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Bayer, Monsanto und das Warten auf die neue EU-Zulassung für Glyphosat

FMW-Redaktion

Die EU-Mitgliedsstaaten konnten gestern keine Einigung herbeiführen, ob das hochumstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat über Juni hinaus weiterhin in der EU zugelassen sein wird. Erst einmal gibt es keine neue Abstimmung, und ganz besonders in Deutschland ist auch heute völlig unklar, ob sich die Befürworter um die CDU durchsetzen oder ob die SPD sich als Gegenpart endlich mal mit einem Nein gegen Angela Merkel profilieren kann – so ein Achtungserfolg käme der SPD derzeit wohl mehr als gelegen.

Letzte Woche gab es schon konkrete Gerüchte, und gestern bestätigten Monsanto wie auch Bayer offiziell, dass man über eine Monsanto-Übernahme durch Bayer verhandelt. Man darf vermuten, dass den Damen und Herren von Bayer es überhaupt nicht in dem Kram passt, dass die Verlängerung der Glyphosat-Zulassung für die EU gerade jetzt zu scheitern droht. Denn bei 15 Milliarden Dollar Gesamtumsatz von Monsanto in 2015 erwirtschaftete die Sparte „AGRICULTURAL PRODUCTIVITY SEGMENT“, zu der auch das Produkt Roundup gehört (Wirkstoff Glyphosat), 4,7 Milliarden Dollar Umsatz.

Nach Monsanto-Angaben bringen die Märkte „Europa und Afrika“ nur 12% des Gesamtumsatzes. Man schlüsselt den Roundup-Umsatz aber nicht nach Regionen oder Ländern auf. Wird Glyphosat also in der EU nicht weiter zugelassen, kann Monsanto als Konzern das verkraften, weil Europa nicht der Hauptmarkt ist. Dennoch wäre es ein bedeutender Rückschlag mit Signalwirkung. Wenn die Europäer Glyphosat verbieten, folgen irgendwann andere Länder oder Regionen? Umweltschützer haben schon darauf hingewiesen, dass Konkurrenzprodukte von Roundup noch schädlicher sind, aber das führen wir jetzt mal nicht weiter aus. In Europa immerhin ist es das wichtigste Plannzenschutzmittel für Ackerflächen in UK und hat auch 40%-Marktanteil in Deutschland, so grobe Schätzungen.

Also darf man davon ausgehen, dass Bayer nicht die Katze im Sack kaufen will? Monsanto hat jetzt aktuell schon einen Börsenwert von 44,5 Milliarden Dollar. Da ist es naheliegend, dass man vor einer großen Neuverschuldung durch die Übernahme lieber abwartet, ob man Produkte kauft, die auf dem absteigenden Ast sind. Es hängt wohl an den allzu kritischen (nervigen?) Deutschen. Wer setzt sich durch? Merkel oder der gute Sigmar, der endlich mal wieder punkten muss? Das könnte evtl. Auswirkungen bis auf diese Übernahme haben, so kann man es vermuten.

Am letzten Donnerstag, als das erste konkrete Gerücht die Runde machte Bayer wolle Monsanto übernehmen, brach der Bayer-Kurs ein und der von Monsanto schoss nach oben – das übliche Muster. Gestern durch die offiziellen Bestätigungen der Firmen gab es nochmal Kursschübe in beide Richtungen. Wir berichteten schon letzte Woche über die mögliche (!) Tradingidee für Mutige, in eine überverkaufte Bayer einzusteigen bzw. eine überkaufte Monsanto zu shorten. Die Kurse der Aktien verliefen langfristig ganz grob gesagt parallel (negativ).

In den letzten Tagen gingen die Kurse wie beschrieben stark auseinander. Kommt die Übernahme nicht zustande, sollten sich die Kurse möglicherweise (!) wieder relativieren, also Monsanto Short und Bayer Long. Auch wenn die Übernahme funktioniert, könnten langfristig orientierte Anleger zu jetzt günstigen Kursen bei Bayer reinkommen. Aber auch das basiert ja nur auf der aktuellen Betrachtungsweise. Ein weiteres Abrutschen der Aktie ist ja nicht ausgeschlossen. Auch durch einen noch so hohen Kaufpreis für Monsanto erhöht sich ja der Firmenwert von Bayer, das sollte man für eine langfristige Betrachtungsweise immer im Auge behalten!

Monsanto Bayer Glyphosat
Die Aktien von Monsanto (orange) und Bayer (schwarz) seit November 2015.



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1 Kommentar

  1. Lebensmittelhandel an der Börse ist pfui .

    Sollte man nicht auch von solchen dreckschleudern Abstand nehmen ?!

    Von Monsanto auf jedenfall …von Bayer zumindest wenn es um diese Übername geht !?

    Jeder ist ein kleines Rädchen !

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