Anleihen

Bauzinsen und Anleiherenditen: Es geht aufwärts – zwei Gründe

Anleiherenditen und im Schlepptau die Bauzinsen tendieren aufwärts. Der Iran-Krieg und die Schuldenexplosion beim Bund stecken dahinter.

Deutschland-Flagge vor Reichstag in Berlin
Deutschland-Flagge vor Reichstag in Berlin. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt.de

Die Anleiherenditen klettern, und damit dürften bald auch die Bauzinsen weiter ansteigen! Im folgenden Chart sehen wir die Entwicklung seit Herbst 2024. Als die Koalitionäre im März 2025 das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen sowie die unbegrenzte Aufrüstung verkündeten (beides auf Pump), lag die zehnjährige Rendite für deutsche Bundesanleihen noch bei 2,50 %. Heute sind es 3,12 %. Die Tendenz läuft seit mehr als einem Jahr aufwärts. Wenn der Bund neue Schulden aufnimmt, muss er sich daran orientieren. Somit steigt die Zinslast für den Bundeshaushalt dramatisch an, alleine schon durch das höhere Zinsniveau.

Steigende Anleiherenditen in Deutschland

Anleiherenditen im Aufwind – die Gründe

Gerade in den letzten Tagen sah man nochmal einen Anstieg der Anleiherenditen. Die 10jährige Bund-Rendite stieg seit dem 26. Juni von 2,84 % bis jetzt auf 3,12 %. Zuletzt gab es zwei Ereignisse, die hinter diesem Anstieg stehen. Einerseits ist der Iran-Krieg wieder aufgeflammt, und Lieferungen durch die Straße von Hormus werden wieder schwieriger. Dies treibt Inflationssorgen an, was wiederum höhere EZB-Zinsen bedeuten könnte. Die Anleiherenditen nehmen so ein Szenario vorweg.

Aber im Hintergrund, da läuft vor allem die große Neuverschuldung der Bundesregierung. Wir alle haben es in den letzten Tagen gesehen. Die Kassen sind leer, obwohl man so viel Geld einnimmt wie nie zuvor. Das hart veruntreute Geld aus dem „Sondervermögen“ wird an vielen Stellen benutzt, um Löcher im Haushalt zu stopfen. Nach und nach nimmt der Bund mehr Schulden auf, um damit den Bundeshaushalt und auch das Sondervermögen zu füttern.

Die Nettokreditaufnahme soll im nächsten Jahr bei 118,7 Milliarden Euro liegen nach 98 Milliarden Euro in 2026. Dazu kommen neue Schulden für das Sondervermögen und die Bundeswehr. Insgesamt soll die Neuverschuldung 2027 bei 200 Milliarden Euro liegen und auf 219,5 Milliarden Euro bis 2030 steigen. Je mehr neue Schulden, desto mehr Aufwärtsdruck für die Anleiherenditen. Es ist wie im normalen Leben auch: Große Nachfrage nach einer Ware treibt den Preis nach oben. In diesem Fall ist die Ware frisches Geld vom Anleihemarkt, und der Preis ist der Zins (Rendite).

Bauzinsen folgen

Die Bauzinsen mit zehn Jahren Sollzinsbindung lagen vor zwölf Monaten noch bei 3,60 %, heute bei 3,93 %, laut Daten von Interhyp. Vermutlich werden sie weiter ansteigen. Denn die Bauzinsen folgen den Anleiherenditen. Banken refinanzieren ihre Baukredite über Pfandbriefe, deren Renditen sich an den sichersten Anleihen am Markt orientieren, nämlich den Bundesanleihen. So dürften Häuslebauer dank steigender Kreditzinsen jeden Monat mehr Belastung vor sich haben. Dank Iran-Krieg, aber strukturell vor allem wegen der massiven Neuverschuldung der Bundesregierung.

Bauzinsen steigen



Claudio Kummerfeld
Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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4 Kommentare

  1. Mit den im obigen Bericht genannten höheren Renditen für BRD-Bundesanleihen ändert sich auch die Ausgangslage für ein eventuelles vorziehen der zweifelsfrei beschlossenen Senkung der Körperschaftssteuer von 15% auf 10% ab dem Jahr 2028 bis zum Jahr 2032 in jährlichen Schritten um jeweils 1%. Die genannte Steuersenkung vorzuziehen, wird innerhalb der Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition vereinzelt gefordert. Und es sind ja nicht ausschließlich die Dax-Konzerne, welche zur Körperschaftssteuer herangezogen werden, sondern eben auch mittelständische Unternehmen in Form einer GmbH.

  2. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Angesichts der Inflation wäre eine Umlaufrendite …wie zur Zeit vor der Finanzkrise gerechtfertigt…4,5 Prozent…

    Die heutige Umlaufrendite ist ein Witz…

    1. Was kann denn die Umlaufrendite für teures Öl (Irankrieg, Ukrainekrieg), teure Nahrungsmittel (Ukrainekrieg) und bescheuerte Wirtschaftspolitik?

  3. Wer ein energetisch hochwertiges Haus oder Wohnung kauft zahlt absehbar, abzüglich der Inflation, netto unter 2 % Zinsen. Für 10 Jahre festgelegt, ist das ein großer Vorteil gegenüber einer Miete die alle 3 Jahre um 15% steigen könnte.
    Wer noch Miete zahlt ist hier sicherer unterwegs als wenn man sein Vermögen in Gold anlegt.
    Ausgenommen natürlich, man ist sich nicht sicher das man dauerhaft im neuen Haus wohnen möchte.

    Wer durch eine Stadt fährt, übers Land fährt braucht sich nur zu fragen, wem das alles gehört. Wer erbt das alles? Wieviel Erbschaftsteuer wird darauf erhoben.
    Eine Kleinstadt mit 25.000 Einwohner hat bereits ein Vermögen an Wohngebäuden von über 1 Milliarde Euro.
    Wer in eine solche Rente einbezahlt verliert alles sobald er stirbt. Da gibt’s nichts zu erben.
    Wer ein Haus abbezahlt vererbt dieses Haus.

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