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Belgien und US-Staatsanleihen – was läuft da?

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Wir hatten kürzlich über die merkwürdige Tatsache berichtet, dass Belgien innerhalb kürzester Zeit zum drittgrößten Halter von US-Staatsanleihen aufgestiegen ist. Laut Statistik des U.S. Department Of The Treasury besitzt Belgien nun US-Staatsanleihen im Wert von mehr als 300 Milliarden US-Dollar – eine Steigerung von fast 300% im Vergleich zum November 2013. Zum Vergleich: Belgiens BIP im Jahre 2013 betrug 100 Milliarden US-Dollar!

Was steckt hinter dieser enormen Zunahme? Zerohedge.com hatte vermutet, dass Belgien gewissermaßen als Bilanzposten fungiere, auf den man Posten verschiebe – um zu verschleiern, dass große Anleihegläubiger wie Russland, vor allem aber China in großem Maßstab US-Staatsanleihen verkauft hätten.

Ein nachvollziehbares Motiv: die USA sind abhängig davon, dass Ausländer die enormen Defizite des Landes finanzieren, und wenn nun aufgrund der Russland-Krise sich immer klarer eine strategische Achse zwischen China und Russland abzeichnet, könnte ein Käuferstreik etwa durch China gravierende Auswirkungen auf die USA haben. China als größter Halter von US-Schulden (knapp vor Japan) besitzt US-Staatsanleihen im Gegenwert von knapp 1,3 Billionen Dollar. Die Staatsschulden sind also die Achillesverse der USA, und von daher lässt sich durchaus eine politische Motivation vermuten, dass die USA der Welt möglicherweise die realen Daten vorenthalten. Und Belgien so gewissermaßen als Bilanzposten missbrauchen, um die eigene Verwundbarkeit zu kaschieren.

Dann aber folgte durch einen Lesers unseres Artikels “Das belgische Wunder und US-Staatsanleihen” der Hinweis, dass sich bei der seltsamen Zunahme der Käufe Belgiens um das Unternehmen Euroclear handele.

Euroclear ist ein in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannter Gigant an den Finanzmärkten. Das Geschäftsmodell: Abwicklung von Wertpapier-Transaktionen, Verwaltung hinterlegter Sicherheiten und die Verwahrung von Wertpapieren. Zu den Kunden Eurclears zählen alle, die im Finanzsektor Rang und Namen haben: Großbanken wie die Deutsche Bank, Goldman Sachs etc., aber auch Zentralbanken. Das Unternehmen wickelte alleine im Jahre 2013 Transaktionen im Wert von 573 Milliarden Euro ab – das ist mehr als das Fünffache des BIP Belgiens.

Um dem Hinweis nachzugehen, riefen wir bei der Pressestelle von Euroclear an und bekamen folgende Auskünfte: Das Unternehmen fungiere als Mittler zwischen Käufern und Verkäufern (z.B. bei US-Staatsanleihen), stelle also gewissermaßen die Infrastruktur für die Abwicklung dieser Käufe bereit. Man sei wie in einem Haushalt gewissermaßen das Rohrleitungssystem, durch das das Wasser laufe, bevor es aus dem Wasserhahn komme.

Das bedeutet aber auch: Nicht Euroclear selbst ist der Käufer, sondern eben nur der Mittler. Und deswegen würden Käufe von Staatsanleihen, die Euoclear vermittelt, eben nicht beim US Treasury Department unter “Belgien” verbucht! Auf unsere Frage, wer denn dann die belgischen Käufer seien, gab man uns die Auskunft, dass die belgische Zentralbank aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in Frage komme (“Sie können dort gerne anrufen, aber wir glauben nicht, dass man Ihnen dort darüber Auskunft geben wird!”). Möglich sei, dass es sich um Banken aus der Eurozone handle, die die Käufe über belgische Entitäten abwickelten, also Banken wie die Deutsche Bank, die über ihren Sitz in London eine belgische Tochtergesellschaft mit dem Kauf von US-Staatsanleihen beauftragt. Man wolle darüber aber nicht spekulieren, jedenfalls seien die von den USA gemeldeten Werte durchaus auffällig.

Fakt ist also: Euroclear, ein echter Gigant am Markt, ist nicht die Ursache der auffälligen Werte, die die USA in Bezug auf die ausländischen Halter von US-Staatsanleihen gemeldet haben. Entweder sind es große Player am Markt, die in einer konzertierten Aktion zur Auffassung gelangt sind, dass ihr Geld nun am besten in US-Staatsanleihen aufgehoben sei. Oder es ist doch so, wie zerohedge.com vermutet hatte, dass die Amerikaner Bilanztricks anwenden, um eine für sie sehr unangenehme Wahrheit vor dem Ausland zu kaschieren..

 

 

 

 

14 Kommentare

14 Comments

  1. Avatar

    Argonautiker

    24. März 2014 15:17 at 15:17

    Ja für ein Land was selbst über 100% verschuldet ist, ist das schon mehr als suspekt sich Staatsanleihen der USA in dieser Höhe aufzuhalsen. Deal?

    Gruß aus Bremen

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    sokrates

    24. März 2014 17:42 at 17:42

    Belgien hatte 2011 ein BIP (nominal) von etwas mehr als 500 Mia. USD !!

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    Torsten

    24. März 2014 20:08 at 20:08

    Ist doch klar was dar läuft – Die FED tapert Short !

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    Der Fred

    24. März 2014 20:16 at 20:16

    Wenn all diese irrwitzigen Luftnummern und Blasen platzen, dann gute Nacht Okzident. Den erforderlichen Druck auf diese Blasen, um sie vor dem Kollabieren zu bewahren, konnten die USA und die EU bisweilen noch per Expansionsdruck (gerne auch als Wachstum beschrieben) und imperialistischem Großkotztum und mit dem Tod Hunderttausender erkaufen und aufrecht erhalten.

    Diesen Zahn hat ihnen die Russische Förderation unter der weitsichtigen und seiner Nation verpflichteten Führung des Russischen Präsidenten, Herrn Putin, nun gezogen.

    Die BRICS-Staaten arbeiten schon lange an der neuen Weltleitwährung, um sich vor dem wirtschaftlichen Showdown zu schützen, der da unaufhaltsam auf “den Westen” zurollt wie ein Tsunami.

    Vielleicht werden die Geschichtsbücher in der Zukunft über die Krim erzählen als den Ort, in dem die Welt neu aufgestellt wurde wie einstweil in Breton Woods.

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    Wagner

    25. März 2014 11:53 at 11:53

    na gut, euroclear wickelt die geschäfte nur ab. dahinter stehen käufer, große banken, fonds, vielleicht sogar zentralbanken oder gar die ezb. und da die europäischen banken ja bekanntermaßen solide bilanzen haben, paßt da noch tonnenweise us-geldschrott hinein…
    kurzfristiges szenario: die usa verschleiern damit o.g. gegebenheiten, daß großgläubiger (rußland, china, ggf. bric) us-staatsanleihen abstoßen
    langfristiges szenario: wenn die europäischen banken dann noch so richtig mit us-schrott “überladen” sind und wackeln, haften die eurpäischen steuerzahler mal wieder, z.b. mit 30%, 50% oder 99% ihrer einlagen
    ALSO: wie wir deutsche – oder wie wir europäer – für die schulden der usa haften und letztendlich verarmen – DAS IST DIE STRATEGIE

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      Torsten

      25. März 2014 13:23 at 13:23

      Glaube eher offiziell werden die FED Anleihenkäufe zurückgenommen/ tatsächlich werden die Anleienkäufe aber ausgeweitet. Alles andere würde ja bedeuten das der US Doller ,auf `Umwegen`, unter den EFSM begibt noch bevor selbiger offiziell zum WFSM… Die Warscheinlichkeit das der Dollar den Euro gleich mitreisst wächst dramatisch – und die EU könnte, egal was passiert,in Sachen Ukraine keine EU-Notaufname darstellen.Am Ende `müsste`nichtmal gegen den Euro spekuliert werden – es würde sich alles von alleine `zerlegen`.

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    ungefragt

    25. März 2014 14:39 at 14:39

    Ich habe 2 Varianten im Angebot.

    Variante 1: Obama tourt gerade durch die Welt und fordert Stützungskäufe für die US-Staatsanleihen, um zu verschleihern, dass gerade das Vertrauen in die VSA den Bach runter geht.

    Variante 2: Wie im Fall von Zypern, wissen die europäischen Großbanken über das geplante Abwicklungsszenario Bescheid und bringen Ihr Geld in Sicherheit.

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finanztreff

Beste aller Welten eingepreist! Videoausblick

Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten – kein Risiko, nirgends..

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Wie zuletzt im Januar und September 2018 glauben die Aktienmärkte, sie lebten in der Besten aller Welten: die Fed werde ihnen nicht mehr weh tun, es werde einen tragfähigen Deal zwischen den USA und China geben, dazu auch eine Lösung im US-Budgetstreit (heute muß sich Trump entscheiden, ob er den Kompromißvorschlag annimmt oder nicht). Gleichzeitig sind die US-Indizes so überkauft wie seit Ende 2016 nicht mehr (als damals nach einem ersten Schock über die Wahl Trumps eine massive Rally eingesetzt hatte). All das kann noch extremer werden – aber die Vergangenheit lehrt: lange geht so eine Vertrauensseligkeit nicht gut. Der Dax hinkt den US-Märkten weiter hinterher..

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Dax: Bullenpower sieht anders aus..

Über das radikale Auseinanderdriften der globalen Aktienmärkte..

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

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Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als “Tribalisierung” (Rückbesinnung auf den eigenen “Stamm”) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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