuverschuldung des deutschen Staates, die die Anleiherendite tendenziell weiter nach oben antreibt. Der Iran-Krieg sorgt für höhere Inflation (Benzin, Diesel, Gas etc). Zentralbanken – so auch die EZB – tendieren nun dazu die Zinsen anzuheben, um dieser Inflation zu begegnen. Diese Aussicht treibt im Voraus die Anleiherenditen europaweit nach oben. Also leiden die Bauzinsen in den nächsten Tagen vermutlich unter einem weiteren Anstieg.

Bald ziehen Bauzinsen nach?

Denn stets mit ein paar Tagen Verzögerung vollziehen die Bauzinsen im Groben nach, was am freien Anleihemarkt los ist. Und wenn die Bund-Renditen seit Kriegsbeginn um 52 Basispunkte zugelegt haben, die Bauzinsen aber nur um 33 Punkte – dann ist deutlich Nachholpotenzial vorhanden. Es ist also gut möglich, dass Häuslebauer, die demnächst einen neuen Kreditvertrag unterschreiben, plötzlich vor einer deutlichen Verteuerung ihres monatlichen Belastung stehen, weil die Bank die Bauzinsen noch schnell nach oben anpasst. Natürlich leiden auch gewerbliche Kreditnehmer unter steigenden Anleiherenditen, weil auch andere Kreditarten dadurch beeinflusst werden.

Deutsche Anleiherendite steigt deutlich an durch Iran-Krieg Entwicklung der Anleiherendite mit zehn Jahren Laufzeit in den letzten drei Monaten.



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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3 Kommentare

  1. Überteuerter Schrott der eine Sicherheit suggerieren soll die man spätestens im Pflegefall sowieso verlieren wird. Dafür opfert man gerne knapp über die Hälfte seiner Lebensarbeitszeit für Steuern um diesen überteuerten Schrott abzuzahlen.

    1. Ich sage immer: Ein Gefängnis welches Mann selber baut und zahlt und dann der Frau schenkt. Tolles Investment.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Bis Mitte der Neunziger lagen die Bauzinsen in Deutschland bei um die 7,5 Prozent im Schnitt… trotz Bauparvertrag…

    Die heutigen Zinsen sind demgegenüber ein Witz…

    Was dagegen explodierte waren die Baulandpreise…teilweise… wie hier in München…. um den Faktor Fünf …im Vergleich zu 1995 ….

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