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Bei weiterer Eskalation des Handelsstreits – Rezession ante portas?

Die Börsen fangen an es einzupreisen, die politisch Beteiligten pokern weiter im Handelsstreit – das Szenario einer Rezession nimmt Formen an

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Börsen fangen an es einzupreisen, die politisch Beteiligten pokern weiter im Handelsstreit – das Szenario einer Rezession nimmt Formen an.

 

Die Wirkungen von Zöllen und Gegenzöllen, Handelssanktionen

Am 1. Juni kommt es zur nächsten Stufe im Handelsstreit zwischen den USA und China. Die Chinesen antworten ihrerseits mit Gegenzöllen auf die Anhebung der US-Zölle von 10 auf 25 Prozent (Umfang 200 Milliarden). Beide Seiten glauben noch immer daran, dass die Gegenseite mehr zu verlieren habe und nachgeben müsse, ein fataler Glaube, der von Tag zu Tag größere Schäden in der Weltwirtschaft anrichtet. Nicht zu vergessen von den kursierenden 831 Dollar an Zusatzkosten pro amerikanischem Haushalt in einem Jahr, die es bereits jetzt kosten wird. Aber interessant ist, wie chinesische Medien den Handelskonflikt ganz nüchtern in globalen Dimensionen einschätzen.

Hier ein paar interessante Statements aus chinesischen Medien:

  • Im Gegensatz zu den Handelsstreitigkeiten in den 1990-ern mit der Clinton-Administration, als man China noch als Handelspartner betrachtete, sieht man das Land jetzt als Rivale, den es im Aufstieg auf allen Gebieten der Hightech-Industrie zu bremsen gilt.
  • Für die USA gelten schon seit dem 27. Februar 2018 die Regeln der WTO nicht mehr, seit man den Bericht des US-Handelsministeriums dem US-Kongress zuleitete: „America First: the President Trade Policy Agenda 2018″; darin enthalten, dass das globale Handelssystem sich gegen die US-Interessen richte und man sich nicht mehr daran halten wolle.
  • Die US-Verhandler in den 1990-ern waren Profis, während sich in den jetzigen Verhandlungsteams Halbprofis tummeln, die nicht einmal wissen, dass die Zölle durch die Importeure zu bezahlen sind und dass diese sowohl die US-als auch die Weltkonjunktur stark beschädigen werden (starker Tobak).
  • Auch wenn die Regierungen auf beiden Seiten die Folgen des Streits mit flankierenden Maßnahmen abfedern wollen, gibt es zwangsläufige negative Folgen:
  • Die Zölle senken die Profitabilität von US-Firmen, bewirken höhere Preise für Verbraucher und bremsen den Konsum.
  • Die Zölle werden auf heimische und globale Lieferketten- und ströme überschwappen.
  • Auf mittlerer Sicht verursachen die Maßnahmen für die „Multi-Nationals“ höhere Kosten, weil sie neue Handelsketten aufbauen müssen.
  • Das Vertrauen der großen Konzerne wird stark beeinträchtigt, diese werden ihr Kapital für Investitionen zurückhalten mit Auswirkungen auf die globale Nachfrage.
  • Besonders die Maßnahmen gegenüber Huawei, die in 170 Ländern präsent sind, werden durch die zahllosen Verknüpfungen eine Kaskade an Folgewirkungen auslösen.

 

Der Absturz amerikanischer Chipwerte in den letzten Wochen ist ein Fingerzeig für diese These. Zusätzlich stellte man die Frage, ob eine „dovishe“ Geldpolitik auf beiden Seiten die wirtschaftlichen Schäden dieses Konflikts abmildern kann? Das Problem dabei sei, dass diese Notmaßnahmen erst im Nachgang erfolgen und die Störungen schon um sich gegriffen haben. Die möglichen Folgen des Handelsstreits beschreibt man in drei Szenarios.

  • Bei einem temporären Konflikt, in dem es in den nächsten vier Wochen eine Lösung gibt (G20-Gipfel), könnte die Weltwirtschaft zum Ende des Jahres wieder auf ihren Wachstumskurs von 3,5 Prozent zurückkehren. Flankiert von den laufenden geldpolitischen Erleichterungen (1,75% vom chinesischen BIP) und einer stillhaltenden Fed.
  • Bei einer ausgedehnten Eskalation mit Beibehaltung der 25%-Zölle auf die 200 Milliarden Einführen, über die nächsten drei oder vier Monate, würde das globale Wachstum bereits spürbar leiden. Unternehmen und Verbraucher würden sich zunehmend zurückhalten mit steigender Sparneigung. Die Fed könnte dies mit einer Zinssenkung im dritten Quartal um 0,5 Prozent versuchen abzufedern, genauso wie die chinesische Administration mit fiskalischen Maßnahmen von 2,25% zum BIP. Das Weltwirtschaftswachstum sollte sich aber dennoch auf 2,7 Prozent reduzieren.
  • Im dritten Fall „No Deal“ und der Implementierung von 25% Zöllen auf die restlichen 325 Milliarden Dollar, wäre der Weg in eine Rezession nach Ansicht der Chinesen wohl unausweichlich. Dies ist bereits dann der Fall, wenn die Weltwirtschaft unter die globale Wachstumsschwelle von 2,5 Prozent fällt, trotz der finanzpolitischen Gegenmaßnahmen. Zum Vergleich: In den Jahren von 2010 bis 2018 wuchs die Weltwirtschaft in Raten zwischen 3,2 und 5,4 Prozent. Die Fed würde die Zinsen im Verlauf des nächstens Jahres in Richtung bisheriger Tiefststände senken.

Eine interessante Darstellung der Situation im Handelskrieg zwischen den USA und China und möglichen Szenarien.

 

Mein Fazit

Eine Entscheidung über eine Eskalation oder zumindest eine Abschwächung im Handelsstreit wird sich bereits bis Ende Juni ergeben. Jedoch könnten die US-Börsen, bereits vorher, nach weiteren Abgaben den US-Präsidenten in helle Panik versetzen – vergessen wir nicht, dass es für Donald Trump noch etwas Wichtigeres gibt, als den Handelskrieg – nämlich seine Wiederwahl. Jedenfalls läuft in diesem Monat die Frist ab, die sich die US-Regierung gesetzt hat, um eine Entscheidung für weitere Zölle auf die restlichen 325 Milliarden Dollar Chinaeinfuhren herbeizuführen.

Ich habe es schon öfters formuliert, dass dies der Sargnagel für den Konjunkturaufschwung wäre. Klar treiben derzeit die US-Rentenmärkte die Federal Reserve vor sich her und fordern eine Zinssenkung. Aber ob der Fed-Put oder der Trump-Put dann noch rechtzeitig kommen wird, um das Rezessionsgespenst abzuwenden, bleibt sehr fraglich.

Nach meiner Wahrnehmung wird der Juni zum bisher spannendsten Börsenmonat des Jahres. Eine Entscheidung muss kommen und diese sollte größere Börse-Folgen nach sich ziehen, als Europawahl, Italien oder Brexit.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    31. Mai 2019 10:51 at 10:51

    Gefühlt jahrelang haben wir jedes Jahr mehrmals den nun spannendsten und endlich entscheidensten Börsenmonat vor uns, wegen irgendeines Gipfels, Austritts oder einer Pseudoschuldenstaatspleite. Jedesmal kann ichs kaum erwarten, ist wie Weihnachten und dann passiert wieder nichts, gar nichts, alles seitwärts wie gehabt, selbst Gold bleibt eingemauert bei12irgendwas.
    Politische Börsen halt, langweilig, nix zum einsteigen, nix zum aussteigen, zum vergessen.

  2. Avatar

    Goldsammler

    31. Mai 2019 11:05 at 11:05

    Servus, zu eurer Info, der neue Report von Hr. Stöferle ist da.

  3. Pingback: The topic of rare earths on everyones mind - the new escalation stage in the trade dispute? | finance market news

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