Folgen Sie uns

Aktien

Bayer-Desaster: 2 Milliarden Dollar für krebskrankes Paar – Gegenargumente im Wortlaut

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Es ist ein erneutes MEGA-Debakel für Bayer. Erneut möchten wir betonen, dass es doch höchst merkwürdig ist, dass die Lawine von Urteilen gegen Bayer in den USA erst dann losgetreten wurde, nachdem Bayer Monsanto übernommen hatte. Aber egal. Verschwörung hin oder her. Heute Nacht hat ein krebskrankes paar in Kalifornien von einer Jury 2 Milliarden Dollar Schadenersatz von Bayer zugesprochen bekommen. Das Unkraut-Vernichtungsmittel Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat soll schuld an ihrer Krebserkrankung sein.

Werbung: Gratis in Aktien und ETFs investieren. Null-Provision, Null-Aufwand! Erhalten Sie eine Gratisaktie im Wert von bis zu 100€

Nochmal: Was für ein Desaster für Bayer. Und eine gigantische Welle weiterer Klagen ist ja noch nicht durch verhandelt. Dieses aktuelle Urteil ist das dritte in kurzer Zeit. Und in allen drei Fällen bekamen die Kläger recht. Bayer geht natürlich in Berufung. Und es ist gut denkbar, dass selbst bei Aufrechterhaltung des Urteils die Schadenssumme deutlich reduziert wird. Aber das Thema hatten wir schon mal besprochen. Selbst wenn es „nur noch“ 50 oder 100 Millionen Dollar Schadenersatz sein sollten. Man rechne das mal hoch auf tausende von Klägern, die mutmaßlich größtenteils ihre Prozesse gegen Bayer gewinnen.

Bayer zeigt sich in einer offiziellen Stellungnahme „enttäuscht“ von dem Urteil. Beide Seiten werfen sich (vereinfacht gesagt) vor mit fehlerhaften, unvollständigen oder nur in Auszügen benutzten Studien zu arbeiten. Für die Aktie von Bayer ist dieses Urteil erneut ein Debakel. Wird Monsanto den Bayer-Konzern in seiner Substanz vernichten? Niemand weiß es, solange wichtige Referenz-Urteile noch nicht endgültig durch alle Instanzen verhandelt wurden. Die Bayer-Aktie notiert aktuell bei -4% gegenüber dem gestrigen Schlusskurs.

Hier Bayer im Wortlaut mit seinen Gegenargumenten zum aktuellen Urteil:

Das Jury-Urteil steht in direktem Widerspruch zu der Einschätzung der US-Umweltschutzbehörde EPA, die erst vergangenen Monat im Rahmen der vorläufigen Zulassungsüberprüfung veröffentlicht wurde. Nach Auffassung der EPA sowie weiterer führender Regulierungsbehörden sind glyphosatbasierte Produkte bei sachgerechter Anwendung sicher und Glyphosat ist nicht krebserregend. Diese Einschätzungen basieren auf Erkenntnissen aus 40 Jahren umfangreicher wissenschaftlicher Forschung.

Wir haben großes Mitgefühl für Herrn und Frau Pilliod. Die Beweislage in diesem Fall ist jedoch eindeutig: Beide Kläger hatten eine lange Historie von Vorerkrankungen, die bekanntermaßen erhebliche Risikofaktoren für eine Erkrankung am Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) darstellen. Zudem ist bei den meisten NHL-Erkrankungen die Ursache nicht bekannt. Zur Bejahung der Kausalität in diesem Fall hätte die Jury feststellen müssen, dass die Krebserkrankungen der Kläger ohne den Einsatz von glyphosatbasierten Herbiziden nicht eingetreten wären. Für eine solche Schlussfolgerung gibt es allerdings keine verlässlichen wissenschaftlichen Nachweise.

Der Kontrast zwischen dem heutigen Urteil und der Schlussfolgerung der EPA, dass es „keine Risiken für die öffentliche Gesundheit durch die derzeit zugelassene Verwendung von Glyphosat“ gibt, könnte nicht stärker sein. Die Schlussfolgerung der EPA basiert auf Auswertungen einer Datenbank mit mehr als 800 Studien zu Glyphosat und den glyphosatbasierten Herbiziden von Bayer, die sich auf die Gesundheit von Menschen und Säugetieren beziehen. Im Rahmen ihrer Bewertung zum Krebsrisiko von 2017 untersuchte die Behörde darüber hinaus auch zahlreiche Studien aus der öffentlich verfügbaren Literatur.

Im Gegensatz dazu präsentierten die Kläger der Jury in diesem Fall gezielt ausgesuchte Ergebnisse aus einem Bruchteil der insgesamt verfügbaren Studien. Die präsentierten Studien wiesen erhebliche Defizite auf: So wurde beispielsweise nicht danach unterschieden, welche anderen Pflanzenschutzmittel die Anwender verwendeten. Zudem waren die Ergebnisse nicht statistisch signifikant, bezogen nur eine sehr kleine Gruppe von Anwendern ein oder sind mit dem gesamten Spektrum wissenschaftlicher Erkenntnisse generell unvereinbar. Die Kläger haben sich zudem in erheblichem Umfang auf die Einschätzung der International Agency for Research on Cancer (IARC) aus dem Jahr 2015 bezogen. Wie die EPA jedoch feststellte, war ihre Bewertung des Krebsrisikos „robuster“ und „transparenter“ als die Bewertung der IARC, die nur auf einer Teilmenge der von der EPA berücksichtigten Studien basiert. Die Bewertung der IARC bleibt eine Einzelmeinung, die nicht im Einklang steht mit den Auffassungen internationaler Gesundheitsbehörden und wissenschaftlicher Einrichtungen.

Bayer
Foto: Bayer AG

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    werner

    14. Mai 2019 10:08 at 10:08

    Wird Monsanto den Bayer-Konzern in seiner Substanz vernichten?
    Ja, klar. Und ebenso klar reiht sich diese Story in eine Reihe anderer Vorgänge ein, in denen zwei total verschiedene Rechtssysteme kollidieren.

  2. Avatar

    Hans

    14. Mai 2019 10:20 at 10:20

    Wenn man mit Monsantos Pflanzenschutzmittel zu sehr in Kontakt kommt, wird sicher dass Immunsystem geschwächt. Was als Folge den Ausbruch von Krebs fördert. Bei uns wurde deswegen der Verkauf von z.B. Roundup stark eingeschränkt. Da geht es wohl weniger um die Sache, mehr wer die Stärkste Lobby hat. Wenn die Monsanto Lobby verliert, wird von Bayer wenig übrig bleiben.

  3. Avatar

    Shong09

    14. Mai 2019 11:10 at 11:10

    Solange kein Gewinn- und Verlustabführungsvertrag/ und -deckungsvertrag vorhanden ist einfach Monsanto pleite gehen lassen. Es wurde doch berichtet, dass es als eigenständige Tochter separiert ist.
    Aber ich glaube, dafür sind sie zu blöd, genau so wie VW.
    Aus dem Land zurückziehen und fertig. Bis man 30 Mrd.$ Gewinn da drüben verdient hat…, wird wohl nicht passieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Aktien

Tesla: Frank Thelen ist voll des Lobes über den „Battery Day“ -Video

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Innenansicht eines Tesla-Autos

Für die Börsianer war der diese Woche stattgefundene „Battery Day“ von Tesla eine Enttäuschung. Die Produktion viel günstigerer Autos mit sehr langer Batterielaufzeit dauere noch drei Jahre. Und zack, die Aktie von Tesla fiel spürbar. Aber der aus der „Höhle der Löwen“ bekannte Investor und Tech-Experte Frank Thelen singt im folgenden Instagram-Video ein Loblied auf den Battery Day von Tesla. Er sieht hier von A-Z ein sensationelles Konzept, und einen großen Schub hin zu einem wirklich erschwinglichen Auto. Dass so ein riesiger Sprung nach vorne nun mal nicht sofort funktioniere, sondern drei Jahre dauere, sei ganz normal. Aber sehen Sie selbst.

weiterlesen

Aktien

Aktien: Vermögensreport offenbart, Deutsche investieren mehr

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik wirkt, die Bürger wenden sich stärker Aktien zu

Avatar

Veröffentlicht

am

Entdecken die Deutschen plötzich ihre Liebe zu Aktien? Der aktuelle Allianz Global Wealth Report hat es dargelegt: Die Notenbankpolitik der Länder wird dazu führen, dass das Vermögen der Wohlhabenden global trotz Corona ansteigen wird – auf 198 Billionen Euro zu Jahresende – FMW berichtete darüber. Der Report zeigt aber auch, dass sich die deutschen Sparer mehr den Aktien als Anlagevehikel zuwenden.

Aktien: Corona und die Vermögensbildung

Die Volkswirte der Allianz werteten Daten aus 57 Nationen aus, zum Vermögen aus Bargeld und Bankeinlagen, angelegtem Geld in Versicherungen und Pensionskassen sowie Anlagen in Wertpapieren und Fonds. Trotz der Pandemie erhöhte sich dies im ersten Halbjahr des Jahres um 1,5 Prozent, der Frühjahrseinbruch von geschätzten 4,3 Prozent ist damit mehr als ausgeglichen. Über die Gründe braucht nicht großartig spekuliert zu werden: Staatliche Rettungsprogramme, die Geldpolitik der Notenbanken, eine erhöhte Sparneigung der Konsumenten und natürlich der Anstieg der Aktien. Noch ein kurzer Blick auf die Vermögensübersicht der Länder pro Bürger:

USA: 209.524 Euro
Schweiz: 195.388 Euro
Singapur: 116.657 Euro

18. Deutschland: 57.097 Euro

An dieser Übersicht wird wieder einmal das Problem einer statistischen Erfassung von Durchschnittswerten ersichtlich. Die vier reichsten Amerikaner besitzen ein Vermögen von über 500 Milliarden Dollar, verteilt auf die 331 Millionen Amerikaner würde dies bereits 1500 Dollar pro Bürger ergeben. Dabei gab es 2019 allein schon 607 Milliardäre in den Vereinigten Staaten. Man bräuchte aus so einer Statistik nur den reichsten Mexikaner, Carlos Slim, aus der Liste entfernen und schon hätte man veränderte Zahlen für das Land. Aber erstaunlich ist diese Vermögensverteilung auf der Welt dennoch. Im Jahr 2019 lagen von den 192 Billionen Euro Weltvermögen nicht weniger als 83,7 Billionen in den USA.

Die Entwicklung in Deutschland

Was bedeutet das für das Land der (Geld-)Sparer, mit deren 2,4 Billionen Euro auf nicht verzinslichen Konten? Die Allianz stellt fest, dass sich die Bankeinlagen um 3,5 Prozent und damit weniger als in anderen Ländern erhöht haben (Frankreich plus 6 Prozent, China plus 9 und die USA plus 10 Prozent).

Dennoch stieg das Vermögen der Haushalte um 1,3 Prozent im ersten Halbjahr und sollte nach der Schätzung der Allianz zum Jahresende 6,8 Billionen Euro erreichen. Da dies nicht am Geldmarkt zu verdienen war, deutet dies auf eine Verhaltensänderung im Sparverhalten hin.

Die langsame Hinwendung zu Aktien

Lange hatte man es eigentlich schon erwartet, dass die Enteignung der Geldsparer durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank wirkt und sich die Bürger stärker den Aktien zuwenden. Die Allianz stellt fest, dass die deutschen Sparer in den vergangenen drei Jahren 20 Prozent ihrer verfügbaren Ersparnisse direkt in Aktien angelegt haben. Auf Sechsjahressicht waren dies 5,8 Prozent und das Interessante daran ist, dass US-Bürger in dieser Zeit nur 0,7 Prozent in Aktien investiert haben. Das bevorzugte Investment waren börsengehandelte Indexfonds. Allerdings beziehen sich diese Werte auf die Zeit vor Corona und seither gibt es den großen Hype um die gebührenfreien Brokerdepots – Stichwort RobinHood. Diesen Trend gibt es auch in Deutschland mit der riesigen Zahl neu eröffneter Depots bei günstigen Direktanlagebanken.

Es verändert sich auch der so genannte Home Bias, also die Bevorzugung heimischer Titel. Deutsche Anleger investieren verstärkt in ausländische Aktien, die Quote stieg in den vergangenen sechs Jahren von 25 auf 38 Prozent. Aber noch ist Deutschland weit von der angelsächsischen Aktienpräferenz entfernt.

In den USA liegen 53 Prozent der Ersparnisse auf Wertpapierkonten, in Deutschland 25 Prozent.

Fazit

Auch wenn das Pflänzchen Anlage in Aktien in Deutschland langsam wächst, sind es laut Allianz vorwiegend die Haushalte mit einem höheren Einkommen, die sich an diese Assetklasse heranwagen. 30 Prozent unserer Haushalte besitzen kaum Geldvermögen. So zählt auch Deutschland zu den Ländern, in dem „die Vermögensverteilung relativ ungleich verteilt ist“, so Arne Holzhausen, Leiter Insurance und Wealth Markets bei der Allianz.

Die Deutschen entdecken ihre Liebe zu Aktien

weiterlesen

Aktien

Abwarten beim Dax, ifo steigt, 5G startet, Tradingideen bei Adidas und Mastercard

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Sollte man sich jetzt in den Dax reinkaufen? Im folgenden Video bespricht Manuel Koch die aktuelle Lage und die Aussicht für die nächsten Wochen mit einem Experten. Noch 3 bis 4 Wochen solle man abwarten. Würden die Kurse dann zurückkommen, seien es Kaufkurse. Wenn nicht, dann sehe der Markt neue Jahreshöchststände.

Der heute veröffentlichte ifo-Index gebe weiteren Optimismus für die deutsche Konjunktur. Auch im Video angesprochen wird das von Telefonica an den Start gebrachte 5G-Netz.

Konkret besprochen werden im folgenden Video zwei Handelsempfehlungen der trading house Börsenakademie. Die Aktien von Adidas und Mastercard seien beide ein Kauf. Man könnte mit einer Stop-Buy-Order einsteigen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen