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Bedingungsloses Grundeinkommen: Lösungsansatz und Problem zugleich

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Von Claudio Kummerfeld

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) könnte das entscheidende Problem der Arbeitswelt 4.0 lösen, das uns demnächst bevorsteht. Und es könnte einen brutalen Leistungsdruck von vielen Menschen nehmen, und sie damit sozusagen befreien. Das mag stimmen. Aber genau so sprechen gewichtige Argumente gegen die Einführung des Bedingungslosen Grundeinkommens, über das es im Juni in der Schweiz eine Volksabstimmung geben wird.

Bedingungsloses Grundeinkommen Schweiz
Protest für ein Bedingungsloses Grundeinkommen in der Schweiz. Foto: Stefan Bohrer / Gemeinfrei

Gute Argumente für ein Bedingungsloses Grundeinkommen

In der Schweiz wird im Juni eine Volksabstimmung stattfinden ob das Thema “Bedingungsloses Grundeinkommen” als “Leitgedanke” in die schweizerische Verfassung aufgenommen wird. Das Thema wird in den nächsten vier Monaten also immer weiter hochkochen. Letzte Woche äußerten sich bei “Spiegel Online” zwei der Initiatoren der Volksabstimmung Philip Kovce und Daniel Häni in einem Interview zu dem Thema. Daniel Häni wird u.a. so zitiert:

“Was ein Mensch unbedingt zum Leben braucht, das sollte er auch bedingungslos bekommen. Als Gesellschaft können wir doch nicht ernsthaft daran denken, ihm das Lebensnotwendige zu verweigern. Das Problem liegt in der Bedingung: “Wer selbst nicht für sich sorgen kann”. Es kann ja spannend sein, Bedingungen gestellt zu bekommen – aber doch nicht, wenn es um die Existenz geht, oder? Dazu wird ein grotesker Arbeitszwang aufrechterhalten, ganz gleich, ob es um sinnvolle Arbeit geht oder nicht. Erwerbsarbeit ist dadurch zu einem Fetisch verkommen.”

Es gibt ein Problem, das wie eine unsichtbare Lawine gerade jetzt beginnt auf die Arbeitswelt in Nordamerika, Europa und Teile Asiens zuzurollen. Die Automatisierung der Dienstleistungswirtschaft hat gerade erst begonnen. Sie war DAS große Thema beim gerade erst zu Ende gegangenen Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Stolz wurden direkt vor Ort die modernsten Roboter präsentiert, die z.B. im Gesundheitssektor viele einfache Tätigkeiten von Menschen ersetzen werden. Damit werden viele Arbeitsplätze überflüssig. Auch viele noch von Menschen durchgeführte Arbeiten in Büros werden durch zunehmende Automatisierung, Prozessoptimierung und den weltweiten Konkurrenzdruck wegrationalisiert. Stand heute ist sich die Gemeinde der Ökonomen in Deutschland einig, dass der hierzulande gerade stattfindende Demographie-Wandel jährlich hunderttausende Arbeitsplätze auf dem deutschen Arbeitsmarkt frei werden lässt, so dass jede Menge Arbeitsplätze zu vergeben sind, jedes Jahr aufs Neue. Was aber ist, wenn die Automatisierung und Digitalisierung in einem schnelleren Tempo Arbeitsplätze auffrisst?

In der Industrie gingen bereits große Zahlen an Arbeitsplätzen verloren, entweder durch Verlagerungen in Billiglohnländer, oder durch die ständige Steigerung der Produktivität (Effizienzsteigerung in den Betrieben). Dies steht wie gesagt dem Dienstleistungssektor in großem Maße jetzt erst bevor, da waren sich die “Denker und Lenker” beim WEF ziemlich einig. Jetzt ist die grundlegende Frage, wie sich eine Gesellschaft grundsätzlich strukturieren will, wenn dauerhaft weniger Arbeitsplätze vorhanden sind als Menschen, die arbeiten können. Dann kann man in der Tat nicht mehr zu Arbeitslosen sagen “Streng dich an, such dir endlich eine Arbeit, sonst wird deine Zahlung gekürzt”. Dann muss sich eine Gesellschaft grundsätzlich überlegen, wie diejenigen vom Sozialstaat getragen werden sollen, für die schlicht und einfach keine Arbeit da ist. Das BGE wäre eine Lösung.

Natürlich gibt es das plumpe Gegenargument, dass man viele Menschen mit dem BGE zur Faulheit einladen oder sogar erziehen würde, aber ich denke man braucht darüber nicht großartig diskutieren, denn man kann nicht in den einzelnen Menschen hineinschauen. Daher wird es unmöglich sein zu wissen, wie viele Menschen sich dann wirklich durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ein schönes faules Leben einrichten würden, und wie viele es als entspannte Basis ansehen würden, um sich endlich frei entfalten zu können. Halten wir uns besser an die ökonomische Sinnhaftigkeit bzw. Machbarkeit eines BGE.

Gute Argumente gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen

Grundsätzlich bleibt immer das Hauptargument im Raum stehen: Geld ohne Gegenleistung gab es noch nie und kann grundsätzlich nicht funktionieren, da der Mensch bisher nie Essen, Kleidung oder Wasser einfach so aus dem Nichts auf dem Tisch stehen hatte.

Konkret: Wenn JEDER Mensch z.B. in der Schweiz ein Bedingungsloses Grundeinkommen erhält, ist dies für den Staat gar nicht finanzierbar. Denn wer ist der Staat? Er ist letztlich nur ein Verwaltungsorgan, der Geld von den Bürgern erhält (Steuern) um damit notwendige Ausgaben zu finanzieren. Wenn aber jeder Bürger das BGE erhalten sollte, egal ob er arbeitet oder nicht, muss das ja vorher erstmal durch Steuereinnahmen in die Staatskasse gespült werden. Noch gar nicht berücksichtigt ist ja, dass auch alle sonstigen Ausgaben noch aus dem Steuerhaushalt bezahlt werden müssen. Wie soll ein Staat das tragen? Möglich wäre das wohl nur durch eine drastische Steuererhöhung gerade für Besserverdienende, die jegliche bisherigen Dimensionen sprengen würde.

Wir hatten uns redaktionsintern bereits kontrovers mit dem Thema “Bedingungsloses Grundeinkommen” auseinandergesetzt mit einem Pro und einem Contra-Artikel. Vor Kurzem war das Thema wieder in Finnland aufgekommen, weil dort Regierungsstellen eine grundsätzliche Prüfung des Themas angehen. Jetzt aber durch die Schweizer Abstimmung wird das Thema mitten in Europa so richtig konkret. Die Initiatoren der Schweizer Volksabstimmung sprechen grundsätzlich von einer monatlichen Summe von 2.500 Franken – nach ihrer Aussage entspräche das 1.500 Euro in Deutschland.

Nehmen wir diese Summen mal als Ansatzpunkt, oder gerne auch etwas weniger. Der Staat müsste jedem Bürger diese Summe zahlen, JEDEM. Ohne Gegenleistung. Hinzu müsste er noch die Gehälter an alle Staatsbediensteten zahlen, dazu noch alle sonstigen normalen Staatsausgaben wie bisher auch. Die Folge: Massive Steuererhöhungen für alle, die arbeiten. Damit die Niedriglohnbezieher finanziell überhaupt noch motiviert sind arbeiten zu gehen statt “nur noch” das BGE zu beziehen, müssten auch ihre Gehälter drastisch angehoben werden. Klingt eigentlich nach einem Argument für ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Aber was bedeutet es, wenn die Gehälter auf breiter Front kräftig steigen? Produkte von Industrieunternehmen werden deutlich teurer, die Produzenten verlieren massiv Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Konkurrenten, und vor allem steigen die inländischen Verbraucherpreise massiv an, weil z.B. die Einzelhändler ihre steigenden Personalkosten an den Kunden weiterreichen. Eine Spirale steigender Gehälter und Preise wäre wahrscheinlich. Verlierer wäre vor allem die Industrie, die am Weltmarkt kräftig an Wettbewerbsfähigkeit verlieren dürfte. Noch mehr einfache Tätigkeiten müsste die Industrie in Billiglohnländer auslagern, um nicht die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Notenbanken drucken doch auch Billionen – es geht doch?

Es gibt gerade in Europa ein zunehmend aufkommendes Argument pro BGE. Die Notenbanken (derzeit die Europäische Zentralbank) drucken doch Geld in Billionengröße, und pumpen es in die Finanzwirtschaft. Also geht es doch, der Mensch kann also vom Staat mit Geld versorgt werden. Auf den ersten Blick mag das stimmen. Die EZB wie andere Notenbanken auch drucken in der Tat Geld aus den Nichts, weil sie als “Verwalter” der jeweiligen Währung (EZB für Euro) das Recht dazu haben. Aber sie entziehen dem Kapitalmarkt dieses Geld auch wieder. Würden sie das Geld einfach so ohne Entziehung den Bürgern schenken, wäre Hyperinflation die Folge. Die Notenbanken kaufen derzeit über ihre QE´s (Anleihekaufprogramme) Anleihen auf und legen diese in ihre Bücher. Die Anleihen laufen Jahre später ganz normal aus und die Notenbank als Inhaber der Anleihen erhält vom Schuldner am Ablauftag den geliehenen Betrag zurück. So wird dem Kapitalmarkt ganz natürlich dieses “Extra-Geld” wieder entzogen. Geschenkt wird hier also nichts. Dass der Kapitalmarkt zunehmen als Drogensüchtiger nach immer neuen Gelddruck-Orgien der Notenbanken schreit, ist ein anderes Thema, aber die QE´s sind eben keine Geldgeschenke der Notenbanken.

Wie geht es weiter?

Für die Schweiz vermute ich, dass sich eine klare Mehrheit gegen ein Bedingungsloses Grundeinkommen aussprechen wird. Wie gesagt, eine reine Vermutung. Warum? Weil ich glaube, dass die meisten Menschen sagen werden, dass eine Gesellschaft, in der die Menschen für Essen, Trinken, Wohnen, Heizen etc nichts erwirtschaften müssen (!), nicht funktionieren kann. Aber wie gesagt, meine persönliche Vermutung, ich kann mich natürlich auch irren.

Und grundsätzlich? Zu wenig Arbeitsplätze für alle arbeitsfähigen Menschen, das Problem kann schneller auf uns zukommen als viele denken. Auf den Demographie-Wandel, der uns jedes Jahr hunderttausende freie Arbeitsplätze beschert, würde ich nicht setzen, denn die “Herde” der Ökonomen liegt mit ihren großen Prognosen gerne mal daneben. Staat und Gesellschaft müssen wohl irgendein neues Modell erfinden, wie die Menschen versorgt werden, für die in Zukunft einfach keine Arbeitsplätze mehr da sein werden. Aber ein Grundeinkommen ohne jegliche Gegenleistung scheint theoretisch schwer oder gar nicht finanzierbar zu sein. Eine Patentlösung habe auch ich noch nicht für dieses Dilemma, aber es liegt ja an der Politik eine Antwort zu finden.


12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Thomas

    1. Februar 2016 12:02 at 12:02

    In Deutschland gibt es doch ein bedingungsloses Grundeinkommen schon. Nur nennt man es hier eben Hartz IV.

    • Avatar

      Emm wie Meikel

      1. Februar 2016 16:36 at 16:36

      Das ist totaler Blödsinn, Hartz IV ist nicht bedingungslos. Die Sozialleistung wird gekürzt oder sogar komplett eingestellt, wenn jemand die strengen Anforderungen nicht erfüllt.

      • Avatar

        Sabine

        2. Februar 2016 07:46 at 07:46

        Das ist ein noch totalerer Blödsinn!
        a) Bei mir wohnt ein Hartz4er. Dem wird so schnell nix gestrichen, und strenge Anforderungen ist auch lächerlich. Im Gegenteil bekommt er Brennholz, zusätzl. zur Heizung, neue Wama …. Und falls er schwächelt, eine Grundzahlung bleibt immer, egal was er macht, oder nicht. Das einzige ist, das man schlecht aus dieser Lage herauskommt, da man sich dran gewöhnt. Sagt er selber!!! Gesetz der Schwerkraft. Ich bring den Müll raus und kümmer mich um die Tonne. Ich mäh rasen, feg die Treppe…. Nach einer 50Std.Woche.
        b) Dieser sozialistische Schwachsinn hat Methode: Die EU gibt uns in der Firma (100.000 Mitarbeiter) mittags Obst, 2x die Woche. “Vitaminprogramm” – “Für eine gesunde Ernährung”. Wir zahlen also Steuern, die BRD schenkt sie der EU, die braucht es für Verwaltungsangestellte, Gesetze-Denker, Beamte, Lügenpresse-Kosten…
        https://koptisch.wordpress.com/2012/12/19/wasser-predigen-und-wein-trinken-verwaltungskosten-der-eu/
        https://buergerstimme.com/Design2/2013/10/die-usa-als-abschreckendes-beispiel-fuer-den-eu-moloch/
        Und dann kauft jemand bei uns Obst, was die Fa. von der Eu zurücküberwiesen bekommt. – – – – – – – – -> Das soll klug sein?
        DDR-Schildbürger sind wir, zu 90% gezwungenermaßen.
        http://www.torgauerzeitung.comDefault.aspx?t=NewsDetailModus%2863330%29

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    FR

    1. Februar 2016 12:25 at 12:25

    Brot & Spiele hat bei den alten Römern nur bedingt funktioniert und so würde auch die heutige Version a`la – Bedingungsloses Grundeinkommen & Facebook – Probleme nur verschleiern statt zu lösen.
    Die Schweizer haben aktuell einen entscheidenden Vorteil: Sie können überhaupt
    noch zu einigen Grundsatzfragen in ihrer Gesellschaft abstimmen – und werden somit gefragt. Damit ist die Schweiz dichter dran als die meisten anderen Länder – an der gerade hierzulande – so gepriesenen “Demokratie” , “Freiheit” usw.
    DAS könnte ein Modell für Europa 2.0 relodet werden?
    Aktuell sind ganz normale Abstimmungen an der Basis, wie in der Schweiz, das absolute Horrorszenario in Brüssel und Berlin.
    Beste Grüße & gute Trades

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    Urs Scheufele

    1. Februar 2016 12:35 at 12:35

    Es gibt keine Leistung ohne Gegenleistung! Niemals, Nirgends und Nirgendwo! Alles hat seinen Preis – IMMER! Wer das nicht begriffen hat, hat das Leben nicht begriffen! In der Regel sind das Sozialisten und Kommunisten in der Roten UND Braunen Variante! Dümmlicherweise glaubt man immer noch, der Rote Sozialismus sei “irgendwie besser” gewesen und der braune Sozialmus “habe ja mit DEM Sozialismus” nichts gemeinsam. Der Preis für die sozialistischen Quatsch-Experimente waren im letzten Jahrhundert mindestens 270 Millionen Tote die im Namen der “sozialistischen Gerechtigkeit” weltweit verrecken mussten.

    Auch das “bedingungslose Grundeinkommen” hat einen Preis. Es stellt sich somit nur die Frage, Wie hoch ist dieser Preis und Wer ist Wie lange bereit diesen Preis zu bezahlen!

  4. Avatar

    leser

    1. Februar 2016 13:30 at 13:30

    Wenn das BGE jeder bekommt, also auch die, die derzeit keine Sozialleistungen beziehen, muss das Steueraufkommen zwangsläufig steigen, um das zu finanzieren, weil der Bedarf steigt. Zumal dann, wenn das BGE auch noch über den HIV-Sätzen liegt. Wer soll diese zusätzlichen Steuern aufbringen? Konsequent wäre eine Maschinensteuer, die zudem den Vorteil hätte, menschliche Arbeit relativ billiger zu machen. Allerdings würde die Maschinensteuer als nationale Lösung zu Wettbewerbsnachteilen führen und wäre als internationale Regelung ein Projekt für den St. Nimmerleinstag.

    Mir persönlich erscheint eine Änderung des Geldsystems (Abschaffung der Zentralbanken und des staatlichen Geldmonopols; freie Wahl des Zahlungsmittels, Verbot von Zinseszins) die bessere Lösung zu sein.

  5. Avatar

    Mr. Jones

    1. Februar 2016 19:02 at 19:02

    Bedingungsloses Grundeinkommen? und jetzt kommt das “Das Problem liegt in der Bedingung” Was für ein Schwachsinn ist das denn, eine Bedingung für ein Bedingungsloses Grundeinkommen?????

  6. Avatar

    olivers_bGE

    1. Februar 2016 19:31 at 19:31

    “Damit die Niedriglohnbezieher finanziell überhaupt noch motiviert sind arbeiten zu gehen statt „nur noch“ das BGE zu beziehen, müssten auch ihre Gehälter drastisch angehoben werden. Klingt eigentlich nach einem Argument für ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Aber was bedeutet es, wenn die Gehälter auf breiter Front kräftig steigen?”

    Klingt auf den ersten Blick logisch. Auf dem zweiten Blick aber auch nicht mehr.
    Nehmen wir doch als Beispiel mal das in Deutschland in den meisten Modellen vorgesehene bedingungslose Grundeinkommen (BGE) von 1.000 Euro im Monat.
    Ein Vollzeitbeschäftigter im Niedriglohnsektor bringt heute rund 1.100 Euro nach Hause.
    Wenn er nun aufgrund des BGE 1.000 Euro einfach so überwiesen bekommt könnte er
    a) aufhören zu arbeiten und hat 100 Euro weniger in der Tasche oder
    b) weiterarbeiten und er hat ein BGE von 1.000 Euro und zusätzlich ein Erwerbseinkommen von 800 Euro (nach Abzug der nun höheren Steuern); in Summe also 1.800 Euro.
    Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, ob er sich für a) oder für b) entscheidet?

    In den Argumentationen wird immer wieder unterschlagen, dass das zusätzliche Einkommen nicht mit dem Grundeinkommen verrechnet wird.

    Voraussichtlich wird das BGE bei rund 40% der Bevölkerung (der unteren Einkommenshälfte) zu einer Steigerung des verfügbaren Einkommens führen. Für die mittleren Einkommen wird sich unterm Strich kaum etwas ändern und die oberen 35-30 % werden weniger haben als vorher.

    Es kann durchaus zu einer leichten Verteuerung des Faktors Arbeit im Niedriglohnbereich bzw. bei Arbeiten, die allgemein nicht so beliebt sind, kommen. Gleichzeitig kann es auch zu niedrigeren Löhnen bei beliebteren Arbeiten kommen.
    Ein steigen der Gehälter auf breiter Front, sehe ich hier nicht.

  7. Avatar

    FR

    1. Februar 2016 19:37 at 19:37

    Hey, Mr. Jones
    Schlecht geschlafen? Wenn ja, mit wem? Über die Inhalte von Artikeln kann und sollen die Leser doch gerne unterschiedlicher Meinung sein. Austausch und Diskusion in alle Richtungen – aber doch bitte immer schön geschmeidig und sachlich. Kurz hingeworfene Agrokommentare gehören eher in die s.g. A – sozialen Medien – nicht hier her. Die Mädels & Jungs dieser Seite machen sich täglich eine Menge Arbeit und – nicht zu letzt mit viel Herzblut und Humor FInanzmarktwelt.de zu einer der ganz wenigen Seiten zum Thema Börse / Trading im deutschsprachigem Netz.
    Nichts für ungut & beste Grüße

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    olivers_bGE

    1. Februar 2016 20:08 at 20:08

    Noch eine Anmerkung:
    “Wenn JEDER Mensch z.B. in der Schweiz ein Bedingungsloses Grundeinkommen erhält, ist dies für den Staat gar nicht finanzierbar. … Wie soll ein Staat das tragen?”

    Machen wir doch einmal eine vereinfachte Rechnung auf:
    In Deutschland bekommt jeder Bürger heute schon eine finanzielle Unterstützung in Form von Sozialleistungen (ALG II), Wohngeld, Elterngeld, Kindergeld, Kinderfreibeträge, Bafög, Grundfreibetrag etc.
    Insgesamt summieren sich diese Leistungen auf rund 300 Mrd. Euro.
    Wenn wir für Deutschland von einem BGE von z.B. 1.000 Euro für jeden Erwachsenen und 500 für Kinder und Jugendliche ausgehen, beträgt der Gesamtaufwand rund 900 Mrd. Euro.
    Die unteren Einkommenschichten haben nun mehr Geld für den Konsum zur Verfügung. Das ist positiv für die Wirtschaft und zusätzlich kommen von den 900 Mrd. Euro, die das BGE kostet, rund 150 Mrd. Euro wieder über die Mehrwertsteuer zurück in den Staatshaushalt.
    Somit ist schon alleine die Hälfte des Gesamtaufwandes refinanziert, ohne irgendetwas am Steuersystem zu ändern.
    Für die restlichen 450 Mrd. Euro gibt es verschiedene Steuerarten, die erhöht (oder wieder eingeführt) werden könnten.

  9. Avatar

    Gallandro

    1. Februar 2016 20:23 at 20:23

    Hallo,
    ich kann nur jedem interessierten die Lektür von Götz Werner und Frau Adrienne Goehler, 1000 Euro für jeden, ans Herz legen. Dort wird das ganze Thema sehr sachlich zerlegt und auf seine Machbarkeit unter die Lupe genommen. Fazit: Es ist finanzierbar, sogar ohne Steuererhöhungen. Jetzt muss es nur noch gewollt sein, und da denke ich, liegt das Problem….

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    Jörg

    1. Februar 2016 21:12 at 21:12

    Ein “bedingungsloses Grundeinkommen” zu fordern, reicht nicht. Denn das Problem muß grundsätzlich angefaßt werden.
    Gegen ein “bedingungsloses Grundeinkommen” hätte ich nichts. Aber ein solches löste doch keines der Probleme, die dafür verantwortlich sind, daß unsere Bürger wegen des Liberalismus und wegen der fortschreitenden Automation verarmen und arbeitslos werden – oder schon sind.

    Bei der Kernfrage: “Welche Staatswirtschaft?” muß angesetzt werden, wenn wir verhindern wollen, daß die Bürger durch den technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt verarmen. Und wenn wir wollen, daß die Bürger statt dessen durch den technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt wohlhabend werden und sich immer früher – statt wie heute: immer später – in den wohldotierten Altersruhestand begeben können.

    Hier mein Vorschlag (pdf-Datei): http://www.imagenetz.de/fc006578c/Welche-Staatswirtschaft_2.2.pdf.html .

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Jason Furman über die Krise und wie sie Trump die Wiederwahl ermöglicht

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Jason Furman, ein Top-Ökonom und ehemaliges Mitglied der Obama-Regierung und jetzt Professor in Harvard, sprach Anfang April über die aktuelle Krise und über die Auswirkungen auf die kommende Präsidentschaftswahl: Furman geht davon aus, dass die Krise Trump die Chance bieten könnte, mit den explosivsten monatlichen Beschäftigungszahlen und dem explosivsten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts aller Zeiten zu prahlen. Die USA befand sich zu diesem Zeitpunkt am Beginn des desaströsen wirtschaftlichen Absturzes ungekannten Ausmaßes. Die Wirtschaft war gerade erst stillgelegt worden, die Arbeitslosigkeit schnellte in die Höhe und einige Ökonomen und Experten sagten eine Ära voraus, die schlimmer sei als die Große Depression. Das wirtschaftliche Desaster schien die Chancen von Präsident Donald Trump auf eine Wiederwahl wahrscheinlich zunichte zu machen.

Seine Rede begann der ehemalige hochrangige Wirtschaftsberater Obamas mit den folgenden Worten: “Wir stehen kurz davor, die besten Wirtschaftsdaten zu sehen, die wir in der Geschichte dieses Landes je gesehen haben”. Viele verblüffte und verwirrte Gesichter haben ihn über die zugeschalteten Online-Konferenz angeschaut.

Furman’s Argumente für eine Wirtschaftserholung und die Trump Wahl

Ein Argument ist, dass der wirtschaftliche Zusammenbruch durch die Pandemie, sich stark von der Großen Depression oder der Großen Rezession unterscheidet. Da beide eine langsame und zermürbende Erholung verzeichneten. Die Corona-Krise sei im Gegensatz dazu eine Turbokrise – also eine Krise die unerwartet und schnell aufgetreten ist, aber einen genauso schnellen Wiederaufschwung vollzieht. Denn die Menschen kehren zügig wieder an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurück und die Unternehmen erhöhen ihre Tätigkeit.

Nach seiner Ansicht gibt es so viele Arbeitslose und geschlossene Unternehmen, die nach dem Lockdown rasch zurückkehren. „Es wird sprunghaft passieren und wie ein V aussehen“, so seine Einschätzung. Die Wirtschaftsberater des Weißen Hauses teilen diese Meinung und sagen bereits ein explosives drittes Quartal voraus. Auf das schwächste zweite Quartal, soll dann das stärkste Quartal der Geschichte folgen. Der Berater von Trump Larry Kudlow – der Leiter des National Economic Council im Weißen Haus – hat dazu gesagt: “Q3 könnte das beste BIP-Quartal seit den regulären Daten sein. Die zweite Hälfte des Jahres wird ein sehr großes Wachstum aufweisen, das 2021 auf 4% oder mehr ansteigen wird.“

Damit sein Szenario eintritt, setzt Furman aber voraus, dass es keine 2. Virus-Welle gibt. Sollte diese eintreten, dann hätte das schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft, ein zweiter Lockdown wäre kaum zu verkraften. Ausgenommen von der möglichen schnellen Erholung in Q3 und Q4, sieht er die langfristige Bewältigung der Lage weiterhin als große Aufgabe an. Auch in „absoluten Zahlen“ werden die November-Daten weiterhin schrecklich aussehen – aber eben relativ zu den Tiefen des April eine deutliche Erholung anzeigen.

Fazit:

Furman betont aber auch, dass ein kurzfristiger Rebound nicht bedeutet, dass Trump viele grundlegende Probleme gelöst hat. Seit Beginn der Krise sind viele Arbeitgeber bankrottgegangen. Andere haben die Pandemie zum Personalabbau genutzt. Konsum und Reisen werden wahrscheinlich niedriger bleiben. Millionen von Menschen in Branchen wie Gastgewerbe und Tourismus werden neue Arbeitsplätze in neuen Industrien finden müssen. Dieses Szenario bleibt ein großes langfristiges Problem. Doch vorher könnte Trump von der Erholung im dritten Quartal profitieren. Er kann sich als Krisenmanager darstellen und auf die „eventuelle positive“ Entwicklung der Wirtschaftsdaten verweisen. Man muss dabei aber bedenken, dass die zukünftigen Quartale mit den katastrophalen Daten aus der Coronakrise und des daraus entstandenen weltweiten Lockdowns verglichen werden. Es ist leicht, daraus positive Entwicklungen aufzuzeigen. Aber die Frage ob und wie schnell es möglich ist die vorherigen Niveaus wieder zu erreichen, bleibt weiter offen.

Hier geht es zum vollständigen Artikel.

Furman über die Krise und die Wiederwahl von Trump

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Aktuell: Trump mit Aussagen zu China – Märkte reagieren

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Donald Trump hat sich heute richtig lange Zeit gelassen. Vor wenigen Minuten hat er nun endlich verkündet, wie die US-Regierung auf das neue chinesische Sicherheitsgesetz für Hongkong reagieren will. Pustekuchen, so kann man es ausdrücken! Trump spricht von einem Land und einem System. Er werde Maßnahmen ergreifen, um die Sonderbehandlung (den Sonderstatus) für Hongkong abzuschaffen. Also für Hongkong-Exporte Richtung USA nun die selben Zölle wie für Importe aus Festland-China?

Die “Phase 1” des Handelsdeals zwischen China und den USA bleibt wohl bestehen, denn kein Wort hat Trump über einen Ausstieg aus diesem Deal verloren. Auch sonst keine Sanktionen oder neue Zölle gegen China. Der große Knall ist ausgeblieben. Der WTI-Ölpreis reagiert mit einem Anstieg von mehr als 1 Dollar auf 35,20 Dollar. Der Goldpreis verliert 4 Dollar auf 1.730 Dollar. Deutlich reagiert der Aktienmarkt. Der Dow 30 auf CFD-Basis legt 250 Punkte zu. Auch Markus Koch meldet sich aktuell zu Wort zu den Aussagen von Donald Trump. Hier sein ganz aktuelles Video.

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EZB-Geldmenge wächst spürbar – und die Kreditvergabe? US-Sparquote explodiert!

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Die EZB hat heute ihre Daten zum Wachstum der Geldmenge für den Monat April bekanntgegeben. Dies ist derzeit ja besonders interessant aufgrund der gigantischen Gelddruck-Orgien der Notenbanken, um die Coronakrise mit Geld zuzuschmeißen. Kurz vorab: Die Geldmenge “M3” ist laut offizieller Definition der Bundesbank das “weit gefasste Geldmengenaggregat” des Eurosystems, und umfasst neben der Geldmenge M2 auch Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile und Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Die Geldmenge M3 ist ein wichtiger Indikator für die monetäre Analyse, die den geldpolitischen Entscheidungen des Eurosystems zugrunde liegt, so die Erläuterung der Bundesbank.

Die heutigen Daten der EZB zur Geldmenge M3 zeigen für die Eurozone ein Wachstum im Jahresvergleich um 8,3 Prozent auf 13,64 Billionen Euro. Die Geldmenge M1 steigt um 11,9 Prozent auf 9,51 Billionen Euro. Sie zeigt den Bargeldumlauf außerhalb des Bankensystems und täglich fällige Einlagen von Nichtbanken bei Monetären Finanzinstituten in der Eurozone. Und, kommt diese monströse Geldschwemme da an, wo sie hin soll? Im April stieg das Volumen der Kredite an Haushalte im Jahresvergleich um 3 Prozent. Kredite an Unternehmen (ohne Finanzbranche) stiegen um 6,6 Prozent. Hier sehen wir die Entwicklung der Geldmenge M3 als Chart im Verlauf der letzten 25 Jahre:


source: tradingeconomics.com

Hier das Datenblatt der EZB aus der heutigen Veröffentlichung:

Geldmenge M3 Daten der EZB von heute

Sparquote in den USA

Die Sparquote in den USA ist im April auf ein Rekordhoch explodiert! In der totalen Krise entdeckt der Amerikaner (derjenige, der überhaupt Geld übrig hat) den Europäer in sich? Nicht mehr konsumieren wie ein Wahnsinniger, sondern erstmal Geld auf die hohe Kante packen, für den Fall dass alles noch viel schlimmer kommt? Die staatlichen Statistiker der Behörde “Bureau of Economic Analysis” (BEA) haben vor wenigen Minuten bekanntgegeben, dass die Sparquote der Amerikaner (von 12,7 Prozent im März) im April auf sagenhafte 33 Prozent gestiegen ist. Das ist der höchste jemals gemessene Wert seit 1960, wo man mit der Erfassung dieses Parameters begonnen hatte. Mit der Sparquote wird angezeigt, welchen Prozentsatz des verfügbaren Einkommens die Bürger bei Seite legen.

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